Prof. Vahrenholt: Die EEG-Förderung ist ein Auslaufmodell!

Prof. Fritz Vahrenholt Prof. Fritz Vahrenholt
Ein Kommentar von Prof. Fritz Vahrenholt, Vorstand Dt. Wildtierstiftung, davor Umweltsenator in HH und Vorstand Dt. Shell und RWE Innogy.

 
Berlin legt bei Biogas eine Vollbremsung hin. Die ist überfällig. Biogas verzerrt die Pachtpreise, führt zu einer ökologischen Verarmung und belastet die privaten Haushalte und das Gewerbe mit hohen Stromkosten. 24 Mrd. € beträgt die EEG Umlage. Das sind 250 € für jeden Haushalt. Deshalb schauen die Bürger inzwischen viel kritischer auf die Grünen Energien.
 
Die Zustimmung wird abnehmen, wenn die Kosten noch weiter ausufern, wenn Industriebetriebe in stromkostengünstigere Regionen abwandern und wenn die Netzstabilität wegen des schwankenden Sonnen- und Windstroms kaum noch beherrschbar ist.
 
Kein Wunder, dass Sigmar Gabriel die Energiewende kurz „vor dem Scheitern“ sieht. Warum bauen wir in einem Land mit der Sonneneinstrahlung von Alaska eine Photovoltaik-Kapazität von 52.000 MW auf? Viele Anlagen schaffen gerade mal 800 Volllaststunden. Das Jahr hat aber 8.760 Stunden! Inzwischen produzieren wir so viel Öko-Strom, dass wir Geld drauflegen müssen, um ihn in Österreich, den Niederlanden, Polen oder Tschechien zu entsorgen. Unsere Nachbarn freut das nicht einmal, macht der billige deutsche Öko-Strom doch die eigene Stromproduktion unrentabel.
 
Unsere überhastete Energiepolitik ist von der Angst getrieben, dass wir unser Klima kaputt machen. Dabei überschätzt der Weltklimarat die schädliche Wirkung des CO2 maßlos. Seit 15 Jahren hat es keine signifikante globale Erwärmung gegeben, obwohl in diesem Zeitraum ein Drittel aller historischen CO2-Emissionen entstanden sind und der CO2-Gehalt der Atmosphäre Jahr für Jahr steigt. Es gibt ernsthafte Hinweise, dass die globale Erwärmung auf der Erde bis 2100 höchstens 1 bis 1,5 °C betragen wird. Wie nutzlos unser Aktionismus ist, zeigt folgendes Beispiel: Wenn in China weiterhin alle 8 Tage ein neues Kohlekraftwerk ans Netz geht, macht das die gesamte deutsche CO2-Verringerung bis 2030 in drei Monaten wieder wett. Nur ein globaler CO2-Zertifikatehandel wird dieses Dilemma auflösen.
 
Dass Deutschland die Komplexizität der Energiewende unterschätzt hat, dämmert mittlerweile vielen. Das derzeitige EEG ist kein Exportschlager. Es ist ein Auslaufmodell. Wir können die Folgen kaum noch bewältigen. „Für die meisten Länder in Europa sind wir doch sowieso Bekloppte“, meint Gabriel. So ist es.

top agrar-Rubrik "Der Blick von außen"

top agrar 7/2014 top agrar 7/2014
Dieser Text stammt aus der Rubrik "Der Blick von außen", die jeden Monat in der top agrar-Heftausgabe erscheint. Der Streitpunkt zeigt, wie die Landwirtschaft von außen gesehen wird und ist nicht die Meinung der Redaktion. Wie stehen Sie dazu? Wir freuen uns auf Ihren Kommentar unten.

Zum Streitpunkt des letzten Monats:
Wir stärken den Wirtschaftsstandort Ländlicher Raum!

Lesen Sie mehr

11 Leserkommentare Kommentieren

  1. von bananenbaer · 1.
    Leute, komm´t mal auf den Teppich...

