Schwarz: „Wir müssen den Bürgern das Denken zurückgeben!“

Werner Schwarz in Münster Werner Schwarz in Münster
Bild: Hauschild
„Manchmal denke ich, dass wir in Deutschland 160 Mio. Bürger haben.  80 Mio. Verbraucher, und 80 Mio. Bürger, die sich anders verhalten. Der Verbraucher kauft im Discounter und der Bürger engagiert sich bei Greenpeace und liest Landlust.“ Mit diesen Worten eröffnete der schleswig-holsteinische Bauernpräsident Werner Schwarz am Donnerstag beim Agrar-Blogger-Camp in Münster seinen Vortrag über die Stellung der Bauern in der Gesellschaft.

Interessant war dabei sein Blick auf das Verhältnis Kunde zu Erzeuger: So zeige doch der Einkauf des Bürgers beim Discounter, dass er der Landwirtschaft und der Qualität der Lebensmittel vertraue. An der Ladenkasse bestätige der Verbraucher, dass er gerne billig kauft und weiß, dass auch billig gut ist. „Die Verbraucher sind zufrieden mit uns“, so Schwarz. Er beziffert das Vertrauen der Kunden auf 70 bis 80 %. Daher dürfe man sich nicht in die Opferrolle drängen lassen. „Das sind wir nicht!“

Die anwesenden Landwirte, die sich bei Facebook und Twitter für ein besseres Image der Landwirtschaft engagieren, ermutigte er, sich noch stärker an die Bürger zu wenden. Das Problem heute sei, dass es eine kritische Masse gibt, die mit der Landwirtschaft nicht einverstanden ist. Und diese Minderheit finde leider zunehmend medial Widerhall. Wegen diesen Kritikern verfalle die Politik in Aktionismus, rufe Runde Tische ein und ändere überstürzt Gesetze.

Schwarz ist überzeugt, dass wir den Bürgern einfach das Urteilen über neue Themen wieder selbst überlassen sollten. „Die Verbraucher haben einen gesunden Menschenverstand, wir sollten ihnen dazu lediglich Anstöße zum Denken geben, anstatt das den NGOs zu überlassen. Wir müssen den Bürgern das Denken zurückgeben!“, forderte der Bauernpräsident.

In diesem Zusammenhang stellte der Landwirt fest, dass Prof. Spiller von der Uni Göttingen mit seinen Aussagen zu schärferen Hofkontrollen „unglücklich aufgetreten“ sei. Dabei sei er doch in vielen Zukunfts-Beiräten und maßgeblich an der Weiterentwicklung der Tierhaltung beteiligt. „Wir stecken leider heute im postfaktischen Zeitalter fest, das Faktische spielt eine immer geringere Rolle. Wissen generierte sich früher über Jahrhunderte aus Erlebtem. Heute kommen 70 bis 80 % aus anderen Quellen. Wenn dann  die heute noch verbliebenen 2 % Bauern in der Bevölkerung nicht erklären, was auf den Höfen los ist, dann machen es andere, und zwar mit deren Interessen“, so Schwarz.

Angst entsteht durch Unwissenheit

Er wünscht sich, dass das Wissen von Dritten sachlich aufbereitet wird. Gerade die Medien hätten hierbei die Aufgabe, das einzuordnen. „Heute werden die Leser und Zuschauer mit Negativmeldungen und Skandalen verängstigt und dann alleine gelassen, in kritischen berichten fehlen stets die Lösungen. Daher wird aus der Angstwahrnehmung eine Risikowarnehmung.“

Um diesen Kreis zu durchbrechen seien jetzt Glaubwürdigkeit, Offenheit, Echtheit und Ehrlichkeit notwendig. Schwarz erläuterte dazu noch einmal seine „Entwaffnenden Kampagnen“, wobei die Bauern mit Klarheit auf Angriffe von Kritikern reagieren müssten. „Entwaffnende Kampagnen bedeuten abzurüsten, wo auf negative Stimmungsmache gegen uns gesetzt wird. Denn nur wenn wir selber nicht aufrüsten, sind wir in der Lage, auf Kommunikation zu setzen.“ Ganz falsch wäre es dagegen, auf die Beleidigungen in gleichem Ton zu antworten und „noch einen drauf zu setzen“, erklärte der Verbandsvertreter aus Schleswig-Holstein.
 
