Psychoterror gegen Schweinehalter

Marion und Werner Seefried Marion und Werner Seefried haben mit viel Fleiß und Geschick ihren Betrieb aufgebaut. 2015 bei unserem Besuch fürchteten sie um ihre Existenz.
Bild: Dorsch

Familie Seefried aus ­Mittelfranken wehrte sich gegen ein geplantes Wohngebiet, das bis auf 150 Meter an ihre Ställe heranrückt. Dafür wurden sie damals mit Drohbriefen und Demonstrationen unter Druck gesetzt. Eine Reportage von Klaus Dorsch aus der top agrar 7/2015.

"Du hast Deinen Schweinestall bauen dürfen und wir wollen unsere Siedlung und Häuser bauen. Wenn Du Deine Klage nicht sofort zurückziehst, wird es keinen Frieden geben, wir werden Dich klein kriegen!“
So beginnt ein anonymer Drohbrief, den Marion und Werner Seefried aus Gnotzheim im Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen am 21. Juni 2014 in ihrem Briefkasten fanden. Im weiteren Verlauf des Briefes kündigte der Verfasser konkrete Attacken an und drohte dem Landwirt sogar mit Krieg.

Seefrieds waren schockiert und legten den Drohbrief sofort der Polizei vor. Der zuständige Beamte stufte den Inhalt des Schreibens zwar als kriminell ein. Er wies aber darauf hin, dass die Polizei erst dann reagieren könne, wenn etwas passiert sei.

Was hatte Landwirt Seefried verbrochen, dass sich Menschen der 800-Seelen-Gemeinde zu solchen Psychoterror-Maßnahmen gegen den Landwirt und seine Familie hinreißen ließen?

Der Unternehmer hatte Einwände gegen einen Bebauungsplan geäußert, weil das geplante Wohngebiet bis auf weniger als 150 Meter an seinen Aussiedlungsstandort heranrücken würde. Dort hat er 180 Deck- und Wartesauen sowie die Aufzuchtferkel und Mastschweine untergebracht. Die Abferkelabteile, die bisher noch an der Althofstelle in Ortslage stehen, will der Landwirt ebenfalls an diesen Standort aussiedeln.

„Landwirt bleibt keine Wahl“

Drohbrief Diesen anonymen Drohbrief erhielt der Schweinehalter, nachdem er seine Einwände gegen den Bebauungsplan geäußert hatte.
Bild: Dorsch
Nach Ansicht von Seefrieds Rechtsanwalt Professor Michael Hauth bleibt dem Landwirt gar keine andere Wahl, als gegen den Plan vorzugehen: „Sind einmal die ersten Häuser bezogen, wird es nicht mehr lange dauern, bis sich die Bewohner gegen den Stall zur Wehr setzen“, gibt der Jurist zu bedenken.

„Dem Landwirt wird dann nicht nur das Leben schwer gemacht. Er kann auch notwendige Erweiterungen nicht mehr vornehmen.“Um genau diese Konflikte und Probleme zu vermeiden, hat bereits Seefrieds Vater 1991 mit der Aussiedlung des Deck- und Wartestalls begonnen. Der Standort südöstlich von Gnotzheim schien dafür gut geeignet zu sein, weil die Gemeinde damals die Entwicklung der Wohnbebauung in Richtung Norden vorantrieb und dort ein Baugebiet auswies. Allerdings empfahl der Gemeinderat dem Landwirt damals, noch etwas weiter vom Ort abzurücken.

Nach der Hofübernahme siedelte Werner Seefried Schritt für Schritt auch die Ferkelaufzucht und die Mast an die neue Hofstelle aus und investierte 2013 in neue Deck- und Warteplätze.

Gemeinde machte Kehrtwende

Baugebiet Das 2015 geplante Baugebiet rückte noch näher an den Aussiedlungsstandort mit den Schweineställen heran als die bisherige Bebauung.
Bild: Dorsch
Diese letzte Erweiterung konnte Seefried jedoch nur deshalb verwirklichen, weil er aufgrund des Ergebnisses eines GIRL-Gutachtens weitreichende immissionsmindernde Maßnahmen ergriff. Denn die Gemeinde Gnotzheim hatte schon bald nach der Aussiedlung des Betriebs Seefried eine Kehrtwende vollzogen und trieb die Bebauung vorrangig am Südrand des Ortes voran.Dass es dabei zwangsläufig zu Zielkonflikten kommen muss, bestreitet der Gnotzheimer Bürgermeister Josef Weiß: „Die Geruchsimmissionen sind von den Bürgern immer toleriert worden, obwohl Seefried mehrmals erweitert hat“, so das Gemeindeoberhaupt.

Im Jahr 2000 verwirklichte die Gemeinde den ersten Bebauungsplan mit rund 20 Wohneinheiten in Richtung von Seefrieds neuer Hofstelle. Bereits dagegen äußerte der Schweinehalter seine Bedenken. Auch gegen den zweiten Bebauungsplan mit weiteren 20 Wohnhäusern, dessen Aufstellung der Gemeinderat im Frühjahr 2014 beschloss, ging er von Anfang an vor.

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2 Leserkommentare Kommentieren

  1. von Richard Huber · 1.
    Die Bösartigkeit einiger Menschen

    aus Gnotzheim und äußerst fragwürdige Rolle des dortigen Bürgermeisters zeigen in welchen Zeiten wir uns befinden. Natürlich spielt auch der zuständige Landtagsabgeordnete Westphal eine unrühmliche Rolle. Ist dies die Landwirtschaftspolitik der CSU in Bayern? Alle Beteiligten welche in dieser unsäglichen Art und Weise gegen die Familie Seefried vorgegangen sind und noch immer vorgehen sollten sich in Grund und Boden schämen.

    Das meinen unsere Leser:
  2. von Josef Fischer · 2.
    2015. Was ist heute

    Sehr geehrtes TopAgrar-Team, Wie ist die Sache dann ausgegangen? Konnte der Landwirt das Baugebiet abwehren? Hat sich die Stimmung mittlerweile beruhigt? Wenn ihr schon einen alten Artikel ausgrabt, dann schreibt doch bitte wenigstens ein paar Zeilen hinzu wie es weiterging.

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