Tierschutzverbände diskutierten mit Prof. Spiller über heutige Tierhaltung

Mehrere Tierschutzorganisationen hatten vergangene Woche gemeinsam zu einem Parlamentarischen Abend eingeladen, um auf Verbesserungen in der Haltung von Tieren in der Landwirtschaft hinzuwirken. Anlass war das vor einem Jahr vorgestellte Gutachten „Wege zu einer gesellschaftlich akzeptierten Nutztierhaltung“ des Wissenschaftlichen Beirats für Agrarpolitik (WBA) beim Bundesagrarministerium.
 
Nach Impulsvorträgen von Prof. Dr. Achim Spiller, Hauptautor des Gutachtens, und Agrar-Staatssekretärin Dr. Maria Flachsbarth folgte eine Diskussion mit Vertretern der Tierschutzorganisationen über die aktuelle Situation in der Nutztierhaltung, die Resonanz bezüglich des Gutachtens und dessen Bewertung seitens der Bundesregierung.
 
Prof. Dr. Spiller bedauerte die bisher noch ausstehende Umsetzung der Empfehlungen: „Eine Wartezeit von 30 Jahren, wie wir es bereits bei anderen Gutachten erlebt haben, wäre hier nicht wünschenswert.“ Auch die ladenden Tierschutzorganisationen kritisierten gemeinschaftlich, dass die Regierung es versäumt habe, die aus dem Gutachten hervorgehenden Herausforderungen für eine von der Gesellschaft geforderte tiergerechtere Nutztierhaltung anzugehen und ordnungsrechtlich zu bearbeiten.
 
Aus ihrer Sicht ist es höchste Zeit, neben einer Verschärfung der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung auch finanzielle Anreize für eine artgemäße Tierhaltung zu normieren. Regelungen, wie zum Beispiel das Verbot der ganzjährigen Anbindehaltung für Milchkühe, seien gesetzlich festzuschreiben, betonten sie.
 
Staatssekretärin Flachsbarth stellte im Laufe des Parlamentarischen Abends wiederholt heraus, dass freiwillige Vereinbarungen Vorrang vor gesetzlichen Regelungen hätten. „Die Haltung der Gesellschaft zu Tieren hat sich gewandelt und die Bedeutung des Themas Tierschutz hat deutlich zugenommen. Allerdings wollen wir die Tierhaltung auch nicht aus Deutschland vertreiben beziehungsweise sie in Deutschland nicht unmöglich machen. Insofern können wir die Anforderungen nicht beliebig erhöhen“, so Dr. Flachsbarth.
 
Die Tierschutzorganisationen bewerteten den Abend als einen Erfolg. Sie konnten ihre Positionen an die Politik kommunizieren und werden sich auch weiterhin auf politischer Ebene für Verbesserungen im Tierschutz einsetzen.
 
Die Veranstaltung unter dem Motto „Ein Jahr nach dem WBA-Gutachten – Quo vadis?“ wurde von VIER PFOTEN – Stiftung für Tierschutz, der Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt, der Welttierschutzgesellschaft e.V., dem Bund gegen Missbrauch der Tiere e.V., PROVIEH – Verein gegen tierquälerische Massentierhaltung e.V. und dem Bundesverband Tierschutz e.V. organisiert.

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2 Leserkommentare Kommentieren

  1. von Paul Maier · 1.
    Verbesserung der Haltung von Tieren in der Landwirtschaft.

    So wurde die Zeilsetzung dieses parlamentarischen Abends beschrieben. Damit ist klar ausgedrückt, dass das Schicksal der unzähligen Haus- oder besser gesagt Kuscheltiere unserer lieben Mitbürger diesen "Tierschutzgruppen" völlig gleichgültig ist. Wegen ihres selektiven Vorgehens allein gegen die landwirtschaftliche Nutztierhaltung haben sie eigentlich ihren Status als gemeinnützige Organisationen doch längst verwirkt. Ihr Handeln wird vorrangig von der Gier nach Spendengeldern bestimmt, die sie auch gerne von Hunde- und Katzen haltenden Hochhausbewohnern annehmen, die damit ihr Tierschutzgewissen reinwaschen wollen. Auch kam von ihnen noch nie ein Wort der Kritik an der schlimmsten Form der Massentierhaltung, nämlich der Bienenzucht. Diese genießt im Gegenteil sogar noch Sympthieen bei den Tierschützern. Wer so verlogen argumentiert wie die selbsternannten Tierschutzverbände, der sollte doch nicht ernst genommen werden und schon gar nicht die Richtung der Gesetzgebung bestimmen dürfen. Zudem haben einzelne Mitglieder der beteiligten Gruppen auch schon an Stalleinbrüchen teilgenommen und wurden, obwohl Einbruch eigentlich ein Straftatbestand ist, nicht einmal dafür bestraft.

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  2. von Erwin Schmidbauer · 2.
    Wünsche

    Die Gesellschaft fordert tiergerechtere Nutztierhaltung. Aber ist sie auch bereits dafür zu bezahlen? Hier scheiden sich meist Wunsch und Wirklichkeit.

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