Vegetarier-Blogs und -Magazine erfinden Statistiken und verdrehen Tatsachen

App Das Internet und der Zeitschriftenhandel sind voll mit Angeboten für Veganer und Vegetarier. Die dort genannten "Fakten" halten der wissenschaftlichen Analyse jedoch meist nicht stand.
Bild: www.veganstart.de

Internetseiten, Blogs und Magazine zum Thema vegetarische Ernährung nehmen es offenbar mit der Wahrheit nicht so genau. Wie die Frankfurter Allgemeine zeitung (FAZ) berichtet, erfinden die Autoren nicht selten Statistiken oder verdrehen Fakten so, dass sie in ihr Weltbild passen. Eine wissenschaftliche Kontrolle geschweige denn einen Aufschrei aus der Öffentlichkeit gibt es nicht.

Als Beispiel nennt die Zeitung die Medien „vegan world“ oder die Website „Erkenne den Zusammenhang“ sowie ein Kochbuch von Attila Hildmann. Etliche Statistiken darin seien falsch, nicht existent oder unvollständig.

„Während ein Teil der Veggie-Medien in Rechtfertigungseifer jedes Zitat mit wissenschaftlichen Publikationen stützt (die jedoch meist eher pseudowissenschaftlich sind), verzichtet der andere gänzlich darauf. Meist, weil sich diese Aussagen nicht nachprüfen lassen. Statistiken dieser Blogs und Magazine müssen passen – wenn nicht, werden sie passend gemacht. Denn Zahlen obliegt der Zauber des Absoluten, sie sind unantastbare Wahrheiten. Bessere Zahlen sind die besseren Argumente, Diskussion abgeschlossen“, schreibt FAZ-Autor Julius Heinrichs.

So erfahre der Vegetarier nicht nur, dass Fleischesser den Regenwald zerstören und Afrika „kaputtmachen“, sondern auch, dass im Jahr 2011  432.074 Menschen an ernährungsbedingten Herz-Kreislauf-Erkrankungen starben; offenbar, weil sie keine Vegetarier waren. Eine weitere Aufsplittung zu Ursachen - wie etwa rauchen - fehlt. Und „vegan world“ erklärt, dass jeder Veganer im Jahr bis zu 95 Tiere im Vergleich zu einem Mischköstler rette.

Die Vegan-Homepage „7-gute-gruende.de“ behaupte sogar ohne Quellenangabe, für jeden Hamburger würden vier bis fünf Quadratmeter Regenwald in Acker- und Weideland verwandelt. Allein McDonald’s verkauft nach eigenen Angaben jährlich 2,4 Milliarden Burger, Burger King 1,7 Milliarden Whopper. Damit wäre der Regenwald schon jetzt eine einzige Fastfood-Farm, so Heinrichs weiter.

Den Vogel der Zusammenhanglosigkeit schießt laut dem FAZ-Bericht die Seite „erkenne-den-zusammenhang.de“ der Tierschutzorganisation Peta ab. Auch sie macht Fleischkonsum für den massiven Anstieg von Herzerkrankungen verantwortlich. Rotes Fleisch erhöhe das Herzinfarktrisiko einer Studie zufolge um 60 %. Was Peta nicht sagt: Diese Studie ist umstritten, der Ursache-Wirkungs-Zusammenhang nicht gewiss – und ein leicht erhöhtes Risiko gilt nur für Menschen mit einem sehr hohen täglichen Konsum roten Fleisches, was wahrscheinlich jedoch nicht am Fleisch, sondern an den Fleischzusatzstoffen liegt.

Noch ungeheurer seien die Thesen bezüglich Krebs. Auf der Seite sei graphisch zu sehen, dass sowohl der Fleischverzehr pro Person als auch die Zahl der Krebstoten bis 2030 in einem ähnlichen Verhältnis ansteigen. Dies sei insofern befremdlich, als der Fleischkonsum in Deutschland laut Datendienstleister Statista seit 2011 leicht zurückgeht – und also Fleischkonsum keinen direkten Einfluss auf die Zahl der Krebstoten ausübt.

Geschmacklos findet der FAZ-Autor schließlich einen Zähler, wieviele Kinder in den letzten Minuten an Hunger gestorben sind, während man den Artikel liest. Ihre Tode hätten angeblich verhindert werden können, wenn wir weniger Fleisch äßen, weil dann genug für alle da sei. Hier würden die Tatsachen ignoriert, dass es Weltmarkt und Machtinteressen gibt, dass kein Bauer gern Getreide verschenkt und zusätzlich Verpackung und Transport nach Afrika bezahlt, wo er denn auch die faire Verteilung selbst organisieren müsste, kontert  Heinrichs. Schon jetzt sei genug Wasser und Nahrung für alle da – trotzdem gebe es in vielen Regionen der Welt viel zu wenig davon.

