Meyer will sanfte Agrarwende durchsetzen

Niedersachsen will den diesjährigen Vorsitz in der Verbraucherschutzministerkonferenz (VSMK) dazu nutzen, den Verbraucherschutz auch bundesweit zu stärken. Landesagrarminister Christian Meyer kündigte am Dienstag in Hannover an, bei seinen Amtskollegen wichtige Impulse für eine bessere Kennzeichnung von Lebensmitteln, die Minimierung des Antibiotikaeinsatzes in der Tierhaltung und gegen den geplanten Verschleiß von Produkten zu setzen. Schließlich sei sein Bundesland in vielen dieser Fragen Vorreiter.

Antibiotikaeinsatz in Niedersachsen um mind. 50 % senken

Für Niedersachsen selbst kündigte Meyer an, den Verbraucherschutz finanziell und personell weiter stärken zu wollen. So würden derzeit rund 40 Mio. Euro in einen Erweiterungsbau des LAVES in Oldenburg investiert, etwa für neue Laborkapazitäten in der Dioxinanalytik. Das LAVES wurde 2014 um 67,5 Stellen gestärkt, 2015 werden weitere 45 Stellen hinzukommen. In dieser zweiten Stufe soll der Großteil der neuen Stellen im Bereich der Antibiotika-Minimierung angesiedelt werden.

„Die Meldungen über zunehmende resistente Keime und Erkrankungen nehmen wir sehr ernst. Niedersachsen will daher den Antibiotikaeinsatz in der Nutztierhaltung in fünf Jahren um mindestens 50 % senken", sagte Meyer.
Insgesamt sind 25 neue Stellen im LAVES zur Reduzierung des Antibiotikaeinsatzes im Haushalt 2015 eingeplant.

Noch eine weitere Tierschutzkennzeichnung?

Zu den umstrittenen Freihandelsabkommen sagte Meyer: „Die Äußerungen von Bundesagrarminister Schmidt vom Wochenende zeigen, dass es bei TTIP eben doch um die Schleifung europäischer Verbraucherstandards geht." Die Verbraucherschutzministerkonferenz habe bereits 2014 einen gemeinsamen Markt mit nivellierten Standards für Lebensmittel abgelehnt. „Dieses werde ich auch 2015 weiter vertreten", so Meyer.

Zusätzlich zu der von der EU ab April vorgeschriebenen Herkunftskennzeichnung von Fleischprodukten schlägt Niedersachsen auch eine staatliche Tierschutzkennzeichnung vor. „Ähnlich wie bei den Eiern, wo es eine erfolgreiche Kennzeichnung (0,1,2,3) der Haltungsform gibt, wollen wir auch beim Fleisch für den Verbraucher erkennbar machen, wie es produziert wurde. Wir wollen, dass auch auf dem Filet oder Steak nicht nur das Herkunftsland, sondern auch die Tierhaltungsform klar und einfach erkennbar ist. Das ist eine riesige Chance für Niedersachsens Landwirte.

Mehr Tierschutz koste Geld und müsse sich für die Landwirte auch finanziell lohnen", sagte er am Dienstag weiter. „Wir haben kein Interesse daran, Tierhaltung zu schlechten Bedingungen ins Ausland zu verlagern, sondern wollen unsere Tierhaltung hier gemeinsam mit Landwirten, Wissenschaft, Wirtschaft und Verbrauchern Stück für Stück verbessern."

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7 Leserkommentare Kommentieren

  1. von fendt306#001 · 1.

    Wir Menschen selbst sind für Resistenzen verantwortlich.Der Arzt verschreibt uns ein Antibiotikum,z.B. bei Hals- oder Ohrenschmerzen.Dieses soll 5-7 Tage eingenommen werden. Am 2. Tag sind die Schmerzen weg, dann wird das Antibiotikum nicht mehr genommen.

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  2. von SteffenH · 2.
    Immer mehr Kontroleure und Kosten

    Wenn man Antbiotika minimieren will ,dann aber bitte auch alternativen aufzeigen und die Homöopathie lehren und zulassen !

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  3. von frada · 3.

    Diese Burschen brauchen mal einen nicht ganz so sanften Tritt in den Allerwertesten. Mit Argumenten kommt man da nicht weiter!

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  4. von cairon · 4.
    Meyers "schöne, neue Welt"

    Herr Meyer sollte sich mal in den Niederlanden informieren, wie man resistente Keime in den Griff bekommt. Bei der Masse der resistenten Keime handelt es sich um humane Keime und Krankenhaushygiene heißt die Lösung. Sich nur auf die Tierhaltung zu konzentrieren ist wie das Lagerfeuer im Garten zu löschen, wenn schon das ganze Haus brennt. Die Bauern müssen bei den Antibiotika wieder als Sündenbock herhalten und das Hauptproblem wird ignoriert. das einzige was Herrn Meyer einfällt sind noch mehr Kontrollen, noch mehr Bürokratie und noch mehr Aufwand, damit drückt er vor allem die kleinen Betriebe an die Wand. Der Verbraucher kauft in erster Linie preisorientiert ein, auch wenn er in Umfragen gerne etwas anderes erzählt. Die Kosten für eine zusätzliche Kennzeichnung werden wieder nur bei den Tierhaltern abgeladen werden.

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  5. von Friesenkuh · 5.
    Schon interessant waser da wieder v vor hat

    Futtermittelkontrolle sicherlich okay Fragt sich was er mit ner halben Stelle macht und wer die Folgekosten bezahlt. Da werden die Kontrollgebühren dann ja auch wohl ansteigen müssen-zwangsläufig. Immer weniger Landwirte dafür aber mehr Kontrolleure!

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  6. von wrtop1 · 6.

    woher die Hauptprobleme der Antibiotikaresistenzen kommen ist ja nun hinlänglich bekannt, auch wenn das Grüne Politiker nicht wahrhaben wollen. Man stelle sich einmal derartige Gedanken der Zielsetzung bezogen auf die Humanmedizin vor! Politik mit Scheuklappen und ohne Folgenabschätzung ist nicht der richtige Weg. Optimierung des Einsatzes von Antibiotika ja, feste Reduktionsziele nein.

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  7. von timbonnie · 7.

    Wird nicht hier nur wieder ein Parteisüppchen gekocht? Die Bauern müssen wieder auf die Amtskollegen aus Brüssel hoffen, damit nicht nur "grüne Diktatur" erfolgt.

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