Landwirtschaft steht vor neuer Entwicklungsstufe bei der Digitalisierung

Der Monitor ist Alltag auf den Höfen, in Zukunft werden Roboter Teilbreiche der Arbeit in der Landwirtschaft ganz übernehmen, prognostizieren Agrarforscher.
Bild: Agravis

Precision Farming hat sich auf vielen Betrieben bereits etabliert. Nun steht die nächste Phase der Digitalisierung auf den Höfen an. Und auch dies ist nur ein Zwischenstadium, glauben Agrarforscher.
 

Die landwirtschaftlichen Anwendungen der Informations- und Kommunikationstechnologie (ICT) befinden sich gegenwärtig am Übergang zu einer neuen Entwicklungsstufe. Davon ist der Dekan des Fachbereichs Agrarwirtschaft an der Fachhochschule Südwestfalen, Prof. Wolf Lorleberg, überzeugt. Im Rückblick auf ein von ihm betreutes Projekt zu digitalen Anwendungen für Stall und Feld erklärte Lorleberg Ende vergangener Woche, dass sich das „Precision Farming“, bei dem einzelne Arbeitsprozesse digitale Unterstützung erführen, auf Betrieben mit fortschrittlich denkenden Leitern bereits etabliert habe.
 
Durch die starke Zunahme der Rechen- und Speicherkapazität selbst kleiner dezentraler Geräte, aggregierte Rechnerleistungen im Cloud-Computing und leistungsfähigere Telekommunikationsnetze werde jetzt der Übergang zum „Smart Farming“ beziehungsweise zur „Landwirtschaft 4.0“ eingeläutet. Hierbei würden Arbeitsgeräte intelligent über das Internet vernetzt, zum Beispiel mittels sogenannter Farmmanagementsysteme, erläuterte Lorleberg.
 
Doch auch dies sei nur ein „Zwischenstadium“, denn noch unterstützten die digitalen Systeme überwiegend menschliche Entscheidungen und arbeiteten nur in Teilbereichen autonom. Schon in naher Zukunft könnten Arbeitsgeräte für definierte und abgegrenzte Teilprozesse durch „Maschinelles Lernen“ eigenständig Erfahrungen generieren, so der Agrarwissenschaftler.
 
Auf dieser Grundlage würden dann Entscheidungen gefällt und Maßnahmen veranlasst. Die aktuell rasante Entwicklung von Künstlicher Intelligenz (KI) lasse erwarten, dass in absehbarer Zeit Roboter und Anlagen in der Landwirtschaft nicht nur für Teilbereiche der Arbeitserledigung autonome Entscheidungen treffen und durchführen würden, sondern auch über die Vernetzung von intelligenten Systemen zu autonom agierenden „Systemen von Systemen“ - einer „Landwirtschaft 5.0“ - entwickelt werden dürften.
 
Der Dekan wies darauf hin, dass deshalb in den beiden Soester Bachelor- und Masterstudiengängen der Agrarwirtschaft naturwissenschaftliche Grundlagen, agrarwirtschaftliche Fachkenntnisse und digitale Anwendungen in Lehre und Forschung eng verknüpft würden. Tatsächlich fänden Absolventen immer häufiger bei Technologieunternehmen ihren ersten Arbeitsplatz, wo ihr Agraringenieurwissen zur Entwicklung neuer Anwendungen sehr willkommen sei.
 

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