UBA erwartet Preissteigerung für Trinkwasser um 45 % wegen Nitrat

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Bild: Petra Wiedenbrück / pixelio.de

Weil die Bauern zuviel düngen, könnte Trinkwasser für die Bundesbürger 45 % teurer werden. So lässt sich die Mitteilung des Umweltbundesamtes abkürzen, die am Samstag in den Nachrichten für viel Aufmerksamkeit sorgte.

So würden laut dem Amt über 27 % der Grundwasserkörper derzeit den Grenzwert von 50 mg/l überschreiten. Wenn die Nitrateinträge dort nicht bald sinken, müssten betroffene Wasserversorger zu teuren Aufbereitungsmethoden greifen, um das Rohwasser von Nitrat zu reinigen. Einer aktuellen Studie des Umweltbundesamtes (UBA) zufolge kann dies die Trinkwasserkosten um 55 bis 76 Cent pro Kubikmeter erhöhen. Das entspricht einer Preissteigerung von 32 bis 45 %. Eine vierköpfige Familie müsste dann bis zu 134 € im Jahr mehr bezahlen.

„Mit den Neuregelungen in der Düngeverordnung wurden lange überfällige Schritte eingeleitet, die hoffentlich die Belastungen so weit senken, dass den Trinkwasserkunden die teure Aufbereitung erspart bleibt", sagte Maria Krautzberger, Präsidentin des UBA. "Wichtig sind jetzt eine konsequente Umsetzung und verstärkte Kontrollen in den betroffenen Regionen. Falls sich diese Belastungen nicht verringern, müssten weitere und strengere Auflagen für die Landwirtschaft erfolgen.“

Gerade in Gebieten mit landwirtschaftlich intensiv genutzten Flächen sei das Grundwasser häufig durch zu viel Stickstoff belastet. Grund seien die auf den Feldern aufgebrachten Gülle und Mist aus der intensiven Tierhaltung oder Mineraldünger für beispielsweise Obst- und Gemüseanbau. Wasserversorger versuchten bereits heute, das Wasser mit unterschiedlichen Maßnahmen zu schützen, indem sie die darüber liegenden Flächen selbst pachten, Brunnen verlagern oder belastetes mit unbelastetem Wasser mischen, so die Präsidentin weiter. Auch diese Kosten würden bereits heute in den Trinkwasserpreis mit einfließen.

Doch derartige Maßnahmen würden in Zukunft in hochbelasteten Regionen nicht ausreichen, um den Nitratwert im Trinkwasser niedrig zu halten. Die UBA-Studie habe dies mit Daten von und in Kooperation mit drei großen Wasserversorgern untersucht: OOWV (Oldenburgisch-Ostfriesischer Wasserverband), Rheinenergie und RWW (Rheinisch-Westfälische Wasserwerksgesellschaft). Ergebnis: In einigen Gebieten könnte bald der Fall eintreten, dass das Wasser zusätzlich gereinigt werden muss.

Die Studie rechnet zudem aus, wieviel die Reinigung von mit Nitrat belastetem Grundwasser in Deutschland insgesamt kosten kann: zwischen 580 und 767 Millionen Euro pro Jahr. Zum Vergleich: Maßnahmen der novellierten Düngeverordnung kosten laut Bundeslandwirtschaftsministerium die Landwirtschaft bis zu 111,7 Millionen Euro pro Jahr, also nur einen Bruchteil dessen, den die betroffenen Trinkwasserkunden zu bezahlen hätten.

Hier der Link zur Studie mit dem Namen „Quantifizierung der landwirtschaftlich verursachten Kosten zur Sicherung der Trinkwasserbereitstellung“ zum Nachlesen.

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11 Leserkommentare Kommentieren

  1. von Wilhelm Wackler · 1.
    Wie arbeiten die Wasserwerke ?

    Mal was Fachliches. Wir haben einen konventionell wirtschaftenden Betrieb mit etwa 2,5 GV/ha LN. Wir haben seit fast 20 Jahren eine Teilaussiedlung mit Mastschweinen, die wir mit Tränkewasser aus einem eigenen Brunnen versorgen. Wir und auch unsere Grundstücksnachbarn wirtschaften also einigermaßen intensiv auf relativ durchlässigen Schilfsandsteinböden. Jedes Jahr müssen wir unser für die Tiere aus dem 40 m tiefen Brunnen gewonnenes Brunnenwasser untersuchen lassen. Dabei bestätigt das Untersuchungsergebnis regelmäßig einen weit unter 10 mg/l Nitratgehalt, aktuell 2,6 mg/l. Wir bringen unsere Gülle und den mineralischen Stickstoff entsprechend der guten fachlichen Praxis aus - wie man sieht mit Erfolg. Mir drängt sich die Frage auf, aus welcher Tiefe das Grund/Trinkwasser in den immer wieder beanstandeten, hoch belasteten Gebieten gewonnen wird ? Wird das wassre zu oberflächennah gewonnen und damit die Filterfähigkeit einer ausreichend mächtigen Bodenschicht nicht genutzt. es wäre interessant, darüber mal was zu erfahren.

