Treibhausgase aus der Landwirtschaft: Das meinen die Bauern

Bauern wünschen sich mehr Unterstützung und Infos zum Thema Treibhausgasreduktion. Aber: Der Mehraufwand müsse auch entschädigt werden.
Bild: Pressebild

Vergangenes Jahr hat die Uni Hamburg zum Themenbereich 'Treibhausgasemissionen aus dem Agrarsektor - Haltung und Einstellung der deutscher Landwirte' eine deutschlandweite Umfrage durchgeführt. Martina Hartmann und Dr. Kerstin Jantke von der Forschungsstelle Nachhaltige Umweltentwicklung der Uni fassen die Ergebnisse zusammen.

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Einleitung

Verursacher und Betroffene zugleich – die deutsche Landwirtschaft trägt mit 7 - 10 %  zu den gesamten Treibhausgasemissionen in Deutschland bei. Vor allem durch Düngung, Mist- und Güllelagerung, sowie bei der Haltung von Wiederkäuern kommt es zur Freisetzung von Methan, Lachgas und Ammoniak.

Klimawirksame Emissionen können in allen Bereichen eines landwirtschaftlichen Betriebes entstehen und tragen maßgeblich zum globalen Klimawandel bei, der wiederum starke Auswirkungen auf die Landwirtschaft haben und z.B. Ernteergebnisse beeinflussen wird. Dies ist kein entferntes Zukunftsszenario – bereits heute werden lokal extremere Wetterbedingungen registriert.

Bisher wurde viel über landwirtschaftliche Aktivitäten und deren Auswirkungen auf das Klima gesprochen. Zudem zeigen wissenschaftliche Studien Möglichkeiten und Wege der Anpassung an bevorstehende Klimaveränderungen auf. Um Klimaschutz in der Landwirtschaft auf den Weg zu bringen, ist jedoch die Einbeziehung und Mitarbeit der Landwirte selbst absolut notwendig.

Die Umfrage

Um einen Einblick in das Wissen, die Einstellungen der Landwirte zum Thema Treibhausgasemissionen und deren Reduzierung im Agrarsektor zu erhalten, haben Wissenschaftler der Forschungsstelle Nachhaltige Umweltentwicklung der Universität Hamburg 254 Landwirte aus Deutschland rund um den Bereich Treibhausgase befragt.

Die Befragung zeigt, dass die meisten Teilnehmer der Studie den Klimawandel als Bedrohung für die Landwirtschaft empfinden und über die möglichen Auswirkungen wissen. Für einige Landwirte sind die Auswirkungen auf den Betrieb bereits spürbar. Gleichzeitig sehen sie jeden Einzelnen in der Position (Verantwortung?) etwas gegen den Klimawandel zu tun.

Insbesondere der Druck der Öffentlichkeit, die schwierige wirtschaftliche Situation und mögliche Risiken bei der Umstellung auf klimafreundlichere Bewirtschaftung scheinen Landwirte zu beschäftigen. Unsicher sind sie hingegen bei der Frage, ob eine klimafreundlichere Bewirtschaftung sich eventuell sogar positiv auf die Erträge auswirken könnte.

Ihr eigenes Wissen schätzen die Landwirte nämlich als eher gering ein – eine konkrete Erfassung von Treibhausgasen wurde bisher nur auf einer Handvoll landwirtschaftlicher Betriebe durchgeführt. Dennoch nehmen die meisten Landwirte ein großes Reduzierungspotenzial an und wünschen sich mehr Informationen zu diesem Thema. Zusätzlich wünschen sie sich, dass ein eventueller Mehraufwand angemessen erstattet werden würde und sie vielleicht sogar einen Wettbewerbsvorteil durch klimafreundliche Bewirtschaftung erlangen könnten (bspw. durch die Einführung eines Siegels). Informationen zu Treibhausgasen aus dem Agrarsektor entnehmen die Landwirte bisher überwiegend den landwirtschaftlichen Fachzeitschriften, dem Internet und den klassischen Medien (Radio, TV, Zeitung).

