Tierwohl steckt in den USA in den Kinderschuhen

Schutzgesetze für Nutztiere sind in einigen US-Bundesstaaten Thema, von der Zentralregierung Trump sind aber keine Initiativen zu erwarten.
Bild: Archiv

In den USA gibt es verglichen mit Deutschland bisher nur eine leise Tierwohl Debatte. Bundesstaaten wie Kalifornien gehen dabei voran. Standards setzen dort mittlerweile aber auch die großen Fastfood-Ketten. Von der Trump-Regierung sind keine Reformen zu erwarten.

In den USA sind sechs Bundesstaaten mit einer Klage gegen ein Tierschutzgesetz aus dem Bundesstaat Kalifornien gescheitert. Darin hatten sie Kalifornien beschuldigt, Handelshemmnisse für Eier und andere Agrarprodukte aufzubauen. Die Richter wiesen die Klage im November 2016 ab. Darüber hat jetzt der Deutschlandfunk berichtet.In der Klage ging es darum, dass in Kalifornien seit 2015 nur noch Eier von Legehennen verkauft werden dürfen, die ihre Flügel ausbreiten und sich in ihrem Käfig umdrehen können. Dort ist das eine neue Mindestvorschrift, die in der EU längst Standard ist, aber ein Skandal für sechs andere US-Bundesstaaten bedeutete. Deren Staatsanwälte legten daraufhin eine Klage gegen Kalifornien ein.

Es gehe ums Prinzip, sagte vor zwei Jahren Scott Pruitt, bislang erzkonservativer Staatsanwalt von Oklahoma – und zukünftiger Chef der Umweltschutzbehörde EPA unter Donald Trump. Kalifornien dürfe den anderen Mitgliedsstaate nicht vorschreiben, wie sie Landwirtschaft betreiben sollen. „Wenn das so weitergeht, regelt Kalifornien demnächst auch noch unsere Milchproduktion und Viehzucht – das geht doch nicht", zitiert ihn der Deutschlandfunk weiter.

Laut dem Bericht wachsen jedoch auch in anderen US-Bundesstaaten Initiativen für Tierwohl in der Nutztierhaltung. Die Richter wiesen die Klage gegen Kalifornien zum gleichen Zeitpunkt ab, als die Einwohner des Bundesstaates Massachusetts für ein Gesetz stimmten, das den Verkauf von Eiern, Kalbs- und Schweinefleisch ab 2022 von Tieren aus bestimmten engen Haltungsverfahren verbietet, heißt es weiter. Laut dem US-Ableger der internationalen Tierschutzorganisation Humane Society haben zehn andere US-Bundesstaaten Gesetze vorgelegt, um Tiere vor extremer Enge und Verstümmelung zu schützen.

Auch die Lebensmittel- und Restaurantbranche setzt sich in den USA mittlerweile für mehr Tierwohl ein. Angeführt von der Fastfood-Kette Mc Donalds setzten 175 Großunternehmen Amerikas Eierproduzenten Ende vorigen Jahres mit der Drohung unter Druck, nach einer Übergangsfrist nur noch Eier ohne Käfighaltung einzukaufen, berichtet der Deutschlandfunk. Laut der US-Tierschutzorganisation liegen die USA beim Tierschutz weit abgeschlagen hinter der EU zurück. Aus ihrer Sicht verändert sich die Situation jedoch gerade und auch in den USA wachse der Verbraucherdruck hin zu mehr Tierwohl.

Anders als in den US- Bundesstaaten sind strengere Tierhaltungsstandards im US-Kongress bislang kein Thema. Außer einem Gesetz, das Schmerzen beim Schlachten von Kühen und Schweinen verbietet, gibt es keine bundesweit gültigen Tierwohlverordnungen. Für Hühner und Truthähne hingegen gilt das Gesetz nicht, dabei machen sie 95 Prozent der Schlachttiere aus. Von der Trump-Regierung sind keine Reformen zu erwarten, schreibt der Deutschlandfunk. Mit Terry Branstad als Wunschbotschafter der USA in China, und Butch Otter als möglicher Minister für Landwirtschaft holt sich der Republikaner gleich zwei enge Verbündete der mächtigen US-Fleischbranche in sein Kabinett, die nicht dafür bekannt sind, Missstände in der Nutztierhaltung anzuprangern.

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3 Leserkommentare Kommentieren

  1. von Jörg Meyer · 1.
    USA ist pragmatisch, Heuchelei in good old Germany

    Auch in den USA gibt es Tierwohl, die größte Biolebensmittelkette der USA macht immerhin fast soviel Umsatz wie Monsanto. Aber in den USA wird das ganze nicht sooo politisch diskutiert und gefördert wie bei uns und das ist gut sooo. Der deutsche Gutmensch kommt ja auch allmählich bei all dem Elend in der Welt an seine argumentativen Grenzen wenns um noch mehr Tierwohl geht. Ich als Christ schäme mich fast ein bißchen an Tierwohlprogrammen teilzunehmen die unsere Kosten erhöhen und gleichzeitg wird diskutiert, dass wir uns Humanität nach dem aktuellen deutschen Recht bei Flüchtlingen nicht leisten können. Von den Kirchen deren Entwicklungshilfeorganisationen ja demnächst wieder gegen einen Großteil der deutschen Tierhalter auf die Straße gehen, hört man hierzu recht wenig!

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  2. von Armin Brader · 2.

    Man ist nicht überall auf der Welt so Hirn und masslos wie bei uns!

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  3. von Gerd Schuette · 3.

    Und wie geht das mit TTIP zusammen?

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