Schwarz und Schulte to Brinke zweifeln an staatlichem Tierwohllabel

Werner Schwarz und Albert Schulte to Brinke Werner Schwarz und Albert Schulte to Brinke
Bild: ARD/Landvolk

Die Bauernpräsidenten von Niedersachsen und Schleswig-Holstein, Werner Schwarz und Albert Schulte to Brinke, haben Zweifel am Sinn des geplanten staatlichen Tierwohl-Labels.

Im Interview mit der Neuen Osnabrücker Zeitung zeigte sich Schwarz ernüchtert, dass es schon etliche Label und Marken gab, die mehr Tierwohl zu höheren Preisen angeboten haben. Nichts habe sich durchgesetzt. Und Schulte to Brinke vermutet, dass das an der gleich hohen Produktqualität von günstigem und teurem Fleisch liege. „Das Produkt ist dem Verbraucher näher als das Tier. Und dann greift er eben zur günstigeren Variante. Deswegen sind wir als Verband so vorsichtig, Bauern zu empfehlen, sich an Tierwohlaktionen zu beteiligen“, sagte er.

Laut Schwarz habe man das Bundeslandwirtschaftsministerium bereits in vielen Gesprächen auf die Gefahr des Scheiterns hingewiesen. Aber dort scheine man andere Anforderungen zu haben, als es die Bauern für erfolgsversprechend halten. „Wir sind überzeugt, dass dem Verbraucher die Herkunft wichtig ist. Aber so eine Herkunftskennzeichnung spielt für das Ministerium offenbar keine Rolle“, ergänzt Schulte to Brinke.

Auf die zunehmenden Stalleinstiege von Tierrechtlern angesprochen, sprachen sich die beiden Präsidenten für harte juristische Konsequenzen aus. Schwarz gab aber auch zu, als Bauernverband in der Vergangenheit Fehler bei der Öffentlichkeitsarbeit gemacht zu haben. „Ich stelle aber fest: Die Medien in Deutschland fangen an, die Kampagnen einiger Tierrechtsvereine gegen die Landwirtschaft kritisch zu hinterfragen. Für mich ist das ein Zeichen, dass die Kampagnenfähigkeit des Themas überschritten worden ist. Die Betroffenheit der Bevölkerung nimmt ab. Dazu trägt auch bei, dass Landwirte mit eigenen Bildern dagegen halten“, sagte der Schleswig-Holsteiner im Interview.

Lesen Sie hier das ausfühliche Interview bei der NOZ...

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6 Leserkommentare Kommentieren

  1. von Rudolf Rößle · 1.
    Verpflichtentes

    staatliche Mindestanforderungen müssen her, damit es keine so krassen Skandale mehr in den Medien gibt.

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  2. von Paul Siewecke · 2.
    Momentan 2 grundlegende Systeme...

    Konventionell oder Bio: das erste entspricht den gesetzlichen Mindestanforderungen und geht für wenig Geld in Massen über den Tresen (für die die billig wollen), das zweite geht teilweise über ITW-Stufe 3 noch hinaus und wird preislich entsprechend honoriert. Beide Märkte sind ausreichend gesättigt, warum also ein "Pseudo-billig-Öko" einführen, was auf den deutschen Markt angewiesen ist? Was dann auch wieder keiner bezahlen will und an dem nur Zertifizierungsunternehmen verdienen, siehe Kopplung ITW an QS ???

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  3. von Willy Toft · 3.
    Bei den ganzen Labeln kann man nur verzweifeln!

    Der "Markt" honoriert es eben noch nicht. Hauptsache billig, wird uns noch lange verfolgen! Die höhere Qualität wird anscheinend nicht mal wahr genommen.

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  4. von Christian Bothe · 4.

    Ich habe eine absolut andere Auffassung als die beiden Herren, was das staatliche Tierwohllabel betrifft! Warum gab und gibt es denn andere Labels insbesondere vom LEH initiiert, weil es keine staatlichen Vorgaben dazu gibt,die dann der Konsument auch verstehen kann. Viel zu lange wurde darüber diskutiert und mit dem ITW haben wir bereits eine gute Basis für das staatliche Label geschaffen. Das gilt es anzupassen und Zertifizierungen wie QS, QM, Vlog etc. zu integrieren. Der Kunde im Supermarkt ist momentan sehr verunsichert durch eine Vielzahl von Logos auf den Verpackungen und an der Theke, meine ich.Der Bekanntheitsgrad des BIO-Siegels macht es uns vor. Was die Finanzierung solcher realisierten Tierwohlmaßnahmen angeht, sind Verarbeitungsindustrie und Handel am Zuge was Einkäufe und Listung betrifft, um dem Bauern erhöhte Aufwendungen bei der Produktion tierischer Erzeugnisse zu ersetzen. Des weiteren werden im Regal nur noch tierwohlzertifizierte Produkte dem Verbraucher bereitgestellt (sagte ich schon mal an anderer Stelle)zum entsprechenden Verkaufspreis und der Kunde bezahlt das, weil es keine Alternativen gibt...Eine zusätzliche Nebenwirkung ist, das weniger Lebensmittel weggeworfen werden.

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  5. von Gerd Uken · 5.
    Bei den Schweinen ist des auch so

    Der Preis wird von wenigen Schlachtern gemacht -sind zu viele da werden Hauspreise gemacht ob mit oder ohne Label. Es ist doch Grillsaison da müsste die Nachfrage doch anziehen bei dem Wetter. Die Ferkelerzeuger erlösen gerade noch 30-35€ hilft denen ein Label? Wie sagte letztens einer die Ferkelerzeuger werden platt gemacht überleben können nur ganz große oder sie kommen dann aus DK u.Spanien ohne.... Ich bin kein Schweineexperte aber es ist gut denkbar das es so kommen wird u. die Chinesen fragen auch nicht ob das Pfötchen mit oder ohne Label ist

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  6. von Wilhelm Grimm · 6.
    Die Beiden haben Ahnung !

    Bin mal gespannt, ob das BMEL deren Fachwissen ignoriert.

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