DBV distanziert sich von Straathof

Dr. Michael Lohse Dr. Michael Lohse
Der Deutsche Bauernverband (DBV) hat sich von Tierrechtsverstößen, wie sie dem niederländischen Schweinehalter Adrianus Straathof vorgeworfen werden, klar distanziert. Zuletzt war der Verband in einem Kommentar für seine defensive Haltung kritisiert worden.

DBV-Sprecher Dr. Michael Lohse bestätigte am vergangenen Freitag, dass Straathof kein Mitglied in einem Landesbauernverband (LBV) sei und somit weder von einem LBV noch vom DBV juristisch beraten werde. Man habe auch keinen Einblick in die Akten. Lohse betonte, für eine Landwirtschaft, wie sie Straathof vorgeworfen werde, stehe der DBV nicht. Das werde allein durch das Leitbild Nutztierhaltung des Verbandes deutlich.

Zuvor hatte der Bauernverband Sachsen-Anhalt hervorgehoben, dass Straathof und seine Unternehmen keine Mitglieder seien. Wer bestehende Gesetze derart überreize und sich damit einen unrechtmäßigen Vorteil gegenüber anderen Nutztierhaltern verschaffe, werde keinen Rückhalt seiner Berufskollegen erfahren. Alle Schweinehalter dieser Größe auf gleiche Ebene zu stellen und als „ungewollt” zu klassifizieren, lehnt der Landwirtschaftliche Berufsstand in Sachsen-Anhalt aber ab. Kontrollberichte der Behörden ergäben keinen Zusammenhang zwischen Bestandsgröße und festgestellten Mängeln.

Der Landkreis Jerichower Land hatte in der vorvergangenen Woche ein Tierhaltungsverbot gegen Straathof verhängt und dies mit zahlreichen Verstößen gegen die Tierhaltungsbedingungen begründet. Der Niederländer legte jedoch Einspruch beim Verwaltungsgericht Magdeburg ein, so dass die Betriebe zunächst weiterarbeiten konnten. Nach der Entscheidung des Oberverwaltungsgerichts, dass das Tierhaltungsverbot sofort vollziehbar sei, erklärte der Niederländer in der vergangenen Woche nun seinen Rücktritt als Geschäftsführer.

Klare Positionierung gewünscht

Da sich das ausgesprochene Tierhaltungsverbot auf Straathof als Person bezieht, nicht jedoch auf seine Firmen als juristische Personen, können die Betriebe nun trotz der Zwischenverfügung weiterarbeiten.

Unterdessen war Straathof auch Thema im Bundestag. Der agrarpolitische Sprecher der Bündnisgrünen, Friedrich Ostendorff, hatte nach Auswirkungen durch einen möglichen Produktionsstopp und an Straathof gezahlte Investitionsbeihilfen gefragt.

Peter Bleser Peter Bleser
Agrar-Staatssekretär Peter Bleser teilte mit, dass der Bundesregierung keine amtlichen Zahlen zur Gesamtproduktion der Betriebe von Straathof an Ferkeln, Läufern und Mastschweinen vorlägen. Sie könne daher keine Angaben dazu machen, welche mengen- und preismäßigen Auswirkungen ein Produktionstopp auf dem Markt haben würde. Sollten die in der Presse angegeben 1,5 Millionen Tiere jedoch stimmen, geht Bleser von einem Marktanteil der Staathof-Betriebe von lediglich 2,5 % aus, weshalb er keine Marktstörungen erwarte.

Dem Bund liegen Bleser zufolge auch keine Informationen zu einzelnen Agrarinvestitionsförderungsprogrammen (AFP) vor, weshalb er keine Aussagen zur Förderung von Straathof-Betrieben machen könne. Die Länder gäben lediglich aggregierte Daten an den Bund weiter. Mögliche Erkenntnisse durch Einsichten in die entsprechenden Listen wollte der Parlamentarische Staatssekretär unter Hinweis auf den Datenschutz indes nicht geben. Ostendorff zeigt sich von der Datenlage enttäuscht und warf der Regierung vor, „anscheinend aus den Vorfällen bei Straathof nichts gelernt“ zu haben. Er hätte eine klare Positionierung und Distanzierung erwartet, so der Agrarsprecher.

Mehr:
Hinweise auf Tierquälerei in schwäbischem Straathof-Betrieb (20.12.2014)
BMEL: Straathof-Produktionsstopp würde Markt kaum beeinflussen (19.12.2014)
Kommentar zu Straathof: "Das ist nicht unsere Landwirtschaft" (18.12.2014)
Veterinärbericht offenbart unzählige Tierschutzverstöße bei Straathof (17.12.2014)


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9 Leserkommentare Kommentieren

  1. von arching · 1.
    lieber spät als gar nicht

    Zumindest scheint der DBV lernfähig, wenn auch langsam zu sein.

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  2. von elinge · 2.
    Sonst sind 2,5 % der Gesamtmenge

    ein Grund den Preis um 10-20% steigen zu lassen denn das Schnitzel heut, nicht da, und da, ist da, der Unterschied !!!!

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  3. von gretel · 3.
    Die schwarzen Schafe müssen markiert werden.

    Ein Berufstand wie die Landwirtschaft muss lernen in Ihren eigenen Reihen für Ordnung zu sorgen. Heute Heist der Fall Straathof und morgen ???. Das Mäntelchen des Schweigens hilft nicht weiter. Wie immer stellt sich bei mir die Frage, über welche Genossenschaft wurden die Tiere aus diesem Unternehmen vermarktet , und wer sitzt da im Aufsichtsrat.

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  4. von k.p.kühl · 4.
    Hausbank?

    Welche Hausbank hat Straathof?

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  5. von berndlohse · 5.
    Endlich !

    Ein längst überfälliger Schritt unseres DBV !

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  6. von gahmiaf · 6.
    Wieso muss ich sowas in einewm Fachblatt lesen

    Warum wird in eiunem Fachmagazin das Wort "Tierrechtsverstöße" verwendet?

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  7. von beernhof · 7.
    Endlich, die Stellungnahme war längst überfällig

    Der DBV tut gut daran, sich von solchen Machenschaften öffentlich zu distanzieren.

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  8. von jobelego · 8.
    Das war der Hauptgrund des Schweigens....

    Egal, wie er sich dazu äußert..die Schreier nehmen es als Anlass, aus ihren Löchern zu kriechen und ihre blinden Parolen in die Welt zu krakehlen.

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  9. von Hoffmann Rainer · 9.
    So einfach ist das !!!

    Sonst immer Wachstun predigen u. Ellbogen raus da Rücksicht den anderen ja einen vorteil bringen könnte,im schlimmsten Fall dem normalen Familienbetrieb der noch selbständig Denken kann u. deshalb schon lange kein Mitglied im DBV. mehr ist.

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