„Und plötzlich stoppten einige Nachbarn unseren Anbau!“

Knud Grell und sein Vater Hans-Peter sind GbR-Partner und wollen mehr Verständnis für ihre Arbeit erreichen.
Bild: Reimink

Knud Grell (28) bewirtschaftet mit seinem Vater Hans-Peter als GbR einen Milchviehbetrieb in Duvensee (Schleswig-Holstein). Der Hof liegt mitten im Dorf, allerdings mit Freiraum nach hinten. Ein Stallanbau hat dann völlig überraschend die Nachbarn gegen die Familie aufgebracht.

„Baustopp, Telefonterror, Anzeige wegen Nötigung. Niemals hätten wir gedacht, dass wir uns einmal in dieser Situation wiederfinden. In unserem Dorf fühlen wir uns zu Hause, engagieren uns ehrenamtlich und hatten nie Probleme mit Anwohnern. Doch die Beschwerden und der Widerstand einzelner Nachbarn sind uns über den Kopf gewachsen. Heute fühlen wir uns sprach- und ratlos“, berichtet Knud Grell und fragt sich, wie es weitergehen soll.

Der Junglandwirt nimmt daher am top agrar-Projekt „Starke Bauern. Starkes Image.“ teil. Er will den Konflikt mit Nachbarn auflösen und sucht ein Konzept für die richtige Kommunikation.

Mitten im Dorf

Dorf Neben dem Konflikt mit den Nachbarn engt die Dorflage den Betrieb ein. Zudem ist ein Naturschutzgebiet direkt hinter dem Hof geplant.
Bild: Driemer
Der Betrieb Grell liegt in Duvensee, einem Ort mit 550 Einwohnern zwischen Hamburg und Lübeck. Zusammen mit seinen Eltern, sieben Mitarbeitern und drei Auszubildenden melkt die Familie 450 Kühe und bewirtschaftet 400 ha. „Wir sind Schritt für Schritt gewachsen. Ich habe mich bewusst für die Milchproduktion entschieden, obwohl die Lage mitten im Ort weitere Entwicklung schwierig macht. Zusätzlich droht ein geplantes Naturschutzgebiet uns weiter einzuengen“, so Grell.

Seit 15 Jahren engagiert sich sein Vater als Bürgermeister. Mit dem Bruder spielt Grell in der Original Duvenseer Blasmusik. Die Familie halte fest zusammen. „Nach Ausbildung und Agrar-Studium habe ich 2015 mit meinem Vater die Grell-Milch GbR gegründet und die Erweiterung mit 200 Plätzen geplant. Die Genehmigung bekamen wir ohne Probleme. Womit wir nicht gerechnet hatten, war der massive Widerstand von Nachbarn“, schildert er dann den Beginn der Auseinandersetzungen.

Widerstand gegen den Hof

„Anfangs haben wir versucht, uns zu erklären. Wir diskutierten über unser Fahrsilo, das den Ausblick einiger Nachbarn einschränkte. Zudem waren der Lärm vom Futtermischwagen und die Arbeiten an den Wochenenden ein Thema.

Knud Grell Knud Grell: Eine kleine Gruppe von Nachbarn legte den Stallbau lahm. Ein Jahr später durfte F amilie Grell weiter- bauen. Die Beziehung zu den Nachbarn ist ungeklärt.
Bild: Reimink
Ständig klingelte das Telefon. Immer wieder Diskussionen. Ohne dass es uns bewusst war, bildete sich eine kleine Gruppe gegen uns. Wir versuchten, ihr entgegenzukommen und kauften z.B. einen leiseren Mischwagen. Doch dafür bekamen wir nicht einmal ein „Danke““, so Grell weiter.

Die Fronten verhärteten sich. Wenige Monate nach dem ersten Spatenstich für den Stall kam dann der große Schock: Die Gegner erreichten mithilfe eines Anwalts den Baustopp. Das hat der Familie laut Grell fast den Boden unter den Füßen weggezogen. „Wir fühlten uns ausgeliefert. Nachbarn, jahrelang gute Freunde, setzten unsere Existenz aufs Spiel. Plötzlich fielen Worte wie „Massentierhaltung“ oder „Agrarindustrie“. Man versuchte, uns schlecht zu reden, fotografierte unsere Mitarbeiter bei der Arbeit und zeigte jede Kleinigkeit an. Als ich erneut das Gespräch suchen wollte, endete das in einer Anzeige wegen Nötigung und Hausfriedensbruch.“

Heute kommuniziert der Landwirt nur noch über Anwälte. Eine außergerichtliche Einigung scheiterte. Nach zahlreichen Besuchen von Ordnungsamt und Kreisveterinär sowie einem zweiten Immissionsgutachten durfte er ein Jahr später, im August 2016, weiterbauen. Wie ein Erfolg fühlt sich das nicht an, meint Grell.

