Kritik an Klöckners Amt als Bierbotschafterin

Martin Rücker Martin Rücker ist seit April 2017 Geschäftsführer von foodwatch Deutschland. Zuvor leitete der gelernte Journalist die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Organisation.
Bild: foodwatch

Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner ist zugleich „Botschafterin des Bieres“ im Auftrag des Deutschen Brauerbundes. Eine „gefährliche Nähe zwischen Politik und Wirtschaft, die Verbraucherinteressen schadet“, findet Martin Rücker, Geschäftsführer von Foodwatch Deutschland. Er wundert sich, dass sich niemand darüber aufregt, sei die Ministerin doch für die Regulierung der Brauereibranche zuständig.

Wie Rücker in einem Kommentar schreibt, handele Klöckner hier nicht neutral, sondern betreibe gänzlich undiplomatisch Lobbyarbeit. Die Politikerin sei jetzt für ein Jahr lang so etwas wie das „Werbemaskottchen der Bierindustrie“. Damit sei nicht zu erwarten, dass es unter ihrer Regierung eine präzisere Kennzeichnung „alkoholfreier Biere“ oder Maßnahmen gegen Glyphosat in Bier geben wird.

Laut Rücker habe das Amt jedoch schon Tradition, so waren auch die früheren Agrarminister Christian Schmidt und Ilse Aigner Bierbotschafter des Verbandes, den der frühere BMEL-Pressesprecher Holger Eichele führt. „Offenbar ist eine Gewöhnung eingetreten an die unverhohlene Nähe zwischen Abgeordneten oder Ministern auf der einen, Unternehmen und Wirtschaftsverbänden auf der anderen Seite. Minister agieren nicht nur im Interesse der Konzerne – sie lassen sich auch noch ganz offiziell und öffentlich ernennen“, ärgert sich der Foodwatch-Geschäftsführer weiter.

Er meint, dass es nur wenige Bereiche gibt, in denen Politik und Wirtschaft so eng verflochten sind wie im Landwirtschafts- und Ernährungssektor. Beispielhaft erwähnt der Verbraucherschützer in seinem Kommentar Agrarpolitiker, die vor oder nach ihrer Amtszeit bei Pflanzenschutzfirmen oder der Zuckerindustrie gearbeitet haben.

Ohnehin seien zahlreiche Abgeordnete im zuständigen Bundestagsausschuss neben ihrem Mandat hauptberuflich Landwirte und oft auch gleich noch Bauernverbandsfunktionäre. „Sie lobbyieren für ihre eigenen Interessen und stimmen dann auch noch darüber ab“, prangert Rücker an.

Hintergrund: Klöckner neue „Botschafterin des Bieres“

Julia Klöckner Julia Klöckner
Bild: www.brauer-bund.de
Auf dem Deutschen Brauertag im Juni in Berlin wurde Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner von den deutschen Brauern mit dem Ehrentitel ausgezeichnet. Der bisherige Botschafter, Ministerpräsident Winfried Kretschmann, übergab das Amt vor 500 Gästen in der Landesvertretung Baden-Württembergs an seine Nachfolgerin.

Klöckner sagte mit Blick auf die Auszeichnung: „Es ist ja kein Geheimnis, dass ich mich als Rheinland-Pfälzerin dem Wein besonders verbunden fühle. Doch wenn es irgendwo in der Welt um gutes Bier geht, fällt ganz schnell das Wort Deutschland. Auch deswegen ist es mir eine große Ehre, neue Botschafterin unseres deutschen Bieres zu sein. Bierbrauen ist ehrliches Handwerk und trägt zur Kulturpflege bei. Maßvoll konsumiert steht Bier für Lebensfreude und Genuss. Es ist Teil der deutschen Tradition. Ich persönlich verbinde Bier mit neuen Begegnungen, alten Freunden und gemeinsamen Erinnerungen. Bier ist außerdem ein wichtiges Produkt für die Landwirtschaft. Die Gersten-, Weizen- und Hopfenfelder prägen unsere Kulturlandschaft seit Jahrhunderten. Mehr als 1.500 deutsche Brauereien sind gerade für den ländlichen Raum wichtig. Sie tragen zum Erhalt tausender Arbeitsplätze bei. Ich freue mich auf dieses Amt.“ 

„Julia Klöckner ist der Landwirtschaft seit jeher verbunden“, sagte der Präsident des Deutschen Brauer-Bundes, Dr. Jörg Lehmann. Aufgewachsen in einer Winzerfamilie in Rheinland-Pfalz, habe Klöckner sich seit Beginn ihrer beruflichen Laufbahn mit großem Engagement den Themen Umwelt, Landwirtschaft und Regionalität gewidmet. „Der Schutz unserer natürlichen Ressourcen und der Erhalt der Vielfalt – das ist Winzern wie Brauern wichtig und sollte auch künftig ein zentrales Anliegen der Politik bleiben“, sagte Lehmann. Er würdigte überdies den Einsatz Klöckners für Mittelstand und Handwerk, die eine tragende Säule der Wirtschaft seien.

