Wasser ohne Ende: Die Hochwasser-Zusammenfassung

Überflutete Felder und Höfe, zerstörte Wirtschaftsgebäude und vernichtete Ernten – viele Landwirte, vor allem im Süden, Osten und der Mitte Deutschlands, kämpfen noch mit den Folgen des Hochwassers.

Nach Schätzungen des Bundeslandwirtschaftsministeriums standen Anfang Juni rund 335 000 ha LN unter Wasser. Der Schaden soll bei mindestens 321 Mio. Euro liegen. Das erklärte Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner Anfang Juni. Inklusive der Gebäudeschäden und Verluste in der Tierhaltung könne der Gesamtschaden sogar 400 Mio. Euro übersteigen, so der Deutsche Bauernverband.

Nasser Mai

Besonders betroffen sind Bayern, Sachsen, Thüringen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Niedersachsen. Teilweise regnete es dort im Mai bis zu dreimal so viel wie im 30-jährigen Mittel. Hinzu kamen die gewaltigen Wassermassen, die Donau und Elbe samt ihrer Nebenflüsse aus Tschechien und Österreich zu uns brachten.

Insgesamt 18 000 Betriebe sind nach Schätzungen des Bauernverbandes vom Hochwasser und seinen Folgen betroffen. Am stärksten die, bei denen das Wasser bis in die Ställe, Güllekeller und Futtersilos gelaufen ist. Mindestens 800 Betriebe haben im wahrsten Sinne des Wortes „Land unter“ gemeldet. In Einzelfällen waren sogar dramatische Rettungsaktionen notwendig. Wie bei Johannes Hertema aus Wettin bei Halle. Sein Betrieb wurde von der Saale völlig eingeschlossen. 600 Kühe, Bullen und Kälber standen buchstäblich im Wasser. Erst nach drei Tagen konnten die Tiere wieder gefüttert werden.

Gemolken wurden die Kühe im Freien mit einer mit Notstrom betriebenen Kannenmelkanlage und per Hand. Feuerwehrleute hielten die Kühe beim Melken fest.

Überschwemmung Nicht Reis, sondern Rüben: Bereits nach wenigen Tagen unter Wasser sterben die empfindlichen Pflanzen ab.
„Wie die Tiere das alles verkraftet haben, kann ich nicht sagen. Die Euter hingen viel zu lange im Wasser, das erheblich mit Bakterien belastet ist“, sagte der Landwirt dem „heute journal“. Im Extremfall muss er einen Teil der Tiere schlachten lassen. Aber auch die Betriebe, die es rechtzeitig geschafft haben, ihre Tiere zu evakuieren, standen vor der Frage: Wohin mit den Tieren? Schließlich hat kein Nachbar freie Flächen und leere Ställe. Ohne Improvisation und Solidarität hätte es in vielen Fällen nicht funktioniert. Aber damit sind diese Betriebe noch lange nicht über den Berg. Die Ställe müssen wieder instand gesetzt und ggf. auch die Futtervorräte ersetzt werden.

Die starken Regenfälle und Überflutungen haben bislang vor allem Mais, Getreide, Rüben, Spargel und Erdbeeren geschädigt. Totalausfälle gibt es aber auch auf Grünland, da in den allermeisten Fällen der erste Schnitt noch nicht im Silo lag. Erfahrungen mit dem sogenannten Jahrhunderthochwasser im Jahr 2002 zeigen, dass es bei überschwemmten Wiesen bis zu fünf Jahre dauern kann, bis sie sich wieder vollständig erholen.

Dort, wo das Wasser abfließt, setzt sich eine Schicht aus Treibsand mit Steinen, Schutt und Schwemmgut fest. An eine Ernte ist auf den meisten betroffenen Flächen nicht mehr zu denken. Viele Pflanzen sind erstickt, nachdem sie tagelang unter Wasser gestanden haben. Zudem setzt vor allem bei Kulturen mit unterirdischen Ertragsorganen, wie Rüben und Kartoffeln, schnell Fäulnis ein.

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