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6 Leserkommentare Kommentieren

  1. von Peter Held · 1.
    Neureligionen

    Es ist mir seit längerem aufgefallen, dass sich gerade im Ernährungssektor vielerlei Ernährungsweltanschauungen tummeln mit deutlich religiösen Charakter. Da man sich innerhalb eines christlichen Kulturraumes nicht von dem Charakter einer Offenbarungsreligion zu trennen vermag, sind die auch sehr deutlich als Nachahmerreligion erkennbar. In den Offenbarungsreligionen erfährt man Glauben durch die Offenbarung, nur durch die Teilhabe an der Offenbarung kommt man zum Glauben. Wir formulieren das heute in der Beschreibung sektiererischen Offenbarungsgruppen als Zugehörige eines "Echoraumes" (das gilt m. E. auf für viele Internetchatrooms). Die Veganer z.B. entfalten in ihrer Ernährungstheologie eine beachtliches Repertoire von naturreligiösen bis hin zu schamanistischen Elementen, die weit in die archaischen Kulturen zurück reichen. Einzelne Naturelemente werden als belebt bezeichnet und andere als tot. In dieser Sektenreligion darf man nur Früchte und Körner von abgestorbenen Pflanzen essen. Der Apfel darf also nur gegessen werden wenn er zuvor freiwillig vom Baum herausgegeben wurde - also, in Normalsprache "Fallobst" ist. Man beachte auch mal die Angaben der Inhaltsstoffe in veganen Produkten oder der anderen Ernährungsneureligionen (Steinzeiternährung, auch in der Anthroposophie oder in den verschiedenen vegetarischen Schulen), ernährungswissenschaftlich ist vieles unbedenklich aber einiges schon (Fettgehalte und die erstaunlich unkritische Verwendung von synthetischen Zusatzstoffen, z.B.) und bei strikter Einhaltung des Ernährungsglaubens drohen Mangelernährungen, die in den einschlägigen Ernährungsberatungseinrichtungen auch schon aufgefallen sind. Nach meiner Beobachtung tritt die Ernährungsneureligion aber auch Antireligion auf. Hilal Szegin tritt als Predigerin wider den Fleischverzehr auf (vornehmlich in eigenen Publikationen oder in der TAZ), sie hat ein umfassendes System moralischer Bewertungen zur Tierhaltung, zum Verhältnis Tier - Mensch und natürlich zu Verzehrge- und -verboten entwickelt. Diese Glaubensgemeinde ist personell recht umfänglich, ihr gehören ganz unterschiedliche Leute an, wie auch der bekannte Fernsehphilosoph Precht. Diese Neureligion ist natürlich keine Kirche, verfügt also über keinen institutionalisierten Interpretationsrahmen hat ja aber natürlich großen Einfluss auf die Tierhaltungsdiskussion und wird bei den selbsternannten Tierschützern rezipiert. So viel in Kürze! Ich bin Nebenerwerbslandwirt und studierter Politik- und Religionswissenschaftler

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  2. von Karlheinz Gruber · 2.
    Meine Meinung ist Fakt

    also lasse ich nur die Tatsachen an mich ran, die mir passen. Gab´s schon immer, nur mit dem Unterschied, daß die Presse früher daraus einen Skandal machte, aber heute zwecks Auflagensteigerung munter mitmacht. Man sieht immer deutlicher, daß man mit solchen Leuten eigentlich keine vernünftige Diskussion mehr machen kann. Die sind gefangen in der eigenen Ideologie. Wie manche unserer Berufskollegen aber auch. Auch daß muß hier mal gesagt werden.

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  3. von jürg schluep · 3.
    tatsachen verdrehen

    wenn in der Landwirtschaft die Chemiekonzerne es mit der Wahrheit nicht so ganz genau nehmen hat Topagrar noch nie reklamiert . Warum ?

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  4. von Wilhelm Gebken · 4.
    Das nennt man "Echokammern"

    Veganer und Vegetarier erkennen nur das als "wahr" an, was ihren Glaubensvorstellungen entspricht. Fakten haben da keine Chance. Das sind übrigens alles Merkmale einer Religion.

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  5. von Anton Bieg · 5.

    Alle diese Studien sollten Orginalgetreu veröffentlicht werden. Mal sehen wieviel es wirklich gemachte Studien es überhaupt gibt , denn die Menschheit will verarscht werden.

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  6. von Bernhard Klein-Schmeink · 6.

    paßt zu diesen Menschen wer sich zu lange Vegan ernährt zerstört sein Gehirn

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