"Mit der Offensive Nachhaltigkeit hat der WLV Mut bewiesen"

Anselm Richard Anselm Richard
Bild: www.wochenblatt.com

Seit einem Jahr handelt der Westfälisch-Lippische Landwirtschaftsverband (WLV) nun nach den Beschlüssen  der "Offensive Nachhaltigkeit". Die Initiative wird nun fortgeführt und ausgeweitet - und das mit ehrgeizigen Ziel- und Zeitvorgaben. Ein Kommentar von Anselm Richard, Chefredakteur des Wochenblattes für Landwirtschaft und Landleben:

Der WLV hat Wort gehalten. Die „Offensive Nachhaltigkeit“ ist keine Eintagsfliege, sondern wird fortgeführt und ausgeweitet. Das zeigt schon der erste Jahresbericht zur Offensive.

Als im Winter 2016/17 der Startschuss für die einzigartige Initiative fiel, haben die Verantwortlichen Mut bewiesen. Die Offensive löste ein großes Echo aus. Viel Zustimmung kam damals spontan aus Kreisen, die eigentlich eher den Bauernkritikern zuzurechnen sind. Aus den eigenen Reihen gab es dagegen zum Teil deutlichen Widerspruch.

Nicht wenige Landwirte fühlten sich überrumpelt und verstanden nicht, wofür die Offensive gut sein sollte. Das lag auch daran, dass einige Formulierungen in den ersten Papieren unglücklich gewählt waren. Manche Bauern sahen sich von der eigenen Interessenvertretung zu Unrecht auf die Anklagebank gesetzt. Rückenwind vom DBV oder aus anderen Landesbauernverbänden gab es auch nicht. Hier wurde das Projekt eher skeptisch beäugt.

Die innerverbandliche Diskussion haben die Spitzen des WLV, namentlich Johannes Röring und Henner Braach, über lange Zeit ausgehalten und durchgestanden. Sie und ihre Mitstreiter haben am Ende die Mitglieder überzeugt – und notwendige Korrekturen vorgenommen.

Selbstkritik kann wehtun, schadet aber selten. Das Eingeständnis „Wir könnten das besser machen“, ist keine Selbstanklage. Und Veränderungsbereitschaft zu signalisieren bedeutet nicht, dass bisher alles falsch war. Eine gute Lesart in Zeiten gesellschaftlichen Wertewandels wäre: „Wenn Ihr, liebe Mitbürger, das gern so haben wollt, dann machen wir das für Euch. Dafür brauchen wir Zeit, aber wir arbeiten dran.“

Der Dialog mit den Verbrauchern und den Medien ist nötig, Kommunikation ist existenziell. Zugleich hat Johannes Röring recht, wenn er sagt: „Wir müssen auch etwas zu kommunizieren haben.“ Einfach ausgedrückt: Heiße Luft reicht nicht. Deshalb benennt die Offensive 30 sehr konkrete Projekte aus den Bereichen Ackerbau, Tierhaltung usw., die mit ehrgeizigen Ziel- und Zeitvorgaben Veränderung sichtbar machen.

Dazu gehört auch, zu erklären, was nicht oder noch nicht geht. Seit Jahren sind die Schweinehalter auf der Suche nach einer Lösung für das Schwanzbeißer-Problem. Modellbetriebe mit wissenschaftlicher Unterstützung und enger Beratung probieren alles, was Erfolg verspricht. Aber bisher ohne eindeutiges Ergebnis. Auch das gehört zur Wahrheit.

Für eine zukunftsfähige Landwirtschaft zu kämpfen ist ein gutes Ziel. Denn letztlich geht es immer um die Menschen. Nicht zuletzt um die Landwirte und ihre Familien. Sie haben nur dann eine Zukunft, wenn ihre Arbeit anerkannt und wertgeschätzt wird. Mit der Offensive Nachhaltigkeit ist der WLV auf dem richtigen Weg.

