Situationsbericht: Wirtschaftliche Lage der Bauern drastisch verschlechtert!

Joachim Rukwied
Bild: DBV

„Die wirtschaftliche Lage der deutschen Landwirtschaft hat sich wegen stark gesunkener Erzeugerpreise drastisch verschlechtert. Wesentliche Ursachen sind neben dem Russland-Embargo, das zu Einbußen in Milliardenhöhe für die deutsche Landwirtschaft führt, Konjunkturschwächen in nachfragestarken asiatischen Ländern sowie gut versorgte internationale Märkte.

Der Erlös- und Einkommenseinbruch betrifft fast alle Betriebszweige und Regionen. Besonders die Ferkelerzeuger, Schweinemäster und Milchbauern haben im Wirtschaftsjahr 2014/15 einen massiven und derzeit noch anhaltenden Erlös- und Einkommenseinbruch erlebt. Der Gewinneinbruch erinnert an die Krisenjahre von 2008/09.“ Dies stellte der Präsident des Deutschen Bauernverbandes (DBV), Joachim Rukwied, bei der Vorstellung des Situationsberichtes 2015/16 fest.

„Derzeit tragen fast ausschließlich unsere Landwirte die Folgen schwankender und niedriger Agrarpreise. Der Abstand zwischen Erzeuger- und Verbraucherpreisen hat sich bei vielen Produkten deutlich vergrößert. Lebensmitteleinzelhandel und Ernährungsindustrie können zu Niedrigpreisen einkaufen. Dies geht aber zu Lasten unserer Bauern“, kritisierte Rukwied.

„Die wettbewerbsschädliche Konzentration im Lebensmitteleinzelhandel führt eindeutig zu Wertschöpfungsverlusten in der Landwirtschaft“, stellte Rukwied fest. Er forderte kartellrechtliche Rahmenbedingungen, die „die Schieflage bei der Wertschöpfung in der Lebensmittelkette“ korrigieren. Vor diesem Hintergrund lehnt der Bauernverband weitere Zusammenschlüsse und Konzentrationen unter den marktführenden Unternehmen des Lebensmitteleinzelhandels ab.

Kritisch sieht der Bauernpräsident auch das Urteil des Oberlandesgerichtes Düsseldorf zur Zulässigkeit von sogenannten Hochzeitsrabatten. „Das Kartellrecht wird zu einem stumpfen Schwert“, befürchtete Rukwied. Er übte angesichts des Milchpreisverfalls auch Kritik an der „wenig erfolgreichen Positionierung der Molkereien gegenüber dem Handel“.

Ausblick: Lage bleibt angespannt

Schweinehalter Schweinehalter
Bild: top agrar
Auch für das laufende Wirtschaftsjahr 2015/16 erwartet Rukwied eine „weiterhin angespannte wirtschaftliche Lage der Betriebe“. Die Hilfen der EU sowie die Erhöhung des Bundeszuschusses zur Landwirtschaftlichen Unfallversicherung könnten die Erlöseinbußen zwar etwas abmildern, aber nicht ausgleichen. Politische Initiativen zur Aufhebung des Russland-Embargos seien das Gebot der Stunde. Auch sei eine „Agrarpolitik mit Augenmaß“ erforderlich, die kostenaufwändige Bürokratie abbaue und die Wettbewerbsfähigkeit nicht durch zusätzliche Auflagen belaste.

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8 Leserkommentare Kommentieren

  1. von Werner Danzeisen · 1.
    Gewinn: mal richtig definieren

    das Wort Gewinn wird in der landwirtschaft "beschönigend" verwendet. Umgangssprachlich wird damit das (zu versteuernde) Einkommen bezeichnet. Gewinn ist betriebswirtschaftlich und bei allen anderen Unternehmen die nicht von Einzelunternehmern geführt werden, als das deffiniert was nach Abzug aller Kosten übrig bleibt. Nur im landwirtschaftlichen Familienbetrieb wird der Lohnanspruch Betriebsleiter und der "mitarbeiteneden Familienangehörigen" als Gewinn tituliert. An einen Zinsanspruch des Eigenkapitales im Betrieb denkt schon gar keiner mehr, ist aber bei den heutigen Zinssätzen auch nicht mehr so schlimm. Also einen Unternehmergewinn erzielen wir erst wenn sämmtliche Lohn und Zinsansprüche (Dividende?!) getilgt sind. Das wird in der Landwirtschaft nur bei ganz, ganz wenigen Betrieben vorkommen, auszuschliesen ist das aber nicht, siehe Ökobetriebe. Wo das Geld für die "Überschüsse" herkommt und ob man staatliche Beihilfen als nachhaltiges Wirtschaften bezeichnen kann ist eine andere Frage. Ich denke grundsätzlich ist das, wovon in der Landwirtschaft als Gewinn gesprochen wird, Selbstäuschung und Selbstbetrug.

