Milchbauern haben weiter Löcher in den Bilanzen

Albert Schulte to Brinke Albert Schulte to Brinke
Bild: NDR
Niedersachsens Milcherzeuger liefern zurzeit weiterhin weniger Milch an die Verarbeitungsunternehmen als im Vorjahr. Die desolaten Auszahlungspreise im vergangenen Jahr haben nach Mitteilung des Landvolks zu deutlichen Reaktionen geführt, die bis jetzt nachwirken. Noch stärker aber machen sich die fehlenden Einnahmen der jüngsten Milchkrise auf den Höfen bemerkbar.

„Die vielen in dieser Zeit aufgerissenen Löcher sind in den Bilanzen noch längst nicht ausgeglichen“, verdeutlicht Albert Schulte to Brinke. Auf zahlreichen Höfen hätten laufende Kosten über Kredite finanziert werden müssen, die jetzt noch abzutragen zu seien. Die Milchbauern müssten daher weiter auf einen Aufwärtstrend am Milchmarkt hoffen.

Der Landvolkvizepräsident sieht die aktuell wieder etwas unter Druck geratenen Auszahlungspreise daher mit größter Sorge. Die Milchviehhalter selbst haben im zweiten Halbjahr 2016 aus eigener Anstrengung zur Entlastung des Milchmarktes beigetragen und die Anlieferung zurückgefahren. In Deutschland wurde die Milcherzeugung 2016 nach Daten der ZMB im Vergleich zum Vorjahr um knapp ein Prozent reduziert, in Niedersachsen ging sie um 0,6 Prozent zurück. Allerdings stieg die Anlieferung auch in einigen EU-Mitgliedstaaten wie den Niederlanden (plus 7,2 Prozent) oder Irland (plus 4,1 Prozent).

Mit einem speziell aufgelegten Hilfspaket hat auch der Bund Anreize zur Nichtsteigerung der Erzeugung gesetzt, knapp 24.000 Milchviehhalter haben bundesweit einen Antrag auf Teilnahme gestellt.Milch und Milchprodukte, allen voran Käse, zählen zu gefragten Exportgütern. Der Löwenanteil mit einem Anteil von 90 Prozent wird im europäischen Binnenmarkt gehandelt.

Gleichwohl sieht das Landvolk auch auf außereuropäischen Märkten das Interesse an deutschen sowie niedersächsischen Milchprodukten. Dieses Segment unterliegt zugleich immer gewissen Unsicherheiten. Sie werden durch die Kaufkraftentwicklung, geopolitische Einflüsse aber auch klimatische Ereignisse in anderen Milcherzeugungsregionen beeinflusst und sind nicht vorhersehbar.

Zum Export in afrikanische Staaten räumt Schulte to Brinke mit einem immer wieder geäußerten Vorurteil auf: „Diese Lieferungen stören nicht das Wachstum afrikanischer Produzenten, sie sichern vielmehr die Ernährung in den afrikanischen Ballungszentren und noch mehr in den Flüchtlingsregionen des Kontinents. Dort ermöglichen sie vielen Menschen erst das Überleben.“ Die Ernährung der Bevölkerung in Nairobi, Kenia, Megastädten wie Lagos oder Nairobi oder auch in den Flüchtlings- und Krisenregionen am Horn von Afrika sei allein aus der regionalen Erzeugung nicht zu leisten.

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9 Leserkommentare Kommentieren

  1. von Detmar Kleensang · 1.
    Erstaunliche Erkenntnis und Erklärung:

    "Diese Lieferungen stören nicht das Wachstum afrikanischer Produzenten, sie sichern vielmehr die Ernährung in den afrikanischen Ballungszentren und noch mehr in den Flüchtlingsregionen des Kontinents. Dort ermöglichen sie vielen Menschen erst das Überleben.", so Landvolk-Vizepräsident Albert Schulte to Brinke. Regt zum grübeln an! Ist die gleiche Argumenations-Unlogik wie zu behaupten, die niedrigen Auszahlungspreise für Milch lägen nicht an einer Überproduktion, sondern an einer schwachen Nachfrage. Oder als wenn man behaupten würde, wenn Schulte to Brinke vor ein Auto läuft hat das keine Auswirkungen auf seine Gesundheit, aber Einfluss auf den Wiederverkaufswert des Fahrzeugs. Hmmm... Geht nicht immer beides Hand in Hand? Ich würde mir wirklich wünschen, diese Bonzen würden nur mal fünf Sekunden drüber nachdenken (dafür benutzt man diese komische graue Masse, die sich bei den meisten Menschen hinter der Nase befindet) was sie da sagen und schreiben! Oder tun sie das etwa und wollen uns bewusst für dumm verkaufen?