    ... wenn es zu kritisieren ist, dass Biogasanlagen ohne Wärmekonzept laufen oder dass außerlandwirtschaftliche Investoren in die LDW drängen bin ich ja bei Euch. Das hätte aber die Politik verhindern müssen und können. Grundsätzlich ist aber auch festzustellen, dass Biogas Geld in den ländlichen Raum gebracht hat. Handwerk und Handel profitieren davon. Auch Bauern ohne BGA sind über den Verkauf von Subtraten Nutznießer. Einige Berufskollegen waren oft heilfroh, dass sie den Mais nicht dreschen mussten und dass der dritte Grasschnitt mal vernünftig verwertet wird. Auch ist zu hinterfragen wo die Getreidepreise ohne die Nachfrage der BGAs lägen. Letztlich hat hier der Landwirt endlich mal die Möglichkeit für seine Arbeit angemessen entlohnt zu werden. Und das wurmt natürlich alle anderen, die dieses Problem hier oft genug und zu Recht anprangern. Wenn wir hier den Kommentar des Herrn Vahrenholt, im Vorstand von Shell und RWE, lesen, dann ist wohl auch nichts anderes zu erwarten. Leute, der wird dafür bezahlt dass er Uraltechnologie propagiert. An erneuerbarer Bioenergie ist für seine Brötchengeber schlicht nichts zu verdienen.

    Das meinen unsere Leser:
  2. von berndlohse · 2.
    Biogas als Killer des EEG´s

    Biogas hat nicht nur Regionen zerstrört, Bauernfamilien ruiniert , Landpreise getrieben und den Generationengedanken vernichtet, am Ende werden selbst die Betreiber getilgt, da die Produktion ohne Vergütung unrentabel wird, ja heute schon teilweise ist !

    Das meinen unsere Leser:
  3. von revoluzzer · 3.
    Überfördert und unausgegoren

    war das eeg von Anfang an. Aber es bringt Geld in den ländlichen Raum und zum ersten mal seit Menschengedenken kann der kleine Mann ohne Eigenkapital und Arbeit Geld verdienen. Photovoltaik war und ist ein Segen, mehr als jede Agrarstrukturförderung durch Beihilfenraub von produzierenden Betrieben es je sein kann. Aber Biogas ist die Pestbeule am Arsch des EEG. Hier wurde ein neuer "Landadel" , kaltblütig gierig und rücksichtslos, geschaffen der weit mehr an Strukturen, Arbeitsplätzen und Natur zerstört als seine Energieproduktion je gutmachen kann. Hier gilt abermals : sobald der Staat die Finger im Spiel hat läufts irgendwo scheiße.

    Das meinen unsere Leser:
  4. von klaus1618 · 4.
    Die vollzogene Wandlung vom Saulus zum Paulus

