Schmidt und Hendricks raufen sich zusammen

Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt heute bei Bundesumweltministerin Barbra Hendricks im Büro.
Bild: BMUB/ Sascha Hilgers

Flucht nach vorn: Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) hat Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) heute zu sich in ihr Ministerium geladen. Der Streit sei nicht aus der Welt. Dennoch bekräftigen beide in der Sache wieder kollegial verhandeln zu wollen.

Kurz vor dem Spitzentreffen der Parteichefs Angela Merkel, Horst Seehofer und Martin Schulz bei Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier haben sich heute auch Christian Schmidt und Barbara Hendricks zu einem ersten Versöhnungstreffen zusammengesetzt. "Ich finde die Beleidigungen und Gewaltdrohungen gegen Christian Schmidt unerträglich“, sagte Hendricks in Anspielung auf Morddrohungen, die Schmidt seit seinem Alleingang bei der Glyphosat Zulassung bekommt. Schmidt hatte nach einem Shitstorm im Internet unter anderem seine Facebook-Seite vorrübergehend abgeschaltet. Deshalb habe sie ihn heute zu einem Gespräch ins Bundesumweltministerium eingeladen, so Hendricks weiter.
 
„Unser Dissens ist damit nicht aus der Welt. Aber wir sind uns einig, dass wir kollegial miteinander umgehen wollen", bekräftigte Hendricks. Sie hatte in den vergangenen Tagen mehrfach betont, dass sie nun auf Restriktionen beim Umgang mit Glyphosat in Deutschland bis hin zu einem Verbot drängen wolle. "Mein Ziel ist eine naturverträglichere Landwirtschaft, die ohne Glyphosat auskommt und insgesamt möglichst wenig Pestizide verwendet", sagte Hendricks nun.

Er habe die Einladung von Barbara Hendricks gerne angenommen, entgegnete Schmidt. Trotz unterschiedlichen Positionen sei ein kollegialer Umgang wichtig, unterstrich er. „Wir werden gemeinsam an Lösung arbeiten, um den Einsatz von Glyphosat künftig restriktiver zu gestalten“, sagte Schmidt. Die entgleiste Diskussion zu dem Thema bezeichnete Schmidt als „erschreckend“.

Nach der Entscheidung für eine Verlängerung der Zulassung von Glyphosat auf EU-Ebene für fünf Jahre, steht jetzt die Umsetzung auf nationaler Ebene an. Die EU-Mitgliedstaaten können die Anwendung auf ihrem Gebiet eigenmächtig verbieten, auch wenn der Wirkstoff auf EU-Ebene zugelassen ist. Frankreich hat schon angekündigt, die Zulassung für Glyphosat innerhalb von drei Jahren auslaufen lassen zu wollen. Schmidt hatte sich im Vorfeld der EU-Entscheidung ebenfalls offen für eine nur dreijährige Verlängerung ausgesprochen. Anders als Frankreich, wollte das BMEL jedoch kein festes Ausstiegdatum akzeptieren. Auch hatte Schmidt sich im Laufe der Glyphosat Debatte immer wieder für Einschränkungen bei der Anwendung und Auflagen zur Steigerung der Biodiversität ausgesprochen. Irgendwo dazwischen wird er nun mit Hendricks einen Kompromiss ausloten wollen.
 
Die Grünen wollen indes im Bundestag eine weitgehende Beschränkung des Glyphosat-Einsatzes in Deutschland beantragen und die anderen Parteien damit in Zugzwang bringen. Das Unkrautvernichtungsmittel zerstöre die Artenvielfalt und sei wahrscheinlich krebserregend, die Anwendung müsse deshalb massiv reduziert werden, sagte Fraktionschef Anton Hofreiter den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland (Donnerstag). „Dazu werden wir einen Antrag in den Bundestag einbringen, dem sich die anderen Parteien anschließen müssen, wenn sie glaubwürdig bleiben wollen“, so Hofreiter.

