Rukwied zufrieden: „Haben uns klar positioniert“

Mit dem vergangenen Bauerntag zeigt sich DBV-Präsident Joachim Rukwied sehr zufrieden. Es sei eine lebhafte Veranstaltung gewesen, bei der der Berufsstand eine klare Positionierung und klare Botschaften nach außen gesendet habe.
 
„Wir wollen uns ab jetzt noch mehr als bisher aktiv in die Diskussion um die Landwirtschaft einbringen“, so der Bauernpräsident am Donnerstag. So werde man selbstbewusst und offensiv auftreten. „Gleichzeitig hat der Bauerntag ein Signal nach innen gesetzt und die Aufforderung an die Ortsverbände gerichtet, aktiver zu diskutieren und sich in Debatten einzumischen. Jetzt heißt es selbst zu gestalten.“
 
Erfreut zeigte sich Rukwied auch über die langen Beratungen über die Erfurter Erklärung. „Das ist endlich wieder Basisdemokratie. Unser Ziel war eine intensive offene Diskussion, das haben wir erreicht.“ Die anschließende Diskussionsrunde mit Politikern am Donnerstag habe den Mitgliedern zudem vor Augen geführt, wie kontrovers die Diskussion um die Landwirtschaft ist. Hier hatten sich vor allem Ute Vogt (SPD) und Robert Habeck (Grüne) einen interessanten Schlagabtausch mit Gitta Connemann (CDU/CSU) und dem Landwirt Johannes Scharl geliefert.
 
Welche konkreten Veränderungen der Bauernverband aber nun angehen will, ließ Rukwied allerdings offen. In der Abschluss-Pressekonferenz erwähnte er nicht einmal mehr das neue Paket zur Öffentlichkeitsarbeit, das im Herbst kommen soll. „Der DBV kann die Landwirtschaft nur weiterentwickeln unter Einbindung der gesellschaftlichen Diskussion, aber nur so weit, wie das auch praktikabel ist“, sagte er. Nicht akzeptabel sei dabei aber, dass heute immer mehr über das Ordnungsrecht geht, während die Bauern früher auf Basis von kooperativem Naturschutz große Erfolge erzielt hätten. „Nur kooperative Zusammenarbeit hat Zukunft.“
 
Als weitere Themen für das Jahr bis zum nächsten Bauerntag 2016 in Hannover nannte Rukwied Wolf und Biber sowie die Eingriffe ins Eigentum, wie etwa durch die Jagdnovellen. Hier möchte der DBV mitgestalten, sucht aber noch Mitstreiter. Die Erfurter Erklärung soll dabei als Diskussionsbasis dienen. Auch mit einigen NGOs könne man sicherlich sachlich darüber reden, andere würden das dagegen direkt aufgrund ihrer Überzeugungen ablehnen.
 
An die Forschung gerichtet forderte Rukwied, dass die Wissenschaftler „Gas geben“ sollten, um Lösungen für die drängenden Fragen in der Tierhaltung zu liefern. Dies sei wichtig, um der Kritik in den Medien etwas entgegenhalten zu können. Bei der Initiative Tierwohl sei man unterdessen an dem Punkt, wo der Ball allein bei denen liegt, die sonst immer Verbesserungen fordern. Sie müssten nun das fehlende Geld bereitstellen. Dazu Helmut Gumpert, Präsident des Thüringer Bauernverbandes: „Entweder zahlen die bisherigen Geldgeber mehr in den Fonds oder neue kommen dazu.“

Rukwieds totes Pferd

Friedrich Ostendorff (Bild: Archiv) Friedrich Ostendorff (Bild: Archiv)
Friedrich Ostendorff von den Grünen ist unterdessen sehr enttäuscht von dem Bauerntag. „Der Verbandspräsident reitet ein totes Pferd: Keine PR-Kampagne pro Pestizide und Massentierhaltung wird etwas daran ändern, dass immer mehr Menschen gesunde Lebensmittel wollen und industrielle Massentierhaltung satt haben. Auch Herr Ruckwied kann nicht leugnen, dass die  Nitrat-Belastung unseres Grundwassers zu hoch ist. Die bisher eingesetzte Pestizid-Keule ist keine Medizin, sondern eine Belastung für unsere Lebensgrundlagen", sagte der Politiker in einer Reaktion.
 