    Der Stallgeruch, den Prof. Vahrenholt verbreitet, ist schon recht penetrant. Dass man mit einem Bock als Gärtner die kreative Ideenvielfalt der Energiewende nicht eben beflügeln kann, dürfte wohl nicht in Frage zu stellen sein. Selbige Dinosaurier-Grundhaltung wurde wohl nachhaltig von den Energieoligarchen RWE u. der Dt. Shell geprägt, Energie-Lobbyisten, die sich Ihre Felle nicht streitig machen lassen wollen. Schade ist dieser „Umformungs-/Anpassungsprozess“ einer Person Vahrenholt aber dennoch, stellte er doch als Umweltsenator in Hamburg eindrucksvoll eine hohe Umweltkompetenz unter Beweis. Wieso ließ er sich vom Saulus zum Paulus umformen? Bewerkstelligte man bei RWE den „energiepolitischen Winterschlaf“, mit der sich nun ein für meine Begriffe befähigter Prof. Vahrenholt ins energiepolitische Abseits katapultiert?___Wo es möglich ist, Gegenargumente in Stichworten: ***China wird sich zusehends der eigenen desolaten Situation bewusst. Die Tatsache, dass in absolut gesundheitsgefährdender Relevanz Smog in den dortigen Metropolen einen Aufenthalt im Freien, wenn überhaupt, nur noch mit Mundschutz möglich macht; die Nahrungsmittelproduktion in diesem Land beinahe schon den „Sondermüllstatus“ einnimmt, weil die dort vorhandenen fruchtbaren Böden derart kontaminiert sind, ist an Prof. Vahrenholt informell wohl vorbeigerauscht. - China ist aktuell im übrigen im Begriff, uns aus umwelttechnischer Sicht mit alternativer Energieerzeugung u. -technologien zu überholen; hierfür ist der entsprechende „Exportschlager“ aus Deutschland nicht mehr zwingende Voraussetzung (günstigere, effizientere Solarmodule, Windkraft u.a.)****Es befremdet außerordentlich, dass ein politischer Geist der 68er heute derart massiv gegen eine Demokratisierung des Strommarktes wettert. Ist selbiger den Konzerne-Denkstrukturen v. RWE; Shell & Konsorten geopfert, eine vollzogene Hirnwäsche im Sinne derer Lobbyinteressen. Huldigt er nun auch ausschließlich einem ignoranten Raubtierkapitalismus? Als Chemiker dürfte Herr Prof. Vahrenholt geläufig sein, dass der Klimawandel nicht linear sondern in Schüben verläuft. Seine berufliche Laufbahn hätte es ihm über einen sehr langen Zeitraum ermöglicht, an entsprechender Schaltzentrale Energiealternativen zu entwickeln, die die endlichen fossilen Energieträger mit deren gewaltigem Umweltbelastungspotential hätten ablösen können. Wer nun diejenigen ins Abseits stellt, die sich in höherem Maße einer eigenen Verantwortlichkeit gegenüber den nachfolgenden Generationen sehen, attestiert sich selbst ein Armutszeugnis.***Offenbar sind auch die neuesten Fracking-News von den USA über den großen Teich zu Prof. Vahrenholt nicht herübergeschwappt: Man gelangte dort nämlich jüngst zu der wenig segenszeichen Erkenntnis, dass 95% der noch bis im letzten Jahr geschätzten Gasvorräte sich in sprichwörtlichem Sinne als „heiße Luft“ entpuppten.***Einen gemutmaßten „inexistenten“ Klimawandel widerlegt auch sehr eindrucksvoll das nun seit kurzem mögliche Befahren der Nord-Ost-Passage durch arktische Gewässer (keine fliegenden Schiffe!) infolge Abschmelzens der Polkappen. Zeitliches Einsparpotential für chinesische Frachter, die Fahrtzeiten um mehr als ein Drittel zu reduzieren, um chinesische Photovoltaikmodule schneller u. billiger nach Europa zu transportieren.*******Vorstehende Liste wäre noch soooo lang u. um viele Punte erweiterbar....! - Schon obige Ansätze führen die derzeitigen energiepolitischen Leitlinien von Prof. Vahrenholdt ad absurdum.****Weit fataler wiegt allerdings die offensichtliche Positionierung eines an entsprechender politischer „Schaltzentrale“ sitzenden Super-Ministers Gabriel, der die Deutschen aus dem Blickwinkel unseres europäischen Umfeldes u. wohl auch der Energie-Weltpolitik augenscheinlich in der Rolle der „Bekloppten“ wähnt. Werter Herr Super-Minister Gabriel, vielleicht kurz zur Auffrischung: „Wir haben die Erde von unseren Eltern nicht geerbt, sondern von unseren Kindern nur geliehen!!!“ Eine äußerst kluge indianische Weisheit. - Sehen SIE sich an politisch verantwortlicher Stelle nicht in der Pflicht, auch Ihren u. unseren Kindern einen liebens- u. lebenswerten BLAUEN PLANETEN zu erhalten!?!?

    Das meinen unsere Leser:
  5. von elinge · 5.
    Was hat das EEG mit Biogas alleine zu tun ???

