Schulbücher oft Jahre hinter dem Stand der Landwirtschaft

Schülerin Die Inhalte der Schulbücher sind oft sehr alt. Die Öffentlichkeit bei ihrer Arbeit mitzunehmen, ist eine Aufgabe, die der Berufsstand zu sehr vernachlässigt hat.
Bild: birgitta hohenester / pixelio.de

Der langsame Aktualisierungszyklus der Schulbücher ist einer der Gründe für ein nicht realitätsgetreues Bild der Landwirtschaft in der Schulbildung und damit auch in der Öffentlichkeit. Das monieren nach Angaben des Geschäftsführers des bildungsorientierten Vereins information.medien.agrar (i.m.a), Patrick Simon, auch die Jugendlichen selbst.

Studien belegten klar den Wunsch der 14- bis 29-Jährigen, besser über die moderne Agrarproduktion informiert zu werden. Um Abhilfe zu schaffen, stellt der Verein nach eigenen Angaben aktuelle Lehrmaterialien bereit und steht dabei aufgrund der wenigen Alternativangebote zunehmend unter Nachfragedruck von Lehrern und Landwirten.

Wie Simon kürzlich auf einem Lehrerkongress in Rendsburg weiter erklärte, setzt sich der Verein auch mit den Verlagen auseinander, um einer fehlerhaften oder verzerrenden Darstellung entgegenzuwirken, wenn solche Fälle an den i.m.a herangetragen würden. „Wir sind die Anlaufstelle für den kompletten Berufsstand. Es ist natürlich ein sehr zäher Dialog und schwer, erstmal in die entscheidenden Positionen vorzudringen“, so der Geschäftsführer. Die Offenheit der Verlage sei aber stets sehr groß, wenn man den Kontakt zu den verantwortlichen Stellen gefunden habe.

Auch der Pressesprecher des Deutschen Bauernverbandes (DBV), Axel Finkenwirth, hält die Vermittlung eines authentischen Bildes in Form von aktuellen Lehrmaterialien und Praxiserfahrungen für sinnvoll. Er rief aber auch dazu auf, den Landwirten in spezialisierten Fachgebieten hinsichtlich ihrer Expertise zu vertrauen.

Er führte als Vergleichsbeispiel den Bremskraftverstärker in Kraftfahrzeugen an, mit denen zwar auch viele Menschen in Berührung kämen, aber nicht den Anspruch hätten, diesen in seiner Funktionsweise zu verstehen. Stattdessen vertrauten sie auf das Expertenwissen der Konstrukteure. Nichtsdestotrotz sei es Aufgabe des Bauernverbandes, komplexe Agrarthemen verständlich herunterzubrechen und so das Verständnis der Bürger für die Themen des Berufsstandes zu fördern.

Großen Anklang in der Öffentlichkeit findet dem Viehhalter und Agrarblogger Thomas Andresen zufolge vor allem der ungeschnittene und direkte Einblick in die alltäglichen Arbeiten auf dem Betrieb. Schulbücher sind oft sehr alt.
 
Realismus weckt Interesse

Ehrlichkeit zahlt sich laut dem Agrarblogger in der Öffentlichkeitsarbeit durchweg aus. Andresen beobachtet dabei unter anderem eine „pragmatische Auffassung“ von Kindern, die auf den Betrieb zu Besuch kämen. Sie könnten durchaus damit umgehen, dass die zu anzutreffenden Schweine schließlich geschlachtet würden und seien vielmehr interessiert am Prozess der Lebensmittelherstellung.

Diskussionen mit kritischen Kommentatoren auf sozialen Plattformen könnten ebenfalls für beide Seiten progressiv sein. Der Landwirt riet aber zugleich dazu, dem Streit mit militanten und generell aggressiven Akteuren aus dem Weg zu gehen, da hier ohnehin kein Austausch gesucht sei und die Auseinandersetzung damit die Arbeit nur unnötig belastete.

Andresen lobte öffentlich ausgestrahlte Dokumentationsserien nach dem Beispiel der „Büffelranch“ vom ZDF. Die Redakteure und Produzenten hätten einen geschulten Blick für die Darstellung des Alltagslebens und gingen respektvoll mit „brenzligen Situationen“ auf dem Betrieb um. So werde ein realistisches Bild der Landwirte abseits des „Bauer sucht Frau“-Images vermittelt, das weder einen romantisierenden noch einen skandalisierenden Ansatz verfolge und dennoch das Interesse der Zuschauer wecke.

--> freier Download pdf "Doku-Serie mit Bio-Siegel: Die Büffelranch"

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4 Leserkommentare Kommentieren

  1. von Wilhelm Grimm · 1.
    @ Paul Maier.

    Da sind wir wieder bei unserer Öffentlichkeitsarbeit. Und wenn was gemacht wird, wird diese kritisiert. Das ist nicht immer. berechtigt ,aber grundsätzlich schon. Wir brauchen guten Willen und Geld. Beides ist nicht vorhanden?

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  2. von Konrad Darscheid · 2.
    Bei uns in RLP..

    ..Gibt es am Ende des Kapitels über Landwirtschaft eine ganze Seite, auf der zahlreiche Verbände wie NaBu etc. mit Logo usw. für sich werben dürfen und die Schüler sogar zum Beitritt aufgefordert werden! Da geht mir der Hut hoch. Wo ist da die staatliche Neutralität?

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  3. von Gerhard Steffek · 3.
    Nicht nur in den Schulbüchern!

    Auch in den Köpfen der Journalisten herrscht diese rückständige, einseitige und dumme Sichtweise. Heute Morgen im Morgenmagazin von ARD und ZDF ein Bericht über die Kartoffelernte. Besucht wurde ein Gut im Norden Hamburgs, natürlich "Bio". Auf was wurde angesprochen? Düngung: natürlich nur organisch. Pflanzenschutz: keine synthetischen PSM, aber kein Wort davon das dennoch PSM zum Einsatz kommen - und da dann vielleicht mehr und giftigere Mittel. Am Schluß noch Monokultur! Sie betreiben keine Monokultur, da sonst Krankheiten zu stark auftreten würden. Nächstes Jahr käme Roggen auf dieses Feld und erst in 5 Jahren werden dort wieder Kartoffeln angepflanzt. Als ob dies nicht auch in der modernen Landwirtschaft so gehandhabt wird. Bei solch einer iedeologischen "Mißbildung", bei solch einer geballten Dummheit der Journailie, obwohl es ihre "Gartenbauexpertin" war, braucht man sich nicht wundern über die Vorstellungen in der Bevölkerung.

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  4. von Paul Maier · 4.
    Die NGO´s sind da schon viel weiter.

    Die versorgen Schulen jetzt schon mit Infomaterial über die Landwirtschaft aus ihrer Sicht. Damit kommen sie der Einstellung vieler Lehrkräfte sehr entgegen, denn sehr viele von denen sind doch derselben Ansicht wie die NGO´s. Was in den heutigen Schulbüchern über die Landwirtschaft steht entspringt diesem Geist und es wird sehr schwer werden, das entstandene Bild noch einmal zu Gunsten der modernen Landwirtschaft zu verändern. Dabei wird nur in der Landwirtschaft die moderne Wirtschaftsweise hinterfragt und weitestgehend abgelehnt, in der gesamten, übrigen Wirtschaft wird das klaglos hingenommen als ob es dort nichts zu kritisieren gäbe. Gekämpft wird dort vor allem um die Entlohnung, damit die Arbeiter zufrieden sind.

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