Schlagabtausch zwischen DBV und UBA

Krautzberger Maria Krautzberger, Präsidentin des Umweltbundesamtes
Bild: Photostudio D29

Die Trinkwasserstudie des Umweltbundesamtes (UBA) von vergangener Woche hat viel Aufmerksamkeit erregt und einiges an Kritik erzeugt. Der Generalsekretär des Deutschen Bauernverbandes (DBV), Bernhard Krüsken, hatte dem UBA Panikmache vorgeworfen. Nun schreibt ihm UBA-Präsidentin Maria Krautzberger einen offenen Brief.

Die kontroverse Debatte um die UBA-Studie „Quantifizierung der landwirtschaftlich verursachten Kosten zur Sicherung der Trinkwasserbereitstellung“ hält an. Am gestrigen Donnerstag veröffentlichte UBA-Präsidentin Maria Krautzberger einen offenen Brief an den Generalsekretär des Deutschen Bauernverbandes (DBV), Bernhard Krüsken. Lesen Sie den Brief in voller Länge und machen sich ein eigenes Bild. Die Aussagen von Herrn Krüsken, auf die sich Krautzberger bezieht, finden Sie unter dem Beitrag verlinkt, außerdem ein Faktenblatt des DBV zum Thema Wasserqualität und Düngung, in dem der Verband die UBA Studie analysiert. Ebenso gibt es unten einen Link zu der betreffenden UBA-Studie und die top agrar online Meldung darüber.

„Sehr geehrter Herr Krüsken,
Ihre Kritik an unserer Untersuchung „Quantifizierung der landwirtschaftlich verursachten Kosten zur Sicherung der Trinkwasserbereitstellung“ erreichte mich am 13. Juni 2017 über die Medien. Sie wünschen sich Zahlen und Fakten – gern stelle ich Ihnen diese nochmals dar. Außerdem weise ich darauf hin, dass wir den Abschlussbericht dieses Forschungsvorhabens in einem öffentlichen Workshop diskutiert haben, bevor wir ihn veröffentlichten. Dazu war auch der Deutsche Bauernverband eingeladen – leider aber nicht vertreten.

Anfang Januar 2017 haben das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft und das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit den Nitratbericht 2016 veröffentlicht. Darin werden die Situation und die Entwicklung der Grundwasserbelastung mit Nitrat auf Grundlage eines neuen Messnetzes dargestellt. Deutschland hatte in der Vergangenheit die Daten aus dem Belastungsmessnetz gewonnen und dargestellt. Für den aktuellen Nitratbericht wurde das Messnetz deutlich ausgeweitet. Statt der zuletzt 162 Grundwasser-Messstellen mit landwirtschaftlichem Einfluss und erhöhter Belastung besteht das neue Messnetz aus rund 700 Messstellen, unter anderem auch in unbelasteten Gebieten. Durch diesen Methodenwechsel hat sich der Anteil der belasteten Messstellen von rund 50 Prozent auf 27 bis 28 Prozent verringert. Dies auf eine gewässerschonende Bewirtschaftung zurück zu führen ist sachlich falsch und verharmlost das Problem.

Wichtiger als der genaue Anteil der Messstellen mit Grenzwertüberschreitung ist die Entwicklung im Zeitverlauf. Hier zeigt sich: Der Anteil der Messstellen mit Nitratkonzentrationen von mehr als 50 mg/l hat sich vom Zeitraum 2008 bis 2011 im Vergleich zum Zeitraum 2012 bis 2014 praktisch nicht verändert. Für die Arbeit des Umweltbundesamtes ist das Vorsorgeprinzip eine wichtige Leitlinie, verstehen wir uns doch auch als ein Frühwarnsystem, das mögliche zukünftige Beeinträchtigungen des Menschen und der Umwelt rechtzeitig erkennt, bewertet und Lösungen vorschlägt.

Der Nitratbericht zeigt, dass weiterhin Grund zur Sorge besteht. Auch 25 Jahre nach Inkrafttreten der Nitratrichtlinie zeigt sich keine flächendeckende Wirkung der Maßnahmen zum Schutz des Grundwassers vor Verunreinigungen durch Nitrat aus der Landwirtschaft. Zu Ihren detaillierteren Kritikpunkten geben wir Ihnen im Anhang einige nähere Erläuterungen.

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6 Leserkommentare Kommentieren

  1. von Gerhard Steffek · 1.
    Begriffswirrwarr!