Fazit

Zusammengefasst zeigt diese Studie eine große Bereitschaft der Landwirte sich mit dem schwierigen Themenbereich der Treibhausgasemissionen auseinander zu setzen und einen Beitrag zu einer Reduktion zu leisten, wenn diese wirtschaftlich und gesellschaftlich honoriert werden würde. Bisher fehlt es jedoch offenbar an ausreichender Informations- und Wissensvermittlung. Hier sollte zukünftig angesetzt werden, um gemeinsam die Klimaschutzziele für Deutschland zu erreichen.

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Leserkommentare

  • Andreas Schröder

    07.03.2018 - 14:40 Uhr

    Finde den Fehler ..

    Hier werden 10% diskutiert und wir wollen alle klimafreundlicher und verantwortungsvoller Wirtschaften. Nur da gehört das Glyphosat in Zukunft meiner Meinung nach unbedingt dazu!!??

  • Christian Bothe

    07.03.2018 - 11:11 Uhr

    Nur mal so nebenbei. Der Anteil der Rinderhaltung an der nationalen THG-Emission beträgt etwa 2,5 %, davon 1,8 % aus der ruminalen Methan-Emission!

  • Klaus Saffer

    07.03.2018 - 11:03 Uhr

    Warum man nicht vom Rest hört...

    Es ist doch ganz einfach zu erklären, warum man nichts von den restlichen 90-93% des Treibhausgas-Ausstosses mitbekommt, bzw. warum man nicht über deren Verursacher berichtet. Diese restlichen Prozente sind Verbrenner von Fosilen Energieträgern - also z.B. Kohlekraftwerke, Straßenverkehr, aber auch Gebäudeheizungen - im Regelfall fällt hier CO2 als Abgas an. Und wird CO2 wieder gebunden und in Biomasse und Sauerstoff (O2) umgewandelt? Nur (!) auf Flächen, auf denen weltweit Land- und Forstwirtschaft betrieben wird, bzw. Flächen, die wenigstens noch ein bißchen etwas an lebendigen grün haben. Da können die Herren Politiker/Manager/Besserwisser noch so oft um die Welt fliegen und ganz wichtige Themen belabern, oder die lieben "Städter" mit ihren tonnenschweren Stadtpanzern über die Autobahnen donnern, und im Vergleich zum vorherigen Auto vielleicht etwas weniger Sprit verbrauchen - aber abbauen von CO2 können sie allesamt nicht - das kann nur grüne Biomasse, die diese aber allesamt nicht besitzen. Also ist es doch völlig logisch, auf den kleinsten Verursacher loszugehen, weil man selbst als Großverursacher garnichts machen kann, und vielerorts auch gar nicht will. Es wäre jetzt eine interessante Rechnung, wie denn die tatsächliche CO2- bzw. Treibhaus-Bilanz einer Milchkuh aussieht, wenn diese nur mit Gras/Heu gefüttert wird: Wieviel Methan scheidet die Kuh mit dem Kot aus, wieviel CO2 veratmet die Kuh - und wieviel CO2 wird vom Futtergras gebunden, dass die Kuh dann frisst? Ich habe hierzu keine genauen bzw. belastbare Zahlen, aber ich bin mir sehr sicher, dass die "bösen Wiederkäuer" doch sehr viel mehr CO2 abbauen, als sie direkt oder indirekt erzeugen! Aber was will man von den Manager/Politikern/anderen Besserwissern überhaupt noch erwarten? Nichts! ...dann wird man wenigstens nicht enttäuscht. Der Bauernverband ist schon lange in der Reihe der großen Enttäuscher. Scheinbar hat man dort noch nicht kapiert, von wem ihre Löhne kommen...