Seiner Meinung nach lasse sich Umweltschutz und Kritik an Massentierhaltung nicht vom Tisch wischen. Wenn sich nicht endlich etwas tue bei den Missständen der industriellen Massentierhaltung, werden sich immer mehr Menschen von ihr abwenden, so Ostendorff. Der Verband vertue jedenfalls eine Chance, wenn er Zukunftsfragen ignoriert und mit teuren PR-Kampagnen überdecken will.

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11 Leserkommentare Kommentieren

  1. von heike comeback · 1.
    eine diktatur des Papstes würde zu mehr allgemeinwohl beitragen,als euer verständnis von demokratie und freiheit

    die menschen leiden zunehmend unter der wahnidee ,der ideologie,der MARKT -die unsichtbare hand kann alles richten.statt des IDEALS,der verbesserung des allgemeinwohls ,führt die globalisierung ,die erweiterung der wirtschaftsräume und des daraus resultierenden höheren wettkampfes zu zunehmendem kannibalismus.jeder gegen jeden,kein bauer ,kein hof ist mehr sicher.die imperialisten müssen nur noch ,,die reste ,,zusammenkehren und unter sich verteilen.ist es das was ihr wollt.wie lautet das LEBENSZIEL?WER kann etwas mitnehmen?herzlichst

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  2. von solarer · 2.
    Antworten auf Zukunftsfragen?

    Ausser Polemik kann ich bei Ostendorf und seinen Mitstreitern nicht viel erkennen. Wo sind denn deren Zukunftskonzepte für bäuerliche Familienbetriebe, die eben nicht von Ideologie, sondern von wirtschaftlicher Produktion leben müssen? Verbraucher können sich doch frei entscheiden, Bio-Produkte zu kaufen. Wenn ihre Öffentlichkeitsarbeit in Form von Hetzkamkagnen gegen die konventionelle Landwirtschaft und den Bauernverband Erfolg hat, werden die Verbraucher ihnen vielleicht die Türen einrennen.

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  3. von schlaumeier · 3.
    Immerhin

    man hat erkannt, dass sich in der Öffentlichkeitsarbeit etwas ändern muss!!! Mit "Einsichten in die Tierhaltung" wurde ein Anfang gestartet mit "IMA". Der einzelne Landwirt ist glaubwürdiger als der Bauernverband. Wenn wir Konvis genauso in die Öffentlichkeit gehen wie die anderen, wenn wir den Verbraucher zu uns holen, dann haben wir wieder eine Chance.

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  4. von Franzi13 · 4.
    Keine Spur von Fehlern geschweige den Selbstkritik!

    Beratungsresistent und Selbstgefällig. Hochmütig und immer "Wir sind unschuldig" Das ist die Beschreibung dieses Verbandes. Wer nicht Mitarbeitet an Lösungen dem werden Gesetze und Verordnungen diktiert. Durch diesen Verband sind wir gesellschaftlich außen Vor und haben keine Lobby. Dann wundern sie sich das sie keine Anerkennung erfahren und Demonstrieren noch für Anerkennung. Wie blöd ist das denn.

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  5. von Hans-Nagl · 5.
    Bauerntag 2050 Bauernverband zufrieden!

    Im Jahr 2050 die Zahl der Milchbauern hat sich bei 5000 eingependelt . Die Milchpreise pendeln um die 20 Cent, in ca. 3,8 Jahren wird der Preis steigen. 80 % der Betriebe nehmen Liquitätshilfen in Anspruch . Wir sind auf den richtigen Weg so der Bauernverband.

