Stiftung Warentest: Kaum Unterschiede zwischen konventionell und Bio

Der Umsatz des Biosektors hat sich seit dem Jahr 2000 vervierfacht
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Die Stiftung Warentest hat 50 Lebensmitteltests mit Bio- und konventionellen Lebensmitteln miteinander verglichen. Das Ergebnis: Bei der Qualität sowie in Aussehen, Geruch und Geschmack liefern sich Bio- und herkömmliche Kost ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Bioobst und Biogemüse seien lediglich seltener mit Pflanzenschutzmitteln belastet, außerdem engagierten sich Bioanbieter meist stark für Tierschutz.

Insgesamt ist die Qualität sowohl von Bio- als auch von konventionellen Lebensmitteln gestiegen. Die getesteten Produkte bekamen in beiden Gruppen häufiger „gute“ und „befriedigende“ Gesamturteile und weniger „ausreichende“ und „mangelhafte“. Bio ist aber nicht automatisch besser, schmackhafter oder gesünder als herkömmliche Lebensmittel, stellt die Stiftung klar. Das zeige der Vergleich von 1020 herkömmlichen Lebensmitteln mit 217 Bioprodukten.

Was die Belastung mit Pflanzenschutzmitteln anbelangt, ist Bioware mit Abstand am saubersten. Sie ist jedoch nicht vor Schadstoffen gefeit. Die Tester fanden sogar potenziell krebserregende Substanzen, zum Beispiel in schwarzem und grünem Tee und in Leinöl, beides aus dem Bioladen. Bio-Nudeln überschritten den Höchstgehalt für ein Schimmelpilzgift, in Bio-Sonnenblumenöl wiesen die Tester kritische Mineralöle nach.

Im Geschmack steht es unentschieden. Blinde Verkostungen zeigen, dass Bio nicht besser abschneidet als andere Ware. Bioanbieter arbeiten aber oft transparent und kennen ihre Lieferanten gut. Sie setzten sich mehr für das Tierwohl ein, obwohl auch im Biosektor industrielle Großbetriebe entstanden sind, z.B. für Legehennen. Doch insgesamt ist Biofleisch für Tierfreunde die bessere Wahl. Die aufwendige Tierhaltung nach Ökokriterien hat aber ihren Preis. Auch bei anderen Produkten kostet Bioware meist mehr als herkömmlich produzierte.

Viele kaufen Bio beim Discounter

Bio Wachstum Der Umsatz des Biosektors hat sich seit dem Jahr 2000 vervierfacht
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Vom urigen Müsli­laden zur modernen Einkaufsoase – die Biobranche hat einen enormen Sprung gemacht und ihren Umsatz stetig gesteigert. Ihre Produkte sind mitten in der Gesell­schaft ange­kommen, so die Stiftung Warentest weiter. So machen heute nicht Natur­kost­fach­geschäfte den größten Umsatz mit Bio, sondern der klassische Lebens­mittel­einzel­handel inklusive der Drogerien. Allein Discounter wie Aldi und Lidl verkaufen jedes fünfte Bioprodukt. Der Anteil von Bio am gesamten Lebens­mittel­markt liegt aber seit Jahren bei etwa 4 %. Grund: Der konventionelle Markt wächst ebenfalls.

Ist Ökoland­bau mit Wachs­tum vereinbar?

Nicht jeder ist von der neuen Biowelt begeistert. Die Entwick­lung zum Massenmarkt kratzt an den Festen der Branche. Ist das Angebot noch mit Prinzipien des Ökoland­baus vereinbar? Gehören aus der Ferne importierte Früchte und fertige Tiefkühlge­richte über­haupt in Bioläden? Aus Sicht der Dennree GmbH, die rund 190 Denn’s Biomärkte in Deutsch­land beliefert, schon. Für sie ist Wachs­tum und Ökoland­bau kein Wider­spruch. „Wenn die Nach­frage nach Biolebens­mitteln steigt, steigt auch die Motivation der Land­wirte, auf Pestizide und andere Chemikalien zu verzichten“, sagt Unter­nehmens­sprecherin Antje Müller. Dadurch könne die ökologisch bewirtschaftete Fläche wachsen.

