Umwelt- und Landwirtschaftsministerium streiten über den Wolf

Jochen Flasbarth Jochen Flasbarth
Bild: www.bmub.bund.de

Der seit längerem schwelende Streit zwischen dem Bundesumweltministerium und dem Bundeslandwirtschaftsministerium über den Umgang mit dem Wolf ist offen ausgebrochen. In ungewöhnlich scharfem Ton hat Umweltstaatssekretär Jochen Flasbarth die Spitze des Agrarressorts angegriffen. Dessen Staatssekretär Dr. Hermann Onko Aeikens hat demgegenüber die Position seines Hauses bekräftigt.

In einem auf Ende Oktober datierten Schreiben wirft Flasbarth der politischen Leitung des Landwirtschaftsministeriums fehlende Sachlichkeit in der Debatte um den Wolf, politische Versäumnisse beim Herdenschutz sowie unwahre Behauptungen vor. Entgegen anderslautender Aussagen aus dem Landwirtschaftsministerium hätten sowohl Bundesumweltministerin Dr. Barbara Hendricks als auch er wiederholt erklärt, dass die Tötung von Wölfen in besonderen Fällen notwendig sein könne, so Flasbarth.

Auf scharfe Kritik stößt bei dem Staatssekretär die Bitte von Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt an EU-Umweltkommissar Karmenu Vella, den geltenden strengen Schutzstatus der in Deutschland lebenden Wolfspopulationen zu überprüfen. Flasbarth verweist auf die Zuständigkeit seines Hauses in dieser Frage.

Schließlich positioniert sich der Staatssekretär klar gegen die Teilnahme des Agrarressorts an einer Arbeitsgruppensitzung der Umweltministerkonferenz zum Thema „Wolf“, die Ende vorletzter Woche mit Beteiligung des Bundeslandwirtschaftsministeriums stattfand.

Für Aeikens steht indes außer Frage, dass sein Haus beim Herdenschutz weiterhin sowohl auf präventiven Schutz als auch auf reaktiven Schutz durch Entnahme setzen werde. Nur so könne eine Akzeptanz des Wolfes insgesamt, vor allem aber bei Weidetierhaltern und Jagdberechtigten geschaffen werden, argumentiert der Staatssekretär.

Seiner Einschätzung nach stoßen die präventiven Maßnahmen mittlerweile an ihre Grenzen, weil der Wolf über eine erhebliche Lern- und Anpassungsfähigkeit verfüge. Aeikens verteidigt in seinem Antwortschreiben an Flasbarth die Teilnahme seines Ministeriums an der von der Umweltministerkonferenz initiierten Sitzung. Das Bundeslandwirtschaftsministerium verfolge das Ziel, den Dialog mit den Umweltressorts „unter Berücksichtigung der nachvollziehbaren Argumente der Weidetierhalter und Jagdberechtigten“ zu führen.

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2 Leserkommentare Kommentieren

  1. von Paul Maier · 1.
    Staatsekretär im Umweltminsierium auf Abruf.

    Staatssekretäre sind bekanntermassen politische Beamte und als solche werden sie bei Regierungswechseln eigentlich immer ausgetauscht. Dieses Schicksal dürfte auch Herrn Flasbarth bevorstehen, weil das Umweltministerium bisher von der SPD besetzt war und der Vorsitzende dieser Partei sich schon am Wahlabend für den Gang in die Opposition entschied. So dürften die Tage von Herrn Falsbarth in seinem Amte begrenzt sein und seinen Angriff auf das Bundeslandwirtschaftsministerium kann man dann auch als Rückzugsgefecht betrachten. Die Erfahrungen mit Wölfen zeigen aber, dass diese sehr viel lernfähiger sind als der Herr Staatssekretär, der den Menschen immer noch das Märchen vom braven und scheuen Wolf erzählen möchte. Aber die Zahl der Menschen, die ihm und seinen Gesinnungsgenossen noch Glauben schenken wird mit jedem neuen Wolfsangriff kleiner.

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  2. von Willy Toft · 2.
    Er hat eben keine Schafe!

    Dem ist es anscheinend alles egal, Hauptsache "Artenschutz" in einem der dichtbesiedelten Gebiete Europas! Ich hoffe, die können nachher auch erklären warum wir die Weidehaltung alle aufgegeben haben! Am krassesten finde ich die Wolfsrisse am Deich bei Cuxhaven, wo die Schafe für den Deichschutz zuständig sind. Wo kommen wir eigentlich hin, wenn sich ein ganzes Volk dem Wolf untertänig ergibt, nur weil dieser gerade auf der Artenliste steht? Hier wird vieles in Frage gestellt, was doch so sehr erwünscht ist!

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