Schäfer demonstrieren in Berlin für eine Weidetierprämie

Der Bundesverband der Berufsschäfer sieht die Existenz seiner Mitglieder zunehmend in Gefahr.
Bild: Bundesverband Berufsschäfer

Die Schäfer gehen heute in Berlin auf die Straße, um für eine Weideprämie zu demonstrieren. Die Umweltverbände haben sie dafür mit ins Boot geholt. Ausdrücklich für eine Weideprämie spricht sich die Linke aus.

Eine Demonstration für die Weidetierprämie führt heute der Bundesverband der Berufsschäfer durch. Sie richten ihren Appell sowohl an das Bundeslandwirtschaftsministerium (BMEL) als auch die Abgeordneten des Bundestages. Der Zeitpunkt ist günstig gewählt, zumal einen Tag vor der Regierungseinführung am morgigen Mittwoch in Berlin ein kleines Nachrichtenvakuum vorherrscht. Die Weideprämie wäre eine noch erlaubte gekoppelte EU-Prämie, von denen sich Deutschland aber eigentlich verabschiedet hatte. Der Deutsche Bauernverband (DBV) steht der Weidetierprämie daher skeptisch gegenüber, weil er im Grundsatz gegen gekoppelte Prämien ist. "Wir haben unsere Position nicht verändert", heißt es daher heute aus dem DBV in Berlin.

Umweltverbände machen mit

Mit ins Boot geholt hat der Berufsschäferverband die Umweltverbände. „Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland steht solidarisch an der Seite der Schäferinnen und Schäfer und fordert die neue Bundesregierung auf, ihren wertvollen Beitrag mit einer Weidetierprämie anzuerkennen“, schreibt der BUND. Sie sei das beste Mittel für die Erhaltung der extensiven Weidetierhaltung und Deutschland eines der wenigen Länder in der EU, das auf die Weidetierprämie verzichtet, argumentiert der BUND. "Im Interesse von Artenschutz und Weidetierhaltung fordern wir von der neuen Bundesregierung außerdem Schutzmaßnahmen und Schadensausgleich bei Wolfsübergriffen". Übergriffe müssten unbürokratisch und vollständig kompensiert werden, heißt es weiter. „Die Rückkehr des Wolfes nach Deutschland und der Erhalt von artenreichen, extensiv bewirtschafteten Grünland-Biotopen sind aus Naturschutzsicht zwei Seiten derselben Medaille“, so der BUND. Auch der WWF ist bei der Demo mit von der Partie. „Für den WWF Deutschland sind die Weidetierhalter wichtige Partner um den Erhalt unserer Artenvielfalt zu sichern. Es ist längst überfällig, dass sie durch die Bundesregierung einen angemessenen Ausgleich für ihre ökologischen und gesellschaftlichen Leistungen erhalten“, heißt es dort.

Linke unterstützt Weidetierprämie

Tackmann Die Agrarsprecherin der Linken, Kirsten Tackmann, spricht sich für eine Weidetierprämie aus.
Bild: Die Linke
Unterstützung verspricht den Schäfern die Linke. „Die protestierenden Schäferinnen und Schäfer vor dem Bundesagrarministerium sind das Zeichen ihrer sich weiter zuspitzenden prekären Lage. Die Probleme sind alles andere als neu“, sagte die Agrarsprecherin der Linken, Kirsten Tackmann. Ihre Fraktion hat für die Sitzung des Ausschusses für Ernährung und Landwirtschaft am Mittwoch erneut eine Debatte zu ihrer Forderung nach einer Weidetierprämie beantragt. „Die Bundesregierung muss es endlich den 22 anderen EU-Mitgliedsstaaten gleichtun und ihr Dogma, keinerlei Agrarförderung an Produktion koppeln zu wollen, für eine Weideprämie aufgeben“, kommentiert Tackmann weiter. Aus ihrer Sicht könnte die Weidetierprämie schon ab 2019 in Deutschland beschlossen werden. Tackmann fordert außerdem einen Rechtsanspruch auf Unterstützung beim Herdenschutz.

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4 Leserkommentare Kommentieren

  1. von Harald Finzel · 1.
    Blauäugig

    Glaubt der Bundesverband der Berufsschäfer ernsthaft, dass Übergriffe durch den Wolf "unbürokratisch und vollständig kompensiert" würden, wenn die Schäfer mit dem BUND ins Bett steigen? Wie will man eigentlich die Sekundärkosten eines Wolfsübergriffs beziffern? Man denke nur einmal an Verkehrsunfälle durch ausgebrochene Herden: Wer will/soll in solchen Fällen einen eindeutigen Nachweis führen, dass der Wolf ursächlich war oder eben nicht?

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  2. von Gerhard Steffek · 2.
    BUND und Schafhalter!

    Da haben sie sich aber im wahrsten Sinne des Wortes den Wolf im Schafspelz mit ins Boot geholt. Ausgerechnet BUND und Schafhalter, daß ich nicht lache. Das ist mal wieder ein schönes Beispiel über die Janusgesichtigkeit dieses Vereins. Da wollen sie die Quadratur des Kreises, aber ausbaden sollen es andere. In diesem Fall der Steuerzahler. Die Weideprämie mag ja ganz gut und schön sein, doch wenn der BUND im Umdrehen dann wieder die Einführung des Wolfes vehement fordert, was soll dann das Ganze? Da wird doch dann nur noch Sterbehilfe geleistet. Um dies noch hinauszuzögern wird der Schafhalter nochmals an den Tropf gehängt. Oder sollen hier nur noch die Schafe dann als Futtergrundlage für diesen Carnivoren herhalten? Ich habe es heute mir mal ausgerechnet was es bedeuted wenn so ein Wolf am Tag drei bis vier Kilo Fleisch frißt. Das sind im Grunde dann zwei schwere schlachtreife Mastbullen a 600 kg. Ein Rudel braucht dann 8 bis 10 Tiere. Ein Schaf wiegt ca. 100 kg, das wären somit bei 70 Rudel a 5 Tiere und 3,5 kg Fleisch am Tag 1.225 kg. Im Jahr 447.125 kg, bzw. 4470 Schafe. Da aber nicht alles gefressen, bzw. unter Umständen mehr gerissen wird als gebraucht, erhöht sich diese Zahl noch entsprechend. Zumal ja, geht es nach dem BUND, die Zahl der Rudel in Zukunft noch mehr werden sollen. Da kann sich ja mal ein jeder Schäfer ausrechnen wieviel Überlebenschancen er auch Dank des BUND für die Zukunft hat. Die Schäfer verbünden sich hier mit ihrem Henker und der spielt dieses perfide Spiel auch noch mit und gibt den scheinheiligen Pharisäer.

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  3. von Wolfgang Reiner · 3.
    Respekt,

    die Damen und Herren Berufsschäfer holen sich zur Unterstützung, die Freunde des Wolfes. Der Wolf ist in Wirklichkeit komplett harmlos. Die ganzen Schauermärchen nur eine Erfindung vom bösen Bauernverband.

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  4. von Martin Siekerkotte · 4.
    Respekt!!!

    viel Erfolg eine Prämie welche von den Wählern gewollt ist leider sollen wir für den globalen markt produzieren

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