    Nun man kann über die Grünen fast alles erdenklich Schlechte wünschen( inklusiv mir) nur das EEG ist vom Ansatz her eine Meisterleistung. In ihr kann der kleine auch seinen Strom erzeugen. Allerdings da liegt auch IHR mango Sonnenstrom ungedeckelt für 50cent ins Netz einzuspeisen zu dürfen ist ein Unding. Jetzt allerdings eine Vollbremsung hinzulegen scheint auch nicht der Stein der Weisen zu sein. Wie wäre es jetzt 50% des produzierten Sonnenstrom ,kleine Windstromanlagen ..... selbst nutzen zu müssen um den anderen einspeisen zu dürfen??? Es könnte sein das das Frecking oder auch nur der Ausstoß von CO2 in nicht allzuferner Zeit an die Genzen stößt und bis dahin sollte vor allem die Speicherung von Strom in all ihren Möglichkeiten ausprobiert werden können . Das könnte in 5 -10 Jahren ein großer Nutzen für alle bringen.

    Das meinen unsere Leser:
  6. von grubber7 · 6.
    Übertrieben!

    Aus dem EEG haben Anwälte und Verbände das letzte Herausgepresst. Überall wo Lücken im Gesetzestext waren wurde dieses schamlos ausgenutzt. Die Verantwortlichen in den Verbänden sollten sich zuerst einmal an die eigenen Nase packen. Wer sooo gierig einen Innovativen Ansatz, eine Anschubfinanzierung ausnutzt, der hat mehr kaputt gemacht als mancher Politker der jetzt voll auf die Bremse tritt....Aber Gier frisst nun mal Hirn

    Das meinen unsere Leser:
  7. von jschulzep · 7.
    und

    natürlich ist das EEG (Anschubfinanzierung) ein Auslaufmodell !!! Das war nie anders und gewollt ! Gebt den Stromerzeugern die Voraussetzung zur Direktvermarktung und belastet sie nicht mit Steuern auf Eigenverbrauch (Grundgesetzfrage !) .

    Das meinen unsere Leser:
  8. von jschulzep · 8.
    Mit so einer Einschätzung bei RWE innogy gescheitert

    Diesem Prof. sollte man ausführlich erklären wo die Kosten einer Atomstromproduktion und die der Braunkohleverstromung liegen. Nicht Biogas ist das Übel sondern eher der Nawarobonus ! Leider denken zur Zeit auch melkende Betriebe sie könnten mit Biogas und Gemüsepachten locker mithalten und überbieten diese mehr als geringfügig....also liegt das Problem nicht allein im Biogas begründet ! Was hat ein Prof. der Wildtierstiftung (was immer die machen ???) davon mit solchen Äußerungen an die Öffentlichkeit zu gehen ? Sollte man mal hinterfragen! Ohne EE geht es nicht !

    Das meinen unsere Leser:
  9. von leo.seitz · 9.

    Noch nie so viel Unsinn und Falscheinschätzung in einem Artikel gefunden

    Das meinen unsere Leser:
  10. von fuchs#002 · 10.
    Die Wahrheit

    Endlich mal einer der die Wahrheit erzählt.Biogasanlagen Vergütung streichen und für den freien Strommarkt produzieren lassen!!!!!! Dann währen viele Probleme gelöst!!!!!!

    Das meinen unsere Leser:
  11. von peganus#001 · 11.
    Biogas hat ganze Regionen zerstört!

    Biogasbetreiber in unserer Region haben die Pachtpreise verdreifacht und vielen Familien Betrieben die Existenz zerstört ich verstehe bis heute nicht, wie Politiker besonders Grüne so blauäugig sein konnten ein solches überfördertes Instrument ohne Sinn und Verstand und vor allen ohne Wärmekonzept zu instalieren. Biogas ohne Berücksichtigung der örtlichen Begebenheiten und ohne Abfallstoffverwertung ist ökologischer Wahnsinn!

    Das meinen unsere Leser:
Ihre Meinung

Zum Schreiben eines Kommentars loggen Sie sich bitte ein!

Sie sind neu hier?

Als Abonnent kostenlos registrieren