Kritischer Agrarbericht: "Düngegesetz muss noch viel schärfer ausfallen!"

Kritischer Agrarbericht Hubert Weiger, Frieder Thomas und Bernd Voß bei der Vorstellung des Kritischen Agrarberichts 2017
Bild: Deter
Wegen angeblich „massiver Boden- und Gewässerverunreinigungen durch die intensive Landwirtschaft“ fordert der BUND-Vorsitzende Hubert Weiger eine deutliche Verschärfung des Düngerechts.
 
Wie er am Donnerstag bei der Vorstellung des „Kritischen Agrarberichts“ des AgrarBündnisses kritisierte, reiche die geplante Novelle nicht aus. Nötig seien vielmehr grundsätzliche Veränderungen bei der Nutztierhaltung. „Die Hälfte der 700 Messstellen unter landwirtschaftlich genutzten Flächen weist deutlich erhöhte Nitratwerte auf, an jeder vierten Messstelle wird der Grenzwert von 50 Milligramm Nitrat pro Liter Wasser überschritten." Seinen Informationen nach seien 60 % der Oberflächengewässer in Niedersachsen nicht mehr für die Trinkwassernutzung geeignet. 

Der Umweltschützer bedauert zudem, dass die geplanten Stromstoffbilanzen erst 2023 eingeführt werden sollen und nicht so schnell wie möglich. Aber auch damit sei das grundsätzliche Problem nicht behoben: "Künftig muss die Landwirtschaft weniger Gülle produzieren, die Methoden der Düngung müssen sich verändern und die industrielle Tierhaltung muss zurückgefahren werden. Es dürfen nur noch so viele Tiere gehalten werden wie Fläche zum Futteranbau vorhanden ist“, sagte Weiger.

Schröder: Reduktion und Umbau der Tierhaltung

Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes, verwies auf den aktuellen Bericht der Bundesregierung zur Nitrat-Belastung des Grundwassers: „Der Bericht verdeutlicht eindrücklich, dass die auf höchste Produktivität ausgerichtete Intensivtierhaltung ein hohes Kontingent an Wasser benötigt und die Umwelt belastet. Je pflanzlicher unsere Ernährung, desto höher der Schutz unserer Wasserressourcen. Dies ist auch der direkteste Weg zu mehr Tierschutz.“
 
Um Transparenz und Planungssicherheit für Landwirte zu gewährleisten und um dem gesellschaftlichen Wunsch nach mehr Tierschutz im Stall Rechnung zu tragen sprach sich Schröder für eine nationale Nutztierstrategie aus."Vollklimatisierte Warmställe sind kein Konzept der Zukunft."

Er begrüßte die Bestrebungen von Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt, ein staatliches Tierschutzlabel zu etablieren. Dieses müsse jedoch von Änderungen des Tierschutzgesetzes flankiert werden. So dürften beispielsweise Tiere nicht mehr aufgrund von Ausnahmen im Gesetz manipuliert werden, um Defizite in der Haltung auszugleichen oder bestimmte Produktionsziele zu erreichen.

Dennoch kritisierte Schröder, dass Minister Schmidt bislang eher als Mediator aufgetreten sei anstatt als Gesetzgeber.

Voß: Prämien besser verteilen

Für Bernd Voß von der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) ist es möglich, das Greening wirksamer zu gestalten oder mehr Mittel auf die ersten Hektare je Betrieb umzuverteilen. Man könnte auch 15 % anstatt, wie in Deutschland, nur 4,5 % der Direktzahlungen für zielgerichtete Maßnahmen der ländlichen Entwicklungsprogramme verwenden. Die Entscheidungen für eine Umschichtung müsse jedoch bis August 2017 gefallen sein – und zwar in Deutschland.
 
Voß fordert zudem wirksame Instrumente am Markt: „Wir müssen die auf billigen Export setzende Überproduktion ausbremsen. Ruinöse Preise sind eine Entwertung bäuerlicher Arbeit.“

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7 Leserkommentare Kommentieren

  1. von Thorsten Schäfer · 1.
    " was ist mit Biogas"

    Bernd Voß von den Grünen / AbL ist Betreiber eine Biogasanlage, daher wird er diese sicher nicht kritisieren. Was mich interessieren würde wie die Nitratgehalte im Grundwasser unter seinen Flächen sind.

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  2. von Wilhelm Schulte · 2.

    Alles ist nur ein gefundenes Fressen für die Gegner der Tierhaltung und das ist gewollt. Im sinne der Weltglobalisierung. Hier muß eine aussagekräftige Gesamtbilanz her ansonsten ist die Ganze Diskussion Nonsens - N aus der Tierhaltung - N aus den Biogasanlagen - N aus Add Blue - N verbindungen aus Streusalz -N aus der Industrie und von den Privathaushalten Und bitte nicht weiter einseitig die Landwirte anprangern für etwas was alle verursachen. Zusätzlich bleibt die Auswertung der Messstellen ein ??.

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  3. von Wolfgang Rühmkorf · 3.

