Unsinnige Greening-Vorgabe: Zwischenfrüchte können oft nur noch gespritzt werden

Für mechanische Maßnahmen zur Einarbeitung von Zwischenfrüchten war es im Spätwinter zu nass.
Bild: Archiv

Weil der Winter so mild war, sind die Zwischenfrüchte auf den Greeningflächen nicht abgefroren. Die Bauern dürfen aber erst nach dem 15. Januar mit der Einarbeitung beginnen. "Zu spät für den Pflug!", schimpfen sie, die Nässe machte es unmöglich. Ihnen bleibt damit nur die Behandlung mit Glyphosat, was gerade bei den Greeningflächen nicht Ziel der Agrarreform gewesen sein kann.

Im Bayerischen Rundfunk berichtet Landwirt Josef Wirth aus Baumgarten im Landkreis Dillingen, dass der Zwischenfruchtanbau vor der Greening-Pflicht keine Probleme gemacht habe, da konnte er im Winter pflügen wenn der Boden trocken oder gefroren war. Zehn Jahre lang habe das gut funktioniert.

Die EU schreibt den Landwirten jetzt aber vor, die Pflanzen erst ab dem 15. Januar in den Boden einzuarbeiten. Die Idee dahinter: Die Pflanzen sollen bis dahin stehen bleiben, Stickstoff und Nitrate im Boden halten, gegen Erosion schützen und Tieren wie Hasen oder Fasanen Deckung bieten. Tatsächlich wurden dieses Jahr in manchen Gebieten mehr Wildtiere in den Feldern beobachtet. Die Landwirte aber stellt die Zeitvorgabe vor ein Problem.

Nach dem 15. Januar war es laut Eugen Bayer vom Bauernverband Dillingen in diesem Jahr zu nass. Die Landwirte konnten nicht mit dem Pflug auf die Felder fahren. Stattdessen haben sie die Zwischenfrüchte jetzt mit glyphosathaltigen Pflanzenschutzmitteln abgetötet.

Eugen Bayer vom Bauernverband Dillingen betont, dass die Bauern gegen dieses Vorgehen sind. Es koste viel Geld und Zeit, außerdem würden die Landwirte generell so wenig wie möglich mit Spritzmitteln arbeiten wollen. Ihnen bliebe aber wegen der EU-Vorschriften nichts anderes übrig.

Der Bauernverband fordert deshalb, den Landwirten selbst zu überlassen, wann und wie sie ihre Felder bearbeiten. Im Dezember wäre es trocken genug gewesen, um eine mechanische Bodenbearbeitung durchzuführen. Dann müsste man nun keine Spritzmittel einsetzen, so Bayer.

Die Europaabgeordnete Ulrike Müller (Freie Wähler) versichert, der Agrarausschuss des EU-Parlaments werde sich die Auswirkungen der Vorgaben ansehen. Den Umweltgedanken der Regelungen wolle man nicht in Frage stellen, sie aber auf ihre Praxistauglichkeit überprüfen und sehen, ob man den Landwirten die Arbeit erleichtern könne.

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6 Leserkommentare Kommentieren

