Schmidt sehr verärgert: "Stoppen Sie die Plakat-Kampagne und entschuldigen sich!"

Christian Schmidt ist über die diffamierende Plakatkampagne des BMUB sehr verärgert.
Bild: Grüne Woche

Auch Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) wurde durch die provokative Plakatkampagne von Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) überrascht. Am 3. Februar schrieb er ihr daher einen Beschwerdebrief. Hier der Originalwortlaut:
 
Sehr geehrte Frau Kollegin,
 
mit großer Verwunderung habe ich die Kampagne Ihres Hauses „Die neuen Bauernregeln“ zur Kenntnis genommen. Diese Kampagne verstehen Sie nach eigenem Bekunden als Beitrag zum jüngst begonnenen Konsultationsverfahren der EU zur Zukunft der europäischen Agrarpolitik. Welchen sachlichen Beitrag sie hierzu erbringen soll, verstehe ich nicht.
 
Mit dieser Kampagne wird der gesamte bäuerliche Berufsstand undifferenziert an den Pranger gestellt. Millionen Menschen, die in der Landwirtschaft und in den ihr vor- und nachgelagerten Bereichen arbeiten, werden in den sozialen Medien und auf Plakatwänden den Städtern vorgeführt und der Lächerlichkeit preisgegeben. Eine vermeintliche „Meinungselite“ aus den Metropolen amüsiert sich hier auf Kosten der Menschen im ländlichen Raum.

Das ist Gift für eine sachliche Debatte über die Zukunft der Landwirtschaft und der ländlichen Räume. Der notwendige Dialog wird dadurch unnötig erschwert und der Verbraucher getäuscht.
 
In Ihrer Rede am 17. Januar beim Kongress „Landwirtschaft mit Zukunft“ sprachen Sie vom „Respekt vor der Leistung und der Tradition unserer Bäuerinnen und Bauern“, der Ausgangspunkt jeder Debatte zur Zukunft der Landwirtschaft sein müsse. Das hat meine volle Unterstützung. Denn die Landwirtschaft leistet heute Großartiges für unser Land: Sie versorgt uns mit qualitativ hochwertigen und sicheren Lebensmitteln, sie kümmert sich um die Pflege der Kulturlandschaften und sie ist soziales Rückrad der ländlichen Räume. Die Landwirtschaft hat auch den Klima- und Umweltschutz als große Zukunftsaufgabe angenommen. Warum lässt Ihre Kampagne diesen Respekt vor den Leistungen der Landwirtschaft dann so vermissen?

Wieder einmal bedient man das Klischee einer Landwirtschaft, wie sie mit der Realität immer weniger zu tun hat. Die Nahrungsmittelproduktion hat eine differenzierte Betrachtung verdient. Für die Rolle der Landwirtschaft in der Mitte der Gesellschaft tragen alle eine Verantwortung – auch das Bundesumweltministerium. Positive Entwicklungen in diesem Berufszweig gehen nur mit der Landwirtschaft und nicht gegen sie.
 
Eine steuerfinanzierte Kampagne, die die Diffamierung eines gesamten Berufsstandes mindestens in Kauf nimmt, gehört meiner Ansicht nach nicht in den Instrumentenkasten guter Regierungskommunikation. Ich fordere Sie auf, die Kampagne sofort zu beenden und sich für den entstandenen Schaden bei den Bäuerinnen und Bauern öffentlich zu entschuldigen.
 
Ich bin gerne bereit, einen sachlichen, konstruktiven und zielführenden Dialog über die zukünftige Ausrichtung der europäischen Agrarpolitik mit Ihnen zu führen. Meine Ideen dazu – insbesondere eine stärkere Berücksichtigung gesellschaftlicher Leistungen bei den Direktzahlungen – habe ich in meinem Grünbuch dargelegt. Ich lade Sie ein, sachlich mit mir und dem Berufsstand darüber zu diskutieren.
 
Mit freundlichem Gruß
 
Christian Schmidt.“

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17 Leserkommentare Kommentieren

  1. von Christoph Schlemmer · 1.

