Stimmung bei Bauern und Landtechnikherstellern so gut wie nie

Die Stimmung bei den Bauern und in der Landtechnikbranche ist derzeit so gut wie noch nie. „Die Landwirtschaft ist die In-Branche der Zukunft“, stellte der DLG-Hauptgeschäftsführer Dr. Reinhard Grandke letzte Woche auf der Agritechnica fest. Aus seiner Sicht hat sich „unsere Branche“ von der Krise des Banken- und Politiksektors abgekoppelt. Die Landwirtschaft sei der Wirtschaftszweig des 21. Jahrhunderts, betonte Grandke.

Innerhalb kurzer Zeit fand Grandke zufolge ein Paradigmenwechsel statt: Durch die weltweit steigende Nachfrage nach Agrarrohstoffen sei ein neues Selbstbewusstsein innerhalb der gesamten Agrarbranche entstanden. Die Landwirtschaft werde als einer der essentiellen Sektoren innerhalb der Volkswirtschaft wahrgenommen, weil sie Lösungen für „fundamentale Zukunftsfragen“ wie eine ausreichende und qualitativ hochwertige Nahrungsmittelversorgung und alternative Energien liefere.

Ferner sei die Stimmung unter den Landwirten durchaus positiv; ihre wirtschaftliche Lage habe sich „deutlich verbessert“. Dies belege auch eine Einschätzung unter Berufskollegen aus Deutschland, Frankreich und Großbritannien, die in einer Umfrage ihre aktuelle Geschäftslage als stabil auf hohem Niveau beurteilt hätten, wobei die Beurteilung der Franzosen noch besser ausgefallen sei. Für die kommenden Jahre lägen die Erwartungen in den drei westeuropäischen EU-Mitgliedstaaten trotz wirtschaftlicher Unsicherheiten auf hohem Niveau.

Ebenso sei in Polen, Tschechien und Ungarn im langjährigen Trend eine positive Einordnung der Lage verzeichnet worden. Die Osteuropäer erwarteten auch eine positive Geschäftsentwicklung für ihre Unternehmen. „Diese Länder scheinen in Europa angekommen zu sein“, stellte der DLG-Hauptgeschäftsführer fest. Das Niveau der Einschätzung ist Grandke zufolge ein klares Bekenntnis zu Europa.

Landwirte wollen investieren

Dr. Reinhard Grandke
Hinsichtlich der Investitionsabsichten in der Landwirtschaft wies der DLG-Hauptgeschäftsführer darauf hin, dass jeder zweite Ackerbauer in den nächsten zwölf Monaten investieren wolle. In Deutschland stünden dabei insbesondere die Bereiche Tierhaltung und Gebäude mit 35 % und die Pflanzenproduktion mit 37 % im Fokus; in erneuerbare Energien wollten 28 % von ihnen investieren.

Auf die Frage, ob ihr Betrieb in zehn Jahren noch ein Vollerwerbsbetrieb sei, antworten 73 % der aus Deutschland befragten Landwirte mit ja; für ein Nein entschieden sich 19 %. Als Strategie zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit wollten 66 % die Erträge im Ackerbau erhöhen und ein ebenfalls so hoher Anteil durch den Einsatz moderner Technik Kosten in der Produktion senken. Als zusätzliche Betriebszweige seien mit einem Anteil von 17 % Photovoltaik und 12 % Biogas sowie zu 11 % Milchviehhaltung genannt worden. Dieser letzte Wert sei erstaunlich, so Grandke. Er führte die Prozentzahl auf den Wegfall der Milchquote zurück.

Weitere Stimmen

Nach den Worten des Geschäftsführers vom Fachverband Landtechnik im Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA), Dr. Bernd Scherer, hat die Landtechnik in Deutschland und Europa eine „hervorragende Performance“ vorgelegt und ist dabei, diese zu bestätigen. „Es ist schon außergewöhnlich, wie dynamisch die Agrartechnikindustrie in diesem Jahr gewachsen ist“, betonte Scherer in Hannover.

Die Firmen setzen laut Prof. Hans W. Griepentrog von der Uni Hohenheim neben größeren Maschinen auf Effizienzsteigerung. „Der technische Fortschritt in der Landtechnik ist heute auf einem sehr hohen Niveau und damit vergleichbar mit anderen industriellen Produktionszweigen zu Europa“, erklärte Griepentrog zum Auftakt der Agritechnica.

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Fotogalerie von der Agritechnica 2011 (17.11.2011)
 

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