Nutztierhalter suchen Orientierung: "Unsicherheit ist Gift!"

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Bild: Archiv

Eindeutige Orientierungen für die Zukunft der Tierhaltung in Deutschland erwartet der Vorstandsvorsitzende des Bundesverbandes der gemeinnützigen Landgesellschaften (BLG), Volker Bruns, von der Politik. „Die Landwirte wissen nicht, wo in der Tierhaltung die Reise hingeht“, beklagt der BLG-Vorsitzende. Unsicherheit sei jedoch „Gift für Investitionen“.

In diesem Zusammenhang unterstreicht Bruns die Bedeutung einer nationalen Nutztierstrategie. Diese müsse Antworten geben, „wie die gesellschaftlichen Erwartungen mit den wirtschaftlichen Notwendigkeiten unter einen Hut gebracht werden können“. Der gegenwärtige Investitionsstau in der Tierhaltung werde sich auflösen, wenn die Rahmenbedingungen für die nächsten Jahre klar seien.

Wichtige Fingerzeige erhofft sich Bruns vom geplanten staatlichen Tierwohllabel. Dessen Kriterien würden Hinweise geben, „wie ein Stall künftig beschaffen sein sollte, um tierwohlgerecht zu sein“. Diese Kriterien müssten daher breit getragen werden und ihren Niederschlag in den Richtlinien der Agrarinvestitionsförderung finden.

Der BLG-Vorsitzende rät zu einer differenzierten Betrachtung des Modernisierungsbedarfes in der Tierhaltung: „Wir fangen nicht bei Null an.“ Im Stallbau gebe es eine Vielzahl von Beispielen, „die zeigen, wie es gehen kann“. Die Landwirte müssten für sich klären, „wo steht mein Betrieb, wo will ich hin“. Ein von den Landgesellschaften konzipierter „Tierwohl-Check“ könne wertvolle Hilfestellung geben.
 
Zahl der Einzelunternehmen sinkt

Mit einer Beschleunigung des landwirtschaftlichen Strukturwandels rechnet der Geschäftsführer der Landgesellschaft Mecklenburg-Vorpommern in Ostdeutschland. Viele Betriebe, die nach der Wende von Neu- und Wiedereinrichtern gegründet worden seien, würden derzeit von bestehenden Betrieben übernommen. In der Folge werde sich die Zahl der Einzelunternehmen in den neuen Ländern in den nächsten Jahren deutlich vermindern, und zwar vor allem in der Tierhaltung.

Eine ähnliche Entwicklung sieht Bruns bei den juristischen Personen. Auch hier laufe der Übergang in dem meisten Fällen durch Verkauf, zumeist an im Lande ansässige landwirtschaftliche Großunternehmen. Bei einem kleineren Teil der Erwerber handele es sich um außerlandwirtschaftliche Investoren.

In diesem Zusammenhang bekräftigt der BLG-Vorsitzende den Regelungsbedarf im landwirtschaftlichen Bodenrecht. Zum einen gehe es darum, übermäßige Konzentrationsprozesse auf regionalen Bodenmärkten zu verhindern. Zum anderen müsse der Flächenerwerb über Anteilserwerb geregelt werden.

Impulse für die Weiterentwicklung des Bodenrechts verspricht sich Bruns von der im Koalitionsvertrag angekündigten Unterstützung der Länder durch den Bund. Zurückhaltend beurteilt der BLG-Vorsitzende die Aussichten einer Existenzgründungsoffensive in der Landwirtschaft. Keine Chancen räumt er einer Bundeskompensationsverordnung ein.

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