    Das in Deutschland jeder auf der Landwirtschaft rumhackt sind wir dank unserer Berufsvertretung selber schuld. Wenn unser Verband die gleiche Macht hätte wie die Industrie, besonders die Autobranche, würde mit uns anders umgegangen. Wir müssen uns von der industriellen Landwirtschaft der Industriekonzerne distanzieren und auf die familiengeführten, schon über Generationen bestehenden Betriebe konzentrieren. Das sich mehrere solcher Betriebe zu grösseren Unternehmen, zwecks besserer Betriebsbewirtschaftung, familien und sozialen Aspekten zusammenschliessen ist dabei der Wandel der Zeit.Die Kampange der Frau Hendriks soll ein miserables Bild der deutschen Landwirtschaft zeigen und Wählerstimmen vereinigen. Normalerweise muss man eine Ausbildung machen für das was man machen will aber bei unseren Volksvertretern wissen die meisten nicht das die Kuh das Euter hinten zwischen den Beinen hat. Bevor man irgend welchen Schwachsinn in der Welt verbreitet sollte man sich ein Bild über das machen wovon man reden.

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  2. von Folker Grundstedt · 2.
    Ein riesiger Stein

    Auch wenn ich euch allen zustimme, dass diese Aktion sofort gestoppt und Frau Hendriks in die Schranken gewiesen werden muss. Das Problem ist damit nicht gelöst. Der Stein ist schon lange am rollen. Das ganze geschehen erinnert mich stark an den Film "Die Welle". Hier hat ein Lehrer in einem Experiment seine Schüler durch gezielte Propaganda stark polarisiert und gegeneinander aufgebracht, bis das ganze zu eskalieren begann und ihm am Ende in eine völlig fatale Richtung aus den Händen glitt. Auch in der Realität hat es so etwas immer wieder gegeben, wie uns die Geschichte gelehrt hat. Wenn wir nicht in absehbarer Zeit die am meißten gehasste Bevölkerungsgruppe sein wollen, wird es weit größerer Anstrengung bedürfen, als in Foren über Politiker zu diskutieren. Ich hoffe, der Stein lässt sich noch irgendwie aufhalten.

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  3. von Rudolf Rößle · 3.
    Der Bevölkerung

    einen Ball zugeworfen. Ist ja was dran, sagen die meisten Leute. Smogalarm und Industriemüll wird nur mit achselzucken registriert.

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  4. von Gerhard Metz · 4.
    Flankenschutz vernachlässigt

    Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen, die Aktion von Hendricks ist schei...! Aber sie kann sich solchen Blödsinn erlauben, weil Schmidt schwach ist und den Flankenschutz lange Zeit vernachlässigt hat. Seine Politik ist einseitig auf Export ausrichtet. Jetzt ist Wahlkampf und Hendricks nutzt die Chance und drückt ihn (und uns) an die Wand. Das ist nicht schön, aber eine Mitschuld trägt Schmidt weil er wichtige Themen wie Nachhaltigkeit, Tier- und Umweltschutz viel zu lange vernachlässigt hat. Wir alle wissen wir ihn berät. Jetzt haben wir den Salat!

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  5. von Wilhelm Gebken · 5.
    Von echten Problemen ablenken?

    Laut INSA-Umfrage von heute hat rotrotgrün eine Mehrheit, dank Messias Schulz. Wen hätten Sie denn lieber? Hendricks als Umweltministerin und Hofreiter als Landwirtschaftsminister oder doch lieber umgekehrt? Ein Blick nach Niedersachsen genügt. Hier werden gerade mindestens 80.000 ha Bauernland vom Staat kalt enteignet.

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  6. von Gerhard Metz · 6.
    Langsam mit den Pferden

    Schönes Thema, da kann man von den echten Problemen ablenken. Schmidt sitzt seit seiner Amtseinführung alle ernsten Probleme aus und schadet damit der bäuerlichen LWS. Der Bumerang der uns jetzt trifft, hat er geworfen. Seine Kritik ist scheinheilig!

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  7. von Henrik Plaas-Beisemann · 7.
    Macht mit!

    Ich habe gerade einen Anteil bei der ISN Plakataktion gezeichnet.

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  8. von Dieter Müller · 8.
    Diese Ministerin hätte SPD-Schatzmeisterin bleiben sollen!

