Grüne kritisieren Tierwohlumsetzung: "Hühnern werden Schnäbel beschnitten!"

Olaf Müller Thüringen ist nach Einschätzung des Grünen-Landtagsabgeordneten Olaf Müller bei Bestrebungen für mehr Tierschutz in der Landwirtschaft noch nicht entscheidend vorangekommen.
Bild: Welthungerhilfe

Gegenüber der dpa hat der agrarpolitische Sprecher der Grünen-Landtagsfraktion in Thüringen, Olaf Müller, die seiner Meinung nach zu langsame Umsetzung der Tierwohlstrategie kritisiert. Auch nach drei Jahren habe die rot-rot-grüne Koalition in dem Bundesland diese noch nicht fertig. Im Augenblick habe er das Gefühl, dass im Agrarbereich auf Zeit gespielt werde, so Müller.

Nach seinen Angaben geht es unter anderem um die Haltungsbedingungen von Schweinen und Hühnern. Denkbar seien beispielsweise staatliche Anreize, damit Schweinen nicht mehr die Ringelschwänze oder Hühnern nicht die Schnäbel beschnitten würden. Thüringen könnte sich dabei an Niedersachsen orientieren.

Verändert worden seien in Thüringen bereits die Regeln, wann Landwirte eine staatliche Investitionsförderung für Ställe bekämen. Seit diesem Jahr gebe es dafür eine größenabhängige Beschränkung. Keine Förderung werde unter anderem für Ställe mit mehr als 15.000 Legehennen, 600 Milchkühen oder 3.000 Mastschweinen mehr vom Land gewährt.

TBV empört Unkenntnis der Grünen

Dr. Klaus Wagner TBV-Präsident Dr. Klaus Wagner
Bild: tbv-erfurt.de
Die Äußerungen Müllers zeigen aus Sicht des Thüringer Bauernverbandes (TBV) dessen Unkenntnis über die Gegebenheiten der heimischen Landwirtschaft. So entbehre insbesondere seine Forderung nach Anreizen damit „Hühnern nicht die Schnäbel beschnitten werden“ jeder Grundlage, da bereits seit einem Jahr in Deutschland keine Schnäbel bei Legehennen und Puten mehr kupiert würden, so der Verband.

Grundlage dafür sei eine freiwillige Vereinbarung über den Ausstieg aus dem Kupieren der Schnäbel von Legehennen und Puten aus dem Jahr 2015, welche das Bundeslandwirtschaftsministerium in Zusammenarbeit mit dem Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft, dem Bundesverband Deutsches Ei und dem Verband Deutsche Putenerzeuger geschlossen hatte und zum 1. Januar 2017 vollständig umgesetzt wurde.

Dass Müller diese weithin bekannte Tatsache nicht zur Kenntnis genommen hat, zeugt laut dem Bauernverband einmal mehr davon, dass Grüne Landwirtschaftspolitik allein auf Basis eigener ideologischer Vorstellungen gemacht wird, ohne die Wirklichkeit zur Kenntnis zu nehmen.

Dementsprechend sei aus Sicht des TBV auch die Kritik Müllers an der Entwicklung der Tierwohlstrategie des Thüringer Sozialministeriums verfehlt. Die Erarbeitung einer nachhaltigen Tierwohlstrategie benötige im Gegensatz zu den Vorstellungen des Grünen-Politikers eine wissenschaftliche und faktenbasierte Grundlage, wenn sie zum Erfolg führen will.

Aus Sicht des TBV ist es notwendig, einen neuen gesellschaftlichen Konsens über Tierhaltung in Deutschland herzustellen. Es müsse anerkannt werden, dass Lebensmittelqualität und Tierwohl ihren Preis haben. Fakt sei, dass der Marktpreis um 25 Prozent steigen müsste, will man steigende Anforderungen der Gesellschaft erfüllen. Dieser Zielkonflikt zwischen Wirtschaftlichkeit und steigenden Anforderungen an die Tierhaltung muss aus Sicht der heimischen Landwirte gelöst werden. Es besteht die Hoffnung, dass mit der Vorlage des Entwurfes endlich ein geeignetes Diskussionspapier vorliegen wird.

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2 Leserkommentare Kommentieren

  1. von Christian Bothe · 1.

    Was für ein Kommentar mit dieser strotzenden Unwissenheit (gewollt oder nicht...). Die prompte Reaktion von Dr. Wagner hervorragend! Das ist doch wieder einmal typisch für einen Vertreter der Grünen (den ehe keiner in Deutschland kennt) aber seine Unwissenheit in den Medien unbedingt präsentieren muß. Müller sollte sich mal bei agrarfakten.de informieren wie in der Land-und Nahrungsgüterwirtschaft gearbeitet wird.Weiß er überhaupt als Thüringer Abgeordneter wieviel Geld die Betriebe in den letzten Jahren investiert haben,um die Haltung der Tiere zu verbessern ,und das nicht nur bei der Geflügelhaltung sondern insgesamt in der Tierproduktion. Er sollte mal bei der Landwirtschaftsministerin nachfragen. Für die Grünen gilt das Sprichwort mehr den jeh: "Schuster bleib bei deinen Leisten"

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  2. von Gerhard Steffek · 2.
    Zielkonflikt!

    Dieser Zielkonflikt muss gelöst werden! Stimmt - aber nicht nur auf dem Rücken der heimischen Landwirte. Denn vor dem Hintergrund der Internationalität der Nahrungsmittelversorgung würde das sonst nur bedeuten das der heimische Landwirt vielleicht seine an ihn gestellte Anforderungen erfüllt, aber dann aufgrund der Kostenstruktur gegenüber dem ausländischem Kollegen nicht mehr Konkurrenzfähig ist. Kontraproduktiver geht es wohl nicht mehr, oder? Na ja, so wie ich die Grünen kenne schon noch. Die finden bestimmt noch das Tüpfelchen auf dem i. Dieser Zielkonflikt wird wohl so lange bleiben, solange es dem Bürger nicht klar gemacht wird, das die Landwirtschaft ja doch schon immer und ständig auf dem Weg dort hin ist. Nur ist es halt ein beständiger Prozess, da es ja auch immer wieder neue Erkenntnisse und Möglichkeiten gibt. Auf die Kritiker braucht man eigentlich nicht großartig hören, denn diese maulen in erster Linie doch eh nur an den Mißständen von gestern rum, die in der Praxis schon längst erkannt und abgestellt werden. Außerdem kann man es ihnen eh nie recht machen, da sie ansonsten ihre Daseinsberechtigung verlieren würden. Herr Wagner tut gut daran, Olaf Müller in die Schranken zu weisen, denn was dieser hier zum Besten gab ist wirklich nur das Strickmuster eines eingefahrenen Demagogen, der sich wirklich nicht zu Schade ist das Volk entsprechend zu belügen. Hierzu empfehle ich auch mal in Wikipedia unter "Demagogie" nachzulesen. Solche Scharlatane und deren entsprechende Scharlatanerie aufzudecken sollte eine Grundaufgabe des DBV sein, wobei sich aber hier kein Landwirt zurücklehnen sollte, sondern auch selber aktiv sein. Unter Umständen auch mal mit einer deutlichen Ansage und nicht so wachsweich wie letzthin Bernhard Krüsken in "Hart aber Fair" gegenüber Harald Ebner. Ein Kuschelkurs ist hier leider nicht zielführend und erfolgversprechend wie man in den letzten Jahren immer wieder sehen konnte.

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