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5 Leserkommentare Kommentieren

  1. von Ludwig Schnagl · 1.
    Glyphosat

    Glyphosat könnte krebserregend sein - Tatbestand , dass man Krebspatienten Medikamente ohne Wirkstoff verabreicht . Was stünde hier vorrangig zur Diskussion , Frau Hendricks u. Herr Hofreiter - hier geht es bereits um Menschenleben . Bei Glyphosat heißt es immer noch könnte, könnte ,.............vielleicht wird Glyphosat das Wort des Jahres 2018 !

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  2. von Gerhard Steffek · 2.
    Zerstört die Artenvielfalt -

    Ich kann es schon nicht mehr hören. Hat unseren "grünen Kasperl" schon mal einer gefragt was für eine landwirtschaftliche Tätigkeit, oder besser gesagt Menschliche sich nicht auf die Artenvielfalt auswirkt? Da wo er seine "Hütte" stehen hat wächst ja auch nichts mehr. Soll er mir doch dazu mal Rede und Antwort stehen. Wenn er den Bauern vorwirft Gift zu spritzen, dann muß ich sagen das er da hundertmal schlimmer ist. Er vergiftet, zusammen mit der Hendriks, doch die ganze Bundesrepublik. Wenn die Kathrin Göring-Eckhard davon redet die Republik zu einen, weil ein Riß da wäre, dann betrachte ich das als blanken Hohn, bzw. ist das für mich ein Zeichen eines totalen Realitätsverlustes. Wer sorgt denn für diesen Riß. Wer sät Zwietracht, Neid, Mißgunst, Mißtrauen? Wer wirft wem was vor, Luftverpester, Giftspritzer, Tierquäler, Bauernregeln? Wer mobilisiert die Massen mit populistischen, demagogischen Reden und Mitteln, was jetzt darin gipfelt das Schmidt und seine Familie wegen seiner Entscheidung für Glyphosat sogar Morddrohungen erhält. Da frage ich mich schon, wer hier "Giftig" ist. Der "Kuschelkurs" von der Hendricks mit Schmidt ist mir jetzt ein bißchen schleierhaft. Hat sie eventuell ein schlechtes Gewissen wegen der Auswirkungen, der Ausuferungen das die ganze Hysterie um Glyphosat auslöste und/oder versucht sie noch zu retten was zu retten ist. Auf alle Fälle kann ich zur Entscheidung von Christian Schmidt nach wie vor nur sagen "Hut ab" und bei der Einladung von der Hendricks hoffe ich, daß er sich nicht über den Tisch ziehen lässt. Er ist ihr nichts schuldig und sie wurde definitiv vom Wahlvolk abgewählt, abgekanzelt.

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  3. von Albert Maier · 3.
    Fällt er doch noch um

    Wenn die Hendtriks sich nun in nationalen Auflagen durchsetzt ist der Schaden doppelt so groß!!

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  4. von Josef Holz · 4.
    Zuerst mal Kupfer im Biolandbau und das Rauchen verbieten

    Das Eine ist sicher krebserregend und das andere ist ein Schwermetall, toxisch sowieso und reichert sich im Boden an. Außerdem sind Schmidt und Hendrix allenfalls quitt wegen der Plakataktion

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  5. von Wilhelm Grimm · 5.
    Schmidt, bleibe hart und geh`der Nabu- Ministerin nicht aus Feigheit auf de Leim, das würden wir dir nie verzeihen.

    Die ökonomischen und ökologischen Vorteile des Einsatzes von Glyphosat sind gewaltig und in sehr vielen Betrieben unverzichtbar, Das ist auch auf diesen Seiten oft beschrieben worden. Die von Hendricks und Hofreiter behauptete Krebsgefährdung ist eine in keinster Weise bestätigte Behauptung, Was wollen die Politiker denn noch für Beweise. Wir brauchen bis zum Beweis des Gegenteils dieses Mittel. Ich gehe davon aus, dass unsere Bundestagsabgeordneten nicht doof und charakterlos sind. Mein Eintreten für unsere Demokratie wird aber auf eine harte Probe gestellt.

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