    Der Amtseid "Gerechtigkeit gegenüber Jedermann" walten zu lassen wird von Frau Hendricks, mit ihrer Plakataktion, aufs Gröbste verletzt. Sollte die Kosten von 1,6 Millionen aus Steuergeldern stammen, muss geprüft werden, wer haftbar ist. Anscheinend geht die Ministerin nach der Methode vor, dass die Bauern/Bäuerinnen keine potentielle Wählerschicht ihrer Partei sind und dadurch die Kampagne, aus SPD-Sicht, gerechfertigt ist. Normalerweise müsste sich auch der neue SPD-Spitzenkandidat Marin Schulz dazu äußern, der doch immer betont, dass die Politk mehr für den ländlichen Raum eintreten sollte. Selbstverständlich erwarten die Bauernverbandsmitglieder jedoch ein deutliches Statement von Herrn Rukwied!

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  9. von Paul Maier · 9.
    Bei keiner anderen Berufsgruppe würde sich Frau Hendricks trauen das Gleiche zu machen

    Dies zeigt wie weit das Ansehen des am härtesten arbeitenden und schlechtesten entlohnten Bauernstandes durch die fortwährende Hetze der Leute vom Schlage der Frau Hendricks schon zerstört wurde. Wer aber auf eine Entschuldigung dieser gleichermassen selbstgerechten, wie unfähigen Minsterin hofft, der wird wohl enttäuscht werden. Ob der neue Star ihrer Partei Martin Schulz die Grösse hat, diese Minsterin in den (un)verdienten Ruhestand zu schicken das muss sich erst noch erweisen.

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  10. von Claus Sylvester · 10.
    Nach dem Schulz

    jetzt Kanzlerkandidat will und anscheinend steigende Umfragewerte erzielt wird doch wohl keiner hoffen das die gute Frau Hendricks Landwirtschaftministerin will ...... , frei nach dem Motto : schlimmer geht immer , oh oh oh oh..........

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  11. von Wilhelm Grimm · 11.
    Mit unserem Minister können wir zufrieden sein. aber

    ist die Erzeugung von Nahrungsmitteln KEINE gesellschaftliche Leistung ?

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  12. von Erwin Schneiderbauer · 12.
    Voll Ihrer Meinung Herr Schmidt!!

    Aber wo bleibt die öffentlichkeitswirksame Stellungnahme von BV Häuptling Rukwied??? Er sagt hier genau so wenig wie bei den geistigen Ergüssen von Röring,denn das was der von sich gegeben hat war eine Steilvorlage für Frau Hendriks, also sagt der BV nix, ist er damit einverstanden............. Wenn sich was ändern soll in der Landwirtschaft, dann muss als erstes wieder Geld auf die Höfe, dann kann man über Änderungen reden, denn beim Hausbau beginnt man auch mit dem Kellen, nicht mit dem Dach und wundert sich dann wie man den Keller ausheben soll...............

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  13. von Gerd Uken · 13.
    Wer ihr das ins Ohr geflüstert hat

    Wird wohl ein Rätsel bleiben- aber somgeht es nicht, sie sollte lieber ihren Hut nehmen als uns so zu verunglimpfen.

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  14. von Waldemar Hein · 14.

    Genauso sehe ich es auch, hier muß die Richtlinienkompetenz, öffentlichkeitswirksam, greifen ,ansonsten gilt, wer nicht dagegen ist, ist automatisch dafür.

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  15. von Reinhard Matzat · 15.
    Die Merkel hat was gesagt, nur leider wohl in einem kleinen Kreis....

    https://www.facebook.com/BauernverbandSchleswigHolstein/?hc_ref=NEWSFEED

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  16. von Henrik Plaas-Beisemann · 16.
    Jetzt ist aber auch mal die Bundeskanzlerin in der Pflicht

    Die Richtlinien der Politik bestimmt der Bundeskanzler. Ich hoffe nicht,dass das Verhalten von Frau Hendricks innerhalb der Richtlinien liegt. Folglich muss Angela Merkel einschreiten. Alles andere wäre eine herbe Enttäuschung für die treu CDU wählenden Bauern.

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  17. von Gerd Schuette · 17.

    Top Antwort, Herr Minister

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