Lesen Sie auch unsere Analyse:
WLV Offensive Nachhaltigkeit: Das erste Jahr danach (Premium) 6.3.2018


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5 Leserkommentare Kommentieren

  1. von Harald Finzel · 1.

    Es ist sehr schade, dass Herr Richard nicht die Frage nach der Struktur der Bauernverbände stellt. Wenn der deutsche Gesetzgeber mal wieder einen "nationalen Alleingang" macht, ist die Aufregung groß. Wenn aber ein regionler Bauernverband vorausprescht bei strategischen Fragen, die für ganz Deutschland relevant sind, ist das kein Problem? Die altbackenen Strukturen der Bauernverbände, die ihren Ursprung in den vorrangig regionalen Problemstellungen der Vergangenheit haben, müssen endlich an die Zeiten des Internets, der überregionalen Meinungsmache und globalisierter Wirtschaftsstrukturen angepasst werden: Dem DBV als deutschlandweiter Dachorganisation muss mehr Kompetenz (nicht nur fachlich/politisch, sondern auch z.B. Medienkompetenz) gegeben werden. Im Gegenzug sind die Strukturen der Landesbauernverbände zu verschlanken.

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  2. von Wilhelm Grimm · 2.
    Verkrampftes Eigenlob.

    Muss nicht sein.

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  3. von Albert Maier · 3.
    Bärendienst!

    Der WLV erweist mit dieser Vorgehensweise seinen Mitgliedern einen Bärendienst. Dies ist nämlich definitiv ein Eingeständnis, dass bisher "alles" falsch läuft. Zu sagen, wir brauchen Zeit für Verbesserungen, bestätigt die Kritiker erst recht. Das Ganze dann noch mit der angeblich trendigen Worthülse Nachhaltigkeit, von der keiner weiss, was damit gemeint ist, zu umgarnen, setzt dem Blödsinn die Krone auf!! Besser nichts machen als alles falsch machen!

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  4. von Jochen Böhrer · 4.
    Es darf nicht ausarten

    Die Branche muß nicht jedem Stöckchen hinterherlaufen. Denn es fehlt die Würdigung. Es sind nicht Forderungen der breiten Gesellschaft. Diese stimmt an der Supermarktkasse über ihre Wünsche ab. Es sind die Forderungen ideologischer Politiker, spendengeiler NGOs und bauernkritischer Medien. Unterstützt von lauthals schreienden Bauermfeinden. Man läuft den Forderungen ewig hinterher. So wie der dumme Esel der vorgehaltenen Stange mit dem Grasbüschel. Und wird sie nie erreichen. Was hat die Landwirtschaft die letzten Jahre nicht alles geleistet? Die Antibiotikagaben wurden mehr als halbiert.. die Würdigung blieb aus. Die Nitratwerte und die Bilanzüberschüsse sinken seit Jahrzehnten.. wir bleiben die Brunnenvergifter. Die Sikkation wurde gestoppt und der Glyphosatverbrauch um 40% gesenkt.. die Hetze geht weiter. Millionen wurden in Gruppenhaltung von Sauen investiert... man bleibt "Tierquäler". Und so gibt es unzählige Beispiele. Die Landwirtschaft ist ein Jahrtausende altes Erfolgsmodell und macht heute mit 6,5 Mrd soviele Menschen satt wie noch nie in der Erdgeschichte. Mehr als doppelt soviele als noch vor 40 Jahren. Darauf können wir stolz sein. Und seit Jahrtausenden gibt es Weiterentwicklungen. Und auch Fehlentwicklungen und Korrekturen. Und so bedarf es auch in Zukunft Weiterentwicklungen und Korrekturen. Aber die Richtung muß beibehalten werden. Es besteht keinerlei Grund für eine Wende. Wohin die Reise geht, muß fachkundig entschieden werden und nicht vom Mob.

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  5. von Steffen Hinrichs · 5.
    Dauerhaft nachhaltig geht nur zu kostendeckenden Preisen

    Wie ist das sichergestellt ?

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