Podiumsdiskussion: Habeck räumt Mitschuld der Grünen ein

Robert Habeck (Bild: DBV)

Eine Mitschuld seiner Partei an Auswüchsen in der gegenwärtigen Tierschutzdebatte hat der Grünen-Politiker Dr. Robert Habeck eingeräumt. Bei einer Podiumsdiskussion zum Abschluss des Deutschen Bauerntages am vergangenen Donnerstag in Erfurt distanzierte sich der schleswig-holsteinische Landwirtschaftsminister entschieden von persönlichen Angriffen auf Landwirte und deren Familien sowie Verbandsvertreter.
 
Die Diskriminierung und Verleumdung von Menschen sei „unter keinen Umständen akzeptabel“. Man müsse dringend wegkommen von einer Individualisierung der Auseinandersetzung um die landwirtschaftliche Tierhaltung, „an der auch meine Partei einen Anteil hat“, mahnte Habeck.
 
Stattdessen müsse die Diskussion versachlicht und auf eine ökonomische Ebene gehoben werden. Gleichzeitig wies der Minister den Vorwurf zurück, seine Partei fahre eine Kampagne gegen die konventionelle Landwirtschaft: Ein Grund für das Misstrauen gegenüber Teilen der Landwirtschaft sei vielmehr die Diskrepanz zwischen romantisierenden Bildern auf Lebensmittelverpackungen und der Realität auf den Betrieben.
 
Für die stellvertretende Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Gitta Connemann, ist ein Kern des Problems, dass „bestimmte Kräfte“ die Landwirtschaft als neues Feld der politischen Auseinandersetzung entdeckt hätten.

Verantwortung der Politik

Gitta Connemann (Bild: DBV) Gitta Connemann (Bild: DBV)
Diese Auseinandersetzung werde häufig mit Schwarz-Weiß-Bildern und ungerechtfertigten Pauschalisierungen und Vereinfachungen geführt, kritisierte Connemann. „Landwirte sind die modernen Prügelknaben. Bauern sind als neues Politikfeld entdeckt, da heißt es nur schwarz-weiß. Es werden neue Gräben aufgemacht, die es im Berufsstand bisher gar nicht gab, da waren z.B. öko und konventionell friedlich nebeneinander“, so Connemann.
 
„Die Politik steht in der Verantwortung, offen und vorurteilsfrei über Landwirtschaft zu diskutieren“, sagte die CDU-Politikerin. Sie kündigte an, dass ihre Fraktion künftig verstärkt den Dialog mit Verbrauchern führen und dafür neue Formate entwickeln werde: „Wir müssen sachlich über Landwirtschaft und moderne Lebensmittelerzeugung informieren.“ Gleichzeitig reagiere man darauf, dass Ernährung und Landwirtschaft wichtige Wahlkampfthemen geworden seien.
 
Für den Parlamentarischen Geschäftsführer der CSU-Landesgruppe im Bundestag, Max Straubinger, steht außer Frage, „moderne Ställe sind der beste Tierschutz“. Allerdings, so der CSU-Politiker, „nicht alle in der Politik wissen das“. Häufig unberücksichtigt bleibe in der Diskussion zudem, dass bäuerliche Betriebe „Einkommen erwirtschaften müssen“.

SPD gegen Agrarwende

Ute Vogt (Bild: DBV) Ute Vogt (Bild: DBV)
Demgegenüber warnte SPD-Fraktionsvize Ute Vogt vor einem „Schwarze-Peter-Spiel“. Die Erzeuger müssten die Wünsche der Verbraucher nach regionalen und tiergerecht erzeugten Produkten ernst nehmen. Gleichzeitig müssten die Verbraucher akzeptieren, „Fleisch kostet mehr, wenn es gut produziert wird“.
 
Vogt erteilte Forderungen nach einer „Agrarwende“ eine Absage. Allerdings liege es in der Verantwortung der Politik, gesellschaftlichen Wünschen Rechnung zu tragen und bestimmte Formen wie die regionale Landwirtschaft zu stärken. Die Forderung ihrer Fraktion nach zusätzlichen Regelungen im Tierschutz begründete Vogt mit der Notwendigkeit, „das umzusetzen, was wir gemeinsam in der Koalition verabredet haben“. Ihre Ansichten quittierten die Zuhöhrer mit Zwischenrufen und Pfiffen.
 