    Die wird man nie zufriedenstellen können. Die leben von der Negativdarstellung und blenden jedwede Betrachtung anderer Zielinteressen sowie Abwägungsnotwendigkeiten der landwirtschaftlichen Produktion aus!

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  4. von Gerhard Steffek · 4.
    engstirnige Dampfplauderer!

    wer Dreck sucht wird Dreck finden. Ich kann auch bei 100 % der Messstellen den Nitratwert überschreiten, wenn ich nur noch solche Stellen auswerte. Somit ist diese Aussage von Weigert so etwas von Schwachsinn, dass es schon lächerlich wird. Glaubt sich das der Mann selber? Aber für seine dumme Klientel reicht es allemal, sich mal wieder ins Rampenlicht zu bringen. Noch dazu: "seinen Informationen nach (welche bitte) sind 60 % der OBERFLÄCHENGEWÄSSER in Niedersachsen nicht mehr für die Trinkwassernutzung geeignet"! Welche Infamie! Die meisten Oberflächengewässer werden nicht zur Trinkwassergewinnung genutzt. In aller Regel wird auf Grundwasser zugegriffen! Aber so kann man halt Leute verarschen. Außerdem - was soll die Aussage: "es dürfen nur soviele Tiere gehalten werden wie Futterfläche vorhanden ist". Wie diffamierent ist das denn? Kennt er die DVO nicht? Die tatsächlichen Verhältnisse? Allein im Rahmen der DVO könnten in Deutschland doch erheblich mehr Tiere gehalten werden als es der Fall ist. Aber so kann man halt vor dem Dummvolk auf der Straße nicht brillieren. Frei nach dem Motto: "Besserwisser entstehen vor unwissendem Umfeld, oder höflichem Schweigen der Wissenden". Wo ist da eigentlich der DBV. Wieso gibt er ihm da kein Kontra? Genauso wie bei Schröder. Seine Gedankengänge erscheinen mir so verworren wie so mancher Smoothie, den er sich mixed. Falls! Und ihm ein gutes Schnitzel nicht doch lieber ist. Er sieht auf alle Fälle eher danach aus. Aber so ein Smoothie ist am Ende auch nur undefinierbarer Brei und sieht unter Umständen auch nur wie "Dünnpfiff" aus. Genauso wie das was er da zum Besten gibt. Schon der erste Absatz von ihm. Quintessenz davon: "Tierschutz, indem man die Tiere abschafft". Entspricht ja auch der Philosophie seiner Website. Dann "vollklimatisierte Warmställe"! Gut, ich sehe in erster Linie Kuhställe, aber das sind heute nur noch "AUßENKLIMASTÄLLE". Nach allen Seiten offen! Das Schweineställe anders sind, liegt ja wohl in der Natur der Sache, bzw. des Schweines. Er mag ja auch lieber eine warme Bude! Bei den manipulierten Tieren kann er ja mal auch bei Hund und Katze anfangen. Aber da propagiert er ja eher die Kastration. Perfider, infamer geht wohl nicht mehr. Auch hier, wo ist der DBV? Für den ABL - da hat Jörg Meyer schon alles gesagt. Auf geht's, macht es vor!

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  5. von Michael Behrens · 5.
    Nitratbericht 2016

    http://www.bmub.bund.de/fileadmin/Daten_BMU/Download_PDF/Binnengewaesser/nitratbericht_2016_bf.pdf Aus dem Nitratbericht ziehe ich ganz andere Schlüsse! Es ist zwar noch nicht alles "gut", aber die "Lage" scheint mir lange nicht so schlimm wie öffentlich dargestellt, eher ist die Aktuelle Situation "befriedigend bis gut", hier und da gibt es Auffälligkeiten, aber an denen wird gearbeitet! Und das Alles mit bestehenden Gesetzen und Verordnungen!

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  6. von Gerald Hertel · 6.

    es geht immer nur um Tierhaltung- was ist mit Biogas

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  7. von Jörg Meyer · 7.
    ABL Mitglieder bei Düngeverordnung und Lagerstättenverordnung voran!

    wenn die AbL Mitglieder und all ihre Unterstützer aus der Landwirtschaft ihren Berufskollegen zeigen wie all die neuen Auflagen und Verordnungen umzusetzen sind, dann werden sich die Berufskollegen bestimmt nicht verweigern. Ein gutes Vorbild für andere zu sein hat noch nie geschadet in der öffentlichen Diskussion! Ich möchte aber auf den Zielkonflikt zwischen neuen Auflagen und der notwendigen Wirtschaftlichekeit der Betriebe hinweisen, der tendenziell zu mehr Strukturwandel führen wird, weil es sich vor allem kleinere Betriebe oftmals nicht leisten werden können neue Technik anzuschaffen (Güllelareraum, Mist- und Siloplatten nach AWVS, neue Güllefaässer etc.). Aber liebe AbLer ihr habt jetzt die Chance alle eines besseren zu belehren und uns zu zeigen wie all das umzusetzen ist!

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