Nach Schreckens-Doku im ZDF: WLV fordert Ende von EU-Schlachttiertransporten in Drittländer

Rinder werden in Beirut vom Schiff entladen Rinder werden in Beirut vom Schiff entladen
Bild: ZDF

Die ZDF-Dokumentationsreihe "37 Grad" berichtete am Dienstag unter dem Titel "Geheimsache Tiertransporte - Wenn Gesetze nicht schützen" über den Lebendviehexport in Drittländer.

Hintergrund ist der boomende Export von Rindern und Schafen aus der EU in die Türkei, den Nahen Osten oder nach Nordafrika. Schon kleine Kälber werden über 3000 Kilometer weit transportiert. Nach Tagen oder Wochen am Ziel angekommen, erwarte viele Tiere ein Ende mit unsäglichen Schrecken, schreibt ZDF-Autor Manfred Karremann.

Die Kritik: Niemand schere sich mehr um die Gesetze, sobald die Tiere die EU verlassen. Tierschützer würden von verdursteten Rindern am türkischen Grenzübergang berichten. Wie seit Jahrzehnten würden auch 2017 noch immer verletzte Rinder mit einem Kran aus dem Schiffsbauch gezogen und an einem Vorderbein aufgehängt auf Lastwagen verladen. Das Bein breche unter dem hohen Gewicht. Obwohl der Europäische Gerichtshof entschieden hat, dass für Tiere aus der EU der Tierschutz bis zum Zielort sichergestellt sein muss, seien solche Quälereien nach wie vor Alltag.

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Röring fordert gesetzliche Regelungen

Johannes Röring Johannes Röring
Bild: WLV
Nach Ausstrahlung der Sendung hat der Westfälisch-Lippische Landwirtschaftsverband (WLV) beschlossen, sich für ein Ende des Transports von Schlachttieren aus der EU in die Türkei und den Nahen Osten einzusetzen. In einer Pressemitteilung kritisiert der Verband die dokumentierten unhaltbaren Zustände auf Transportschiffen und LKW.

„Die verstörenden Bilder zeigen, dass Tierwohlaspekte bei Schlachtviehexporten aus der EU trotz klarer EU-Regelungen offenbar kaum noch eine Rolle spielen, sobald die Tiere die EU-Außengrenzen erreichen. Ich appelliere daher an die Politik, den Bund und die Europäische Union, gesetzliche Regelungen zu schaffen, die den Transport von Schlachttieren nach Drittländern gänzlich verbieten“, so WLV-Präsident Johannes Röring.

Er weist darauf hin, dass der Transport von Schlachtrindern aus der EU durch umfangreiche Rechtsvorschriften zum Schutz von Tieren geregelt sei. So dürfe niemand eine Tierbeförderung durchführen, wenn den Tieren dabei Verletzungen oder unnötiges Leiden zugefügt werden könnte.

Tiere dürften nur transportiert werden, wenn sie im Hinblick auf die geplante Beförderung transportfähig sind und wenn gewährleistet ist, dass ihnen unnötige Verletzungen und Leiden erspart bleiben. Darüber hinaus hätten auf europäischer Ebene Organisationen aus der Land- und Tierärzteschaft, der Viehhandelsverbände und der Schlachtunternehmen vor Jahren Leitlinien ausgearbeitet, welche die europäischen Rechtsvorschriften ergänzen, stellt der Präsident weiter klar. Darin würden u.a. Indikatoren festgehalten, die zur Einschätzung dienen, ob ein Tier grundsätzlich transportfähig ist.

"Bundesregierung und EU gefragt"

Thomas Schröder Thomas Schröder
Bild: Deter
Erschüttert zeigt sich auch der Deutsche Tierschutzbund. „Die derzeit geschäftsführende Bundesregierung muss ihren ganzen Einfluss auf EU-Ebene einsetzen, damit diese bisher offenbar politisch geduldete Tierqual ein Ende hat“, sagte Thomas Schröder, Präsident des Verbandes am Mittwoch.
 