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  2. von Paul Siewecke · 2.
    und was ist mit dem Sauren Regen???

    welcher durch die Industrie und den Verkehr verursacht wird? CO2, Schwefeldioxid, Stickoxide werden durch Regen in den Boden gewaschen und kommen auch im Grundwasser an! Die Landwirtschaft als Alleinverursacher hinzustellen, ist Poupulismus der bösesten Art...

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  3. von Gerhard Steffek · 3.
    Dauerproblem!

    Ich habe mich lange gefragt, wieso ausgerechnet in Niedersachsen und da besonders das östliche Gebiet um Oldenburg unter dem Nitratproblem zu leiden hat. Beschäftigt man sich aber eine Zeit damit einigermaßen allumfassend dann bekommt man Licht ins Dunkel. Abgesehen von der grün-linken Ideologie gibt es hier eben auch die Gegensätze zwischen der Wasserversorgung und der Lebensmittelproduktion. Der OOWV Ist ein Riesenverband der nach Möglichkeit seinen Kunden so billig wie möglich seine Ware, das Wasser, verkaufen will. Da zudem der Verbrauch trotz aller Sparmaßnahmen steigend ist, ist natürlich der Entzug aus den wenigen Quellen immer mehr zunehmend. Da braucht es dann einen wirklich nicht wundern dass, wie Wilhelm Gebken schreibt, die Denitrifikation des Wassers nicht mehr ausreichend ist. Dieser Vorgang wird übrigens in Kläranlagen bei der Reinigung des Abwassers bewußt eingesetzt. Die Vorgänge hinsichtlich der Nitrifikation, bzw. der Denitrifikation sind somit bekannt. Was auch beim OOWV der Fall sein müsste. Da dieser aber keine teure Denitrifikation zu Lasten seiner Kundschaft betreiben will muss er einen anderen Schuldigen finden. In diesem Fall die Landwirte, denen er im wahrsten Sinne des Wortes das Wasser unter den Füssen wegsaugt. Die Politik wird langfristig entscheiden müssen was ihnen wichtiger ist, bzw. einen ausreichend zufriedenstellenden Konsens finden zwischen ausreichender Wasser- und entsprechender Lebensmittelversorgung. Da aber dummerweise in Niedersachsen die ideologische verbrämten Links-Grünen mit Meyer und Wenzel zwei wichtige Posten in punkto Landwirtschaft besetzt sind wird das noch ein längerfristiges, wenn nicht sogar ein Dauerproblem bleiben. Die Bauern in NS und dummerweise im Schlepptau dieses niedersächsischen Nitratproblems die Bauern in ganz DE müssen hierbei aufpassen, dass sie nicht über den Tisch gezogen, bzw. zwischen den Interessen zermahlen werden.

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  4. von Wilhelm Gebken · 4.
    Ich hab die Studie gefunden. Mein Fazit: Die Wasserversorger wollen von der eigenen Schuld ablenken!

    Die Wasserversorger haben in den letzten Jahrzehnten immer mehr Brunnen erschlossen und pumpen immer mehr (altes) Grundwasser aus dem Untergrund ab. Dieses Grundwasser muss durch Versickerung von Regenwasser neu gebildet werden. Tatsächlich fördern die Wasserversorger aber überall mehr Wasser als durch Versickerung neu gebildet werden kann. Erste Folge: Der Grundwasserspiegel sinkt, was die Versorger aber nicht weiter stört, solange ihre Pumpen noch im Wasser stehen. Zur Not bohren sie tiefer. Zweite Folge: Die Sickergeschwindigkeit des Wassers erhöht sich mit der dritten Folge: Der Sauerstoffgehalt des Sickerwassers erhöht sich. Und jetzt sind wir bei dem Problem das die Wasserversorger verursacht haben, was sie aber verschweigen und stattdessen den Bauern in die Schuhe schieben wollen: Die Denitrifikation, also die Umwandlung des überschüssigen Nitrats zu Luftstickstoff benötigt Zeit und darf nicht durch Hinzufügung von Sauerstoff gestört werden. Die Wasserrversorger verstoßen seit Jahrzehnten gegen diese Grundsätze, nur um Wasser noch billiger anbieten zu können. Zweifellos hat auch die absolute Nitratüberschußmenge Einfluß auf die potentielle Denitrifikation, aber die Schuld der Wasserversorger ist unübersehbar.

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  5. von Paul Maier · 5.
    Geisterstunde.