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  2. von Grete Siemering · 2.
    Überreizte Pachtpreise

    Man kann natürlich immer anderen die Schuld geben. Aber viele Landwirte sollten auch mal Ihre weit über die Wirtschaftlichkeit gebotenen Pachtpreise überdenken.

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  3. von Andreas Heumer · 3.
    Herr Niemann,

    bitte vergessen Sie nicht die ersparten Beschaffungskosten für Milchquote gegenzurechnen.

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  4. von Eckehard Niemann · 4.
    Ursachen und Verantwortliche der Milchbauern-Existenzbedrohung

    Umfassend-informativer TV-Beitrag zur Milchmarkt-Krise: http://www1.wdr.de/fernsehen/ratgeber/koenneskaempft/indexkoenneskaempft100.html

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  5. von Andreas Heumer · 5.
    Viel Glück

    Sehr anschaulich dargestellt und übersichtliche Zahlenwerke. Ich bin mir sicher, dass sich die Preise und somit die wirtschaftliche Situation auch wieder verbessern wird. Um es mal salopp zu sagen, die Situation in den Köpfen der Bauern scheint mir um ein Vielfaches bedenklicher zu sein als die Situation auf den Höfen. Und ganz sicher ist der Bauernpräsident in der schwierigsten Zeit überhaupt, im Amt. Auf topagrar hier gibt es sicher mehr als 10000 Wortmeldungen, die dem Bauernverband eine Schuld für schlechte Milchpreise zuschustern wollen. Gestern im WDR auch das gleiche Bild, der Bauernverband ist Schuld. Und in Leer Ostfriesland demonstrieren BdM Bauern gegen die eigene Milchkühlung. Ich wünsche uns Landwirten und dem Verband faire sachliche Diskussionen um einheitlich nach Verbesserungen zu suchen. Einfache Lösungen gibt es nicht, weil Grenzen für Im und Exporte offen sind. Öffentlichkeitsarbeit: Jeder einzelne Landwirt kann viel tun. Zum Beispiel an den WDR schreiben, dass die Sendung gestern gut war aber der Bauernverband sicher nicht die Ursache des Problems ist wie es dargestellt wurde. Man muss hier auch faire Berichterstattung einfordern. Seit 2005 wird ununterbrochen über Milch diskutiert und kein Milchverein hat ein Konzept entwickelt was eine Mehrheit der Milchbauern mittragen kann. Nun ist es gut gewesen und jeder Landwirt hat seinen Laden so zu führen, dass die nächste Generation noch was davon hat. Wer viel riskiert kann auch viel verlieren. Die Schuldfrage ist völlig klar. Ich danke Herrn Rukwied dafür, dass er auch die Situation der Schweinehalter angesprochen hat. Und viel Glück wünsche ich dem Verband auch deswegen bei dem Ausbau der Öffentlichkeitsarbeit. MfG

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  6. von Bernhard Zehle · 6.
    Sehr geehrter Herr Rukwied

    Wieviele meiner Breufkollegen können nicht die Reißleine ziehen? Sie hängen am Tropf der Banken. Ich konnte zum Glück noch einigermaßen rechtzeitig Aufhöhren, so dramatisch das auch klingen mag. Ich brauche noch ca. 3 Jahre um aus dem Troth heraus zu kommen. Aber einer dankbar sehr guten Arbeitsstelle hoffe ich dies zu schaffen. Ja, richtig, ich bin kein Milchbauer mehr. Dank sang und klangloser Unterstützung. Setzen sie sich doch mit mir in Verbindung, ich bin für sie für alles offen. Aber wer redet schon mit einem, der das Handtuch geworfen hat? KEINER. So ist nun mal die Welt. Hauptsache groß und größer, und wenns nicht klappt, dann jammern. Ich hab noch nie gejammert, aber leider verloren. Das war vielleicht der Grund? Aber mir geht es jetzt doch besser, hoffe ich?

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  7. von Josef Doll · 7.
    Nun es steht im Bericht

    worauf alle warten auf den Strukturwandel. Der aber soll und wird immer den anderen treffen nur mich nicht. Allso warten wir auf die notwendige Insolvenz meines Nachbarn in der Welt hoffendlich reicht mein Geld oder die der Bank bis es wieder aufwärst geht . Etwas anderes ist uns in den letzten 65 Jahren nicht eingefallen allso weiter so ............

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  8. von Matthias Zahn · 8.
    Das Papier nicht wert....

    Ist dieser Bericht. Wiedermal sind alle anderen Schuld nur man selber nicht. EU, Molkereien, Politik und Handel. Ach ja, den Verbraucher nicht vergessen. .... Wo ist denn der Notfallplan der Landwirte für Krisenzeiten? Nicht die Krise ist das Problem sondern dass wir nicht darauf vorbereitet sind! Der fehlende Plan B ruiniert uns!

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