  1. von Nikias Graen · 1.
    positiv sehen

    Aufgrund der betrieblichen Lage haben wir einige Flächen mit schweren Tonböden, Staunässe und somit schlechtem Feldaufgang. Sicherlich mag dem einen oder anderen der Anbau von Zwischenfrüchten lästig vorkommen. Aber können wir ohne weiteres Entscheiden, dass der Boden nicht noch mehr Material zur Humusbildung bekommt oder sich schnell erneut Kapillare bilden. Als gutes Beispiel für den Zwischenfruchtanbau war eine unserer Flächen. Seit Jahren sind dort Bearbeitungsprobleme wie : Energieaufwendiges Grubbern, Pflügen, Drillen vorherzusehen. Nach einem Anbau von Zwischenfrüchten konnten wir dieses Jahr den Spritverbrauch sowie den Verschleiß an der Maschine in dem Maße senken, dass die Kosten für die Ausbringung und weitere Maßnahmen beim Anbau gedeckt wurden und sogar noch ein Teil übrig geblieben ist. Zudem konnte die Folgefrucht auf diesem Schlag sehr gut starten, da eine optimale Bodengare gegeben war. Für uns heißt es ab diesem Jahr, dass wir mehr auf Zwischenfrüchte setzen wollen. Zum Thema zurück. Selbstverständlich ist die Bearbeitung im Frühjahr ab dem 15. Februar nicht der optimal Fall. Aber auch dieser Tatsache kann man anders als mit Glyphosat begegnen. So konnten wir nachts und früh morgens bei Frost ackern und es blieb noch genügend Zeit zum regenerieren des Bodens, Abluften, weitere Bearbeitungsgänge und Aussaat. Der Einsatz des Pflanzenschutzmittels ist für mich daher nicht gerechtfertigt, denn wir müssen immer noch sehen, Der Boden ist unser höchstes Gut. !

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  2. von Andreas Schmid · 2.
    @ Herr Sommer

    Von oben verordneter Umweltschutz führt zu solchen Auswüchsen. Das kann man überall sehen wo die einen Paragraphen die anderen Paragraphen paragraphisieren.

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  3. von Martin Bormann · 3.
    Greening

    Sicherlich ist das Greening mit zwei Seiten zu sehen. Zu einem der pflanzenbauliche Aspekt, zum anderen der erhöhte Aufwand im Frühjahr. Ich selbst habe auch Zwischenfrucht dafür über Winter stehen lassen, diese aber ab dem möglichen Termin imi November von Schafen abweiden lassen. Die Mischung aus Klee und Gelbsenf ist dazu eh nicht die Frostsicherste, von daher war keine Nachbehandlung mit Glyphosat notwendig. Die Bodenbearbeitung zur Rübe ist dann aber schon intensiver. Und bei unseren schweren Böden geht dort doch viel Sprit durch den Tank. Aber jeder sollte dort wissen was für seinen Betrieb das richtige ist. Walsrandstreifen mit dem 1,5fachen an Wert können das Greening auch erfüllen. Oder unproduktive Schläge aus der Produktion nehmen und ein Jahr Stilllegen.

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  4. von Thilo Frankfurth · 4.
    was ein sinnloses gejammer.....

    es bleibt selbst nach dem 15. Februar genügend Zeit, die Flächen mit der Scheibenegge zu bearbeiten oder mit dem Mulcher kurz drüber zu fahren! Es wäre zu Diskutieren, ob die Greeningauflagen überhaupt sinnvoll ist! Was jedoch strittig ist, die Greeningflächen mit Totalherbiziden zu behandeln! Das kann man nach aussen schlecht vertreten!!!

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  5. von Ansgar Sommer · 5.
    Auch Landwirte müssen noch nachbessern

    Der durch das Greening vorgeschriebene Zwischenfruchtanbau wird durch viele Landwirte nur als lästige Pflicht und nicht als pflanzenbaulich nützliche Maßnahme angesehen. Nur halbherzig und zu spät gesäte und dadurch schwach entwickelte und stark verunkrautete ZF-Bestände waren oft die Folge, was möglicherweise ebenfalls zu einem vermehrten Einsatz von Totalherbiziden in diesem Frühjahr führte. Probleme mit nicht abgestorbenen ZF-Beständen gab es auch schon vor dem Greening. Die Greeningverpflichtungen, ob ZF- oder Leguminosenanbau, sollten wir also vielmehr als pflanzenbauliches Instrument mit vielen Vorteilen sehen. Die Probleme gilt es in den nächsten Jahren - in Zusammenarbeit mit Wissenschaft und Beratung - in den Griff zu bekommen. Ausschließlich Nachbesserungen der Greening-Vorschriften zu fordern halte ich für den falschen Weg.

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  6. von Jochen Böhrer · 6.
    Bitte verbessern...

    der 15. Januar ist eine Sonderregelung, die in Bayern und Baden-Württemberg getroffen wurde. Eigentlich hilt der 15. Februar, was NOCH schlimmer ist.

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