    Man muss schon aufpassen was für Begriffe verwendet werden, in welchem Zusammenhang und was damit gemeint ist. Die Nitratbelastung des Grundwassernetzes hier meint ja immer das oberflächennahe Grundwasser aber nicht die Stockwerke aus dem das Trinkwasser gewonnen wird. Ansonsten könnte der OOWV (Oldenburgisch-Ostfriesische-Wasserverband) in seinem Gebiet kein Trinkwasser anbieten mit nur 5 mg Nitrat/ltr. Abgesehen davon hat er eh überall seine ausgewiesenen Wasserschutzgebiete. Da ist die Zone III ja so ausgelegt, dass das Grundwasser mindestens eine Fließzeit von 50 Tagen bis zur Quelle braucht. In diesen Zonen könnte der OOWV ja dann auch entsprechende Kooperationen mit den Landwirten vereinbaren für entsprechend "umweltschonende Landbewirtschaftung". Billiger erscheint ihm aber anscheinend über die Politik entsprechend die Landwirtschaft an die Wand zu fahren, Hauptsache "sein Wasser" kommt ihm billig. Das über diese Masche in Gegenden die von einem Nitratproblem überhaupt nicht betroffen sind die Landwirte dadurch aber auch zu "Brunnenvergiftern" abgestempelt werden ist da anscheinend ein geringer "Kollateralschaden". Ich weiß nicht ob er es auch billigend in Kauf nehmen will, dass wir uns dann nur noch aus dem Ausland ernähren. Ich höre jetzt schon die Grünen: "wir kaufen den "armen Afrikanern" die ganze Nahrung weg. Das Belastungsmessnetz ist ja auch so eine Angelegenheit. Nicht zu Unrecht hat die EU dieses als nicht angemessen angeprangert, weshalb es ja dann erweitert wurde. Wahrscheinlich sehr zum Mißfallen der ganzen Nitratkritiker, da sich ja dadurch, oh Wunder, die Belastung verringerte. Wäre es tatsächlich alles so brisant, dann könnten unsere Wasserwerke nicht so ohne weiteres die Nitratwerte einhalten. Laut DBV sind das ja immerhin "nur" 97 % der Trinkwasserversorger. Abgesehen davon, dass die Stadt München einen Riesenaufwand schon seid Jahrzehnten, bzw. Jahrhundert, betreibt. Denn schon im 19. Jhd. wurde eine Wasserleitung aus dem Mangfallraum bei Miesbach in die Stadt verlegt um die Wasserversorgung sicherzustellen. Heute holen sie es sich auch noch aus dem Raum Garmisch-Partenkirchen. In Verbindung mit freiwilligen Kooperationen mit den dortigen Landwirten. Eine andere Sache ist ja der Vergleich mit den Zeitreihen. Das Trinkwasser, bzw. der Boden braucht nunmal seine Zeit. Hier nur kurzfristige Vergleiche anzustellen wird der ganzen Sache nicht gerecht. Man muss sich ja mal vergegenwärtigen, dass wir in den letzten 50 Jahren riesige Veränderungen erlebt haben. Sowohl in der Landwirtschaft als auch in der übrigen Wirtschaft und Bevölkerung. So haben sich die Landkreise Aurich und Oldenburg seit den 40er Jahren verdreifacht, der Wasserverbrauch sogar noch mehr. Dass sich dadurch auch das Nitratproblem verschärft liegt auf der Hand. Dies allerdings nur den Bauern in die Schuhe schieben zu wollen ist mehr als billig. Zudem ist eine der wesentlichen Frage die ich hier aufwerfen möchte der Ausganswert beim Nitrat. Wenn ich die 50er Jahre als Startzeitpunkt nehme, dann würde ich gerne wissen was wir für einen Nitratwert damals hatten, bevor die Entwicklung in Landwirtschaft und Bevölkerung entsprechend "aufwärtsging".

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  2. von Joachim Pehle · 2.
    Nitrat aus der Landwirtschaft

    Interessantes Detail: Nitrat im Grundwasser ist ohne weitere Diskussion für Frau Krauztberger "Nitrat aus der Landwirtschaft". Könnten wir Landwirte dann auch genau so behaupten, Sauerstoff in der Luft zum Atmen wäre "Sauerstoff aus der Landwirtschaft"? Nitrat findet man auch in Alpenbächen, die im Oberlauf noch keine Landwirtschaft gesehen haben... Das alleine demaskiert alle UBA-Versuche, sich als abwägende und ausgewogene Behörde darzustellen. Der Schuldige steht bei denen doch (scheinbar?) immer schon vorher fest.

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  3. von Wilhelm Eggert · 3.
    Alternativen

    Es gibt in Deutschland genügend Industrieflächen und Wohngebiete auf denen keine Landwirtschaft betrieben wird. Dort müsste doch genügend gutes Trinkwasser gewonnen werden können.

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  4. von Wilhelm Grimm · 4.
    Schlagabtausch :

    Endlich kommt Bewegung in die Diskussion. Wenn der DBV die irreführenden Bewertungen und Kommentierungen des UBA zum Nitratbericht 2016 weiterhin schonungslos entlarvt, haben wir die Chance einer sauberen Berichterstattung in den Medien.

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  5. von Lars Henken · 5.
    700 Messstellen

    Das Belastungsnetzwerk aus zuletzt 162 Messstellen war doch ein schlechter Witz. Von den ursprünglich 183 Messstellen sind 21 ausgefallen, weil der Nitratgehalt unter 25 mg fiel. Deutschland ist 357.340 km² groß. 700 Messstellen bedeuten ca. eine Messstelle auf 510 km². Kann man da von einem repräsentativen Netzwerk sprechen? Warum stellt man nicht ein ordentliches Netzwerk auf, dass dann auch repräsentative Werte für ganz Deutschland liefert. Es gibt mehr als genug Messstellen, aber man nutzt die Daten nicht. Ein Schelm der böses dabei denkt. Anfang des Jahres konnte man hier einen schönen Artikel von Bauer Willi zum Thema lesen: https://www.topagrar.com/news/Acker-Agrarwetter-Ackernews-Nitratbericht-Grundwassermessstellen-weiterhin-nicht-repraesentativ-6839692.html

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  6. von Paul Siewecke · 6.
    Milchmädchenrechnung.. aber Achtung!

    Bis aus Oberflächenwasser Grundwasser wird dauert es in der Regel eine längere Zeit und bis der filternde Boden "leergewaschen" ist noch viel länger. Also zu behaupten, nun gäbe es schon 25 Jahre Düngebeschränkungen und es ist immer noch keine Änderung eingetreten halte ich in diesem Fall schon für etwas anmaßend, zumal von der Oberfläche immer noch etwas nachgeliefert wird. Zwar deutlich weniger, aber immerhin.. Was uns Bodenbewirtschafter aber aufhorchen lassen sollte ist der Satz: "Jetzt gilt es, die Düngeverordnung AMBITIONIERT umzusetzen..." Was damit alles gemeint sein kann, hat uns die Vergangenheit gelehrt.

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