„Wir haben es satt“ fordert tier-, umwelt- und klimagerechten Umbau der Landwirtschaft

Wir haben es satt Wir haben es satt-Demonstranten
Bild: Deter
Am Potsdamer Platz in Berlin demonstrierten am Samstag wieder zahlreiche Menschen für einen tier- und umweltgerechten Umbau der Landwirtschaft. Angeführt von rund 130 Traktoren drückten die Demonstranten unter dem Motto „Agrarkonzerne, Finger weg von unserem Essen!“ lautstark ihren Protest gegen die Industrialisie­rung der Landwirtschaft aus.
 
Bereits am Morgen hatten Bauern am Bundeslandwirtschaftsministerium neun Forderungen zur Bundestagswahl überreicht. Der Tenor des 9-Punkte-Plans: Die gravierenden Krisen in der Landwirtschaft erfordern nicht folgenloses Reden, sondern entschlossenes Handeln.
 
„Wir fordern ein Ende der Subventionen für die Agrarindustrie und den Stopp von Mega-Fusionen im Agrar­sektor. Stattdessen brauchen wir Anreize für Bauern, die Tiere besonders artgerecht halten und umwelt­schonend wirtschaften“, sagt Jochen Fritz, Sprecher des „Wir haben es satt!“-Bündnisses, dem mehr als 100 Organisationen aus Landwirtschaft, Imkerei, Natur-, Tier- und Verbraucherschutz, Entwicklungsorganisationen und dem Lebensmittelhandwerk angehören.
 
Fritz weiter: „Bundeslandwirtschaftsminister Schmidt muss endlich dafür sorgen, dass die bäuerlichen Betriebe vom gesellschaftlich gewollten Umbau hin zu einer ökologischeren, tierfreundlicheren Landwirtschaft profitieren. Herr Schmidt darf nicht noch mehr Zeit verlieren und muss Agrarpolitik für Bauern statt Agrarindustrie machen!“ Außerdem forderten die Demonstran­ten im Wahljahr unter anderem die konsequente Förderung von Bauernhöfen sowie die drastische Reduzie­rung von Pestiziden und Antibiotika.

Das Bündnis kritisiert, dass aufgrund fehlgeleiteter Agrarpolitik in den vergangenen zehn Jahren mehr als 100.000 Bauernhöfe aufgeben mussten. Außerdem belaste die deutsche Agrarpolitik, insbesondere durch übermäßige Fleischproduktion, die Umwelt und das Klima und zerstöre durch Dumpingexporte kleinbäuerliche Strukturen überall auf der Welt. Gleichzeitig formierten sich immer größere, global agierende Konzerne. In der Fusion der Chemiekonzerne Bayer und Monsanto sieht das Bündnis eine große Bedrohung, da künf­tig mehr als 60 Prozent des Saatgut- und Agrochemiemarktes von drei Mega-Konzernen beherrscht würden. Die Kartellbehörden müssten verhindern, dass bäuerliche Betriebe und Konsumenten von patentiertem Saatgut abhängig werden. Auf dem Traktor eines Brandenburger Bauers war zu lesen: „Bayer und Monsanto, bleibt uns vom Acker!“

An der Spitze des Demonstrationszuges liefen zahlreiche junge Bäuerinnen und Bauern, die einen Hof grün­den wollen. Ihnen fehlt aber vielfach der Zugang zu landwirtschaftlich nutzbarem Boden. Julia Rupp, 26-jährige Bäuerin aus Honhardt in Baden-Württemberg, sagte: „Als junge Generation wollen wir eine Zukunft auf dem Land, uns werden aber zu viele Steine in den Weg gelegt. Wir brauchen dringend ein Agrarstrukturgesetz, das Landkauf- und Pachtrechte bevorzugt an junge Bäuerinnen und Bauern gibt, nicht an Investo­ren. Wir müssen den Niedergang der bäuerlichen Landwirtschaft und des Lebensmittelhandwerks aufhalten, sonst kommt es zum Strukturbruch. Unsere Lebens- und Ernährungsgrundlage lassen wir uns nicht von Ag­rarkonzernen wegnehmen!“

Die Demonstration richtet sich laut den Organisatoren gegen die Agrarindustrie, nicht aber gegen konventionelle Landwirte.

Eine ausführliche Bilderstrecke von der Demo finden Sie hier...

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6 Leserkommentare Kommentieren

  1. von Erwin Schmidbauer · 1.
    Sind WHES und WMES wirklich so weit entfernt?

