Unfall allein im Wald: Wer holt Hilfe?

Unfall Ohne präzise Ortsangabe haben die Retter kaum eine Chance, Verunglückte rechtzeitig zu finden.
Bild: Höner

Bei Unfällen alarmieren Notrufsysteme die Retter automatisch inklusive exakter Positionsangabe. Wir geben einen Überblick über die unterschiedlichen Systeme.

Ein Alptraum: Beim Rücken von Buchenstammholz fällt plötzlich ein kapitaler Ast aus einem Wipfel direkt auf den Waldbauern. Weil er auf der Fahrt seinen Plan kurzfristig geändert hat, weiß niemand genau, wo sich der Forstwirt aufhält, und das Handy liegt auf dem Windenschlepper.

Auch wenn grundsätzlich immer mindestens zwei Leute beim Motorsägen- oder Windeneinsatz zusammenarbeiten sollten: Viele Waldbauern und Einmann-Unternehmer sind alleine unterwegs. Die Praktiker kennen sehr wohl die Gefahren durch einen Unfall.

Das Handy reicht nicht

Notsender Dieses System arbeitet per Satellit, unabhängig vom Mobiltelefonnetz.
Bild: Höner
Doch die meisten setzen auf ihr Handy, um im Notfall Hilfe zu holen. Damit das aber funktioniert, muss es in der Notsituation griffbereit sein, die Netzabdeckung muss stimmen und vor allem muss der Verletzte überhaupt noch in der Lage sein, zu telefonieren. Deshalb fordert die Berufsgenossenschaft spezielle Forst-Notrufsysteme bei zugelassener gefährlicher Alleinarbeit. Die Systeme sind allerdings längst noch nicht bei jedem Alleinarbeiter angekommen, weiß Günther Weise, der sich beim
Kuratorium für Waldarbeit und Forsttechnik e.V. (KWF) in Groß-Umstadt u. a. um dieses Thema kümmert. Außerdem gibt es unterschiedliche Ansätze, um im Notfall auf sich aufmerksam zu machen. Und nicht jede dieser Lösungen erfüllt die Anforderungen für den harten Forsteinsatz:

  • Handys mit GPS-Empfänger und Notruffunktion
  • Satelliten-basierte Notrufsysteme
  • Professionelle Notrufsysteme, z.B. in Verbindung mit der Funksteuerung einer Rückewinde
  • Funkgeräte mit Notruffunktion (wenn mehrere im Bestand arbeiten).
    Wichtig bei der Bewertung der einzelnen Systeme sind diese Unterschiede:
  • Wird der Alarm willensabhängig und/oder willensunabhängig ausgelöst? Beim willensabhängigen Auslösen muss der Verunfallte den Alarm per Tastendruck senden. Das setzt aber voraus, dass er noch bei Bewusstsein ist – also bieten diese Systeme keine vollständige Sicherheit. Beim passiven bzw. willensunabhängigen Alarm registrieren Sensoren im Gerät z. B., ob sich der Forstwirt noch bewegt und lösen nach einer gewissen Zeitspanne automatisch den Alarm aus (Totmannschaltung).
  • Sendeleistung und Netzabdeckung: Vor allem in ausgedehnten Waldgebieten hat das Mobilfunknetz Lücken. Gute Geräte zeigen die Netzabdeckung an und funken teils in mehreren Mobilfunk-Netzen.
  • Positionsbestimmung: Hier kann die Arbeit in dichten Beständen durchaus tückisch sein, denn der GPS-Empfang ist am besten, wenn man den Himmel sehen kann. Gute Geräte zeigen an, ob das Positionssignal ausreicht.
  • Wo kommt der Notruf an? Im einfachsten Fall senden die Systeme eine SMS, Sprachnachricht oder eine E-Mail mit den Positionsdaten an einen oder mehrere voreingestellte Empfänger – das ist alles. Anbieter von professionellen Systemen arbeiten häufig mit Notrufzentralen zusammen, z. B. von Bosch oder dem DRK. Kommt es zu einem Alarm, versuchen die Mitarbeiter dort zuerst Kontakt zum Auslöser des Alarms aufzubauen, um ein versehentliches Alarmieren von Rettungsdienst und Feuerwehr zu vermeiden. Dabei kann meistens auch eine Sprachverbindung aufgebaut werden. Stellt sich der Alarm als echter Notfall heraus, informieren die Zentralen die zuständige Rettungsdienst-Leitstelle und übermitteln dabei auch die Koordinaten.
  • Auf jeden Fall sollte man sich für eine professionelle Personen-Notsignal- Anlage (PNA) entscheiden.
 
Eingeschränkter Empfang

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