Aus Fehlern lernen

„Ich frage mich rückblickend, welche Fehler wir gemacht haben. Die Zeit können wir nicht zurückdrehen, doch ich will wieder ins Gespräch kommen. Meine Zukunft steht schließlich auf dem Spiel.“ Die Familie will lernen, wie sie auf Bürger zugehen und sie bei ihren Plänen mitnehmen kann. „Ideal wäre ein Konzept, mit dem wir auch in der Öffentlichkeit mehr Verständnis für unsere Arbeit erreichen. Ich bin offen für Veränderungen und habe schon einige Ideen. Deshalb freue ich mich über die Chance, die uns das Projekt bietet.“
 
Die ganze Geschichte, alle Details und weitere Einträge u.a. von der ebenfalls teilnehmenden Schweinehalterin Diana Marklewitz lesen Sie kompakt auf www.starke-bauern.de.

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10 Leserkommentare Kommentieren

  1. von Franz Eul · 1.

    Wir haben gleiches mit einer 75 KWBiogasanlage mitgemacht.Bei uns waren/sind die Gegner fast alle ehemalige Viehhalter.Die Schuldigen bei vorgenannten Umweltverbänden zu suchen,trifft meist nicht zu.Wir haben uns auch ständig hinterfragt was für Fehler wir gemacht haben.Sämtliche Behörden bescheinigten uns immer wieder die gute Zusammenarbeit.Schlussendlich hatten wir ein Gespräch mit dem Behördenchef.Zitat:Ihr habt alles bedacht Zuwegung,Gerüche,Lärm unsw.Aber eins habt Ihr nicht bedacht,Neid und Missgunst:Zitat Ende.Das ganze auszuführen würde zulange dauern. Die Anlage läuft jetzt 2 Jahre und versorgt 3 Häuser mit Wärme.DER Riss und verlorenes Vertrauen sind geblieben.

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  2. von Armin Brader · 2.

    Muss ich in der Größe noch wachsen? Oder Vermittle ich meinen Nachbarn es geht weiter ohne Ende. Bei der Größe konzentriert sich viel Transport auf einen Punkt. Weiter entwickeln kann auch effizient Steigerung sein, Wachsen oder weichen ist in der Landwirtschaft schon lange überholt, nicht die Menge zählt, sondern was ich am Stück verdiene und wie breit ich aufgestellt bin um ein längeres Preis Tal durch zu ´stehen. Man kann auch als Landwirt mit freien mitteln eine Eigentumswohnung kaufen wo neben her ein paar Euros ein bringt

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  3. von Forst Genossenschaft Hardegsen · 3.
    Ursachen- oder Symptombekämpfung?

    Am Ende sind das nur die Auswirkungen unserer vorherschenden Agrarpolitik von CDU / CSU und dem Bauernverband. Daher kommt der Zwang zu überdurchschnittlichen Wachstum und „Ressourcenallokation“. Lest den Brief aus dem Landwirtschaftsministerium! Da steht es so drin und so kommt es auch! Wer da nun einen nur suboptimalen Standort hat, der stößt früher oder später im Zuge der nötigen „Ressourcenallokation“ auf dieselben Probleme. Die Bevölkerung ist satt, richtig. Wer aber glaubt es reicht aus nach Berlin zu fahren, dort zu demonstrieren „Wir machen Euch satt“ aber nichts am (Agrarpolitik-)System ändern zu wollen, der landet früher oder später in derselben Falle wie Familie Grell hier. Mir liegt es fern Familie Grell für irgend etwas zu kritisieren, denn einzelbetrieblich machen sie ja vielleicht alles richtig? Aber wenn es so weiterläuft wie bisher, werden noch viele Zukunftsbetriebe Schwierigkeiten bekommen, von denen sie heute noch nichts ahnen. Entweder direkt nach den nächsten zwei kommenden Krisen, oder indirekt durch solche Probleme hier.

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  4. von Michael Behrens · 4.
    Nachtrag

    Und wenn in Zukunft, nach 1-2 Generation die bäuerliche Landwirtschaft verschwunden ist, werden die Handelnden Personen von Nabu und Co das zwar bedauern, aber gleich wieder argumentieren das das zum Wohle aller richtig ist!