    Als mehr oder weniger unbeteiligter an beiden Demonstrationen sehe ich doch gewisse Parallelen in beiden Lagern, die gemeinsam genutzt werden könnten oder sollten, statt gegeneinander einzuprügeln. Beide sorgen sich um die Erhaltung der Landwirtschaft und der Tierhaltung in Deutschland, nur die Wege sind verschieden. Beide haben gewisse Ideologien und manchmal auch Verbohrtheiten. Kommunikation statt Konfrontation wäre der richtige weg. So lange die Menschen auf WHES nicht verstehen, dass man nicht einfach die Landwirtschaft umbauen kann, wenn der Absatz fehlt, ist es aber schwierig, mit Ihnen umzugehen. Genauso schwer ist es, wenn Landwirte bei WMES glauben, ihre Art der Produktion sei das allein seligmachende und alles andere sei Spinnerei. Ich befürchte nur, beide gegensätzlichen Lager werden sich kaum die Hand reichen können.

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  2. von Eckehard Niemann · 2.
    Unsachliche und falsche Behauptungen vermeiden...

    Nicht nur ich hätte es gut gefunden, wenn es zu gegenseitigen Redebeiträgen bei den Veranstaltungen "Wir haben Agrarindustrie satt!" einerseits und "Wir machen Euch satt" gekommen wäre (vielleicht im nächsten Jahr?). Ebenfalls hätten es die weitaus meisten Demo-Teilnehmer von "Wir haben Agrarindustrie satt!" sicher interessant und nützlich gefunden, wenn die Organisatoren von "Wir machen Euch satt" ein Flugblatt mit ihren Anliegen und mit ihrer Kritik an die Teilnehmer von "Wir haben Agrarindustrie satt!" verteilt hätten. Ganz im Sinne der Forderung nach "Dialog". ----- Umgekehrt war ein Vertreter auf der Bühne der Kundgebung "Wir machen Euch satt" weniger tolerant und dialogfähig. Er versuchte, das Verteilen eines AbL-Flugblatts, das sich - mit dem Ziel eines Dialogs und der Einigkeit aller Bauern - selbstkritisch und kritisch mit unnötigen Differenzen zwischen beiden Demos befasste, zu unterbinden und polemisch als "Spaltung" hinzustellen. ---- Schade eigentlich. ------ Sehr schade auch, dass das eigentlich oft recht sachliche westfälisch-lippische Wochenblatt weiter in diese Kerbe haut und das argumente-austauschende, dialog-fördernde und demokratische Flugblatt-Verteilen diffamiert und zudem fälschlicherweise behauptet, die Veranstaltung sei durch "Zwischenrufe gestört" worden. ---- Wir alle sollten darauf achten, dass wir nicht unnötigerweise und aus vordergründigen Verbandsinteressen heraus weitere Gräben aufreißen und vertiefen - gerade bei den (noch) parallelen Veranstaltungen. ----- Klare und durchaus auch scharfe gegenseitige Kritik ja - aber sachlich und nicht auf Kosten gemeinsamer bäuerlicher Interessen (u. a. gegenüber Agrarkonzernen, Schlacht- und Molkereikonzernen, Agrarindustrie oder pauschal-unsachlicher Polemik von Medien oder NGOs).... .

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  3. von Eckehard Niemann · 3.
    Meine Wünsche an kommende Demonstrationen

    Hallo, bei aller Freude über die tollen 130 Trecker und die lebendige Demonstration und die klare Absage gegen Agrarindustrie: Ich hätte mir gewünscht, dass viele Redebeiträge z.B. zu Tierhaltung oder Umwelt doch deutlich differenzierter und noch bauernnäher ausgefallen wären.

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  4. von Paul Maier · 4.
    Motto: Agrarkonzerne, Finger weg von unserem Essen!

    Betrachtet man einmal das umfangreiche Sortiment von Fertiggerichten in den Supermärkten, dann scheint es sehr viele Mitbürger zu geben, die sich täglich das Essen von fremden Fingern reichen lassen, anstatt selbst mit frischen Zutaten zu kochen.Übrigens kommen diese Fertiggerichte fast alle aus Großkonzernen. So gesehen sind wohl viele Demonstranten in Berlin unterwegs, die die Mühe des täglichen Kochens längst fremden Fingern übertragen haben und dadurch Zeit für die Teilnahme an der WHES Demonstration gewinnen.

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  5. von Rudolf Rößle · 5.
    Essen

    Wieder gesund und bewusst Essen, selbst zubereiten und in Ruhe mit der Familie genießen. Wer noch einen kleinen Garten hat,kann erahnen, was Landwirte Tag für Tag leisten müssen.

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  6. von Matthias Zahn · 6.
    Noch besser als eine Demo...

    ... die Abstimmung an der Ladentheke mit dem Geldbeutel! Immer schön BiO und Premium Label kaufen. Noch besser beim Bauern direkt am Hof. Dann kann man die Wirtschaftsweise die man will direkt fördern! Ich hoffe das machen alle die bei WHES mitlaufen....

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