Schwere Vorwürfe: Industrie schleust Mitarbeiter in EU-Behörde

Zwischen der EU-Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) und dem von Nahrungsmittel- und Gentechnik-Konzernen bezahlten International Life Science Institute (Ilsi) bestehen offenbar weit engere Beziehungen, als bisher bekannt war. Laut dem Gentechnik-kritischen Verein Testbiotech sind mehrere EFSA-Experten, die über Risiken gentechnisch veränderter Pflanzen entscheiden, gleichzeitig für das Ilsi tätig.

Testbiotech will nun weitere Details herausgefunden haben. So soll auch der Leiter der Expertenrunde, die für die Risikobewertung gentechnisch veränderter Pflanzen zuständig ist, jahrelang für eine Arbeitsgruppe des Instituts gearbeitet haben. Diese Arbeitsgruppe werde von einem Mitarbeiter der Firma Monsanto geführt und sei ausschließlich mit Vertretern der Agrar-Konzerne besetzt, so der Verein. Ilsi selbst gebe an, dass diese Arbeitsgruppe die Prüfstandards der EFSA für die Risikoabschätzung von GVO-Pflanzen beeinflusste.

In der Kritik stehende Mitarbeiter:EFSA-Leiterin Diana Banati hatte bereits unter öffentlichem Druck ihrenPosten im Verwaltungsrat des Ilsi abgegeben. Die EFSAGentechnik-Leiterin Suzy Renckens war schon 2008 nach Syngentagewechselt, während Juliane Kleiner, frühere Führungskraft beim Ilsi,neue Leiterin des EFSA-Referats für diätische Produkte wurde. Weiterhinfür beide Seiten tätig seien dagegen Harry Kuiper, Gijs Kleter,Laurence Castle und Jean-Michel Wal, schreibt die Süddeutsche Zeitungdazu. Insbesondere Kuiper, seit 10 Jahren beim Ilsi, habe mit an denentscheidenden Konzepten zur GVO-Zulassung in der EU mitgewirkt.

Belege für die Einflussnahme der Behörde durch ILSI gibt es laut Testbiotech in verschiedenen Dokumenten der Behörde. Beispielsweise verlange die EFSA keine Fütterungsversuche mit gentechnisch veränderten Pflanzen, um gesundheitliche Risiken zu untersuchen. Das Dokument, mit dem die EFSA diese Haltung begründet, sei zum Teil wortwörtlich aus einem Papier des ILSI übernommen. Außerdem sei das Verfahren bei der Beurteilung neuer GVO-Sorten völlig fehlerhaft. Statt Praxisversuchen vergleiche die EU-Behörde die genmanipulierten Pflanzen lediglich anhand einer Datenbank des Ilsi. Faktoren wie Stress durch Kälte oder Trockenheit würden nicht einzeln getestet. So hätten z.B. erst Schweizer Wissenschaftler herausgefunden, das ein genehmigter GVO-Weizen anfälliger für Mutterkorn war, so Testbiotech. Die Süddeutsche ergänzte in ihrer gestrigen Ausgabe: "Hier ist vertreten, was im Agro-Gentech-Geschäft und in der internationalen Lebensmittelindustrie Rang und Namen hat. BASF, Bayer und Monsanto gehören ebenso dazu wie Coca-Cola, Nestlé oder McDonald´s." Die Weltgesundheitsorganisation WHO bezeichne das Ilsi als Lobby-Organisation. Das Institut mit Stammsitz in Washington stelle sich dagegen als unabhängige Einrichtung dar.

Lesen Sie auch: Then: "EFSA von Industrie unterwandert" (19.11.2010)

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2 Leserkommentare Kommentieren

  1. von paulin · 1.
    Prüfen und Ã"ndern, sofort!

    Herr Sedlmaier , Gründer der IGFür, hat recherchiert wie die EFSA arbeitet. Die Wissenschaftler oder Fachleute haben kein Labor.Sie nehmen keine Untersuchungen vor. Sie nehmen die Studien der Firmen die die Anträge stellen als Prüfungsgrundlage.Unabhängige Studien werden kaum oder gar nicht gemacht.Das soll Lebensmittelsicherheit für Europa sein? Ich wünsche mir das die kritischen Stimmen gehört werden und die Arbeit und die Besetzung der EFSA neu überdacht wird.Außerdem wünsche ich mir das wir in Deutschland mit gutem Beispiel vorangehen und Anregungen erarbeiten und nicht warten bis sich in der EU was tut. Und bloß nicht wieder mit diesem abgedroschenen "Keine nationalen Alleingänge" . Das zieht nicht mehr. Wir können national auch etwas bewegen. Renate Kaupenjohann

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  2. von 1azorenhoch · 2.
    Forderung

    Ich fordere die sofortige Freilassung von Jörg Bergstedt, der aufgrund einer sog. Feldbefreiung in Haft sitzt. Gerade Jörg hat uns anhand öffentlich zugänglichen Quellen gezeigt, dass die Agrogentechnik voller Lobbyismus steckt.

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