Oft wird Bioware importiert

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4 Leserkommentare Kommentieren

  1. von · 1.
    Wer hat schon echte Bio-Bauern erlebt?

    Ökolandbau ist sinnvollerweise gesamtheitlich zu betrachten. Da oftmals immer nur geschaut wird, ob die Qualität des Produkts besser ist (welche Qualität?), ist nicht der Sinn des Ganzen erkennbar. Einfache Beispiele Öko - Konventionell: Die meisten Menschen sehnen sich nach der Möglichkeit, spazieren zu gehen und die Sonne zu genießen. Geht es den Tieren nicht ähnlich? Wenn ich dem Tier eine Seele zuspreche und ähnliche Empfindungen wie der Hauskatze oder dem Hund unterstelle, dann ist für das Tier die Lebensqualität doch besser, wenn es Weidehaltung hat, oder Möglichkeiten zum Spielen, Wühlen, Rennen, usw. Und bei Pflanzen ist doch logisch, wenn keine Produkte (welche auf der Packung giftig, schädlich, reizend stehen haben) zur Anwendung kommen, daß damit auch keine Restmengen in der Nahrung, im Boden und sonst irgendwo verbleiben. Warum wehren sich so viele konventionellen Bauern gegen Bio? Es gibt viele Ähnlichkeiten wie bei konventionell, und wenn mit Bio das gleiche Einkommen zu erwirtschaften ist wie bei konventionell, warum nicht? Es gibt natürlich Menschen mit ideologischen Realitätsverlust, aber nicht nur bei Bio, sondern auch bei Konvi oder auch bei Religionen usw. Bauern arbeiten schon immer mit der Natur, und verwenden verschiedene Methoden zum Erfolg. Warum machen jetzt alle Konvis wieder Zwischenfruchtanbau wie blöd? Vor Jahren haben uns die Berater, Lehrer und Industrie erzählt, wie schädlich die grüne Brücke im Ackerbau ist. Jetzt ist es schädlich, wenn der Boden unbewachsen bleibt? Kapiert doch endlich: Der Verbraucher will bedient werden. Und daher ist mir egal, ob mein Getreide ein Rindvieh oder ein Veganer isst. Hauptsache es schmeckt und er kauft es gerne wieder.

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  2. von Bernhard Hellweg · 2.
    man muss dran glauben

    Das die biologische Landwirtschaft ökologische Vorteile gegenüber, der " guten fachlichen Praxis" im konventionellen Landbau hat, muss man glauben, wissen tun wir es nicht. Wissenschaftliche Studien kommen zu unterschiedlichen Schlüssen. Das Ergebnis hängt oft von der Ausrichtung der Wissenschaftler ab. Klar, ein ha ökologisch bearbeitet ist ein geringerer Eingriff in die Natur als würde der gleiche ha konventionell bewirtschaftet. Bei Mengeneinheiten sieht es ganz anders aus da muss, um das gleiche zu ernten die doppelte Fläche bewirtschaftet werden. Was die Prozessqualität betrifft. .... auch die beruht auf Glauben.

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  3. von Wilhelm Bee · 3.
    Bio = Prozessqualität

    Solange "Bio" nur für die Prozessqulität steht, muss sich die Produktqualität nicht von der Konvi-Qualität unterscheiden. Vielen Bio-Kunden allerdings reicht die Prozessqualität völlig aus. Die ökologischen Effekte, resultieren nur aus der Prozessqualität!

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  4. von Hubert Schmid · 4.
    so sieht die Realität aus

    Und das erkläre mal einem ideologischen Grünen der an Realitätsverlust leidet. Keine Chance!

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