Der stellvertretende Vorsitzende der Linksfraktion, Dr. Dietmar Bartsch, bezeichnete die Landwirtschaft als einen „wesentlichen Teil der Gesellschaft“. Sie verdiene entsprechende Wertschätzung. Eine Strukturdiskussion nach dem Motto „groß ist schlecht und klein ist gut“, nannte Bartsch absurd. Kernprobleme der Landwirtschaft sind für den designierten Fraktionsvorsitzenden das wachsende Interesse außerlandwirtschaftlicher Investoren an der Landwirtschaft und eine ungleiche Vermögensverteilung innerhalb des Sektors. Für zukunftsträchtig hält der Linken-Politiker die eingetragene Genossenschaft.

„Nicht ganz gelungen“

Andreas Sentker (Bild: DBV) Andreas Sentker (Bild: DBV)
Der Ressortleiter Wissen der Wochenzeitung „DIE ZEIT“, Andreas Sentker, zeigte Verständnis für die Kritik an der Artikelserie über antibiotikaresistente Keime, die zur Jahreswende in dem Blatt erschienen war. Das journalistische Ziel, auf ein künftiges Problem hinzuweisen, sei hier „nicht ganz gelungen“.
 
Sentker rief zugleich die Landwirte dazu auf, nicht die Augen vor den gegenwärtigen gesellschaftlichen Entwicklungen zu verschließen. Auch die Redaktion der ZEIT sei letztlich nur ein Spiegelbild dieser Strömungen.
 
Der bayerische Schweinehalter Johannes Scharl forderte Politiker und Journalisten auf, sich ernsthaft mit den Landwirten auseinanderzusetzen und der Versuchung von nicht gerechtfertigten Schnellschüssen und Pauschalurteilen zu widerstehen. „Einfache Antworten gibt es nicht“, so der Landwirt unter Hinweis auf die aktuelle Diskussion über ein Verbot des Schwänzekupierens bei Ferkeln. Scharl bezeichnete die derzeitige Stimmung unter den Landwirten als schlecht. Dies sei die Folge fortgesetzter Anfeindungen, der die Branche insgesamt, aber auch einzelne Landwirte ausgesetzt seien. Scharl appellierte an die Politik, für die konventionelle Landwirtschaft einzutreten.

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16 Leserkommentare Kommentieren

  1. von Doris Peitinger · 1.
    Bauernopfer dieser Agrarpoltik

    Ich gebe dem CSU Politiker komplett recht: "Häufig unberücksichtigt bleibe in der Diskussion, dass die Bauern auch Einkommen erwirtschaften müßten".Wie sieht es jedoch mit dem Einkommen aus? In der Realität sind es gerade die C-Parteien, die die Bauern zwar immer bauchpinseln, aber seit Jahrzehnten eine Agrarpoltik der Dumpingpreise und der ungerechten Subventionsverteilung verfolgen. Und somit die Höfe ausbluten lassen. Dass sich dann auch Tierwohlverbesserungen nur schwer finanzieren lassen, sollten die Schönwetterredner auch mal bedenken. Wenn diese Agrarpoltik so fortgesetzt wird, zur Tarnung mit Nebenkriegsschauplätzen besetzt, werden die Bauern auch weiterhin die Bauernopfer dieser Poltik sein.

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  2. von Slowfoot · 2.
    http://www.bfr.bund.de/de/presseinformation/2015/16/nationale_stillkommission_und_bfr_empfehlen_muettern__weiterhin_zu_stillen-194518.html

    schön gesungen Rooobert

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  3. von klaus1618 · 3.
    Wer geistig vorschnell ermüdet....

    ...sollte sich im Eigeninteresse auch nicht MEHR antun wollen, nicht dass auch noch übelste Kopfschmerzen infolge von Überanstrengung drohen.... ;-) - Würde ich niemals wollen, also bitte bevorzugt lieber den geistigen Schongang einlegen, ist besser so!!!