Obwohl es ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs gebe, dass EU-Recht und damit Tierschutzvorgaben bis zum Bestimmungsort der Tiere einzuhalten sind, werde dies in der Praxis nicht umgesetzt. „Es darf nicht sein, dass sich die EU-Länder immer nur bis zu ihrer eigenen Grenze für den Schutz der transportierten Tiere zuständig fühlen. Hier sind alle Mitgliedstaaten in der Verantwortung zu gewährleisten, dass die Tiere sicher am Zielort ankommen“, so Schröder.
 
Die Gründe für den Export lebender Tiere in Drittländer sind laut Schröder rein wirtschaftlich. So seien Milchkühe oft sehr stark auf eine möglichst hohe Milchleistung gezüchtet. Ihre weiblichen Nachkommen würden als Milchkühe genutzt, die männlichen Kälber hätten dagegen kaum wirtschaftlichen Wert. Besonders diese Tiere würden – oft über mehrere Zwischenstationen – exportiert. „Ich setze darauf, dass deutsche Landwirte ihren Tieren unnötiges Leid ersparen möchten. Wirtschaftliche Gründe dürfen sie nicht dazu zwingen, ihre Tiere in ein ungewisses Schicksal zu schicken“, sagt Schröder und betont, dass es um System- und Strukturfragen geht, die dringend angegangen werden müssen. Langfristig müssen aus Sicht der Tierschützer die Rückkehr zu Zweinutzungsrassen und regionalen Strukturen bzw. der Transport von Fleisch anstelle lebender Tiere die Lösung sein.

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11 Leserkommentare Kommentieren

  1. von Hans Merk · 1.
    Und so wie die EU den Tierschutz im Ausland überwacht

    kontrolliert sie auch die eingeführten Lebensmittel

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  2. von Hans Merk · 2.
    Und dann gibt es Organisationen wie unseren Zuchtverband in Ansbach

    der jedes Jahr neue Rekordzahlen von Zuchtviehexporten zu unserern lieben Islamisten vermeldet. Schon zu meiner Zeit als Jungzüchtervorstand - und das ist 25 Jahre her - piffen die Spatzen von den Dächern der Rezathalle daß einen großen Teil dieser Tiere nur das Messer am Ziel erwartet. Wers ausspricht gilt als Nestbeschmutzer aber von uns bekommt dieser Verein schon lange nichts mehr.

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  3. von Dirk Grühn · 3.

    Leider hat sich in den letzten 25 Jahren nichts geändert. In der Hand haben es aber Mehrere. Angefangen beim Verbraucher, der leider die Geiz-ist-geil-Mentalität weiterhin verfolgt. Nahrungsmittel, hier vor allem Fleisch, dürfen nichts kosten. Bekämen die Landwirte einen vernünftigen Preis für ihre Produkte, wären sie nicht "genötigt" immer mehr Tiere zu halten um ein lebenserhaltendes Auskommen zu erzielen. Somit wäre vielleicht eine mögliche Reduzierung der Tierhaltung eingeleitet. Gewünscht sind regionale Strukturen, dem Widerspricht die fortwährende Schließung kleiner und mittlerer Schlachthöfe, die aufgrund permanent steigender Anforderungen diesen kaum gewachsen sind, bzw. die Umsetzung aus finanziellen Gründen nicht möglich ist. Weiterhin hat es vor allem die EU in der Hand. Transporte gehören auf maximal 6 bis 8 Stunden begrenzt, alternativ bis zum nächstgelegenen Schlachthof. Wer Fleisch deutschen Ursprungs haben will, kann es auch in Deutschland gekühlt oder gefroren kaufen. Der Koran schreibt z.B. die Schächtung nicht zwingend vor. Jegliches Leiden der Tiere soll vermieden werden, was definitiv im gezeigten Beitrag nicht der Fall ist. Wer dies nicht akzeptiert, muss es ja nicht in D kaufen. Schade das ein erkennbar "krankes System" erst noch vollends in Grund und Boden gewirtschaftet werden muss, bis man bemerkt, dass es auch anders gehen kann. Auch die Landwirte selbst sollten aufwachen. Wer schickt nach solchen Bildern noch GUTEN GEWISSENS ein Tier in den Export nach Nahost???

