Offene Agrarmärkte können Klimawandel besser auffangen

Hermann Lotze-Campen, 50, ist Agrarökonom und Forschungsbereichsleiter am Institut für Klimafolgenforschung in Potsdam. Er hat ein Modell entwickelt, um die Zusammenhänge von Landwirtschaft, Klimawandel und Handel zu analysieren.
Bild: privat
Ein Plädoyer für den Freihandel hinsichtlich Klimaschutz und Landwirtschaft hat der Agrarökonom Hermann Lotze-Campen vom Institut für Klimafolgenforschung in Potsdam gehalten. Aus seiner Sicht können offene Agrarmärkte den Klimawandel besser auffangen. Er ruft aber zur politischen Begleitung des Freihandels auf.

In einem Namensbeitrag für die Süddeutsche Zeitung hat sich in dieser Woche der Forschungsbereichsleiter am Institut für Klimafolgenforschung in Potsdam, Hermann Lotze-Campen, zu der Verknüpfung von Freihandel, Klimaschutz und Landwirtschaft geäußert. Er verweist darin darauf, dass im Zuge des Klimawandels mit extremen Wetterlagen und mit mehr Dürren und mehr Überflutungen zu rechnen sein wird. Damit würden auch die Missernten zunehmen. "Die Preise von Weizen, Mais und Reis werden steigen, vor allem in Entwicklungsländern wird auf eine ausreichende Versorgung mit Grundnahrungsmitteln kein Verlass sein", schreibt er. Aus seiner Sicht könne der Freihandel hier helfen. Die Forschung zeigt laut Lotze-Campen, dass gerade offene Agrarmärkte dazu führen, dass die Veränderungen der Produktionsbedingungen durch den Klimawandel besser aufgefangen werden können.

Agrarhandel als ein Instrument der Klimapolitik

Der Handel mit Getreide oder Fleisch könne ein Element von mehreren Instrumenten der Klimapolitik sein. Ein offenes Handelssystem könne besser einen Mangel oder einen Überschuss an Grundnahrungsmitteln zwischen unterschiedlichen Regionen ausgleichen, so der Forscher. Er berichtet weiter von Berechnungen des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung, die zeigten, dass bei einer restriktiven Handelspolitik die Verluste durch den Klimawandel in der Landwirtschaft weltweit auf etwa 2,5 Billionen Dollar im Jahr steigen könnten. Würde der Handel hingegen weiter liberalisiert, ließen sich diese Verluste wenigstens halbieren, schreibt er. Offene Handelswege könnten danach zu niedrigeren Nahrungsmittelpreisen führen. "Das kommt am Ende vor allem ärmeren Bevölkerungsgruppen in den Entwicklungsländern zugute, die einen hohen Anteil ihres Einkommens für Nahrungsmittel ausgeben müssen", so Lotze-Campen.

Politik soll Marktöffnung begleiten

Aus Sicht von Lotze-Campen muss eine weitere Öffnung der Märkte von der Politik begleitet werden. In trockenen Weltregionen zum Beispiel sollte die Wasserentnahme durch die Landwirtschaft reguliert werden; am besten durch ein lokal angepasstes Preissystem, das auch die Grundbedürfnisse armer Bevölkerungsschichten berücksichtigt. Ansonsten könne sich die Wasserknappheit in einer Region durch den Export von Agrargütern sogar verschlimmern. Es dürfe auch nicht so sein, dass Entwicklungsländer ihre Märkte öffnen - gerade Regionen wie Europa müssen ihre Agrarmärkte weiter liberalisieren und preisverzerrende Subventionen weiter abbauen, argumentiert er weiter. Bei der Öffnung der Agrarmärkte ginge es am Ende um das "wie nicht nur um das ob", schreibt er.

Deutschland soll den Vorsitz bei den G-20 nutzen

Den Vorsitz bei den G-20-Staaten, den von Deutschland 2017 inne hat, benennt er als eine Chance. "Gemeinsam können diese Staaten Klimapolitik, Agrarpolitik und Handelspolitik stärker verknüpfen", schreibt Lotze-Campen. Es wäre ein Zeichen gegen den Trend, neue Grenzen zu setzen. "Die Chancen einer gesteuerten Globalisierung, nicht als Selbstzweck, sondern als Mittel weltweiter Arbeitsteilung und verbesserter Ressourceneffizienz, sollten wir unbedingt gemeinsam nutzen", lautet sein abschließender Aufruf.

