NABU empört Jäger mit eigener Umweltverträglichkeitsprüfung

In Baden-Württemberg, Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen werden derzeit die Landesjagdgesetze novelliert. Das hat der Umweltschutzverein NABU zum Anlass genommen, die Jagdgesetze im Bund und in allen 16 Bundesländern einer „naturschutzfachlichen Bewertung“ zu unterziehen. Als Kriterien für eine naturverträgliche Jagd betrachteten die Gegner die Anzahl der jagdbaren Arten, Jagdruhezeiten und die Jagdausübung.

Das Ergebnis ist laut NABU-Präsident Olaf Tschimpke ernüchternd: „Die derzeitigen jagdgesetzlichen Regelungen erfüllen mit Ausnahme von Berlin und Rheinland-Pfalz noch nicht einmal 10 % der NABU-Forderungen hinsichtlich einer ökologischen Ausrichtung der Jagd. Anforderungen des Natur-, Arten- und Tierschutzes sowie gesellschaftliche und ethische Anliegen werden bisher kaum berücksichtigt“, kritisiert Tschimpke.

Seiner Meinung nach ist das deutsche Jagdrecht verstaubt und veraltet. „Der lodengrüne Geist des letzten Jahrhunderts haucht einem aus den meisten Jagdgesetzen entgegen.“ Der NABU fordert Bundesregierung und Landesregierungen daher auf, die alten Jagdgesetze ins Museum zu tragen und moderne Jagdgesetze mit Naturschützern, Tierschützern und Jägern zu entwickeln.

Einige Kritikpunkte:

  • 150 Tierarten unterliegen dem Jagdrecht, jede dritte Art ist aber nach dem Naturschutzgesetz streng geschützt
  • Die Jagd findet auf einige Arten das ganze Jahr über statt
  • Thema Fallenjagd
  • Thema bleihaltige Munition

Tschimpke verspielt NABU-Glaubwürdigkeit

Andreas Leppmann Andreas Leppmann
Der Deutsche Jagdverband reagiert verärgert auf diese Aussagen. Der NABU habe ohne jegliche Datenbasis oder wissenschaftliche Fakten eine „Umweltverträglichkeitsprüfung“ der Jagdgesetze durchgeführt. Dabei seien die gewählten Faktoren wie Zahl jagdbarer Arten, Jagdzeiten und Jagdmethoden völlig willkürlich und hanebüchen.

„Wenn NABU-Präsident Olaf Tschimpke das ernst meint, spreche ich ihm jegliche Kompetenz in Sachen Jagd ab“, so Andreas Leppmann, Geschäftsführer des Deutschen Jagdverbands (DJV) auf der DJV-Klausurtagung der Landesjagdverbände in Mettlach/Saarland. Vielleicht solle man besser eine Umweltverträglichkeitsprüfung der über drei Dutzend NABU-Eigenjagdbezirke anregen, so Leppmann weiter. Der überholte „Wir-bauen-einen-Zaun-drum-Naturschutz“ werde weiter forciert und die praktische Naturschutzarbeit vor Ort von NABU und Jägern mit Füßen getreten.

Fangjagd in Naturschutzprojekten legitim!?

Eine Säule des Artenschutzes neben Lebensraumverbesserung ist die Bejagung räuberischer Arten. Dies geht am besten mit Fallen oder mit der Baujagd. Der NABU-Bundesverband lehnt jedoch in seiner Position die Verwendung von Fallen gänzlich ab. Allerdings wird in Naturschutzprojekten das Fallenstellen unter der Bezeichnung des „Prädatorenmanagements“ legitimiert, staatlich gefördert und von Naturschutzverbänden – insbesondere vom NABU – aktiv praktiziert.

„Ein Fang- und Baujagdverbot ist das schädlichste, was man für den Schutz benachteiligter Arten ernsthaft fordern kann“, sagt Andreas Leppmann. „Ob auf der Falle „Prädatorenmanagement“ steht oder „Fangjagd“, ist dem Fuchs egal. Alles andere ist Etikettenschwindel und entbehrt jeder argumentativen Grundlage“, so der Jäger.

Lesen Sie mehr

3 Leserkommentare Kommentieren

  1. von TMohr · 1.
    Auch wenns schwerfällt...

    ... mit einem hat der NABU Recht: Das Jagdgesetz muss endlich grundlegend reformiert, überarbeitet und den aktuellen und zukünftigen Anforderungen angepaßt werden. Mit Regelungen aus Kaisers- und Göringszeiten kann heute keine Jagd und Hege mehr betrieben werden. Insbesondere die Regelungen zur Erlangung des Jagdscheins müssen vereinfacht und auf das Wesentliche reduziert werden, sonst bricht bald der Nachwuchs weg. Über das schon tümmelnde sogenannte Brauchtum kann man immer streiten. Der Rest der Forderungen des NABU sind dikussionswürdig, aber mit allen Beteiligten, sachlich und konstruktiv. Das wird jedoch kaum möglich sein, denn Ideologie versperrt hier den Blick auf das tatsächlich notwendige, auf beiden Seiten. Aus land-und forstwirtschaftlicher Sicht kann ich nur sagen: Wir brauchen in unserer Kulturlandschaft mehr Jagd, nicht weniger. Ansonsten kotzt einen die Selbstherrlichkeit und Arroganz des NABU bei seinen teilweise durchaus berechtigten Forderungen wieder mal an. Vielleicht sollten die Jäger mal sammeln gehen und dem Verband den Schneid abkaufen, alles eine Frage des Preises. Woanders hats ja auch geklappt.

    Das meinen unsere Leser:
  2. von preuße · 2.

    Sachlichkeit würde allen Seiten gut tun - aber davon sind wir Meilenweit entfernt. Die einen vieleicht etwas mehr als die anderen, aber das spielt im Ergebnis dann auch keine Rolle.....

    Das meinen unsere Leser:
  3. von alorie · 3.
    Ersetzen wir halt das Blei...

    ...in der Munition durch Uran oder Kupfer. Wieder zurück zu Pfeil und Bogen? Oder evtl etwas besser doppelsehnige Armbrust mit elektrischer Spannvorrichtung? Oder Blasrohr in Zukunft? Wann wird der Ast auf dem sie sitzen endlich abgesägt sein???

    Das meinen unsere Leser:
Ihre Meinung

Zum Schreiben eines Kommentars loggen Sie sich bitte ein!

Sie sind neu hier?

Als Abonnent kostenlos registrieren