Röring: Landwirtschaft blickt mit Zuversicht und Sorgen auf das neue Jahr

Johannes Röring Johannes Röring
Bild: WLV

Gestärkt durch ein wirtschaftlich gutes Jahr und positive Signale aus der Landespolitik blicken die Bauern in Westfalen-Lippe mit Zuversicht auf das neue Jahr. Diese Einschätzung gab Johannes Röring, Präsident des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbandes (WLV), am Freitag anlässlich des Havichhorster Presseabends des Verbandes auf Gut Havichhorst bei Münster.

Man habe den Eindruck, dass die Landwirtschaft nach dem Regierungswechsel vom Mai 2017 in Düsseldorf wieder mehr Verständnis für ihre Anliegen fände. Für 2018 hat sich der Verband viel vorgenommen: So wollen die westfälisch-lippischen Bauernfamilien vor allem den Dialog mit der Gesellschaft ausbauen und vertiefen.

Durch die Umsetzung einer „Offensive Nachhaltigkeit“ will der WLV bis zum Jahr 2030 die Basis legen für neues wechselseitiges Vertrauen zwischen der Branche und ihren Kritikern.„Die Stimmung auf den landwirtschaftlichen Betrieben ist nach einem Jahr mit schwierigen Witterungsverhältnissen und starken Niederschlägen, aber auch guten Erzeugerpreisen für Milch und Fleisch erfreulich. Obwohl die Erzeugerpreise aktuell wieder sinken, blicken wir nicht euphorisch, aber doch mit Zuversicht nach vorn“, so Röring. 

Nach vorläufigen Zahlen der landwirtschaftlichen Buchstellen stieg der durchschnittliche Gewinn der landwirtschaftlichen Haupterwerbsbetriebe in Westfalen-Lippe im Wirtschaftsjahr 2016/17 (01.07.2016 – 30.06.2017) von einem niedrigen Ausgangsniveau um kräftige 70 Prozent auf ca. 64.000 Euro. Sämtliche Produktionsrichtungen konnten Zuwächse verzeichnen, allerdings unterschied sich das Ausmaß der Gewinnsteigerungen erheblich.

Während die Ackerbauern ihre Unternehmensergebnisse nur geringfügig um 1-2 Prozent steigern konnten, belief sich das Plus bei den Milchviehbetrieben auf 44 Prozent. Den mit Abstand höchsten Gewinnsprung verzeichneten die Schweinehalter mit außergewöhnlichen 136 Prozent. Dank der nach zwei schlechteren Wirtschaftsjahren wieder guten Markterlöse verringerte sich der Anteil der öffentlichen Transfers am Unternehmensergebnis bei allen Betriebsformen gegenüber dem Vorjahr im Durchschnitt von 52 Prozent auf 28 Prozent.  

Allerdings entwickeln sich die Erzeugerpreise bei Fleisch und Milch aktuell wieder negativ. Zudem geht der Strukturwandel in der Landwirtschaft ungebremst weiter. Dies gilt in besonderem Maße für Milchbauern und Sauenhalter, deren Zahl in NRW seit 2013 um über 20 Prozent gesunken ist. Angesichts weiter steigender Kosten im Tier- und Umweltschutz sowie einer hohen Flächenkonkurrenz wird sich dieser Trend nach übereinstimmender Einschätzung von Experten auch in den nächsten Jahren fortsetzen.

Der Westfälisch-Lippische Landwirtschaftsverband hofft, dass die Sondierungsgespräche zur Bildung einer neuen Bundesregierung erfolgreich sein werden. Angesichts weiterhin bestehender Differenzen zwischen dem unionsgeführten Bundeslandwirtschaftsministerium und dem SPD-geführten Bundesumweltministerium in zentralen Fragen der Agrar- und Umweltpolitik sei aber von schwierigen Abstimmungsgesprächen auszugehen.

Als sehr konstruktiv und vertrauensvoll beurteilt der Verband die Zusammenarbeit mit der neuen NRW-Landesregierung. „Wir spüren deutlich mehr Verständnis für die Anliegen der Landwirtschaft als bei der Vorgängerregierung und begrüßen, dass den Aspekten der Fachlichkeit und Umsetzbarkeit von politischen Vorhaben erkennbar mehr Gewicht zugebilligt wird. Dies hilft uns notwendige Veränderungen, z.B. beim Wasserschutz, mit klaren Zielen umzusetzen“, so WLV-Präsident Röring.

Mit großer Sorge verfolgen die Tierhalter in Westfalen-Lippe die Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest mit potentiell katastrophalen Folgen für die heimische Landwirtschaft. Der Westfälisch-Lippische Landwirtschaftsverband fordert daher von Bund, Länder und Kommunen entschlossene Maßnahmen, um einem Seuchenausbruch vorzubeugen.

Daneben sieht der Verband beim Ausbau von Leitungstrassen für Nordseestrom, von dem in Westfalen-Lippe vor allem der Kreis Borken betroffen ist, die Grenzen des Zumutbaren überschritten. Hier müsse gelten: Kein Öko-Ausgleich für Öko-Strom! 

2018 steht für die Bauernfamilien in Westfalen-Lippe auch im Zeichen ihrer „Offensive Nachhaltigkeit“, deren Umsetzung bis zum Jahr 2030 mehr wechselseitiges Verständnis zwischen den Bauernfamilien und der Bevölkerung und eine breite Akzeptanz für die landwirtschaftliche Praxis schaffen soll. Über 30 Projekte sollen zu diesem Zweck umgesetzt werden. Der Fortgang der Arbeiten zur Umsetzung der Offensive ist ab heute online unter www.offensive-nachhaltigkeit.de nachvollziehbar. Anfang März wird der Verband der Öffentlichkeit seinen ersten Jahresbericht zur Offensive Nachhaltigkeit vorstellen.

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