  • Jens Geveke

    07.03.2018 - 11:02 Uhr

    nicht gleich so aufregen...

    es geht doch hier nicht darum, die Landwirtschaft wegen 10% der Klimagase in Frage zu stellen. Es geht darum, dass jeder seinen Beitrag dazu leisten kann, die Gasemissionen zu redzuzieren. Und Methan ist nunmal ein Gas, mit dem man schon was bewirtken kann, wenn man es vermeidet. Wir würden ja nicht nur Klimagase reduzieren, weil wir die Emission vermeiden, wir würden auch Klimagase einsparen, wenn wir daraus auch noch Energie gewinnen. Wenn wir unsere Wirtschaftsdünger in einer Biogasanlage vergären, senken wir die Emissionen, reduzieren fossilen Energieeinsatz und können danach auch noch Mineraldünger einsparen, weil der Gärrest besser steuerbar ist. Das ist doch ein Weg, den man der Politik sehr gut anbieten kann. Dann haben wir unseren Beitrag geleistet und können dann auch über den Luftverkehr oder Kreuzfahrten zurecht diskutieren.

  • Gerhard Steffek

    07.03.2018 - 10:28 Uhr

    so unnötig wie ein Kropf!

    Michael Behrens hat es schon angesprochen, 10 % ! darüber regt man sich auf, aber die anderen 90 % sind wohl notwendig. Oder? Es sind tagtäglich 12 Mio. Menschen im Luftverkehr unterwegs, d.h. eine Stadt so groß wie Paris geht jeden Tag in die Luft. Ist das notwendig? Schiffsverkehr, Autoverkehr, Heizungen, alles trägt zu den Treibhausgasemissionen bei. Früher war es auch noch FCKW in Klebern, Kühlschränken usw. und da regt man sich wegen der Emissionen aus der Landwirtschaft auf? Man sollte nicht vergessen, Essen und Trinken ist lebensnotwendig, Urlaubsflüge, -fahrten, -schiffsreisen nicht. Was wollen diese geistigen Tiefflieger? Schaffen wir doch die Landwirtschaft ab, dann erledigt sich das Thema Klimawandel von selbst. Zumindest für den Menschen, wenn die Mehrheit davon aus Nahrungsmangel wegstirbt. Die Erde juckt das nicht, die wandelt sich auch von selbst, wie eigentlich auch aus der Vergangenheit zu lernen wäre. Warum hatten wir denn bisher in unserer jüngsten Erdgeschichte vier Eiszeiten? Bestimmt nicht wegen des Menschen. Das dieser an der jetzigen Situation sein Schärflein dazu beiträgt ist nicht zu bestreiten. Schließlich jagen wir tagtäglich genügend CO2 in die Luft das vor Jahrmillionen im Boden gespeichert wurde. Einen Wandel hin zu einer Klimaneutralität des menschlichen Wirkens müssen wir angehen, werden aber dazu einen langen Atem brauchen und dürfen nicht in Hysterie verfallen. Besonders wenn man bedenkt, daß das "kleine" Deutschland nur einen Anteil von 1,17 % an der Bevölkerung auf der Welt ausmacht. Da brauchen wir uns nicht aufführen, als wären wir der Nabel der Welt.

  • Michael Behrens

    07.03.2018 - 10:02 Uhr

    7-10 % der gesamten Treibhausemissionen???

    7- 10 % ? Wahrscheinlich sind es weniger! Und was ist mit den Anderen 90-93% Treibhausemissionen? Die sind nicht erwähnenswert, oder was? In anderen Szenarien werden Größenordnung von unter unter 10% oder anders gesagt, ein Faktor von unter 1/10 kaum berücksichtigt! Die anderen Emissionen wiegen mit 9/10 doch um ein erhebliches mehr! Wie lange wollen wir uns noch für dumm verkaufen lassen? Und wo ist der Bauernverband? Wir Bauern mit unserer Landwirtschaft sind nicht das Problem!!! Das könnte mal die Mainstream Medien berichten! Tun Sie aber nicht!

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