Mehr Geld für die Pflege auf dem Hof!

Beate Kraml Beate Kraml
Bild: www.topagrar.at

Ein Kommentar von Beate Kraml, Redaktion top agrar Österreich:
 
„Hand aufs Herz: Haben Sie sich schon einmal ernsthaft Gedanken darüber gemacht, was auf Sie zukommt, wenn in Ihrer Familie jemand pflegebedürftig wird? Ein Sturz des Altbauers oder die Demenz der Oma verändern das Leben am Hof in kurzer Zeit dramatisch.
 
Eine Ausbildung zur Pflegekraft haben die wenigsten. Diese Kompetenzen müssen sich Bäuerinnen und Bauern, die ihre Angehörigen zu Hause pflegen, aneignen. Zu Beginn fehlt es häufig an nötigem Hintergrundwissen zu Pflegegeld und Pflegehilfen.
 
Auch über bauliche Gegebenheiten machen sich die meisten zunächst keine Gedanken. Braucht ein Familienmitglied aber Hilfe beim Waschen, dann ist eine barrierefreie Dusche mit Haltegriffen Goldes wert. Stufen und enge Türen werden erst zu großen Hindernissen, wenn ein Rollator bzw. Rollstuhl im Haus ist. All diese Dinge sollten Sie daher schon vor einer möglichen Pflege überdenken und eventuell frühzeitig umbauen.
 
Neben der körperlichen spielt vor allem die psychische Belastung im Verlauf der Pflege eine wichtige Rolle. Der Übergang zur intensiven Pflege bzw. Bettlägerigkeit ist für Pflegende dabei besonders belastend. Sie können die Senioren dann großteils nicht mehr aus den Augen lassen. Jederzeit könnten diese sich bei einem Sturz verletzen oder bei Demenz von zu Hause weglaufen. In dieser Phase spielt das Thema Pflegestufe eine entscheidende Rolle. Denn obwohl man den Pflegling immer betreuen muss, wird diese und somit das Pflegegeld meist nicht erhöht.
 
Schon allein die Einteilung der Pflegestufe ist (in Österreich) nicht klar geregelt. Diese liegt im Ermessen des Arztes bzw. der Pflegekraft. Ruhige Patienten mit Demenz sind natürlich leichter zu pflegen als aggressive. Bei der Pflegestufe wird aber nur nach den aufgebrachten Stunden unterschieden. Hier muss der Gesetzgeber eine bessere Anpassung finden, damit auch die Pflege von besonders schwierigen Patienten angemessen abgegolten wird. Das würde Österreich sicher mehr nützen als leidige Diskussionen um Glyphosat- und Rauchverbot.
 
Wichtig wäre auch eine Regelung für Nachbarn und Bekannte, die für einige Stunden in der Woche die Pflege übernehmen. Deren Arbeit ist versicherungstechnisch – anders als bei der Kinderbetreuung – nicht gedeckt. Doch genau hier würden alle profitieren: Die Pfleglinge durch die Versorgung, die Pflegenden, die sich ihre Pensionen aufbessern können sowie die Familie, die entlastet wird.
 
Pflegende Angehörige, die die Pflege selber übernehmen, können sich bereits versichern, wenn ihnen dadurch keine oder wenig Zeit für Erwerbstätigkeit bleibt. Doch was nutzt die beste Versorgung und der beste Pfleger, wenn zu wenig Geld da ist. Viele Familien werden von den Pflegekosten förmlich erschlagen. Schon aus diesem G rund würde eine Erhöhung des Pflegegeldes großen Nutzen bringen. Daneben könnten öffentliche Einrichtungen viel Geld sparen. Vor allem, wenn man bedenkt, dass es künftig mehr ältere Menschen geben wird, die Pflege benötigen. Hier sollten bald Änderungen getroffen werden."

top agrar Österreich widmet sich in der Ausgabe 1/2018 ausführlich diesem Thema und liefert Antworten.

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