Ohne Fleischerzeugung würde Ackerfläche für Welternährung reichen

Würde die gesamte heutige Getreideernte zu Nahrungsmitteln verarbeitet und gar nichts mehr zu Futtermitteln für Rinder, Schweine oder Geflügel, dann könnten 4 Mrd. Menschen mehr ernährt werden. Oder würden die Verbraucher statt Rindfleisch nur noch Huhn oder Schwein essen, könnten die heutigen Ackerflächen 357 Mio. Menschen zusätzlich ernähren. Käme gar kein Fleisch mehr auf den Tisch, sondern höchstens noch Milchprodukte und Eier würden 815 Mio. Menschen mehr satt. Zu diesen Ergebnissen kommt ein Wissenschaftlerteam der University of Minnesota in Saint Paul.

Wie Spiegel Online berichtet, war die Diskussion um die Welternährung in einigen Jahrzehnten Auslöser der Untersuchung. Denn die Ernährungsgewohnheiten auf der Welt gleichen sich immer mehr an, der Fleisch- und Milchkonsum in vielen Schwellenländern steigt rapide. Nach heutigen Produktionsmaßstäben reicht die Anbaufläche daher zur Welternährung nicht mehr aus, sagten kürzlich erst andere Studien vorher und forderten eine deutliche Produktivitätssteigerung.

Die Forscher aus Saint Paul verfolgten einen anderen Ansatz. Danach müsse man die Ernte nur anders einsetzen, dann reiche die heutige Produktivität aus. Das Team um Emily Cassidy berechnete zunächst, wie viel von den 41 wichtigsten Nahrungspflanzen weltweit produziert wird und wo diese Erträge landen:


Die Analyse von vier Ländern - Indien, China, Brasilien und den USA - zeigte zudem, welche massiven Unterschiede beim Anbau und der Verwendung von Nahrungspflanzen herrschten.

  • In China wurden 58 % des Getreides (Kalorien) direkt als Nahrungsmittel verwendet, 33 % als Futtermittel. Pro Hektar Anbaufläche konnte China damit acht Menschen ernähren. Würde sämtliches Getreide als Lebensmittel verwendet, wären es 13. In Brasilien sah es ähnlich aus.
  • In den USA wurden sogar nur 35 % der Energie aus Getreide direkt als Nahrung verwendet; 67 % dagegen als Tierfutter. Das Ackerland ernährte demnach fünf Menschen - möglich wäre es aber, 16 satt zu bekommen.
  • In Indien wurden dagegen fast 90 % des angebauten Getreides (Kalorien) direkt als Lebensmittel verwendet. Weil die Erträge allerdings relativ gering waren, konnten damit lediglich sechs Menschen pro Hektar Anbaufläche ernährt werden.
Die größte Stellschraube in diesem System ist die Fleischproduktion. Um eine Kalorie Fleisch auf dem Teller zu haben, sind im Schnitt bereits rund zehn Kalorien Getreide verbraucht worden - zum Teil aber auch bis zu 30. Fisch haben die Forscher in ihrer Studie vernachlässigt, ebenso Schafe und Ziegen, die in der Regel nur weiden und kein Kraftfutter bekommen. "Die gute Nachricht ist, dass wir bereits genug Nahrungsmittel produzieren, um mehrere Milliarden Menschen mehr zu ernähren", sagte Emily Cassidy laut dem Spiegel. (ad)

vgl.:
Welternährung: Erträge steigen zu langsam (21.6.2013)
Von Witzke: EU vernachlässigt sträflich Produktivitätssteigerungen (21.6.2013)
Experten schlagen Alarm: Ernährungssicherung 2050 nicht gegeben! (16.4.2013)
 

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10 Leserkommentare Kommentieren

  1. von toddelg · 1.
    Futtergetreide und Gras auf den Teller!

    Sowas in einem Fachmagazin zu lesen ist doch Satire?

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  2. von Doris Peitinger · 2.

    Leider wurde bei der Studie nicht berücksichtigt, dass Rinder, die auf Grasflächen weiden, die für Nahrungsmittelanbau ungeeignet sind, sehr wohl einen positiven Beitrag zur Ernährung leisten, da sie nicht in Nahrungsmittelkonkurrenz zum Menschen stehen. Nachdem die Menschen vermutlich nicht zum Grasfresser geeignet sind. Ebenso, dass Milch wohl irgendwo produziert werden muss, damit sie dann auf den Tisch kommt. Dass weniger und gezielterer Fleischkonsum und ein Aus der Verwendung von Nahrungsmittelpflanzen zur Energiegewinnung zur Welternährung beitragen würden, ist allerdings unbestritten. Ebenso, wie endlich gegen die ( meiner Meinung nach immer schlimmer werdenden ) Wegwerfmenthalität bei Nahrungsmitteln eingeschritten werden sollte.

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  3. von jobelego · 3.
    OMG

    Und die Leute glauben das.....