Sein Tipp: Antworten Sie auf Kommentare bei Facebook und Co. Allerdings müsse man auch sehen, dass dem Gegenüber nicht selten jegliche Einsicht fehlt. „Das ist schwer erträglich, man muss aber ruhig und vor allem auch selbstkritisch bleiben.“

Großes Lob sprach er den anwesenden Bauern aus, dass sie beim Fall mit Hendricks Bauernregel-Plakaten erstmals als Agrarblogger-Einheit einen Shitstorm ausgelöst hätten. Das sei ein großer Erfolg, man dürfe jetzt nur nicht überheblich werden. „Erklären Sie weiter über Social Media Ihre Arbeit, machen Sie die Leser zu informierten Bürgern und zu Freunden, die sie künftig virtuell auf Ihrem Hof mitnehmen. Man darf auch einräumen, wenn etwas nicht so gut läuft, das verhindert eine Wagenburgmentalität. Sagen Sie aber auch, wie Sie Lösungen erreichen wollen“, riet Schwarz abschließend.

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8 Leserkommentare Kommentieren

  1. von Herbert Platen GbR · 1.
    Werdet selber aktiv

    Egal wie man Herrn Schwarz oder den BV findet, Der Verbraucher handelt genau so, wie Herr Schwarz es gesagt hat! Billig kaufen und grün denken. Jeder sollte in seinem Umfeld dafür sorgen das die Akzeptanz in der Bevölkerung wächst. Hier übereinander her zu fallen bringt uns nicht weiter. Last lieber am Fahrradweg eine kleine Ecke eures Feldes bestellt aber ungespritzt liegen. Ein Schild mit der Aufschrift: " So sieht es aus wenn wir nichts tun - aber davon werden Sie vermutlich nicht satt." Selten habe ich soviel positive Nachfragen und Resonanz bekommen.

  2. von Doris Peitinger · 2.

    Wer hat die "Landlust" gegründet?

  3. von Karl-Heinz Mohrmann · 3.

    Wir müssen dem Bauernverband das Denken zurückgeben !

  4. von Michael Raffenberg · 4.

    Warum hackt der Bauernverband ständig auf den Verbrauchern rum? Sind die Schuld an der massiven Überproduktion und damit den niedrigen Preisen im Discounter? Wohl eher nicht! Da hat der BV doch wohl mehr Anteil dran!

  5. von Steffen Hinrichs · 5.
    Die Milchviehbetriebe haben laut Kammer 50% Eigenkapitalsverluste

    Und was macht Herr Schwarz um uns auch mal schwarze Zahlen zu generieren ?

  6. von Detmar Kleensang · 6.
    Das ist unerträglich!!!

