„Menschen hautnah“ über Burn-out im Kuhstall

Milchbauer Milchbauer; Ausschnitt aus der Doku
Bild: WDR

Die WDR-Dokumentationsreihe „Menschen hautnah“ erzählte vergangene Woche die Geschichte von Milchbauern, die nach Milchkrise, andauernden Sorgen und zunehmender Arbeitsbelastung psychisch und körperlich am Ende sind.

So berichtet ein Paar aus der Eifel, dass die große Krise mit dem Ende der Milchquote 2015 begann. Bei 19 Ct pro Liter Milch sei es ihnen schwer gefallen, noch zum Arbeiten aufzustehen. “Wir arbeiten bis an den Rand der Erschöpfung und dabei kommt kein Geld raus, nur Schulden”, sagt Bauer Rainer P. Seine Frau Gaby denkt mit Schrecken an die vielen zu bezahlenden Rechnungen. Sie wollen es nun mit Biomilch und Biohühnern versuchen.

Ein anderer Landwirt berichtet, er habe vor vier Jahren eine halbe Million Euro in zwei neue Ställe und eine Melkanlage investiert. Der erste Stall ist gerade fertig, da beginnt die Milchpreiskrise. Die Familie kann die Raten nicht bedienen, die Schulden erdrücken sie. Handwerker für den zweiten Stall können nicht bezahlt werden. Deswegen baut er - neben der Arbeit mit dem Milchvieh - selbst weiter. Teilweise habe er 9.000 Euro minus im Monat gemacht, sagt Bauer Kurt K. verzweifelt. Einen Plan B hat er nicht. Seine gesamte Existenz droht zu scheitern.

“Die Kühe sind eigentlich genau mein Ding, aber wenn es sein muss, müssen sie halt gehen”, sagt Lambert S. aus dem Bergischen Land. Bisher haben er und sein Sohn die Milchkrise nur überstanden, weil sie selbst noch Kälber aufziehen und schlachten. Auf Dauer reicht das aber nicht. Gemeinsam mit seinem Sohn Matthias macht er sich auf die Suche nach Alternativen. Die Kraft dazu hat er eigentlich gar nicht, seit Jahren hatten er und sein Sohn schon keinen Urlaub mehr und die eigene Erschöpfung wird immer größer. "Mich macht das so kaputt. Wie viele Kumpels haben die Tore schon zugemacht. Wie viele habe ich weinend schon gesehen. Männer, die weinen.

Sohn, Haus und Hof verloren. Grausam ist das“, sagt Bauer Lambert S.. 2016 haben rund 650 Milchbauernhöfe in NRW zugemacht, das sind etwa 10 Prozent. Vater und Sohn fragen sich, wie sie noch motiviert sein sollen für die Zukunft, wenn 2018 bereits die nächste Milchkrise droht?

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4 Leserkommentare Kommentieren

  1. von Eckehard Niemann · 1.
    Danke an die Journalisten!

    Das war ein sehr beeindruckender Fernseh-Beitrag über die Lage der Milchbauern. Danke an die Journalisten!!!

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  2. von Lars Henken · 2.
    Es ist schwer aufzuhören......

    ..., aber danach kann es einem auch deutlich besser gehen. Ich bin nun kein Milchviehalter, aber Preiskrisen kennen auch andere Branchen und wenn die ASP sich hier breit machen sollte, dann fallen die Schweinepreise auch unter 1,- €. Ja, es ist hart einen Betrieb zu schließen, der schon seid Generationen von der Familie bewirtschaftet wird. Es ist aber in jedem Fall besser aus zusteigen, bevor man mit dem ganzen Betrieb untergeht. Ich kenne einige ehemalige Berufskollegen, die ihr Höfe verpachtet haben und jetzt beim Landhandel, beim Amt oder im außer landwirtschaftlichen Bereich sind. Viele dieser Leute haben mir gesagt, dass es die beste Entscheidung ihres Lebens war. Pünktlich Feierabend, festes Gehalt, Urlaub und die verbliebenen Betrieb pachten die Flächen zu Preisen die kaum noch nachvollziehbar sind. Vor allem beschäftigen sich diese Leute nicht mehr mit jedem Skandal, der in den Medien der Landwirtschaft ans Rever geheftet wird. Viele diese Leute sind heute viel glücklicher und zufriedener wie in der Zeit als sie noch Landwirte waren. Jeder muss diese Entscheidung für sich selber treffen, aber man sollte nie vergessen, dass es auch andere Lebensentwürfe gibt und diese Weg oftmals deutlich leichter zu beschreiten sind. Wenn die Familie massiv und dem Hof leidet, dann ist es Zeit den Hof abzugeben und nicht die Familie.

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  3. von Steffen Hinrichs · 3.
    Ein Landwirt ernährt 150 Menschen

    und kann davon kaum eine eigene Familie ernähren !

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  4. von Wilhelm Gebken · 4.
    Zitat: "(...) fragen sich, wie sie noch motiviert sein sollen für die Zukunft, wenn 2018 bereits die nächste Milchkrise droht?"

    oder wenn die nächste Sau auf Kosten dieser Leute durchs Dorf getrieben wird, zum Zwecke des Stimmenfangs, der Spendenoptimierung oder einfach zur Erhöhung der Einschaltquoten.

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