Offenere Diskussion in der Gentechnik notwendig

Reagenzgläser Reagenzgläser; Es gibt keine eindeutige Abgrenzung mehr zwischen klassischer Züchtung, Grüner Gentechnik und anderen Verfahren, meint Dr. Kremer von Bayer CropScience
Für eine offenere Diskussion über die Grüne Gentechnik und eine Abkehr vom Festhalten an starren Glaubensgrundsätzen hat sich Dr. Mathias Kremer von der Bayer CropScience AG ausgesprochen. Nach seiner Einschätzung ist dafür die Zeit gekommen.

Die Grenzen zwischen der klassischen Züchtung, der Grünen Gentechnik und anderen modernen Verfahren würden immer mehr verschwimmen. Eine eindeutige Abgrenzung der Grünen Gentechnik gebe es nicht mehr, auch die Definition der EU reiche nicht mehr, denn die Gentechnik werde konstant ergänzt und erweitert. Mittlerweile gebe es ein weites Spektrum von Techniken, erklärte Kremer auf einer Tagung der Industrie- und Handelskammer (IHK) zu Köln, der Phytowelt GreenTechnologies GmbH und der Initiative Bioriver.

Kremer, der seit Mai bei Bayer CropScience für den Bereich Strategie verantwortlich zeichnet, wies darauf hin, dass die Biotechnologie, die ihre Ursprünge am Max-Planck-Institut in Köln habe, in den vergangenen 30 Jahren einen enormen weltweiten Siegeszug angetreten habe. Mittlerweile wüchsen gentechnisch veränderte Pflanzen global gesehen auf mehr als 170 Mio. ha; der Wert dieses Saatgutes werde auf rund 9 Mrd $ (6,74 Mrd Euro) geschätzt.

In Europa vertrauten die meisten Menschen auf ihr Bauchgefühl; Grüne Gentechnik sei dabei zum Symbol für Profit, Agrobusiness und unkalkulierbare Risiken geworden, stellte der Bayer-Manager fest. Er bezeichnete die geführte Auseinandersetzung als Stellvertreterkonflikt für gesellschaftliche Debatten über die Zukunft der Landwirtschaft und Ernährung, eine gerechte Art des Wirtschaftens, über den Umgang mit der Natur sowie als „Ventil für Unbehagen in einer immer komplexeren Welt“. Dabei sei den Menschen nicht bewusst, dass die Landwirtschaft in vielen Regionen der Welt ein höchst arbeitsteiliges Konstrukt sei, eine enorme Produktivität aufweise und Überfluss und Sicherheit für selbstverständlich gehalten würden.

Die Bilder von hochtechnisierten Laboren und damit die Gentechnik hätten bei einer nostalgischen Verklärung der traditionellen Landwirtschaft für viele Menschen keinen Platz. Daneben seien vielen Bürgern nicht die rasanten Fortschritte der Biotechnologie der letzten 30 Jahre bewusst und wie schnell diese weitergingen.

IHK-Hauptgeschäftsführer Ulf C. Reichardt betonte in seiner Begrüßung, dass Deutschland die Grüne Gentechnik brauche, um die drängendsten Probleme zu lösen; dennoch finde eine Vertreibung statt. (AgE)
 

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9 Leserkommentare Kommentieren

  1. von arching · 1.
    Diskussion

    BayerCrop Science geht es um seinen Gewinn, diese Interessen muss man sehen. Eine offene Diskussion über Gentechnik ist auch wünschenswert, aber das bedeutet auch, Risiken offen zu diskutieren und Gegenmaßnahmen vorab zu ergreifen. Das sehe ich momentan bei den Protagonisten/Förderern der Grünen Gentechnik viel zu wenig!

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  2. von yvain · 2.
    Wegen einem?

    Gleich den restlichen Menschen das Recht auf freie Meinungsäusserung entziehen? Hat was von Diktatur... Im übrigen sollte man seine fadenscheinigen Behauptungen auch mit einem Linkverweis versehen und sich nicht einfach etwas ausdenken um so seinen Standpunkt zu untermauern. Aber so sind wir es ja gewohnt...

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  3. von jobelego · 3.
    Das Recht auf freie Meinungsäußerung

    hört DA auf, wo man andere beleidigt.

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  4. von yvain · 4.
    Gehts noch?

    Jetzt verlangen schon Gentechniklekker das die im Grundgesetz verankerte FREIE MEINUNGSÄUSSERUNG zensiert wird? Wer soetwas vorschlägt gehört gesperrt! Das sind also die letzten zuckenden Aufbegehren der Leichtsinnigen. Na schönen Dank!

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  5. von jobelego · 5.
    Information über landwirtschaftliche Themen ist wichtig

    und dazu gehört auch die Gentechnik. Aber im Hinblick auf die Internationalität des Webs ist es trotzdem zu überlegen, ob die TA weiterhin solche Themen bringt und zum kommentieren freigibt. Erst kürzlich wurde hier ein kanadischer Landwirt, der seine Entscheidung pro Gentechnik sachlich begründete, aufs übelste beleidigt. Da ist nur noch fremdschämen angesagt.

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  6. von klaus1618 · 6.
    Ja, das altbekannte Strickmuster ....

