Tierärztekammer will Hochleistungszucht Grenzen setzen

Dr. Uwe Tiedemann Dr. Uwe Tiedemann
Bild: ©WiSiTiA/jh
Die Bundestierärztekammer fordert, dass die Nutztierzucht wieder auf ein Gleichgewicht zwischen Leistung und Gesundheit ausgerichtet werden muss. Aus Kühen, Schweinen, Hennen und Puten seien längst Hochleistungstiere geworden, so der Verband am Dienstag.

Der Preis für dieses „immer mehr“ sei allerdings hoch: „Wir beobachten ein zunehmendes Ungleichgewicht zwischen genetischer Leistungsfähigkeit und der Gesundheit der Tiere im Nutztierbereich“, erläutert Dr. Uwe Tiedemann, Präsident der Bundestierärztekammer. „Leistungsabhängige Krankheiten spielen eine immer größere Rolle. Dennoch steht bei der Zuchtauswahl nach wie vor die Leistung im Vordergrund.“

Hochleistende Tiere sind besonders anfällig für Krankheiten. Dem müsse durch besonders anspruchsvolle Haltung, Pflege und Fütterung Rechnung getragen werden. „Selbst hervorragendes Management kann die aufgezeigten Probleme nicht immer reduzieren“, führt Tiedemann aus. „Die Korrelation zwischen genetisch programmierter Hochleistung und Krankheitsanfälligkeit führt immer öfter zu Schmerzen und Leiden und kann die Lebensdauer verkürzen.“

Das Ungleichgewicht zwischen leistungsorientierten Zuchtzielen und damit in der Folge auftretenden Gesundheits- und Tierschutzproblemen kann laut der Kammer durch eine tiermedizinische Betreuung der Tiere nur bedingt beeinflusst werden. „Das Ausschöpfen tierärztlicher Behandlungsmöglichkeiten reicht dafür nicht aus“, so Tiedemann.

Die Delegiertenversammlung der Bundestierärztekammer hat daher am 16. April 2016 eine Resolution verabschiedet, in der rechtliche Regelungen für die Zucht von Nutztieren gefordert werden. Die Berücksichtigung der Tiergesundheit bei der Zucht auf Leistungsfähigkeit, wie im Tierzuchtgesetz verankert, greift nach Ansicht der Delegierten zu kurz, solange sie nicht näher definiert und unter Strafe gestellt wird.

Die Bundestierärztekammer hofft, dass sich der Gesetzgeber dieses lange diskutierten Themas annimmt und sich nicht länger scheut, per Rechtsverordnung erblich bedingte Krankheitsrisiken auch in der Nutztierzucht näher zu bestimmen und zu verbieten, wenn sie zu Verstößen gegen das Tierschutzgesetz führen können.

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3 Leserkommentare Kommentieren

  1. von Hermann-Josef Schaller · 1.
    Unsere Kühe sind wie Leistungssportler

    .......und genau so sollten sie auch behandelt werden! Mit gutem energiereichem Futter das gern lecker schmecken kann (wir essen ja auch gerne Kräuterbutter auf,m Steak) ,die Haltungsbedingungen sollten geeignet sein, dann steht einem guten langen Kuhleben nichts im Wege.So sehen es Fachleute! Kein vernünftiger Mensch ,würde einem Hochleistungssportler nur Knäckebrot und Wasser zur Verfügung stellen, ihn dann nach Olympia schicken und sagen: so du bist jetzt ökologisch preiswert rundumversorgt,jetzt erwarten wir eine Medalie im 10 Kampf oder zumindest im Marathon derweil die Konkurrenten ihren Körper Fleisch,Obst,Vitaminen und Kohlehydraten gradezu geflutet haben und ihren Körper darauf trainiert haben die guten "Sachen" auch effektiv umzusetzen! Gut,der Knäckebrot-Atleht kann zwar auch hart trainieren,aber wann der im "Wettkampf " schlapp macht ist leicht auszumalen. Und unsere Kühen ,mutet man Knäckebrot in Form von überständigen Extensivierungswiesen (möglicherweise noch mit Jakobs-Kreuzkrautbesatz) schön mit Hundekot gedüngt (Muß man hinnehmen,die Bevölkerung darf mittlerweile schon fast Alles)dazu noch ein paar" Mineralien" in Form von weggeworfenen Glasflaschen,Getränkedosen, Mc Donalds-Verpackungen,Tennisbällen etc.(gibt manchmal richtig schöne Fremdkörper gegen die kein Käfigmagnet etwas ausrichten kann) Und dann ist es die "Hochleistungs-Zucht" schuld wenn die kühe nicht lange durchhalten. Kommischerweise ist bei den Menschen noch keiner auf den Gedanken gekommen,bei sportlichen Wettkämpfen Medallien zu vergeben für Atlehten ,die durchs kleinste Loch krabbeln können,als letzter ins Ziel zu kommen oder die geringsten Gewichte heben können.Da wird auf Leistung hingearbeitet und die wird auch belohnt.Es wird propagiert das Sport gesund ist . Bei den Kühen wird Leistung verteufelt und die Halter als Tierquäler bezeichnet !Nochmal im Klartext:Wird das genetische Potential der Kühe richtig ausgefüttert,fühlt das Tier sich wohl und gibt die Leistung von ganz alleine,ohne Zwang! Verweigere ich der Genetik die notwendigen Grundstoffe (Energie,Eiweiß Mineralien) wird sie gequält und somit krank(Krank durch Idiologie) und das hat überhaupt nichts mit "Hochleistungszucht" zu tun.

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  2. von Otto Müller · 2.
    Deutsche Regelungswut

    Vorschriften, Kontrollen, Strafen. Wie üblich weiß der Staat alles besser. "Aus Kühen, Schweinen, Hennen und Puten seien längst Hochleistungstiere geworden " Der Herr Doktor möchte also, dass Tiere nur noch die Hälfte leisten und ruhig eine miserable Futterverwertung haben. Wenn sich die deutschen Bauern aus dem globalen Wettbewerb verabschieden, von wem bekommt Herr Dr. Tiedemann eigentlich sein Geld?

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  3. von H. Bogen · 3.
    Geht noch mehr wischiwaschi

    Was will die Tierärztekammer eigentlich verbieten? Außer die die Leistung auf Milch fällt mir bei den Zuchtzielen vom Fleckvieh nun wircklich nichts ein was nicht auf eine gesunde Kuh ausgelegt ist und eine damit einhergehende lange Nutzungsdauer ohne Schmerzen und Leiden den dies würde ja die Milchleistung verringern. Ist das bei Holsteinkühen etwa anders? Sind die nicht mit ihren Forderungen jahrzehnte zu spät?

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