Lesen Sie mehr

3 Leserkommentare Kommentieren

  1. von Gerhard Steffek · 1.
    @Wilhelm Grimm -

    Das Bier nur das Geplänkel ist stimmt. Denn wenn man es realistisch betrachtet ist es ja eine perfide Schweinerei, hier dem Landwirt die Schuld zu geben für ein "versautes" Endprodukt. Wieso soll hier der Landwirt am Glyphosat im Bier schuld sein? Noch dazu wenn auf die Gerste schon aus der Gründen der Keimfähigkeit kein Glyphosat gespritzt wird. Warum wird hier die Gerste nicht getestet? Weil sie Angst haben, es würde nichts gefunden und sich somit die Frage stellt, woher kommt es dann? Glyphosat ist heutzutage durch den massenhaften Einsatz der phosphonathaltigen Spülmittel, die nach heutigem Wissensstand absolut ungefährlich sind, ein dankbarer Aufhänger um den Verbraucher zu verunsichern, Stimmung zu machen und gleichzeitig die Kasse zu füllen. Wenn man nämlich bedenkt, daß das normale Kochsalz in jede Spülmaschine zur Wasserenthärtung eingefüllt wird, eine letale Dosis von 3000 mg/kg Körpergewicht hat und dennoch als ungefährlich eingestuft wird, dann stellt sich schon die Frage was ist dann Glyphosat. Dann braucht man sich aber auch nicht wundern, wenn es überall seine Anwendung findet. Glyphosat besteht im Gegensatz zu Kochsalz aus zwei ungefährlichen und gleichzeitig essentiellen Komponenten, nämlich Glycin und Phosphorsäure, bzw. phosphoriger Säure. Kochsalz enthält zwar auch zwei essentielle Komponenten, Natrium und Chlor, diese sind aber hochgiftig. Darum hat hier Glyphosat, nicht verwunderlich, auch eine höhere letale Dosis von 5000 mg/kg. Es braucht deshalb aber keinen wundern wenn es überall angewendet wird. So auch eben in Spül- und Waschmittel, auch bei denen die von Brauereien verwendet werden. Diesen Schuh müssen wir uns aber nicht anziehen, schon gar nicht hinterhältiger Weise unterschieben lassen. Betrachtet man nämlich auch noch die hergestellte Menge an Glyphosat (lt. Wikipedia 2012 720.000 Tonnen!!!!) dann stellt sich auch die Frage wo zum Teufel wird diese Zeug überall angewendet. Ich kann mir nicht vorstellen, daß das alles in der Landwirtschaft angewendet wird. Und wenn, dann wären wir auch nur absolute Waisenknaben bei dem Verbrauch von nur 5.330 Tonnen im Jahr 2014. Somit ist das wirklich alles nur Geplänkel, das man als dankbaren Aufreger verwenden kann um sich selber in Szene zu setzen. Es ist nur traurig um unsere Berufsvertretung, unseren Politikern, aber auch um unsere Journaille, das von denen keiner entsprechend Arsch in der Hose hat um dem Einhalt zu gebieten.

    Das meinen unsere Leser:
  2. von Wilhelm Grimm · 2.
    Bier ist nur Geplänkel und die Vorbereitung für andere entscheidende Themen.

    nämlich für Pflanzenschutzmittel ,wie Glyphosat.. Leute, wir brauchen den chemischen und biologischen Pflanzenschutz und auch die Gentechnik. Wir dürfen uns nicht von Spenden sammelnden und Ängste schürenden, selbsternannten Weltverbesserern in die Knie zwingen lassen.

    Das meinen unsere Leser:
  3. von Gerhard Steffek · 3.
    Schau, Schau,

    hier wird wieder ein neues Loch aufgemacht. Gedacht als Fallgrube für Julia. Als Winfried Kretschmar Bierbotschafter war, war das Foodwatch anscheinend keiner Kritik wert. Jetzt wo sich Julia Klöckner als brauchbare Landwirtschaftsministerin etabliert, die aber anscheinend nicht so ganz im Sinne der praxis- und allem gesunden menschenverstandes fernen Ideologien handelt, will man ihr schon wieder ans Leder und sucht auch jede noch so kleine Möglichkeit. Anscheinen hat findet Foodwatch im Moment im fachlichen keinen Ansatzpunkt, weshalb sie schon wieder mit Populismus anfangen. Man sieht aber genau an deren Argumentation, daß diesen Organisationen (und hier ist Foodwatch um keine Laus besser als wie alle anderen) es nicht daran gelegen ist praxisnahe und taugliche Lösungen zu finden. Wie sonst könnte er es ansonsten ankreiden das ausgerechnet in der Landwirtschaft eben Politiker da sind, die noch einen Bezug zur Praxis haben. Es würde in anderen Bereichen genauso Sinn machen. Dann wäre vielleicht noch ein bißchen mehr Sach- und Menschenverstand im Bundestag und nicht nur hirn- und sinnlose Ideologie. Dann hätten vielleicht solche Lobbyisten wie Foodwatch, Nabu und Co. nicht so viel Einfluß mit ihren kontraproduktiven Vorstellungen wie sie es derzeit bei unserer "Dramaqueen" Roth und Co. haben.

    Das meinen unsere Leser:
Ihre Meinung

Zum Schreiben eines Kommentars loggen Sie sich bitte ein!

Sie sind neu hier?

Als Abonnent kostenlos registrieren