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  6. von heike comeback · 6.
    wahrlich,wahrlich

    es ist vollbracht .der traum von endlosen milchseen und butterbergen wird wieder wahr.aus dem hamsterrad kommt so schnell kein bauer mehr raus,schon gar nicht mit bürgschaften.-die wirtschaftlichen FOLGEN,durch den fall der quoten sind dem DBV egal.die zeit der auskömmlichen preise vorbei.dabei hätten wir bauernfamilien weiss Gott,besseres verdient.stattdessen sollen wir noch mit DBV propagandamitteln unsere ausweglose situation zementieren .eine diktatur des pastes würde zu mehr allgemeinwohl führen,als euer verständnis von freiheit und demokratie.wir befinden uns in einem brutalen marktsystem welches eiskalt selektiert auf kosten der schwächeren, der vielfalt und nachhaltigkeit.--es wird erst besser für alle,wenn es anders wird.ändert das system zum besten des ganzen.

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  7. von ramsdorf · 7.
    mit eine Hand von BDM Leuten medienwirksam

    Minister Habeck den Nikolaus zu machen, hat in BDM Augen mit sicher einen größeren Unterhaltungswert!

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  8. von detmarkleensang · 8.
    Muss man nicht verstehen, oder?

    >>Mit dem vergangenen Bauerntag zeigt sich DBV-Präsident Joachim Rukwied sehr zufrieden. Es sei eine lebhafte Veranstaltung gewesen, bei der der Berufsstand eine klare Positionierung und klare Botschaften nach außen gesendet habe.<< … >>Welche konkreten Veränderungen der Bauernverband aber nun angehen will, ließ Rukwied allerdings offen. In der Abschluss-Pressekonferenz erwähnte er nicht einmal mehr das neue Paket zur Öffentlichkeitsarbeit, das im Herbst kommen soll.<< Hääähh??? Und wo ist da jetzt die klare Position??? Also irgendwie vermisse ich die gewaltig! >>Erfreut zeigte sich Rukwied auch über die langen Beratungen über die Erfurter Erklärung. „Das ist endlich wieder Basisdemokratie.<< Basisdemokratie wäre gewesen, wenn die Basis der hart um ihre Betriebe kämpfenden einfachen Bauern beraten hätten. Die waren aber gar nicht anwesend! Nicht einmal eingeladen! Ok, da ja kein einziger Bauer direktes Mitglied im DBV ist stellen die Bauern natürlich auch nicht die Basis des DBV. Sollte der Verband dann aber auch mal offen und ehrlich so darstellen in der Öffentlichkeit! >>Der DBV kann die Landwirtschaft nur weiterentwickeln unter Einbindung der gesellschaftlichen Diskussion, aber nur so weit, wie das auch praktikabel ist<< Und was praktikabel ist und was nicht, das sagt allein der DBV, oder wie? Deshalb will der DBV die gesellschaftliche Diskussion auch nur in seine von ihm geführte Diskussion „einbinden“ anstatt sich selber direkt in die gesellschaftliche Diskussion einzubringen!? Wie weit her mag es da wohl noch mit der „kooperativen Zusammenarbeit“ sein?

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  9. von cairon · 9.
    Wenn sich immer mehr Menschen...

    von der konventionellen Landwirtschaft abwenden, warum stagniert dann die Ökolandwirtschaft in Deutschland und fordert immer neue Zuschüsse? Wenn sich wirklich Menschen abwenden, was essen diese dann?

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  10. von Bauer-Berni · 10.
    Tote Pferde. .....

    .....reitet Ostendorff. Die Bürger, sprich die Verbraucher, wollen günstige Nahrungsmittel und das Thema hat Ostendorff wohl nicht im Programm.

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  11. von ramsdorf · 11.
    Was erwartet BDM Freund Ostendorff eigendlich?

    Das der Bauerntag Beschlüsse fasst das er zufrieden ist wohl kaum? Wäre es tatsächlich so hätte er keine Daseinsberechtigung in der Politik mehr, und das wird er selber doch wohl nicht wirklich selber wollen?

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