Sind Neonikotinoide für den Vogelrückgang verantwortlich?

Rauchschwalbe "Der stumme Acker" titelte die Süddeutsche Zeitung am 10. Juli.
Eine niederländische Studie sieht u.a. im Insektizid Imidacloprid einen Grund für den Rückgang der Rauchschwalben im Land.

Laut dem Nimwegener Populationsdynamiker Caspar Hallmann zeigt der systematische Vergleich zwischen der Entwicklung der Schwalbenbestände und dem Einsatz von Imidacloprid seit Mitte der 1990er Jahre eindrücklich, wie das Insektenmittel die Sperlingsvögel dezimiert hat – und zwar allein durch seine Wirkung auf Insekten. Die Vögel fänden einfach nicht mehr genug Futter, zitiert die Süddeutsche Zeitung den Wissenschaftler.
 
Hallmann kommt mit seinen Kollegen des Sovon-Zentrums für Ornithologie und der Radboud-Universität Nimwegen zu dem Ergebnis, dass die Bestände im Mittel jährlich um 3,5 % sinken, sobald die Konzentration des Neonikotinoids eine Schwelle im Oberflächenwasser überschreitet. Laut den Forschern gebe es damit zum ersten Mal einen bezifferbaren Zusammenhang zwischen dem Schwund einheimischer Ackervögel und einer Klasse moderner Pflanzenschutzmittel.
 
Nach Angaben der Süddeutschen Zeitung entfiel 2011 in Deutschland ein Drittel des gesamten Absatzes an Pflanzenschutzmitteln auf die Substanzklasse der Neonikotinoide. Seit letztem Jahr gilt der Verwendungsstopp der EU, der im Dezember 2015 ausläuft. Die EU prüft bis dahin, ob es neue Belege für Risiken gibt.
 
Den Kritikern kommt die Studie daher in ihrer Beweisführung entgegen. Bislang wurde lediglich ein negativer Einfluss auf Honigbienen geprüft. Nun rückt der indirekte Einfluss auf Wirbeltiere in den Vordergrund. Laut der Zeitung können die Neonikotinoide die Fruchtbarkeit stören, ebenso wie das Wachstum, das Nervensystem und die Immunabwehr höherer Arten, darunter Vögel, Fische und Säugetiere. Was das in Zahlen bedeutet, wissen die Forscher allerdings noch nicht.
 
Die Wissenschaftler mahnen, dass die Wirkstoffe zu etwa 94 % im Boden und Grundwasser verbleiben und dort bis zu drei Jahre lang chemisch intakt seien. Dezimiert würden dadurch auch ungewollt andere Insekten sowie deren Fressfeinde.
 
 

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20 Leserkommentare Kommentieren

  1. von Eckendorf · 1.
    Schwalben und QS

    Wer seinen Betrieb QS- Gap zertifizieren läßt, muß ein Hygienekonzept vorweisen. Vogelkot, den ja bekanntlich auch Schwalben produzieren, ist ein K.O. Kriterium und führt zur Aberkennung der Zertifizierung. Konsequenz: Jedes Schwalbennest muß entfernt werden, bzw. ein Neubau muß verhindert werden. Mir als Landwirt tut es weh, dies zu tun, denn Schwalben gehören zu einem Bauernhof. Doch bei einer Abwägung, Schwalben oder Betrieb, ist die Antwort doch klar. Übrigens wird bei der Zertizierung nach einem Naturschutzkonzept gefragt. Wenn wir unseren Hygiene- und Kontrollwahn nicht wieder auf ein normales Maß zurückführen, wird noch so manche Schwalbe aus unseren Dörfern verschwinden.

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  2. von paul-maier · 2.
    Laut einer amerikanischen Studie

    sind die auch von den Deutschen so sehr geliebten, millionenfach vorkommenden, sich unkontrolliert vermehrenden Hauskatzen, hauptsächlich für den Rückgang der Vogelarten verantwortlich. Aber mit einer grün eingefärbten Brille sind solche Gefahren für unsere Vogelwelt natürlich nicht zu erkennen. Zudem sind die verbalen Geschütze ja immer und in jedem Fall auf die Landwirtschaft gerichtet und die Bereitschaft sie auch auf andere Ziele auszurichten einfach nicht gegeben .Diese in nahezu allen umweltpolitischen Belangen eingefahrene Vorgehensweise ist zwar meist falsch, aber am bequemsten für die grosse Mehrheit und wird deswegen auch immer angewandt.