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12 Leserkommentare Kommentieren

  1. von Henrik Plaas-Beisemann · 1.
    Es gibt zwei Wege

    entweder wir verteilen Nahrung auf der Welt um oder die Menschen verteilen sich um. Das ist die Quintessenz von dem, was uns Herr Lotze-Campen sagen will. Damit hat er Recht. Auch die Arabellion ist im Grunde ein Aufstand aufgrund hoher Lebensmittelpreise, auch die Piratenprobleme sind ein Problem der Umverteilung in die falsche Richtung, Fisch aus Afrika nach Europa. Wer vom Welthandel wirtschaftlich profitiert oder wirtschaftliche Nachteile dadurch erleidet, steht auf einem anderen Blatt, aber erstmal sind die Menschen satt zu bekommen und da hat er richtig erkannt, man sollte sich nicht falschen Hoffnungen hingeben, am Ende kann Nahrung nur da angebaut werden, wo sie ausreichend Wasser zum Wachstum hat. Deshalb halte ich den Weg die Nahrung zu den Menschen zu bringen für besser als zu warten bis die Menschen sich auf den Weg zur Nahrung begeben.

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  2. von Rudolf Rößle · 2.
    Armut

    In den Ländern, in denen die größte Armut herrscht, findet auch der größte Bevölkerungswachstum statt. Das bedeutet weniger Geld für den Einzelnen und soziale Unruhen, Somit muss unser Getreide weiterhin subventioniert werden,um diese Länder zu versorgen. Nur Staaten mit einem hohen Bruttosozialprodukt und einem funktionierenden Rechtssystem, können extremen Ereignissen mit einer gewissen Gelassenheit entgegentreten. Der Nahe Osten wird Jahrzehnte benötigen, um wieder Fuß zu fassen. So gibt es viele andere Beispiele.

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  3. von Albert Maier · 3.
    @Gebken und andere

    Der Mann hat natürlich nicht recht. Denn das, was er in Wirklichkeit verkündet ist nicht der "freie Markt", sondern eine planwirtschaftliche Globalisierung nach den Kriterien einer klimawandelbesessenen Transformation. Diese Leute, angeführt vom Selbstverbrenner Schellnhuber sind komplett durchgeknallt!

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  4. von Wilhelm Gebken · 4.
    Ach Doris, gestern hatte ich auch schon so ein Aha-Erlebnis wie jetzt bei Dir!