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  4. von xf1 · 4.
    Welcher Vollpfosten hat folgenden Satz formuliert?

    >>>" Käme gar kein Fleisch mehr auf den Tisch, sondern höchstens noch Milchprodukte und Eier würden 815 Mio. Menschen mehr satt."<<< Ok, aber ohne Kuh keine Milch, ohne Huhn kein Ei. Hat denn der (der Vollpfosten) auch gesagt, was mit dem Fleisch der Altkühe und Bullen geschieht, wenn "gar kein Fleisch mehr auf den Tisch kommt"?

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  5. von meyenburg33 · 5.

    Seltsam, dass die Fleischproduktion nur auf Kalorien gerechnet wird, ist Fleisch doch eher als Proteinlieferant anzusehen. Mal davon abgesehen, dass auch die hier angegebenen 10-30 Kalorien falsch sind. So is das heut mit den Medien, gute Journalisten gibts kaum noch und von unserer urbanen Redaktionselite wird die Stakeholder-Media durchgewinkt.

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  6. von user10 · 6.
    Stimmt! Die Grünen fordern den Veggie-Day ...

    ... und ich bekomme Bauchschmerzen. Nicht weil dann vielleicht weniger Fleisch gegessen wird, sondern weil sich die Enkel der 68er-Bewegung zu dem Gegenteil von dem entwickeln, für das sie mal angetreten sind. Was jetzt passiert hat Ähnlichkeit mit religiösem Fanatismus. Vorschriften sollen das Leben der Bürger nach dem Geiste einer kleinen Minderheit regeln. Mit demokratischen Freiheitsregeln hat das jedenfalls nichts mehr zu tun.

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  7. von landfuerst · 7.
    Grüne fordern Veggie-Day in den Kantinen

    Die Grünen machen ernst: Die FAZ meldet heute, dass die Grünen nach der Wahl einen fleischlosen Tag in deutschen Kantinen fordern wollen (http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/wirtschaftspolitik/veggie-day-gruene-wollen-fleischlosen-tag-in-kantinen-12397473.html). Man beachte den Ansturm der Entrüstung im dazugehörigen Blog auf der Website der Faz. Endlich haben die grünen Gutmenschen mal die Hosen runter gelassen und man bekommt einen Eindruck, wohin die Reise gehen soll!

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  8. von Bauer-Berni · 8.
    Futtergetreide

    Was pasiert in einer veganen Gesellschaft mit dem Furrwegetreide, welches fruchtfolgebedingt anfälltt? Was passiert mit den Kleien die beim Mahlvorgang anfallen? Was passiert mit den Ölschroten die bei der Pflanzenölherstellung anfallen? Was passiert mit Brotgetriede ohne Backqualität? Weil es wieder mal zu viel gergnet hat. Da sind zu viele Fragen offen...... Und ob richtig gerechnet wurde? Wer weiss, die Veggies machen in letzter Zeit zu viel Propaganda mit falschen Zahlen........

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  9. von cairon · 9.
    Was nutzt diese Rechnung?

    Dieses Ergebnis ist doch nichts anderes als vegane Propaganda. Einfach mal angenommen die Zahlen stimmen (was noch zu überprüfen wäre), so ist doch die Frage wie diese Umstellung erreicht werden soll? Außerdem haben die Hungernden in großen Teilen der Welt nicht das Geld sich Lebensmittel zu kaufen. Wer würde denn die Lebensmittel bezahlen um diese Menschen zu versorgen. Kein Landwirt würde seine Produkte, egal ob aus tierischer oder pflanzlicher Produktion, gratis in die Hungerregionen liefern. Eine Studie nur für das Papier.

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  10. von nls_keckl · 10.
    Falsch gerechnet

    Wenn in den USA 38% der (Körner-)Maisernte als Biosprit gebrannt werden, dann sind alle Zahlen über die USA falsch interpretiert, abgesehen davon, dass 67% Getreide-Energie als Tierfutter plus 35% Getreide-Energie 102% ergeben. Rund 80% der US-Getreideernte entfällt auf Mais! Wenn 38% der Maisernte in Sprit landen, dann muß das eine Größe um 30% sein, die von der gesamten US-Getreideernte (incl.Reis) im Tank landen. 2012 wurden 4,15 Mrd. Bushel Mais verfüttert (105 Mio. t) und 4,5 Mrd. Bushel (114 Mio. t) gingen in den Biosprit (http://www.afdc.energy.gov/data/tab/all/data_set/10340 und Seite 79 in http://usda01.library.cornell.edu/usda/current/CropProdSu/CropProdSu-01-11-2013.pdf ). Im übrigen sind das sehr theoritsche Rechnungen, wer will schon Schweine-Getreide essen, oder die Mühlen-, Biosprit- und Brauerei-Nachprodukte aus Getreide. Welche Scheinheiligen regen sich auf, wenn was weggeworfen würde, na dann besser opfern und den Brei auslöffeln, ist günstig zu haben. Grüße: Georg Keckl

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