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  3. von Erwin.Schneiderbauer · 3.
    Letztes Jahr ist die erste Brut wegen des nass kalten Wetters komplett verhungert,

    teilweise auch die Altvögel . Tja dass die Nistmöglichkeiten immer weniger werden, je weniger Bauernhöfe es gibt ist nicht von der Hand zu weisen. Wir hatten bis letztes Jahr immer 15 - 18 Brutpaare am Hof, heuer sind es nur 10, die restlichen 5 Paare sind entweder verhungert oder von unseren südländischen Nachbarn verspeist worden.............. Heuer hat die erste Brut das Nest schon verlassen und erfreuen sich bester Gesundheit! Und Insekten gibt es in Hülle und Fülle, man schau sich nur mal sein Auto nach ner Autobahnfahrt an. Also wird hier nur wieder ein Sommerloch gefüllt, mehr ist dieser Bericht nicht

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  4. von elinge · 4.
    Wenn die Vertreter der Grünen oder ihrer Gesinungsgenossen

    an die Macht kommen müssen wir mit solchen Diskusionen leben und in den sauren Apfel beisen. Auch wenn man den Grund dafür an den Haaren herbeiziehen muß !!! Umweltschutz wird aber auch in der Landwirtschaft an den Rand der Landwirtschaft gestellt nach dem Sanktflorianprinzip : Sankt Florinan, Sankt Florian sieh nicht Mein Feld sieh andere an!!!------ Und am dem bleibt es dann hängen-------- Nach dem Motto ha ist ha wird dann der Landwirt von allen (DBV,Presse,.....) an den Rand gestellt ---ätsch--- selbst Schuld wenn Du das Viech nicht schon vor Jahren auf das Nachbarfeld vertrieben/ausgerrotet hast!!!! Auch die 10.000 Literkuh braucht Futter die den Tieren die Wild auf dem Grünland lebem kein Platz lassen. Auch hier ist der der Leben ließ (so ein fauler Bauer) im Abseits.

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  5. von ramsdorf · 5.
    Diese Jahr haben wir viele Schwalben

    und Fasanen kommen langsam auch wieder, Raps findet man hier aber kaum. Und nun?

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  6. von revoluzzer · 6.
    Wer unsere Zugvögel sterben sehen will

    muß auf Malta, Zypern oder einer anderen Mittelmeerinsel Urlaub machen. Hier könnte man mit weniger "wissenschaftlichen" Geschwafel mehr erreichen und die Vögel direkt schützen. Hab mir den Saustall selbst -abseits der Touristenpfade _ angesehen. Aber was sollten dann unsere Experten untersuchen. Ansonsten kann ich Beitrag 4 als absolut richtig unterstützen.

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  7. von meister1 · 7.
    Zahlen können nicht stimmen!

    Von wegen 2011 ein Drittel des gesamten Pflanzenschutzabsatzes sind Neonicotinoide. Ich kenne keine Kultur, wo wirklich ein Drittel des gesamten PSM-Aufwandes auf Insektizide mit Neonicotinoid-Basis entfällt. Und die großen Kulturen(Getreide...) werden idR komplett ohne diese Wirkstoffe angebaut. Wie soll das dann gehen. Die Verfasser solcher Untersuchungen sollten sich gefälligst mehr Mühe geben!

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  8. von meister1 · 8.

    Viele können sich erinnern, wie es vor 20 oder 30 Jahren in den Ställen aussah: Dunkel, Schlechte Luft, Tiere tief im Dreck, vor dem Wohnhaus der Misthaufen, Fliegen ohne Ende und im ganzen Dorf Schwalbennester. Will man dahin zurück? Oder ist eine Artgerechte Tierhaltung mit frischer Luft, trockener Einstreu und hellen Offenfronten doch besser? Wer würde Milch oder Fleisch von so einem "Schmuddelbetrieb" heute noch kaufen?

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  9. von cairon · 9.
    Studie fraglich...

    Wie hier schon andere erwähnt haben gibt es in diesem Jahr auch bei uns auf dem Hof relativ viele Schwalben. Setzt man sich Gewitterluft auf die Bank am Hof kann man die Schwalben in Masse beobachten. Jedes Jahr ist anders und dieses gilt auch für die Schwalben. Sollte es einen statistisch belegbaren Rückgang der Schwalbenpopulation wirklich geben, so wird dieser ganz sicher nicht an dem Einsatz einer Wirkstoffgruppe liegen, sondern vielfältige Gründe haben.

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  10. von user10 · 10.
    Vor vierig Jahren gab es in jedem Dorf

    etliche Tierhaltungen. Von drei Hühnern über fünf Schweine bis zum Bauern mit 20 Kühen. Auf jedem Hof gab es wildwachsende einheimische Gewächse, garniert mit Misthaufen und Gemüsegarten (inklusive fetten Raupen). Heute gibt es noch einen an die Hygieneverordnung angepassten Hähnchenstall, Schweinemaststall oder Rinderstall. Die wildwachsenden Gehölze (mit den gefährlichen Wespennestern!) sind perfekt gestylten Trendgärten mit Kieselbetten, einem exotischen Busch, umgeben von VA-Gitterzäunen gewichen. Sobald ich meinen Hof verlasse und ins Dorf gehe, höre ich keine Singvögel mehr. Natürlich muss man die Sache mit den Pflanzenschutzmitteln sehr ernst nehmen. Aber noch viel ernster muss man das ideologische Bauernmobbing nehmen, dass einen ganzen Berufsstand diskriminiert und ausgrenzt. Wenn nicht bald der Verstand eingekeht, werden wir noch ganz böse Dinge erleben.

