Lidls Haltungskennzeichnung von Fleisch ab jetzt im Handel

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Bild: Prospekt

Ab heute sollen bei Lidl die ersten Frischfleischprodukte mit dem firmeneigenen Haltungskompass in den Kühltruhen liegen. Auf den Verpackungen Schweine-, Rind-, Puten- und Hähnchenfrischfleisch soll dann ein gut sichtbarer Hinweis stehen, wie die Tiere jeweils gehalten wurden.

Das Frischfleisch der Lidl-Eigenmarken stammt nach Angaben des Discounters zu 100 Prozent aus Deutschland. Gekennzeichnet werde ausschließlich deutsche Rohware, temporär verfügbare internationale Spezialitäten seien von der Kennzeichnung ausgenommen. Der Haltungskompass hat vier Stufen:

Stufe 1 „Stallhaltung“
entspricht den gesetzlichen Bestimmungen

Stufe 2 „Stallhaltung Plus“
gewährt Tieren mehr Platz sowie Beschäftigungsmaterial, das gekennzeichnete Fleisch stammt nachweislich aus Betrieben die diese Zusatzkriterien erfüllen (z.B. Fleisch von Tieren, die aus Betrieben stammen, die an der Initiative Tierwohl teilnehmen.)

Stufe 3 „Außenklima“
gewährt Tieren zusätzlich mehr Platz, Tiere werden gentechnikfrei gefüttert und haben Zugang zu Außenklimabereichen (z.B. Fleisch von Tieren, die aus Betrieben stammen, die gemäß dem Tierschutzlabel des Deutschen Tierschutzbundes wirtschaften.)

Stufe 4 „Bio“
entspricht den gesetzlichen Bestimmungen für Bio-Fleisch

Lidl Haltungskennzeichnung stufen

Die Detailkriterien hinter den vier Stufen finden Sie hier: https://www.lidl.de/de/asset/other/ms-haltungskompass-detailkriterien.pdf

Anfang 2019 sollen bereits rund 50 Prozent der Frischfleischprodukte mindestens auf Stufe 2, „Stallhaltung plus“ umgestellt werden. Marktexperten halten das für ein sehr ambitioniertes Ziel.

Lob von den Grünen und Vier Pfoten

Für den Agrarsprecher der Grünen, Friedrich Ostendorff, ist die Aktivität von Lidl, „ein Ausdruck von eklatantem Politikversagen“, weil eine klare staatliche Kennzeichnung fehle. „Wir fordern Ministerin Klöckner auf, die losen Fäden endlich zusammenzuführen und eine klare, gesetzlich verpflichtende Haltungskennzeichnung mit einer Anhebung der Mindeststandards einzuführen.“ In einer aktuellen Greenpeace-Umfrage sprächen sich neun von 12 Handelsunternehmen dafür aus – die Verbraucherinnen und Verbraucher mehrheitlich sowieso.

Ostendorff wünschte dem Haltungskompass ein „erfolgreichen Start, kritisierte aber zugleich die Ausgestaltung der einzelnen Stufen. „Bei der Ausgestaltung der zweiten Stufe hätte ich mir mehr Mut gewünscht, um ganz deutlich spürbare Verbesserungen für die Tiere zu gewährleisten. 10 % mehr Platz für Mastschweine bedeutet ein Plus von 0,075 m² pro Tier. Das ist natürlich viel zu wenig. Und da die betäubungslose Ferkelkastration ohnehin Ende dieses Jahres verboten wird, ist auch dieses Kriterium kein Fortschritt.

Die Premiumstufe des Labels des Deutschen Tierschutzbundes mit Bio gleichzusetzen, ist aus der Sicht des individuellen Tieres vielleicht nachvollziehbar, vernachlässigt aber die systemischen Vorzüge des biologischen Landbaus wie Pestizidfreiheit, Schutz der Biodiversität und Gentechnikfreiheit.“

Auch Tierschutzstiftung „Vier Pfoten“ begrüßt die Lidl-Initiative. „Der von LIDL entwickelte vierstufige Haltungskompass zeigt, dass eine transparente Haltungskennzeichnung möglich und machbar ist“, sagt, Rüdiger Jürgensen, Geschäftsführer Vier Pfoten Deutschland.

Umfragen belegten, dass sich Verbraucher bessere Haltungsbedingungen für Rinder, Schweine und Geflügel wünschen und bereit sind, dafür mehr zu zahlen. „Bundeslandwirtschaftsministerin Klöckner sollte jetzt die Chance für einen Neuanfang nutzen und dem Ruf des Marktes und dem des Konsumenten folgen, anstatt ein schwaches und irreführendes staatliches Tierwohl-Label zu favorisieren. Eine gesetzliche Haltungskennzeichnung wäre eine ehrliche und selbstbestimmte Möglichkeit für den Verbraucher, die ernste Situation in Deutschlands Ställen zu verbessern“, forderte Jürgensen.

