Kreis Wittmund akzeptiert Jagdverbot aus ethischen Gründen

Fasan Der Grundeigentümer konnte glaubhaft darlegen, dass er gegen die Jag ist. Das will der Jagdverband so nicht akzeptieren.
Bild: DJV
Der niedersächsische Landkreis Wittmund hat erstmals auf einer Fläche von 8 ha die Jagd untersagt. Der Eigentümer will aus ethischen Gründen die Jagd nicht länger hinnehmen. Er stellte bei dem zuständigen Landkreis einen entsprechenden Antrag, berichtet Rechtsanwalt Dr. Christoph von Katte in der Havelberger Volksstimme.
 
Möglich macht das die Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte vom 26. Juni 2012. Der hatte bekanntlich festgestellt, dass die Verpflichtung eines Grundeigentümers, trotz entgegenstehender ethischer Bedenken die Jagd dulden zu müssen, gegen die Europäischen Menschenrechtskonvention verstößt.
 
Flächeneigentümer mit weniger als 75 ha sind automatisch Mitglied einer Jagdgenossenschaft und müssen die Bejagung auf ihrem Grund und Boden dulden. Der Antragsteller aus dem Kreis Wittmund beruft sich nun aber auf das „Gesetz zur Änderung jagdrechtlicher Vorschriften“ vom 29. Mai 2013. Danach ist zur Beendigung der Pflichtmitgliedschaft in einer Jagdgenossenschaft ein Antrag des Grundeigentümers erforderlich. Er muss seine ethischen Gründe zur Ablehnung der Jagd glaubhaft machen. Ethische Gründe liegen nicht vor, wenn der Antragsteller die Jagd selber ausübt, er einen Jagdschein beantragt hat oder er die Jagd auf einem anderen seiner Grundstücke erlaubt.
 
Der Verband der Jagdgenossenschaft und Eigenjagden Niedersachsen hat nun gegen die Entscheidung des Kreises Klage vor dem Verwaltungsgericht Oldenburg eingereicht. Der Verband ist der Meinung, dass der Antragsteller „objektive Umstände“ nachweisen müsse. Er habe das Vorliegen einer ernsthaften und echten Gewissensentscheidung nachvollziehbar darzulegen. Diesen Nachweis habe der Antragsteller nicht glaubhaft erbringen können, berichtet Dr. von Katte.

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2 Leserkommentare Kommentieren

  1. von Werner Hirsch · 1.
    Eigentum als 2 höchstes Rechtsgut

    Grundsätzlich sollte es jedem Grundstückseigentümer freigestellt sein auf seiner Fläche zu erlauben und verbieten was er will. Die Zwangsmitgliedschaft in Genossen ist grundfalsch. Wenn jemand Wildtiere in einer Kulturlandschaft halten will, dann soll er sich ein entsprechend großes Stück Land kaufen und dort seine Tiere halten. Prinzipiell braucht kein Mensch die künstlich überhöhten Populationen an wild. mfg

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  2. von Gerhard Steffek · 2.
    Grundsatzfrage?

    will er dem Wolf und anderen Carnivoren dann auch das Jagen auf seinem Grundstück verbieten? Will er vielleicht aus seinem Grundstück ein "Asylantenheim" für all die "armen verfolgten" Grasfresser machen? Soll man das Jadgverbot aus "ethischen Gründen" ansehen? Hier wird ein Begriff und eine allgemeingültige Vorstellung wohl doch eher aus falsch verstandener Weltanschauung (was eigentlich auch Ethik beinhaltet) mißbraucht. Hier kann ich jedem nur raten sich nur mal den Begriff Ethik in Wikipedia durchzulesen. Hier wird dann deutlich, dass dieser Begriff dann viel zu oft mißbraucht wird. Dem "Jagdverweigerer" sei auch noch gesagt, dass die Natur keine Ethik kennt, sondern in erster Linie das Recht des Stärkeren, Schnellerem, Klügerem. Dadurch entstand Evolution, Entwicklung, die uns zu dem gemacht hat was wir heute sind. Wodurch wir glücklicherweise auch über Ethik diskutieren können. Aber man sollte die Kirche im Dorf lassen.

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