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  11. von wrtop1 · 11.
    Unsinnkorrelation

    Ist wie mit Storchpopulation und Geburtenrate zu sehen. Vermutlich würde die Korrelation mit der Landschaftsversiegelung oder PKW-Zulassungen (Insektenkiller Windschutzscheibe) ein ähnliches Ergebnis liefern. Vielleicht sollte man auch die staatlichen Auflagen zum hygienischen Umgang mt Tierhaltung und organischer Düngung zurücknehmen, um die partizipierenden Insektenpopulationen zu steigern? In diesem Jahr sind entgegen allen Erwartungen wenig Insekten aus dem Winter gekommen. Unsere Weizenbestände sind ohne Insektizid in die Abreife gekommen. Wer ist denn daran wieder Schuld? Natürlich die Landwirtschaft?!

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  12. von toddelg · 12.
    Dieses

    Jahr gibt es, wie schon angemerkt wieder sehr viele Schwalben, 2013 sind nur wenige auf dem Hof am Brühten gewesen. Liegt wohl eher am Klima, dieses Jahr war es hier nicht so brütend heiß und die Insekten sind wesentlich mehr.

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  13. von lürade · 13.
    Rauchschwalben, Mehlschwalben ,

    davon habe ich reichlich, allerdings von Jahr zu Jahr unterschiedlich viel.Die Sahara ist nun mal ein gefährliches Pflaster, vielleicht sind die Italiener auch noch gefährlich. Mein Raps stand im letzten Jahr am Hof, Offensichtlich war der trotz Beizung nicht gefährlich.

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  14. von user10 · 14.
    Rückgang der Vögel

    auch in reinen Grünlandgebieten (besonders auch in Wiesenvogelschutzgebieten) geht die Anzahl der Vögel zurück. Das hat auch etwas mit dem Rückgang der Insekten zu tun. Der Vogelnachwuchs verhungert. Für den Rückgang der Insekten dürfte es neben den Pflanzenschutzmitteln (was ja gerade untersucht wird) viele Ursachen geben. Eine davon ist fehlende Dauerbeweidung. Die Exkremente von Rindern u. a. stehen am Anfang der Nahrungskette. Diese Art der Beweidung ist nicht mehr wirtschaftlich und in Schutzgebieten sogar tlw. untersagt. - Der Naturschutz frist seine Kinder. Die Zusammenhänge in unserer Kulturlandschaft sind eben viel komplexer, als man es auf der Verwaltungsschule vermittelt bekommt.

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  15. von Friesenkuh · 15.
    Tatsache ist aber auch das bei uns

    Rebhühner fast ganz verschwunden sind und die Fasanen immer weniger werden. Eine Erklärung haben wir dafür so auch nicht - vielleicht untersucht das denn auch noch mal einer........

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  16. von ach.rit · 16.
    Schwalbenrückgang

    persönlich sind bei uns derzeit sehr viele Schalben im Stall (Rauchschwalben). Die erste Brut ist bereits flügge und zieht allein seine Kreise. Im letzten Jahr haben die Schwalben kaum Nachwuchs aufgrund der schlechten Witterung zustande gebracht. So viele wie dieses Jahr hab ich schon länger nicht mehr gesehn. Futtergrundlage scheint gut zu sein

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  17. von wernerzwo · 17.
    Bin wirklich kein (politisch) Grüner...

    ... aber Tatsache ist, dass auch bei mir die Schwalben seit einigen Jahren immer weniger werden! Bis vor sechs, sieben Jahren waren gerade im Herbst immer riesige Schwärme mit Schwalben auf meiner Erbenszwischenfrucht, welche die Insekten gefressen haben. Letztes Jahr waren es nur noch ein paar wenige :-( Wenn es hier wirklich einen Zusammenhang geben sollte, dann gehören die Neonikotinoide tatsächlich verboten, auch wenn wir dann speziell im Raps sinnvolle Alternativen brauchen.

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  18. von toddelg · 18.
    Wer

    drillt schon gebeiztes Saatgut in Gewässern aus? Geht es hier einfach mal wieder um konstruierte Szenarien? Wenn die Oma nach dem Einkaufen eine Packung Salz im Bach verliert, dann sterben dort auch Süßwassertiere...

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  19. von lürade · 19.
    Es soll auch Wissenschaftler geben,

    die sich wie Bordsteinschwalben verhalten !

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  20. von lürade · 20.
    Auf dem Fußballplatz gibt es Schwalben !

    Um eine solche Schwalbe scheint es sich bei dieser Studie zu handeln.

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