    Da hatte sich jemand in einem Leserbrief kritisch über den Wolf geäußert. Die Quittung von einem Gutmenschen kam postwendend: Er solle sich doch lieber um Verkehrsunfälle mit Kindern kümmern, das sei viel wichtiger als der Wolf. Genau so liest sich deine Replik auf grundlegende Aussagen von Prof. Lotze - Campen. Widerleg doch einfach seine Thesen und weich nicht auf Nebenkriegsschauplätze aus. Z. B. Regenwaldabholzung: Was würden die Brasilianer wohl machen, wenn sie kein Zuckerrohr und kein Soja mehr anbauen dürften und könnten? Exakt richtiich! Sie würden den Regenwald zur Holzgewinnung abholzen, genau so wie wir es in Europa von der Antike bis zum Ende des Mittelalters gemacht haben! Ist es da für sie nicht besser, auf den bereits abgeholzten Flächen Soja anzubauen, das Öl im eigenen Lande zu verwenden, den Stickstoffüberschuß der Leguminose Soja (Du bist doch Landwirt, oder?) für die Folgefrucht Weizen zu nutzen (Zweite Ernte im selben Jahr!) und das nicht benötigte Eiweiß dahin zu transportieren wo es benötigt wird, nach Europa? Und für Europa: Ist es nicht besser auf den fruchtbaren Feldern Weizen anzubauen, der als Nebenprodukt!!! mehr Eiweiß liefert, als es eine Leguminose hier je könnte? Und ist es nicht besser zusätzlich das Sojaeiweiß aus Brasilien an das Vieh zu verfüttern um dadurch wesentlich bessere Leistungen im Stall zu erzielen und den dabei entstehenden Dünger gezielt zur Düngung des Weizens einzusetzen, anstatt Leguminosen mit Stickstoffgewinn anzubauen und dann festzustellen, dass wir diesen Stickstoff dann, wenn er anfällt, im Herbst, gar nicht brauchen können, weil es Winter wird und mir exakt dieser Stickstoff das Wasser versaut und so etwas beim Stickstoff aus der Gülle gar nicht passieren kann? Weil nämlich die Gülle unsere schwachen Böden in den Veredelungsgebieten so stark verbessert hat, das wir hier Jahr für Rekordernten einfahren können? Was dazu führt, dass die Weizenanbauer in den Börderegionen und in Frankreich ihren überschüssigen Brotweizen günstig nach Brasilien exportiern können, was dazu führt, dass es sich für die Brasilianer nicht lohnt für den Weizenanbau die verbliebenen Regenwälder abzuholzen, womit sich der Kreis hier schließt. Das, liebe Doris, ist nur ein winziger Ausschnitt aus der genialen marktwirtschaftlichen Leistung der globalen Sojanutzung. Und jetzt warte ich noch darauf, dass du mir ein einziges Land präsentierst, in dem die Menschen hungern und in dem dieser Hunger nicht durch korrupte Regierungen, verquere Ideolgien, dogmatische Religionen oder durch Clans verursachte Kartellbildung verursacht ist, sondern durch marktwirtschaftliches Handeln.

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  5. von Hans-Heinrich Meyer · 5.
    So ist es

    Der Mann hat einfach nur Recht

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  6. von Doris Peitinger · 6.
    Da soll doch der größte Unsinn einen wissenschaftlichen Touch bekommen...

    Na, wenn BAYER mit an Bord ist, werden die Aussagen aus den angeblich wissenschaftichen Untersuchungen plausibel. Denn leider hat Herr Lotze-Campen einige grundlegende Fakten wohlweislich nicht beachtet: Kommt der Klimawandel nicht auch davon, dass Regenwälder massiv abgeholzt werden, um Produkte für eben immer mehr Export anzubauen? Was hat die Bevölkerung eines Landes davon, wenn Konzerne massiv Landgrabbing betreiben, um Cash Crops für die Industrienationen anzubauen? Anstatt für die Ernährung der eigenen Bevölkerung? Welchen Beitrag liefert es zum Klimawandel, wenn Produkte in der ganzen Welt herumgekarrt werden und dort landen, wo man sie ohnehin ebenfalls im Überfluss hat ( Milchprodukte, Fleisch )- die Schiffe fahren mit Schweröl! Von welchem Einkommen sollen die Leute in den Entwicklungsländern Lebensmittel bezahlen, auch wenn sie noch so günstig sind? Bedeuten immer günstigere Lebensmittel nicht, dass weltweit auf dem Rücken der Erzeuger eine preisliche Abwärtsspirale in Gang gesetzt wird? Und wer meint, dass Soja aus Brasilien ein derart genialer Erfolg ist, sollte sich mit einem dortigen Sojabauern unterhalten. Der nach 10 Jahren Anbau bereits mit vielfältigen Resistenzen und vor allem mit unglaublich erhöhten Pilzbefall kämpft. Was natürlich die Kassen von BAYER-Montanto klingeln läßt. Kein Wunder, dass dann in diesem Zusammenhang die merkwürdigsten "wissenschaftlichen" Thesen aufgestellt werden. Wessen Brot ich ess....

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  7. von Martin Schmidt · 7.
    Gefördert durch die Bayer-Foundation

    https://www.pik-potsdam.de/members/hlotze/homepage-von-herrn-lotze-campen Muss ja nicht schlecht sein, aber wenn die Wissenschaft die Meinung der Entscheidungsträger maßgeblich prägen soll, sehe ich "Drittmittel" als sehr skeptisch.