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8 Leserkommentare Kommentieren

  1. von Christian Bothe · 1.
    mein Kommentar vom 03.04.18

    Schreibfehler : muss natürlich "VLOG ( o.Gentechnik ) heissen...

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  2. von Robert Etges · 2.
    Lidl Haltungskennzeichnung

    Hierzu kann ich nur den Artikel in der "Zeit" Nr. 12 vom 15.3.18 Rubrik Wirtschaft dringendst empfehlen. Thema: Am Gängelband der Mächtigen Edeka, Lidl und Co. machen Druck auf Lieferanten: das Preisdiktat der großen Ketten lässt Markenhersteller, Kleinfabrikanten und Landwirte verzweifeln. Die Supermärkte drohen damit , dass die Produkte der Hersteller aus den Tegalen fliegen, wenn Sie sich nicht fügen. Die großen Ketten spielen ihre gewachsene Marktmacht eiskalt aus. Wer denkt mit Tierwohllabel oder anderen Labels könnte man mehr verdienen der kann auch noch an den Osterhasen Glauben. Die kleinen Metzger und kleinen Wursthersteller gehen alle bald in die Insolvenz, nur die großen werden bleiben. Schade! Lesen Sie diesen Artikel!!!!!!!

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  3. von Willy Toft · 3.
    Der Handel hat seinen Knüller, und der Bauer muss.....

    liefern, ob er die Enden zusammenbekommt oder nicht. Wer profitiert wohl am Schnellsten? Nachhaltige Marktstrategie sieht anders aus. Da freuen sich einige, und der Bauer geht am Ende fast leer aus. Die Halbwertzeiten solcher "Marktstrategien", sind meistens nach 1- 2 Jahren wieder in Vergessenheit geraten, zumindest, was den Preisaufschlag für den Bauern anbelangt!

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  4. von Gerald Hertel · 4.

    und wenn das Rind mit Pferdefleisch vermischt ist stehen bestimmt 2 Haltungsformen auf der Packung :-)

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  5. von Harald Finzel · 5.
    Preise?

    Wie viel mehr muss der Verbraucher zahlen? Und welcher Anteil des Aufpreises kommt beim Bauern an?

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  6. von Matthias Fink · 6.

    Andererseits sieht man ja jetzt ob der Verbraucher es will oder nicht. Jetzt sehen wir ob er mehr bezahlen will!!

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  7. von Gerhard Steffek · 7.
    Solange -

    ein Herr Ostendorff ungestraft behaupten kann die Ökolandwirtschaft würde Pestizidfrei wirtschaften und die Biodiversität schützen, sowie eine Stiftung wie Vier Pfoten die "ernste Situation" in deutschen Ställen anprangern kann, solange wird das nicht besser. Ist ja schon biblisch festgehalten, "es kann der Bravste nicht in Frieden leben, wenn es dem bösen Nachbarn nicht gefällt", oder wie es der Kleriker "Freidank" so treffend ausdrückte: "Ein böser Mensch denkt immer schlecht von Andern, tun sie noch so recht".

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  8. von Christian Bothe · 8.

    Eine leicht durchschaubare Geschichte und nichts weiter als eine Marketingstrategie vom LIDL Inhaber H.Schwarz und seinen Mannen,da er ist mit dieser Initiative mal wieder der erste unter den Discounter sein wollte,um kurzfristig evt.den Umsatz anzukurbeln. Die Verpackungsindustrie wird es freuen. Interessant wird es erst, wenn jeder Discounter und SB-Markt seine eigenen Labels "konstruiert" .Hoffentlich können dann die Verbraucher vor lauter Labels noch erkennen,was in der Verpackung drin ist... Wenn das ganze einen Sinn haben soll und überhaupt notwendig ist ,dann bedarf es eines staatliches Tierwohllabels wie vom Ministerium angedacht. Erstaunlicherweise sagt das sogar Greenpeace. Haben wir nicht schon genug Nachweise für eine u.a.tierartgerechte Produktion auf den Verpackungen? Produkte werden nach QM,QS, Tierwohl, VLOXX (o.Gentechnik),nach Regionalität u.a. zertifiziert und vom LEH gelistet. Wenn die Qualität passt,gibt es dann noch einen DLG Preis und die Stiftung Warentest setzt noch einen drauf...

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