Merkel auf dem Bauerntag: „Wir stehen zu Ihnen“!

Bundeskanzlerin Angela Merkel besuchte am Mittwoch den Bauerntag in Berlin und hielt eine Ansprache, zuvor trat sie zum Foto mit Bauernpräsident Rukwied und Landwirtschaftsminister Schmidt an.
Bild: Awater-Esper

Bundeskanzlerin Angela Merkel spricht sich auf dem Bauerntag für den Erhalt der Direktzahlungen und der Zweiten Säule in der EU-Agrarpolitik aus. Merkel lobt die Arbeit der Landwirte und sagt: „Wir stehen zu Ihnen“.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat den Landwirtinnen und Landwirten beim Deutschen Bauerntag in Berlin deutlich gemacht, wie sehr sie deren Arbeit wertschätzt. „Wir haben Ihnen unser tägliches Brot zu verdanken und deshalb stehen wir zu Ihnen“, sagte die Kanzlerin den über 600 Delegierten. In der gesellschaftlichen Diskussion würden große Ställe, der Antibiotikaeinsatz, in Teilen sogar die gesamte Nutztierhaltung in Frage gestellt. Viele forderten mehr Umweltschutz und Tierwohl von den Landwirten. Das seien auch berechtigte Anliegen. „Aber ist Null Komma Null Berechtigung dafür, die Bäuerinnen und Bauern pauschal an den Pranger zu stellen“, stellte Merkel unmissverständlich klar.

„Bauern brauchen sich nicht verstecken“

Die unsachliche Debatte versperre mitunter sogar den Weg, „konstruktiv über Veränderungen zu diskutieren“. Diese müsse es auch in der Landwirtschaft geben, wie in jedem anderen Berufszweig auch. Merkel freute sich, dass der Berufsstand dazu bereit sei und in den vergangenen Jahren auch schon einiges erreicht habe. „Sie haben keinen Grund sich zu verstecken und sie sollten nicht aufhören, ein modernes und realistisches Bild von der Landwirtschaft zu zeichnen“, ermunterte die Kanzlerin die Bauern zur Offensive. Beispielhaft nannte sie die Erfolge in der Tierhaltung. Heute könnten sich 75 % der Milchkühe in ihren Ställen frei bewegen. Und der Antibiotikaeinsatz in der Nutztierhaltung habe sich von 2011 auf 2015 mehr als halbiert.

Ja zu Glyphosat, Direktzahlungen und schnellem Internet

Die Bundesregierung habe die Landwirtschaft in den vergangenen vier Jahren intensiv unterstützt, zum Beispiel in der Preiskrise. In 2016/17 seien in zwei Hilfspaketen insgesamt 600 Mio. € an deutschen und europäischen Hilfsgeldern an die Landwirte geflossen. Auch in Zukunft könnten sich die Landwirte auf die Bundesregierung verlassen. Merkel sprach dabei drei Bereiche konkret an:

  • Glyphosat: Die CDU/CSU unterstütze die Verlängerung der Zulassung von Glyphosat, so wie es die EU-Kommission vorgeschlagen hat.
  • EU-Agrarpolitik: Die beiden Säulen der EU-Agrarpolitik sollen erhalten bleiben. Die zweite Säule soll aber entbürokratisiert werden. „Was da alles erfasst wird, ist beachtlich. Das muss auch anders gehen“, ist die Kanzlerin überzeugt. Zur Finanzausstattung der EU-Agrarpolitik wollte sie sich aber nicht festlegen. „Der EU-Haushalt nach dem Brexit eine Quadratur des Kreises“, skizzierte Merkel die Dimension des Problems. Einerseits fehlten die Mittel des Nettozahlers Großbritannien, andererseits kämen durch die Flüchtlings- und Sicherheitspolitik neue Aufgaben hinzu.
  • Schnelles Internet: Bis Ende 2018 soll jeder Haushalt in Deutschland mit 50 MBit schnellen Datenleitungen versorgt sein, versprach Merkel. Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt habe 4 Mrd. € zu Verfügung, die auch schon verplant seien. „Leider dauert es von der Vergabe der Mittel bis zur Realisierung etwas länger“, bat die Kanzlerin um Verständnis. Sie wisse, dass schnelle Datenleitungen für die Landwirtwirtschaft enorm wichtig seien. Die Digitalisierung biete auch Potenziale für mehr Umweltschutz und Tierwohl. So könne man über die satellitengesteuerte Präzisionslandwirtschaft zum Beispiel Dünger und Pflanzenschutzmittel sparen. 