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  4. von xf1 · 4.
    @1618

    Nur bis zum Reiter "Mehr anzeigen", denn im Grunde weiß man eh schon vorher, was mal mehr, mal weniger drin steht. Was die Grünen selbst angeht, sind die meist garnicht so blöd, wie sie sich zu verkaufen versuchen. Sie nutzen in ihrer Politik nur ganz geschickt den Dunning-Kruger-Effekt ihrer Wähler.

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  5. von nds-bauer · 5.
    800.000.000 bei 7,5 Milliarden

    800.000.000 Hungernde Menschen bei 7,5 Milliaren Menschen ist eine gute Nachricht. Vor rund 50 Jahren hatten wir 1 Milliade hungende Menschen bei 3 Milliader Menschen. Das hat die normale Landwirtschaft geschafft und keine Ökos.

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  6. von klaus1618 · 6.
    Ein herzliches Dankeschön!

    Es ist doch überaus positiv, dass 3 vergessene Nullen immerhin bescheinigen, dass aufmerksam gelesen wird. Nochmals herzlichen Dank für den Hinweis, so hat mein Flüchtigkeitsfehler zumindest doch etwas Positives :-) - Aber keine Angst, mir ist der Faktor tausend durchaus bewusst, insbesondere die fatalen Auswirkungen in diesem Zusammenhang.

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  7. von nds-bauer · 7.
    @ xf1 /Glyphosat

    Hallo, wegen Glyphosat hier bitte lesen. Gute Argumente. http://www.theeuropean.de/thilo-spahl/10324-die-gruenen-und-die-anti-glyphosat-kampagne Alles grüne Grütze!

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  8. von xf1 · 8.
    Es sind nicht 800.000 Hungernde, sondern 800.000.000

    Dieser kleine Unterschied musste nebenbei erwähnt werden. Aber für Leute, die selbst im Überfluss leben, sind das oft nur theoretische Zahlen. Nur weil es zuwenig Menschen gibt, die sich genug Lebensmittel leisten können, heißt dass noch lange nicht, dass Überschüsse produziert werden. Das ist eine Aussage, die in der Regel nur von Elends-Profit-Konzernen wie Misereor, und den Grünen als Partei getätigt wird. Diese Aussage ist ungefähr so hohl, als wie wenn ein Autohersteller sagen würde: "Weil zuviel Autos produziert werden, kann sich nicht jeder Afrikaner eins leisten" (ist beliebig auf fast jedes Gut übertragbar).

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  9. von klaus1618 · 9.
    Liebe Berufskollegen, ....

    ...solange wir Bauern haltlos die Überschüsse in sämtlichsten Lebensmittelsektoren flutend befeuern, werden sich die audiovisuell kritisch unverblümt lautstark zu Wort meldenden Stimmen schwerlichst erfolgreich dezimieren lassen. Eine Diskussion zwar, die als solche selbst absolut lächerlich ist, da es auf unserem Planeten noch immer „angeblich“ etwa 800.000 Hungernde gibt. In unseren westlichen Wohlstandswelten produzieren wir dank „brav“ obrigkeitshöriger Bauern von selbigen kaum hinterfragt alles, was nachhaltigst eingefordert wird und das unter Bedingungen, die zwischenzeitlich verbraucherseits keine durchgängige Azeptanz mehr finden wollen. Dies sind schlichtweg die insbesondere für die Bauernhorizonte durchaus ernüchternden, wenn auch brutalsten Fakten, mittlerweile durchgängiger Status quo, an dem sämtliche Diskussionsbeiträge ohne wesentliche richtungsweisende Veränderungen wenig bis gar nichts bewegen werden. Der (h)ausgemachte Prügelknabe wird zwangsweise immer das kleine Bäuerlein sein und auch bleiben; ...und das, wo ALTERNATIVEN für die landwirtschaftliche Urproduktion zuhauf nachgefragt werden, bereits existent sind, allerdings systematisch von einer agrarindustriegesteuerten Verbands- und Agrarpolitik mehr oder weniger offensichtlich dürchgängig blockiert werden. Im übrigen möchte ich da nicht einen einzigen der obigen Diskussionsteilnehmer positiv herausselektieren wollen, die befinden sich allesamt auf gleicher Linie, nur eben mit jeweils anderem Parteibuch ausgestattet.***Wenn dem Verbraucher, der 1 Liter Milch benötigt, 3 Liter hingestellt werden, selbiges lässt sich analog auf Fleisch, Wurst, Brot und Brötchen, Eier, etc. übertragen, schöpfen wir auch argumentatorisch weiterhin aus einer überheblichen Dekadenz, ...und dies, wie bereits gesagt, zum Leidwesen des hierfür bestens erprobt, deshalb prädestiniert leidensfähigen kleinen Bäuerleins. - Bei solchen erfolgsgekrönten gesellschaftspolitischen medialen Ablenkungsmanövern ist es anderen nahezu unbemerkt möglich, sich ungeniert die eigenen Hosentaschen vollstopfen zu können ....!!!