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  8. von Wilhelm Gebken · 8.
    Danke lieber Gott für diesen Bericht! Ich dachte schon es würde Niemanden mehr geben der folgerichtig denken kann!

    Natürlich hat er Recht! Der Hunger auf der Welt ist einzig durch politische Unfähigkeit, wozu ich auch religiöse und ideologische Einflussnahme zähle, verursacht. Ich bitte darum mir nur ein einziges Land zu nennen in dem die Menschen hungern und in dem es keine korrupte Regierung, Keine verquere Ideolgie, keine dogmatische Religion oder keine durch Clans verursachte Kartellbildung gibt. Und zu der Frage von Hans Nagl ob der Sojaanbau in Brasilien gut für den Klimaschutz sei: Ein eindeutiges Jaaa! Ein genialer Erfolg der modernen marktwirtschaftlichen Arbeitsteilung. Ich will hier nicht ständig Aufsätze schreiben. Selber nachdenken,die Fakten betrachten und das Buch vom Hofreiter öffentlich verbrennen, das führt zu verbesserten Einsichten: Sojanutzung steht hier stellvertretend für den erfolgreichen Nährstofftransport vom jeweils optimalen Standort zu Nährstoffsenken. Das betrifft nicht nur Soja aus Brasilien, dass betrifft genauso Futtergetreide aus dem Raum Hannover/Hildesheim in die Tierhaltungsregionen Norddeutschlands. Wenn man sich die dadurch entstandenen win-win Situationen, die u.a. zu enormen Preissenkungen und zu enormen Bodenfruchtbarkeitsgewinnen geführt haben, ansieht, kann man nur noch staunen über die Genialität eines Systems das einzig durch freie Kommunkation in einem freien Markt funktioniert. Aber inzwischen ist man ja schon wieder der Meinung, dass das landwirtschaftliche System in der alten DDR deutlich besser gewesen ist.

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  9. von Albert Maier · 9.
    Phänomen

    Es scheint ein Phänomen unserer Zeit zu sein, dass sich immer mehr Menschen mit immer größerem Schwachsinn beschäftigen. Der angebliche Klimawandel schafft hier grenzenlose Möglichkeiten!

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  10. von Jörg Meyer · 10.
    Theoretisch hat er recht

    in der Praxis scheitert es oft an regionalen und nationalen Regeln, da gehts nicht nur um finanzielle Hilfen sondern auch um Standarts die recht unterschiedlich sind z.T. dem unterschiedlichen Risikoeinschätzungen und Verbraucherwünschen geschuldet. Ich persönlich finde es bemerkenswert, das sich ein Prof. eines institutes für Klimaforschung für Freihandel einsetzt und man seit einigen Jahren von den Leerstüheln für Agrarmärkte fast nix diesbezüglich vernimmt!? Die Diskussionen um mehr "Eigenversorgung" mit Agrargütern im Innland nimmt doch z.T. abstruse Ausmaße an mit Aussagen wie dieser:"Wenn wir nix mehr wegschmeißen, unsere Konsumgewohnheiten anpassen, dann können wir uns in Deutschland komplett biovegan ernähren" .- Als ob wir als Exportweltmeister u.a. bei klimaschädlichen Autos auf einer Insel wohnen würden!°

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  11. von Hans Nagl · 11.
    So ein Käse ....

    Wenn man in Brasilien Soja anbaut, in Deutschland damit Schweine mästet und dann nach China exportiert.Soll das gut für den Klimaschutz sein ????? So ein Käse.

    Das meinen unsere Leser:
  12. von Erwin Schmidbauer · 12.
    Politische Rahmenbedingungen

    Wer soll diese Rahmenbedingungen setzen? Die Erfahrung zeigt doch, dass die Regeln nach Partikulärinteressen oder Staatsinteressen gesetzt werden und kaum Rücksicht auf globale Ziele genommen wird. Konsequent würde das bedeuten: der Freihandel wird in Zukunft auch nur um des kurzfristigen Profits wegen gemacht bzw. Verträge hierzu abgeschlossen.

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