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  5. von Michael Behrens · 5.
    öffentliche Darstellung

    Wie wird denn die Landwirtschaft heute in den Medien dargestellt? Subventionen, qualvolle Tierhalter und Tierhaltung, Umweltverschmutzung und Verseuchung, und und und...Nabu, Peta, BUND vermitteln ein grausames schreckliches Bild von der Landwirtschaft! Dazu kommt noch der Regulierungswahn von den Kommunen, was da in letzter Zeit alles in frage gestellt worden ist? Und was in naher Zukunft alles unter Schutz gestellt werden soll? ! Und das ganze wird noch von den regionalen Tageszeitung immer wieder breit getreten, oft mit unhaltbaren Meinungen oder Behauptungen! Da müssen die "Mitdörfler" doch skeptisch gegenüber der Landwirtschaft werden und dann reicht nur eine Person um den Rest hoch zu wiegeln! Da kann man dann versuchen zu argumentieren wie man will!

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  6. von Wilhelm Bee · 6.
    Der Grundstein für diese Misere,

    wurde schon viel früher gelegt. Wer eine wie auch immer geartete Wohnbebauung in der unmittelbaren Nähe seines Betriebes zulässt, legt damit den Grundstein für das Auslaufen des Betriebes an diesem Standort. Dabei ist es völlig egal, ob weichende Erben, Verwandte oder evtl. einfach nur nette Menschen dort bauen wollen. Bei der Ermittlung der einzuhaltenden Abstände, ist nicht der bestehende Betrieb, sondern die noch beabsichtigte Entwicklung zu berücksichtigen. Nur wer in einer solchen Situation ganz klar die Interessen des Betriebes verfolgt, kann die Entwicklung am Standort sichern. Natürlich gibt das auch böses Blut und reichlich Anfeindung. Da muss man dann aber durch! In Vorleistung zu treten und z.B. einen neuen Fumi-Wagen zu kaufen, ist kontraproduktiv. Es wird als Einsicht in die Notwendigkeit zur Minderung der Emissionen des Betriebes gedeutet. Wenn der Betrieb korrekt geführt wird, gibt es keinen Grund für Entgegenkommisse! Sachlich bleiben und Kante zeigen ist angesagt!

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  7. von Michael Ruscher · 7.
    Vor der Realität nicht die Augen verschließen

    Das Dorf hat sich geändert. "besorgte Bürger" wollen die Landwirtschaft nicht mehr als Nachbar! Wir sind die Perle in der Muschel, aber eben ein Fremdkörper der dörflichen Entwicklung geworden. Es stellt sich die Frage für die Politik: " Wohin mit dem Störenfried?" Es ist Wahl, konfrontieren wir die Parteien mit ihren verschobenen Wahlprogrammen! Die CDU/CSU hat in den vergangenen Jahren für diese "besorgten Bürger" die gesetzlichen Grundlagen geschaffen!

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  8. von Wilhelm Grimm · 8.
    Von 400 auf 600, von 100 auf 150, von 59 auf 70. Alles egal !

    Die Desinformationskampagnen der Grünen, der NGOs, des Nabu- Ministeriums und sogar eines Erzbischofs haben ihr Ziel erreicht, nämlich die Verteufelung einer modernen und üblichen. Landwirtschaft. Sie sind satt !

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  9. von Jens Geveke · 9.
    Familien-Betrieb

    Ich kann jeden Landwirt verstehen, der mit seiner Betriebsstruktur glücklich ist, z.B. der alles alleine machen möchte und von den 70 Kühen hervorragend leben kann. Ich kann diese Familie mit 7 Mitarbeiter aber genauso gut verstehen. Wir haben auch zwei Angestellte. Schon mal darüber nachgedacht, dass auch Landwirte Familien haben, Kinder, die sich zumindest auf einen dreitägigen Urlaub mit Papa und Mama freuen, dass ein Betriebsleiter auch mal krank sein darf und sich dann nicht durch den Stall schleppen muss? Dass der Sonntag nicht nur von 10 bis 16 Uhr stattfindet, sondern dass man mit Mitarbeitern einen geregelten Wochenenddienst einführen kann, so dass jeder mal ein Wochenende im Monat frei hat ? Für mich hat genau diese Struktur viel mehr mit einem bäuerlichen Familien-Betrieb zu tun, weil das Familienleben dann wieder mehr möglich ist.

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  10. von Harald Finzel · 10.
    450 Kühe und 400 ha, bewirtschaftet von zwei Generationen, dazu sieben Mitarbeiter und drei Azubis...

    Bei aller Solidarität mit den "Großen" der Branche, aber das entspricht nicht meinem Verständnis eines bäuerlichen Familienbetriebs. Als Nachbar wäre ich Erweiterungsplänen gegenüber womöglich auch kritisch eingetellt.

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