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  10. von jole · 10.
    Dannn lass mal Taten folgen:

    1. alle GRÜNEN Minister nehmen das Verbandsklagerecht zurück! 2. Härtete Strafen gegen sogenannte Tierbefreier fordern 3. bei der Wahrheit bleiben und nicht wesentliche Dinge weglassen wie bei Glyphosat in der Muttermilch(schädlich ab 1,6 mio Liter) 4. nicht auf Gülletransporter schimpfen und im Gegenzug begrüßen wenn tausende qm aus Niederlande in Biogasanlage gehen sollen(Hünxe) 5. Verbraucher klarmachen, das alles was importiert werden muß andere Standarts hat wie die Eier aus Osteuropa 6. Niemanden erziehen wollen, schon gar nicht zum Vegetarier 7. zugeben, das gerade GRÜNE-Politik auch am Artensterben beteiligt ist ist durch Schonen von Prälatoren(Krähen, Katzen) 8. zugeben, das die Welt ohne konventionelle Landwirtschaft nicht alle satt bekommt 9. Nicht zur WHES-Demo gehen usw

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  11. von toddelg · 11.
    Haben oder machen?

    Wer mit Kampfbegriffen argumentiert, gerade als Partei, der richtet sich ideologisch aus. Dazu präsentieren die Grünen dann laufend Skandale, die keine sind. Erinnert irgendwie an die Vergangenheit, eine Bevölkerungsgruppe wird pauschal diffamiert, so sollte Politik in Deutschland eigentlich nicht mehr praktiziert werden.

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  12. von xf1 · 12.
    Eine Mitschuld? Wohl eher die Hauptschuld!

    Wer belügt, und betrügt die Wähler mehr als die Grünen? Wer nimmt für seine Ideologie noch erheblichere Risiken für Mensch, Tier und Umwelt in Kauf als die Grünen? Bestes Beispiel ist doch der letzte Täuschungsversuch mit "Glyphosat in Muttermilch". Wenn auch nur eine einzige Vegantrulla darauf reinfällt, und ihrem Kind die Muttermilch vorenthält - was unweigerlich zu schwersten Behinderungen führt, laden sie durch ihre Täuschung eine erhebliche Mitschuld auf sich. Irgendwie scheint man fast glauben zu müssen, dass sich die Grünen auf diese Weise "leicht zugängliche" Missbrauchsopfer für die Zukunft schaffen wollen. Die fast einzige ernährungsbedingte Gesundheitsgefahr für Säuglinge sind und waren mit Tropanalkaloiden und anderen Schadstoffen belastete Bio-Babybreis.

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  13. von ramsdorf · 13.
    Mitschuld?

    Alleinschuld! Die Grünen haben die Agrarwende zum Hauptthema gemacht und somit dem ganzen Tür und Tor geöffnet!

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  14. von frada · 14.

    Der Habeck ist nichts besser als Ostendorf, die spielen bloß guter Grüner böser Grüner

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  15. von nds-bauer · 15.
    Habeck macht auf seriös

    der will als Politiker nach Berlin. Da muss man auf seriös machen. Die Drecksarbeit macht weiterhin Ostendof.

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  16. von schlaumeier · 16.
    Vorsicht!!

    da ist ein "Weichspüler" unterwegs, dessen chemische Grundeinstellung erheblich Risiken mit sich bringt.

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