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  4. von Helmut Ehrenbrand · 4.
    Handeln und nicht erst Gedanken machen

    Es ist eine Schande für ganz Europa diesen Dreckspack lebende Tiere zu liefern und das sogar mit Subventionen . Bei uns werden Schlachthöfe geschlossen weil Tiere anscheinend lebend günstiger zu liefern sind als gekühlt. Abstellen ,dauerhaft und sofort.

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  5. von Ulf Henning · 5.

    wollen wir diese Menschen, die in ihren Ländern bei der Schlachtung so mit den Tieren umgehen, wirklich als Mitbürger in unserer Gesellschaft haben?

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  6. von Martina Junker · 6.
    Schrecklich

    Also meine Tiere bekommen die nicht.

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  7. von Oswald Steinle · 7.
    Der Export lebender Tiere...

    Aus der EU heraus in andere nicht EU Länder gehört verboten. Es ist traurig aber das ist die einzige Möglichkeit solche Misshandlungen zu verhindern. Was die in ihren Ländern mit ihren Tieren machen geht uns jedoch nichts an.

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  8. von Rudolf Rößle · 8.
    14 Tage

    Kälber mit 14 Tagen vom Hof zu verbringen, ist völliger Unsinn.Das Immunsystem ist noch nicht voll intakt. Deutsche Mäster können nicht gewinnbringend Kalbfleisch erzeugen. Das ist das eigentliche Dilemma. Somit ist Streß und Tierqual vorprogrammiert. Tiere können hier geschlachtet werden und mit Kühltransporter transportiert werden. Aber das Fleisch ist nichts wert. Die EU kann verpflichtend für alle EU Staaten Versorgungsstationen einrichten lassen. Jedes Tier kann über HIT überprüft werden, ob es dort einen Aufenthalt hatte.Dies gilt auch für Grenzübergänge. Kälber dürfen nur getränkt die Eigene Betriebstätte verlassen.Das sind wir ihnen schuldig.

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  9. von Gerd Woertel · 9.
    Abscheulich

    Aber sind wir in der Eu viel besser ? Ich denke da nur an Niederwild Treibjagden , wo Tiere nur noch zum Spass einiger weniger in die enge getrieben werden und abgeballert werden. Dabei müssten die Hasen, Fasanen etc. schon lange auf der Roten Liste stehen. Oder der Stierkampf in Spanien. Bevor wir hier Weltpolizist Spielen sollten wir bei uns aus dem Fenster sehen

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  10. von Kirsten Wosnitza · 10.
    leider keine Überraschung

    Leider ist schon lange bekannt was auf Schlachthöfen einiger Länder mit importierten Rindern passiert http://www.bbc.com/news/world-asia-22412782. Australien hat aufgrund der Proteste von Tierschützern immer wieder den lebendexport nach Ägypten gestoppt. Dennoch hat die EU nicht reagiert. In Deutschland stellt die Diskussion um Tierschutz in der Landwirtschaft uns Bauern vor große Herausforderungen. Jeder der auf seinem Betrieb Geld und Zeit inTierwohl nvestiert hat kein Verständnis für derartige Zustände und überlegt sich wohin er seine Tiere liefert.

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  11. von Diedrich Stroman · 11.
    Und die Schuldigen

    Sollen nicht schon wieder die Bauern sein, nein die Politik und Bürokraten in Brüssel machen die Gesetze und haben die Kontrolle über diese Tierquälerei aber mit den Ohrmarken die alle gut zu sehen waren hört es scheinbar auf.!Diese Bilder zeigte ein abscheuliches Bild zu was Menschen im stande sind und die Europäer träumen immer noch von den Gutmenschen im Glauben des Islam! Man fragt sich was solche Abkommen alleine schon mit dem Türkenvolk zu tun haben, so bestialisch kann man mit Tieren doch nicht umgehen, aber die Geiz ist geil Mentalität hat auch wieder was mit den Transporten zu tun ! Die Schuldigen dieser Katastrophe gehörten auch sofort verhaftet, auch in den Amtsstuben der EU Auch diese Transporte sollten sofort eingestellt werden, und nur noch hier geschlachtet werden und dann exportiert werden!!!

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