Milchviehbetrieb überfordert? Aufnahmen von SOKO Tierschutz wohl echt

Verendete Kuh Verendete Kuh
Bild: SOKO Tierschutz

Die Aufnahmen aus einem Betrieb in Demker (Landkreis Stendal) der Tierrechtsorganisation SOKO Tierschutz – vergangene Woche ausgestrahlt bei SternTV -  hat die Zuschauer erschüttert, aber auch Fragen aufgeworfen, ob die Szenen echt sind und warum das Veterinäramt die Kadaver nicht entdeckt hat.

Der MDR konnte nun das ungeschnittene Originalmaterial auswerten und kommt zu dem Schluss, dass sie von dem genannten Betrieb stammen. Zu sehen seien u.a. die Ohrmarken. Die Organisation SOKO Tierschutz kritisiert in diesem Zusammenhang die Behörden, sie hätten kein Interesse an den Originalvideos gehabt.

Mehrfach hätten die Tierschützer nach eigener Aussage beim Veterinäramt angerufen und auf Missstände in dem Betrieb hingewiesen. So soll eine tote Kuh mehrere Tage zwischen ihren lebenden Artgenossen gelegen haben. In anderen Bereichen lägen verweste Kuhkadaver. Das Amt habe dem Betrieb dagegen nach Vor-Ort-Kontrolle eine ordnungsgemäße Tierhaltung bescheinigt und keine Kadaver gefunden, zitiert der MDR den Verein. Dieser will aber anhand der Datumsangaben im Film nachweisen können, dass die Körper dort definitiv auch nach der Kontrolle noch im Stall lagen, heißt es. „Alles deutet darauf hin, dass die Mitarbeiter des Veterinäramts den Stall gar nicht betreten haben", schlussfolgert Friedrich Mülln von SOKO Tierschutz.

Landwirt weist Vorwürfe zurück

Tim Geven, Sohn der Betreiberfamilie, weist die Vorwürfe zurück. Tote Tiere würden umgehend aus dem Bestand entfernt. Dass von 700 Tieren auch welche stürben, sei normal, sagte er dem MDR. Allerdings bestätige nun auch der Landkreis, dass die Sterblichkeit innerhalb des Tierbestandes auffällig hoch sei. Zwischen dem 1. Januar und dem 9. Mai seien dort demnach 46 Tiere verendet. Außerdem hatte es in der Vergangenheit immer wieder Beanstandungen gegeben. Genannt werden etwa unterlassene Hinzuziehung eines Tierarztes, verbesserungswürdige Klauengesundheit oder Meldefehler in der HIT-Datenbank. Das hätte bereits zu Auflagen und Bußgeldverfahren geführt, konnte der MDR in Erfahrung bringen.

Tierschützer wollen Behördenversagen beweisen

Friedrich Mülln will nun in den nächsten Tagen Beweise vorlegen, die den Fall aus seiner Sicht zu einem Behördenskandal machen. Auch gegen das Veterinäramt habe er inzwischen Anzeige erstattet. Die Familie sei, so schätzt er die Lage ein, mit dem Führen des großen Betriebes überfordert. Der Betrieb in Demker hat neben den beiden Betreibern, einem holländischen Ehepaar, noch drei Mitarbeiter. Diese fünf Personen müssten 700 Rinder versorgen und zwei Mal am Tag 350 Kühe melken. Die Arbeitstage beginnen morgens um 4 und enden abends um 18 Uhr, informiert die Familie in einer Pressemitteilung.

Die Milchwerke Mittelelbe nehmen seit Bekanntwerden der Vorwürfe keine Milch mehr ab, so der MDR weiter. Das stelle die Betreiber inzwischen vor große Probleme, weil die Einnahmen fehlen. Den Fall in Demker prüft nun weiterhin die Staatsanwaltschaft. Der Verein "Soko Tierschutz" hatte Anzeige erstattet.

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4 Leserkommentare Kommentieren

  1. von Erwin Schmidbauer · 1.

    Wenn in einem Betrieb mit 700 Rindern innerhalb von 4 Monaten (130 Tage!) 46 sterben, dann ist aber schon gewaltig was im Argen! Da müsste doch der Tierarzt täglich ein und aus gehen und die Ursachensuche auf Hochtouren laufen.

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  2. von Andreas Christ · 2.
    Medikamente

    und nicht vergessen,- schön die Antibiotika verbieten ,-und bei Schlachtungen gleich mal seitens Veterinäramt bei geschwollenen Gelenken oder ähnlichen den Landwirt verwarnen.

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  3. von Paul Siewecke · 3.

    Wachsen oder weichen... eine verhängnissvolle Entscheidungsfrage!

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  4. von Andreas Demann · 4.

    Danke an das Veterinäramt. Ich bin mal gespannt welche Ausrede da dann zu lasten der Landwirtschaft und der Glaubwürdigkeit des Veterinäramtes kommen werden.

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