Merkel ist überzeugt, dass die Zukunft der Landwirtschaft nur gemeinsam von Landwirtschaft, Politik und Verbrauchern gestaltet werden kann. „Sie sind bereit, ihren Beitrag zu leisten, die Politik ist es auch“, so die Kanzlerin. Natürlich gebe es Zielkonflikte. Da könne man nicht drum herum reden. Aber diese dürften nicht zulasten einer Berufsgruppe gelöst werden. “Man kann eben nicht gleichzeitig regionale Lebensmittel wollen und überall dort, wo diese produziert werden, Fragezeichen machen“, so die Kanzlerin abschließend.  

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9 Leserkommentare Kommentieren

  1. von Thomas Imhof · 1.
    Leider

    nix gemerkt in der letzten Milchkrise.....

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  2. von Erwin Koch · 2.
    Achtung, Achtung!! Bauern Merkel steht hinter euch!

    Die Erfahrung mit Merkel lässt böses ahnen und schlimmes befürchten. Denn immer wen Merkel als BK in der Öffentlichkeit sich vor- zu - oder hinter einen stellte so war sein politisches und berufliches Ende schon besiegelt. Diese Frau die alles aber auch wirklich alles für ihren Machterhalt tut verrät verbietet oder stilllegt kennt keine Skrupel. Wer heilige Sakramente nicht achtet die Einheit Europas mit Alleingängen aufs höchste gefährdet, alternativlos alle Energieerzeuger stilllegt, Die nimmt auch keine Rücksicht auf die Existenzen der Bauern und wird sie auch nach historischem Vorbild "enteignen" wenn es opportun ist eine schwarz rot- rot grüne Bundesregierung unter ihrer Kanzlerschaft zu etablieren!

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  3. von Hans Nagl · 3.
    Witz des Tages "Wir stehen zu Ihnen“!

    Wo waren sie Frau Merkel die letzten 11 Jahre??? Unterm Strich, Wahlkampf und sonst nichts.

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  4. von Renke Renken · 4.
    Achtung,

    die Wahl naht! Unsere Bundeskanzlerin taucht medienwirksam aus der Versenkung auf !!!

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  5. von Jörg Meyer · 5.
    Verbraucher entscheiden

    Wenn die Verbraucher, die Politik und die Landwirte entscheiden wie es weiter geht mit der LW , dann fehlt mir die Abteilung Forschung die die Politik unabhängig und zukunftsweisend beraten soll. Es fehlt mir eine Aussage dazu ob die Politik die Verbraucher beeinflussen will (Nudging nennt man das auf Neudeutsch) oder der Verbraucher als Wähler der Politik den Auftrag gibt in seinem sinne zu entscheiden. Was aber wenn der Wähler von der Politik etwas anders will als er als Verbraucher mit seinem Konsumverhalten zeigt? Muß dann die Politik Nudging betreiben und den Verbaucher hin zu seinen politischen Zielen umerziehen? Oder aber vielleicht haben die Verbraucher ja bei ihrer politischen Willensbildung sich geirrt, man wählt ja nur alle paar Jahre, da kann sich schon mal ein statistischer Fehler einschleichen, zumal Wahlentscheidungen ja nicht nur eindimensional auf die Landwirtschaft focussiert sind! Der statistische Fehler im Schnitt der täglichen Kaufentscheidungen dürfte deutlich geringer sein, wenn man diese als Willensbekundung betrachtet wohin die Landwirtschaft sich entwickeln kann, soll und muss! Kurzum der Markt entscheidet langfristig was, wo, wie und wann produziert wird und die Politik muß Leitplanken setzen und Leitplanken gibt es in Deutschland mehr als in den allermeisten anderen Ländern dieser Welt für die Landwirtschaft! Aber in Deutschland, einer Province in Australien und einem Afrikanischen Land gibt es kein Tempolimit für Autos, ein Schelm der böses dabei denkt....

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  6. von Jan Peter · 6.

    Die soll sich um ihre Flüchtlingsgötter kümmern, damit endlich genug Fachkräfte kommen. Ist so einsam hier

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  7. von Gerhard Steffek · 7.
    Die Bundesregierung habe unterstützt!

    Wie war das noch mal mit der Hendricks und ihren "Bauernregeln". Unter Unterstützung versteh ich etwas anderes.

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  8. von Steffen Hinrichs · 8.
    Alles nur Wahlproaganda

    Mit 600 Mio. hat die Regierung in der Krise geholfen ,aber wir haben mehrere Milliarden verloren !!! Diese Hilfen hätten auch nicht sein brauchen, hätte man in die Märkte frühzeitig eingegriffen. Schmidt sagte noch vor einigen Wochen ,der Staat würde bei einer erneuten Krise nicht mehr helfen und verlangte Branchelösungen. Merkel will seine Bauern auch in Zukunft unterstützen !? Was stimmt denn nun und was hat Rukwied in Krisenzeiten als Branchenlösung zu bieten !?

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  9. von Tobias Rausch · 9.
    Gelesen habe ich nix,

    aber das Titelbild hat mir schon gereicht, einfach nur unglaublich was ein Mensch an Schaden anrichten kann.

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