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  2. von Gerd Uken · 2.
    Herr Schulte zu B

    Hat er auch eine Lösung für die 400.000to Pulver,hat er auch schon mitbekommen was der Milchpreis jetzt macht? Schlaue Sprüche klopfen kann ich auch - wir brauchenbschnellsögliche eine Lösung des Problems leider verhindern bislang seinesgleichen ein MMKM und wenn der Präsident auch meint beim Bonus Malussystem muss sichverst zeigen ob es Wirkung zeigt,dann ist das nur Zeit schinden und die haben wir nicht mehr,weil ja die Wachstumswilligen schon wieder durchstarten. Die Banken wollen ja ihr Geld auch wieder haben. Wir sollen ja jetzt mit den 32 Cent Rücklagen bilden für die nächste Krise -so ein Schweinebauer beim Ruckwiedbesuch!

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  3. von Hans-Hermann Nohring · 3.
    Albert Schulte to Brinke hat es drauf!

    Was für eine Erkenntniss: Der schlechte Milchpreis hat tiefe Löcher gerissen. Soviel Sachverstand und Kompetenz haut mich vom Hocker.

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  4. von Andreas Christ · 4.

    nicht zu vergessen die Kosten die uns die neue Düngeverordnung aufzwingen wird.

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  5. von Willy Toft · 5.
    Von der Hoffnung und der Substanz können wir nicht leben!

    Warum fallen immer wieder die agierenden Protagonisten in alte Verhaltensmuster? Wir können weder Entwicklungshilfe noch humanitäre Lieferungen in die Krisengebiete der Welt transportieren. Dafür ist der Staat(EU) da! Wir müssen endlich begreifen, dass wir unser Schicksal selbst in die Hand nehmen, und eine Branchenorganisation aufbauen, damit wir die Spielregeln selber festlegen. Wir bekommen alles vom LEH vorgesetzt, ohne dafür einen Extraobonus zu bekommen, das ist doch grotesk. Die Meiereien lassen sich auf dieses gefährliche Spiel mit dem Handel ein, warum sollen wir nicht selbst mitbestimmen was geht, und wieviel es der aufnehmenden Hand kostet? Solange wir das nicht begreifen, werden wir alle wie die Lemminge den Weg zum Abgrund finden!!!

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  6. von Karl-Heinz Mohrmann · 6.

    Wie ist das offizielle Statement des Landvolk zum Bundeskartellamt? Dann werden wir sehen ob sie es auch verstanden haben..

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  7. von Karl-Heinz Mohrmann · 7.

    Das Landvolk hat tatsächlich erkannt das es eine Milchkrise gab. Mit negativen finanziellen Folgen für die Milchbauernfamilien. Es geschehen noch Wunder....

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  8. von Steffen Hinrichs · 8.
    Noch immer nichts dazugelernt !

    Statt Märkte mitzugestalten wird weiter verramscht . 2016 wurde nur 0,7 % mehr exportiert und hat uns nochmal 2 cent Milchpreisverfall gegenüber 2015 gekostet ,aber das Landvolk hat in Sachen Markt ja nichts dazugelernt und sorgt so nur für steigende Zahlen im Strukturwandel .

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  9. von Matthias Zahn · 9.
    Wieder nichts gelernt!!!

    Alles beim alten im Landvolk. Die Bauern sollen weiter auf bessere Preise "hoffen" anstatt der Marktentwicklung aktiv entgegen zu wirken und etwas für bessere Preise zu tun. Mich würde Interessieren ob dieser Mann den Bauern auch empfehlen würde, bei einer Mastitis auf eine baldige Abheilung zu "hoffen"! Weiterhin "hoffen" wir dann noch, dass unsere unverkaufbare Milch von den Entwicklungsländern "gebraucht" wird. Frei nach dem Motto von Pipi Langstrumpf "Ich mache mir die Welt, wide, wide, wie sie mir gefällt"! Aber die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt.......

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