Umweltbundesamt für strenge Dünge-VO mit Hoftorbilanz

Gülletransport Gülletransport: Das Umweltbundesamt ist für eine Senkung der zulässigen Stickstoffüberschüsse und eine sofortige Einführung der Hoftorbilanz.
Eine deutliche Verschärfung der Vorgaben in der Düngeverordnung mahnt die beim Umweltbundesamt (UBA) eingerichtete Kommission Landwirtschaft (KLU) an. In ihrer Kurzstellungnahme, die die KLU am vergangenen Freitag veröffentlicht hat, sprechen sich die Experten sowohl für eine weitere Senkung der zulässigen Stickstoffüberschüsse von derzeit 60 kg N/ha als auch für die sofortige Einführung einer Hoftorbilanz für alle landwirtschaftlichen Betriebe mit einem Zielwert von maximal 50 kg N/ha aus.

Die Sperrfrist für die Ausbringung von Wirtschaftsdünger sollte der KLU zufolge verlängert, die Mindestlagerungsdauer entsprechend ausgeweitet werden. Strikt abgelehnt wird eine Derogationsregelung für Biogasgärreste. Verschärfte Regelungen werden für die Phospordüngung verlangt.

Für unerlässlich hält die Kommission bundesweit harmonisierte Anforderungen an Lagerstätten für Jauche, Gülle und Sickersäfte (JGS). Die Anlagenverordnung sei daher in der vom Bundesrat beschlossenen Fassung in Kraft zu setzen. Auf den nach Wasserrecht mindestens 5 m breiten Gewässerrandstreifen sei der Einsatz von Dünge- und Pflanzenschutzmitteln komplett zu verbieten. In einer Novellierung der Düngeverordnung sieht die KLU lediglich einen ersten wichtigen Schritt zur Reduzierung der Stickstoffeinträge in die Umwelt.

Notwendig seien darüber hinaus die Durchsetzung einer strikten Flächenbindung der Tierhaltung, zumindest jedoch ein wirkungsvoller überregionaler Nährstoffausgleich, um grundlegende landwirtschaftliche Umweltprobleme zu lösen.

Praxistauglichkeit gewährleisten

Nur bei vollständiger Umsetzung ihrer und der Ende 2012 von der zuständigen Bund-Länder-Arbeitsgemeinschaft (BLAG) vorgelegten Empfehlungen könne die Düngeverordnung einen Beitrag zur Reduzierung landwirtschaftlicher Stickstoff- und Phosphateinträge in die Umwelt leisten, betont die KLU. Ihrer Auffassung nach wird eine sich derzeit abzeichnende moderate Novellierung der Düngeverordnung nicht ausreichen, einen flächendeckenden guten Zustand der Gewässer zu erreichen.

In dieser Einschätzung zeigen sich die Experten einig mit der Europäischen Kommission. Gleichzeitig müssten bestehende Vollzugdefizite bei der Düngeverordnung behoben werden. Es müsse dafür Sorge getragen werden, dass die gesetzlichen Anforderungen gut kontrollierbar seien und ein wirkungsvoller Vollzug stattfinde. Ohne Praxistauglichkeit und wirkungsvollen Vollzug bleibe die Düngeverordnung ein „stumpfes Schwert“.

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7 Leserkommentare Kommentieren

  1. von xf1 · 1.
    Unfassbar

    Da sind ja 13 Leute mit einer Aufgabe beschäftigt, die sie nicht im Entferntesten verstehen. Die könnten wesentlich produktiver eingesetzt werden, wenn sie für aktiven Umweltschutz eingesetzt würden. Wenn die 13 Personen für die Umwelt soviel Engagement aufbringen würden, wie der Durchschnittsbauer, könnten sie zusammen 50.000 Stunden im Jahr auf Wiesen, Äckern und Wäldern Wohlstandsmüll und Hundekot einsammeln. Wie kann man solch ein Potenzial im Interesse der Umwelt nur so nutzlos auf Stühlen vor sich hin gammeln lassen?

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  2. von toddelg · 2.
    KLU

    http://www.umweltbundesamt.de/themen/boden-landwirtschaft/kommissionen-beiraete/kommission-landwirtschaft-klu Ua mit Lutz Ribbe, der Landwirte nicht sonderlich mag. Eher ein Vertreter für ohne Düngung, wächst auch alles von allein.

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  3. von paul-maier · 3.
    Die Vorschläge dieser "Fachleute" bewirken das Gegenteil.

    Statt einer Senkung der Nitratwerte im Wasser könnte am Ende auch eine Erhöhung herauskommen. Die gebetsmühlenhaft erhobene Forderung nach einer weiteren Einschränkung der Ausbringzeiten birgt genau diese Gefahr in sich. Es verbleibt dann immer weniger Zeit für die Ausbringung und diese kann dann wegen des Vegetationsstandes vielfach nicht genutzt werden. Die gasförmigen Ammoniakverluste sind bei hohen Temperaturen zwangsläufig höher und lassen sich auch mit teuerster und energieintensivster Technik nicht auf ein Mass reduzieren, das die Natur bei entsprechender Witterung kostenlos bereithält. Der höhere Treibstoffaufwand, der damit einher geht, verschlechtert doch die Umweltbilanz. Baden-Württemberg probiert die Nitraratreduktion schon seit 1988 und die Erfolge mit diesem Modell sind eher bescheiden. Wie kann es sein, dass an einer Trinkwasserquelle am Schwarzwaldrand, wo überwiegend Wald steht und Landwirtschaft kaum noch betrieben wird, die Nitratwerte in den letzten Jahren kontinuierlich angestiegen sind. Sie hätten doch nach der Ideologie dieser sog. Experten sinken müssen. Die Diskussion und leider auch der Rechtsrahmen wird von Ignoranten bestimmt, die niemals gewillt sind ihre durch Scheuklappen eingeschränkte Sichtweise einzugestehen, geschweige denn zu korrigieren. Deshalb sollte man sie zum Wohle der Umwelt, der Allgemeinheit aber auch der Bauern von ihren Aufgaben entbinden.

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  4. von lürade · 4.
    NACHFRAGE.

    Haben diese selbsternannten Experten einen Sachkundenachweis ?

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  5. von lürade · 5.
    Das Bundesumweltamt hat extra eine Kommission Landwirtschaft mit Experten eingerichtet.

    Wer sind denn diese Experten, welche Ausbildung und welche Tätigkeiten haben diese auf dem Buckel? Ganz bestimmt wird TA uns das noch nachliefern !*****CDU und SPD werden sicherlich dafür sorgen, daß im Landwirtschaftsministerium nun eine Kommission Umwelt eingerichtet wird, nur mit Experten natürlich.

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  6. von xf1 · 6.
    Als Basis der Forderungen

    ...dieser über-überflüssigen Organisationen muss bestimmt wieder die Nitratlüge herhalten? Meiner Meinung wäre immer noch die beste Lösung, die Nahrungsmittelproduktion europaweit gänzlich einzustellen. Nur so ist es für dieses ungebildete und arrogante Pack möglich zu begreifen, dass das Essen nicht im Supermarkt wächst.

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  7. von sebontch · 7.
    Interessant...

    ...was die übereifrigen Beamten unter "Praxistauglichkeit" verstehen

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