    So kommt einem die neue Debatte um die Nitratbelastung des Grundwassers vor. Die novellierte und deutlich verschärfte Düngeverordnung ist gerade erst wenige Tage in Kraft und das bekannte Geschrei geht munter weiter. Tatsache ist aber, dass die Tierbestände in den letzten Jahren nicht mehr grösser wurden und z.B. bei Rindern sogar rückläufig sind. Die Zahl der Pferde, die zum reinen Sport- und Freizeitvergnügen dienen, wird gar nicht einmal gezählt als ob deren Existenz etwa kein Nitrat verursachen würde. Die Bestände dürften sich aber expansiver entwickelt haben als die Bestände an gescholtenen Nutztieren. Ebenfalls rückläufig entwickelt sich der Einsatz synthetischer Stickstoffdünger. Bei der Suche nach Schuldigen an der Nitratbelastung des Grundwassers haben die zuständigen Behörden schon sehr lange Scheuklappen auf, die einzig den Blick auf die Landwirtschaft erlauben und alles andere ausblenden. Es stellt sich hier die Frage, ob beim Grundwasserschutz nicht dringend sämtliche, seither tätigen "Fachleute" wegen Unfähigkeit ersetzt werden müssten. Schon allein die Behauptung, dass 27 % der Trinkwasserquellen über dem Grenzwert liegen bezieht sich in Wahrheit auf das Meßnetz mit ca. 700 Stellen und keineswegs auf die Gesamtheit. Würden aber sämtliche Quellen gewertet, dann wäre das Bild nicht schrecklich genug.

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  6. von Wilhelm Gebken · 6.
    Populismus der übelsten Sorte!

    Die versteckte Botschaft lautet: "Wenn ihr Ungläubigen Euch nicht für das Gute entscheidet (Spenden an NGO´s, Wählerstimmen zu den Grünen) werden wir alle in der Hölle schmoren! Eine Bitte an TopAgrar: Wenn Studien genannt werden, wäre es hilfreich, wenn ein Link dazu mitgeliefert würde. Oft kann man schon beim Überfliegen solcher Machwerke die Schwachpunkte und verdeckten Unwahrheiten entdecken. Wenn man sich aber erst mühselig auf die Suche nach der Studie machen muss, kommen die Ergebnisse für eine Diskussion in den TopAgrar Kommentaren zu spät.

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  7. von Winfried Vees · 7.
    "Massenautohaltung"

    Stossrichtung dieser Vorwürfe ist unsere Tierhaltung. Die Beste die es je gab! Andere Stickstoff Quellen werden nicht angesprochen. Die im Übermaß und ohne Legitimation von den Autos ausgestossenen Mengen wären bei der nächsten Bundestagswahl kontraproduktiv. Keiner traut sich auch nur zu rechnen! Und bitte, mit reellen Zahlen! Viel leichter wenn man nur die Landwirtschaft an den Pranger stellt.

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  8. von Jörg Meyer · 8.

    Die neue Düngeverordnung ist verabschiedet und wird vielen Betrieben eine Menge abverlangen und trotz all dem wird hier wieder mal vom UBA nachgeterten? Und dann noch einseitig nur gegen die Tierhalter und ihre Gülleausbringung, nicht jedoch gegen Gemüs- und Weinanbau oder andere Quellen der Nitratbelastung. Wobei man ja auch über den Begriff Belastung diskutieren kann mit der jeweioligen Grenze! Für mich wird hier deutlich, dass es Bestrebungen gibt die Tierhaltung in Deutschland weiter zu diskreditieren und das hier bei die Vernetzung auf Seiten der NGOs und grüner Gutmenschen perfekt gelinkt bzw. weiter funktioniert, selbst wenn die Grünen nicht in der Regierungsverantwortung sind, weil sie in Bestimmten Behörden ihre Getreuen an leitenden Stellen platzieren während ihrer Regierungszeit und soo noch laange "mitspielen. Narürlich müssen wir sachlich auch mit denen diskutieren, aber wir dürfen keinen Millimeter freiwillig zurückgehen und wir müssen die Netzbeschmutzer und faule Eier aus den eigenen Reihen konsequent brandmarken!

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  9. von Werner Kriegl · 9.
    Einseitig

    Wenn in manchen Kommunen nicht einmal 70% des Abwassers in der Kläranlage ankommen - weil die Leitungen "etwas" undicht sind - dann hat natürlich nur die Landwirtschaft schuld an der Verschmutzung des Grundwassers...

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  10. von Berthold Lauer · 10.

    Na und? Was wir vom UBA zu halten haben, wissen wir ja mittlerweile. Die Wasserversorger sind Unternehmen, die eine Ware gewinnbringend verkaufen, die sie unter unseren Flächen gewinnen und in der sich auch zu einem großen Teil das Ergebnis unserer Tätigkeit wiederfindet. Wird irgend jemand dafür entschädigt, dass unter seinen Flächen sehr gutes Trinkwasser "bereitgestellt" wird, wie dies immer noch unter dem größten Teil der Flächen geschieht? Ganz gewiss sollte man das Nitratproblem nicht auf die leichte Schulter nehmen, aber man sollte sich vor einseitigen Schuldzuweisungen hüten. Ich glaube, die Wasserversorger suchen nur einen Vorwand, um Preiserhöhungen zu begründen.

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  11. von Gerd Schuette · 11.

    Wir haben ein Problem und den Schuldigen liefern wir auch gleich mit. Komme bloß niemand auf die Idee nach anderen Ursachen zu suchen. Das dies Thema möglicherweise etwas komplexer ist wird ausgeblendet. So entstehen politische Wahrheiten.

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