    Werner Schwarz ist nicht nur Präsident des Landesbauernverbandes Schleswig-Holstein, sondern auch einer Vize-Präsidenten des Deutschen Bauernverbandes und überdies jener für die Öffentlichkeitsarbeit des Verbandes Zuständige. Und da ergeht er sich mal wieder in derlei abstrusen und dazu noch vielfachen Widersprüchen? Ja, er stößt sogar das gesamte deutsche Volk vor den Kopf mit seiner Anmaßung „Wir müssen den Bürgern das Denken zurückgeben“! Und dies auch noch höchst widersprüchlich, meint er doch einen Augenblick später, er wäre davon „überzeugt, dass wir den Bürgern einfach das Urteilen über neue Themen wieder selbst überlassen sollten“. Ja was denn nun? Sollen wir (Wer ist eigentlich dieses „wir“? Meint Schwarz den Bauernverband oder meint er die Bauern?) den Bürgern nun das Denken zurückgeben oder sollen wir ihnen das Urteilen selbst überlassen? Das Vertrauen der Kunden beziffert Schwarz auf 70-80%, obwohl die Bürger zu 70-80% aus anderen Quellen als den Bauern und dem Bauernverband, ja gar aus „postfaktischen“ Quellen informiert werden, wie Schwarz einerseits lobt und andererseits bemängelt. Ja was denn nun? Und wie um Himmels Willen soll es zusammenpassen, dass Schwarz den Verbrauchern einerseits einen gesunden Menschenverstand unterstellt, andererseits aber ihnen das Denken zurückgeben will? Und wieso wünscht sich Schwarz, dass das Wissen von Dritten sachlich aufbereitet wird, er dies als Aufgabe der Medien ansieht, er gerade diesen aber vorwirft, sie würden nur mit Negativmeldungen und Skandalen verängstigen? Wieso bemängelt Schwarz, in kritischen Berichten würden die Lösungen fehlen? Weiß er nicht, dass kritische Berichte kritisieren sollen und daher eben nicht zwangsläufig auch noch Lösungen anbieten sollen? Werner Schwarz und der Bauernverband kritisieren doch selber auch zu gerne mal andere, ja selbst Bauern werden kritisiert, Lösungen werden aber auch von dieser eigenen Seite her nicht angeboten. Auf Kritik aus den Bauernreihen reagiert der Bauernverband Schleswig-Holstein gerne so, dass solche Bauern von der Kommunikation mit dem Verband ausgeschlossen, gesperrt oder gar aus der Verbandsmitgliedschaft gedrängt werden. Wieso also erwartet der DBV-Vizepräsident also von anderen mehr als von sich und seinem Verband selbst? Wieso führt Schwarz wieder „Glaubwürdigkeit, Offenheit, Echtheit und Ehrlichkeit“ an, wo er dies selber durch all seine Widersprüche nicht gewährleisten kann? Wieso schlägt Schwarz „entwaffnende Kampagnen“ vor, bei der „wir“ nicht selber aufrüsten sollen, bei der es ganz falsch wäre, auf Beleidigungen in gleichem Ton zu antworten und lobt einen Augenblick später den Shitstorm, den die Agrarblogger gegen Hendricks Bauernregel-Plakate ausgelöst hatten? Und wieso schafft der Bauernverband nicht mehr selber die Öffentlichkeitsarbeit, dass er diese an sogenannte „Agrarblogger“ abgegeben hat? So sagte jedenfalls einer von Schwarz’ Landesvizepräsidenten auf einem Kreisbauerntag gestern, die „Agrarblogger, das sind die Menschen, die für uns bei Facebook auftreten“. Die für uns…! Sind die „Agrarblogger“ also nur eine Neuauflage der wegen damalig umfassender medialer Schelte am Verband „offiziell“ eingestampften DBV-Internet-Taskforce? Wenn der Verband wieder zu solchen, wie damals als subversive bezeichnete, Methoden greift in dessen Öffentlichkeitsarbeit, wo bleibt dann dessen Glaubwürdigkeit, Offenheit, Echtheit und Ehrlichkeit?

  7. von Karl-Heinz Mohrmann · 7.

    Herr Schwarz soll sich lieber um die Milchbauernfamilien kümmern. Sich um Verträge kümmern sich um Liefergemeinschaften kümmern. Die Produktion an die Nachfrage anpassen. DMK beraten. Und nicht alle Vorschläge ablehnen und keine eigenen vorschlagen um die Situation der Milchbauernfamilien zu verbessern. Nur meckern lenkt nur ab Herr Schwarz

  8. von Otto Müller · 8.
    gute Rede,

    aber wie sollen die 2% Bauern (die ausreichend Arbeit haben) 20 - 30% der Bevölkerung überzeugen, zumal die Medien nicht auf unserer Seite stehen? Glaubwürdigkeit, Offenheit, Echtheit und Ehrlichkeit stehen nicht gerade hoch im Kurs.

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