    ... wir reißen einzelne Satzphrasen aus dem Zusammenhang und dreschen bar jeder Gesamttextanalyse einfach drauf los; ist ja auch viel simpler, als Zusammenhänge erkennen zu wollen u. interpretierend zu lesen, um Sachverhalte inhaltlich korrekt erfassen zu können. Die gedanklichen Abhängigkeiten sind nur unschwer zu erraten!!! Wer "verkauft" denn hier die Freiheit u. Unabhängigkeit des kleinen Bauern, dem untersten Glied der Wertschöpfungskette, gleich welcher Nationalität? Freie Meinungsbildung unterliegt da einem recht eigenwilligen Demokratieverständnis.

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  7. von jobelego · 7.
    Gehts noch?

    Was für ein Geist steckt dahinter, unzählige Farmer in anderen Ländern als "einfach strukturiert" zu verunglimpfen? Und den Amis indirekt Dummheit unterstellen, weil sie trotz angeblicher "Ausuferungen" ihren Anbau immer noch steigern. Ist es wieder mal das deutsche Wesen, an dem die Welt genesen soll? Ich weiß, dass hier auch Ausländer mitlesen und denen sei gesagt: Keine Angst.. dieses Denken ist NICHT repräsentativ für die deutsche Bauern.

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  8. von JOHN3050 · 8.
    Diskutieren ist ok Forschen auch aber nicht ins Freiland bringen

    und den Landwirt ,den Landeigentümer , das Risiko tragen lassen. Lasst uns über den Tellerrand schauen. In Amiland sieht man wie 20 Jahre Gentechnikanwendung im Freiland ausufert. Das ist katastrophal und müssen wir alle Fehler der Amerikaner 10 Jahre zeitversetzt wiederholen? Ich sage nein. Renate Kaupenjohann

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  9. von klaus1618 · 9.
    Selbstbeweihräucherung der grünen Gentechnikindustrie

    Der Bayer CropScience AG geht es ausschließlich darum, Geld zu verdienen, der Sicherung hoher Verkaufserlöse durch Schaffung v. Abhängigkeiten der Anwender. Dabei wird vollkommen außer Acht gelassen, dass sich dieser Agrokonzern als Züchterspezies gewissenlos über Jahrtausende verfügbares Bauernwissen aneignet u. das heute als das seinige präsentiert, wie es dies Ihnen Ihre Züchterkollegen gleichtun. Wenn Sie das Gen einer Spezies in eine andere hineinzüchten, sprechen Sie von "Wundermechanismen", deren Verstehens es Ihres "Fachwissens" bedarf; wie anmaßend! Mutationen in dieser Form kommen in der Natur schon seit Jahrtausenden vor. Vielleicht ist Ihnen aus der griech. Mythologie der Begriff der "CHINÄREN" geläufig. Hier können Sie Rückschlüsse ziehen, auf welchen zeitl. Ursprunges Ihre "Selbstbeweihräucherung" fusst u. ein Bewusstsein für Ihren Größenwahn entwickeln. Ethische u. moralische Bedenken sind bei Ihnen indes nicht vorhanden. Es fehlt jegliches Bewusstsein, dass Sie Überschüsse generieren wollen, die den bäuerlichen Berufsstand ausrotten u. dies aus reiner Selbstsucht. Wirklich kluge wissenschaftliche Köpfe sollten sich mit der Schaffung von alternativen Produktionsmöglichkeiten befassen. Gerade Ihr Konzern hat Unmengen an Plastik produziert u. diesen hemmungslos der Umwelt überlassen. Sogenannte "Plastikwelten" in den Weltmeeren zerstören nun durch Anreicherung von Plastikkleinstteilen-Inseln die dortige Pflanzen- u. Tierwelt. Hier wäre Bayer CropScience gefordert, naturverträgliche moderne Stoffe zu entwickeln. Desweiteren können Sie z.B. versuchen, die Schäden in der Bienenwelt, die auf Anwendung von Neonicotinoiden in der Vergangenheit beruhen, vielleicht wieder gut zu machen, indem Sie Kreuzungsmechanismen entwickeln um z.B. in die afrikanische hocheffiziente, aber auch sehr aggressive Wildbiene die sanftmütige europäische Honigbiene hineinzukreuzen. Andere Erforschungskapazitäten könnten hier zuhauf aufgelistet werden, dies sprengt allerdings den Rahmen. - Derzeit sonnen Sie und Ihresgleichen sich aber lieber in einem mehr als fragwürdigen Ruhm der Gentechnik-Szene, die nach eigenen Worten mit 170 Mio. Hektar eine Vielzahl einfach strukturierter Bauern derart ausnutzen, indem sie diese in das "Korsett" eines verengten Genpools zwängen (Reduzierung auf einige wenige Sorten). Als "ausgewiesene" Genetiker sollten Sie das Gefahrenbewusstsein innehaben, das eine solche Sortenverengung mit sich bringt. Dies stellt trotz allen Schönredens Ihrerseits eine Gefahr für die gesamte Menschheit dar. Wer dies als Genetiker ausblendet, stellt sich selbst ein Armutszeugnis aus und verkauft seine "Wissenschaftlerseele" dem schnöden Mammon!

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